Eine bundesweite CSU – Fluch oder Segen für die Politik in Deutschland?

Zu sehen: Horst Seehofer vor Hintergrundwand der CSU

Kompromisslos: Seehofer droht mit Ende der Unionsgemeinschaft.
(Foto: Michael Lucan / pixelio.de)

Mit der bevorstehenden Landtagswahl in Bayern rückt auch die Debatte zwischen Seehofers CSU und Angela Merkels CDU zum Thema „Obergrenze für Flüchtlinge“ wieder in den Vordergrund. CDU und CSU näherten sich in diesem Streit einem Punkt, der die bundesweite Politik von Grund auf verändert hätte. Seehofer hatte gedroht, die Unionsgemeinschaft der beiden Parteien zu kündigen. Dadurch wäre es möglicherweise zu einem Antritt der CSU gegen die CDU in den bundesweiten Wahlen gekommen. Wie das ausgesehen hätte und welche Vor- und Nachteile dabei entstanden wären? Wir schauen uns das mal genauer an.

Die Ausgangslage

Nach der Bundestagswahl im Jahr 2017, bei der die Union im Bund vergleichsweise schwach abgeschnitten hatte, folgte eine langwierige Regierungsbildung. Diese hat letztendlich zu einer neuen alten Koalition zwischen Union (CDU/CSU) und SPD geführt. Gemeinsam entscheiden die beiden Parteien nun erneut über die Politik im Land – was durchaus nicht immer einfach ist. Das zeigte sich auch beim Thema Flüchtlingskrise, als CSU-Parteichef Horst Seehofer seinen Masterplan vorstellen wollte. Seine Forderung nach einer Zurückweisung von Flüchtlingen an der deutschen Grenze stieß bei der CDU auf Widerstand. Darin enthalten war die Forderung, Flüchtlinge nicht mehr in Deutschland aufzunehmen, sofern sie bereits in einem anderen europäischen Land registriert worden waren. CDU-Chefin Angela Merkel lehnte diese Idee eines nationalen Alleingangs jedoch ab. Sie richtet den Blick auf eine europäische Lösung, die eine Zusammenarbeit mit anderen Ländern vorsieht. Nun hatte Seehofer offensichtlich Grund genug, daraus eine hitzige Grundsatzdiskussion zwischen den Unionsparteien zu starten. Diese sollte in der Aussage gipfeln, das Bündnis der Schwesterparteien aufzukündigen und sich selbst aus allen Ämtern zurückzuziehen. Drama pur. Doch angenommen, Seehofer und seine CSU wären so weit gegangen, das Bündnis zwischen CDU und CSU zu lösen: was würde passieren, wenn die CSU nicht länger allein in Bayern antreten würde, sondern bundesweit?

Das eigene Profil stärken

Eine bundesweite CSU – Fluch oder Segen für die Politik in Deutschland?

Bayern-Fahne: Tritt die CSU bald auch bundesweit in Wahlen an?
(Foto: Susanne Beeck / pixelio.de)

Dass die beiden Schwesterparteien CDU und CSU trotz ihrer Unionsgemeinschaft in manchen Themen unterschiedliche Meinungen vertreten, wurde besonders bei der Flüchtlingsthematik offensichtlich. So gesehen ist also eine Trennung von Christdemokraten und Christsozialen eine Chance, sich auf die jeweils eigene Haltung zu konzentrieren und diese nach außen hin zu vertreten. Das würde auch bedeuten, dass grundlegende und lang andauernde Diskussionen zwischen der CDU und der CSU wegfallen würden, da die beiden Parteien unabhängig voneinander agieren könnten und keinen Kompromiss schließen müssten. Der Regierungsalltag würde somit vermutlich erheblich vereinfacht. Die Freiheit, alleine über parteiinterne Forderungen entscheiden zu können bietet gleichzeitig die Möglichkeit, den Bürgern die eigenen Wahlversprechen klarer zu vermitteln und das eigene Profil zu definieren. Sprich, sich darum zu kümmern, für was die Partei steht und wie sie diese Vorhaben umzusetzen gedenkt. Die CSU könnte dadurch nicht nur die Nähe zu den Bürgern suchen, sondern auch verlorenes Vertrauen wiederaufbauen und stärker für die Belange ihrer Wähler eintreten.
Wer besorgt den stetig steigenden Wahlergebnissen der Alternative für Deutschland (AfD) entgegensieht, der kann mit einer bundesweiten CSU vielleicht beruhigter schlafen. Denn eine bundesweite CSU macht es durchaus möglich, dass die AfD Wählerstimmen an die Christlich-Soziale Union verliert, die in Bayern für einen deutlich härteren Kurs in der Politik bekannt ist (siehe Kruzifix-Urteil).

Gefahr der Instabilität?

Nachdem vor allem die Konkurrenz zwischen AfD und CSU einen gewichtigen Vorteil einer bundesweiten CSU darstellt, sollten wir dennoch die Gegenseite nicht außenvorlassen. Eine bundesweite CSU könnte nämlich durchaus zu einem Verlust der Stabilität im Bund führen.

Würden die CSU und die CDU im Bund gegeneinander antreten, so ist klar, dass sich die Wählerstimmen der beiden Parteien jeweils höchstwahrscheinlich auf circa 15-20% beschränken würden. Daraus folgt der Verlust eines wichtigen strategischen Vorteils. Denn nur in einer Unionsgemeinschaft vereinen CDU und CSU genügend Wählerstimmen auf sich, um die Regierung gestalten zu können und Koalitionspartner zu wählen. Ohne die Unionsgemeinschaft wird es nun auch anderen Parteien ermöglicht, die Wählerstimmen auf sich zu vereinen und die Regierungsbildung in die Hand zu nehmen. Vor allem in Bayern wäre die Konkurrenz zwischen der CDU und der CSU insofern spürbar, da das Alleinstellungsmerkmal der CSU verloren ginge. Das bedeutet, für die CSU wäre es nahezu unmöglich, eine absolute Mehrheit zu erlangen und stärkste Partei im Freistaat zu bleiben.

Der entscheidende Aspekt, der die Stabilität Deutschlands ins Wanken bringen könnte wäre allerdings ein anderer: bestünde die Unionsgemeinschaft nicht mehr, so würde auch die Regierungsbildung komplizierter. Da sich die Wählerstimmen für jede der Parteien vermutlich auf circa 15% festlegen würden, müsste eine Regierung aus mindestens drei, wenn nicht sogar aus vier Parteien bestehen. Nur so könnte die absolute Mehrheit im Parlament erreicht werden. Nicht nur würde dadurch die Bildung einer Mehrheit, sondern auch die Entscheidungsfindung im Bundestag erheblich erschwert. Eine Einigung in Streitfragen zu erzielen würde langwierige Debatten mit sich bringen und schnelle Lösungen verhindern. Und wie wir bereits bei der vergangenen Bundestagswahl sehen konnten, kann schon eine Regierungsbildung aus drei Parteien zum Scheitern verurteilt sein. Ganz zu schweigen von einer Regierung bestehend aus vier Parteien.

Ein Ende der Unionsgemeinschaft?

Die Vor- und Nachteile einer Kündigung des Bündnisvertrages zwischen den Unionsparteien scheint auch Horst Seehofer gründlich abgewogen zu haben. Denn letzten Endes hatte er sich für weitere Gespräche ausgesprochen und verdeutlicht, die CSU stehe für einen Kompromiss bereit.
Und wie steht ihr zu der Möglichkeit, die CSU bundesweit zu wählen? Schreibt es uns in den Kommentaren oder auf Facebook.

Bayerisch – bloß ein Dialekt?

Eigenständig: Nicht nur die Mentalität der Bayern, auch ihre Sprache steht für sich allein

Eigenständig: Nicht nur die Mentalität der Bayern, auch ihre Sprache steht für sich allein (Foto: Capri23auto/pixabay)

Mia ham’s scho oiwei gwusst, d’Leit in Bayern san wos ganz wos Bsunders, sogar der erna Sproch is ganz wos anders ois des Deitsche. Wer jetzt eigentlich nur Bahnhof verstanden hat, der kann beruhigt sein. Denn das Bayerische mag zwar ein Dialekt des Deutschen sein, ist aber von der Standardsprache so weit entfernt, dass einige Linguisten sogar behaupten, das Niederländische sei dem Hochdeutschen näher als es das Bayerische ist. Da verwundert es wohl wenig, wenn nur Bayern oder langjährig in Bayern Lebende den ersten Satz verstehen, der auf hochdeutsch so viel bedeutet wie: Wir haben es schon immer gewusst, die Leute in Bayern sind etwas ganz Besonderes, sogar ihre Sprache ist ganz anders als das Deutsche.

Unterschiede auf allen Ebenen

Das Bayerische ist deshalb so weit von der Standardsprache entfernt, weil es sich nicht nur im Wortschatz vom Deutschen abhebt. Auch lautlich und grammatikalisch gibt es zahlreiche Unterschiede. Die andersartige Phonetik ist dabei wohl einer der Hauptgründe, warum man einen Zuagroasten, also Nichtbayern, problemlos erkennt, auch wenn er noch so gut die bayerischen Vokabeln kennt. Genauso aber verrät sich ein Bayer, wenn er augenscheinlich perfektes Hochdeutsch produziert.

Vokale und bayerisches R

Zentrum des Oberbayerischen: Die Münchener Spielart des Bayerischen ist überregional bekannt

Zentrum des Oberbayerischen: Die Münchener Spielart des Bayerischen ist überregional bekannt (Foto: flyupmike/pixabay)

Ein charakteristisches Merkmal des Bayerischen – oder hier genauer des Münchnerisch-Oberbayerischen – sind dabei die relativ dunklen Vokale. Alle Selbstlaute werden vergleichsweise weit hinten im Mundraum, fast schon im Rachen produziert, was dem bayerischen Dialekt einen etwas barschen und missmutigen Ton verleihen kann. Deswegen klingt für das ungeübte Ohr ein bayerisches „A“ oft ähnlich wie ein verschlucktes hochdeutsches „O“. Dieser Effekt wird dadurch noch verstärkt, dass viele Bayern die Lippen fast gar nicht runden, sodass „A“ und „O“ tatsächlich fast gleich klingen können. Ein anderer Aspekt ist das „R“. Während im Standarddeutschen das „R“ eher hinten im Mund entsteht, wird das „R“ im Bayerischen mit der Zunge leicht gerollt, fast schon ein bisschen wie im Italienischen, wenn auch deutlich kürzer. Das sind aber nur zwei Beispiele für das eigenständige Lautsystem des Bayerischen, es gibt noch zahlreiche weitere Abweichungen.

Wörterbuch Bayerisch-Deutsch

Doch auch die perfekten Kenntnisse der Aussprache reichen bei Weitem nicht aus, um als waschechter Bayer durchzugehen. Denn trotz perfekter Vokale, gerolltem „R“ und allen phonetischen Feinheiten fällt man sofort als Nichtbayer auf, wenn man in der Bäckerei ein Brötchen verlangt. Dieses Wort existiert im Bayerischen überhaupt nicht. Im Süden Deutschlands nennt sich das kleine Brotgebäck schlicht Semmel. Das ist aber nur das prominenteste Beispiel für den eigenständigen Wortschatz. Wer ein echter Bayer sein will, muss natürlich auch wissen, was ein Glubbal oder ein Biafuizl sind. Genauso muss man wissen, was der Bayer meint, wenn er etwas ganz griabig macht. Neugierig? Die Auflösung folgt ganz zum Schluss.

Eigenständige Grammatikphänomene

Als ob das alles noch nicht genug wäre, muss der arme Bayerisch-Student auch noch kräftig Grammatik pauken. Denn auch hier gibt es gravierende Unterschiede zum Standarddeutschen. Eines der harmloseren Phänomene ist das, was Linguisten „doppeltes Perfekt“ nennen. Der Bayer kennt nämlich keine Sätze wie Ich hatte das schon gemacht. Stattdessen benutzt man in München und Umgebung einfach zweimal die Vergangenheit: I hob des scho gmacht ghabt, hochdeutsch in etwa Ich habe das schon gemacht gehabt. Wer jetzt schon den Kopf schüttelt, der sei gewarnt: Es geht noch schlimmer.

Doppelte Verneinung

Arbeitsintensiv: Wer fließend Bayerisch sprechen möchte, muss fleißig lernen

Arbeitsintensiv: Wer fließend Bayerisch sprechen möchte, muss fleißig lernen (Foto: MonikaP/pixabay)

So bleibt für den Bayern nein immer nein, egal wie oft er es sagt. Ein typischer Satz könnte zum Beispiel lauten Des interessiert koa oide Sau net. Auf Hochdeutsch würde daraus Das interessiert keine alte Sau nicht. Diese doppelte Verneinung sorgt in der Standardsprache für totale Verwirrung. Es ist schwierig zu interpretieren, was denn gemeint ist, ob nun ja oder vielleicht doch nein. Im Bayerischen ist die Sache ganz klar, einmal nein bleibt immer nein. Mit zusätzlichen negativen Wörtern wird die Verneinung nur verstärkt. Deshalb sollte man unseren Beispielsatz besser so übersetzen: Das interessiert absolut keine alte Sau.

Kommunikative Bayern

Bereits diese wenigen Beispiele zeigen, dass Bayerisch tatsächlich mehr als bloß eine deutsche Mundart ist. Genauso klar wird, warum viele Deutschlerner vor einem Aufenthalt in Bayern so großen Respekt haben. Doch trotz der vielen sprachlichen Stolperfallen, die das Bayerische bietet, muss keiner Angst haben. Erstens verstehen alle Bayern Hochdeutsch, auch wenn manche es selbst nicht produzieren können. Zweitens sind die meisten Bayern sehr kommunikativ und versuchen mit dem Gegenüber klarzukommen, zur Not mit Händen und Füßen. Und wenn der Gesprächspartner dann vielleicht noch ein paar Wörter auf Bayerisch kann, dann ist das Eis ohnehin gebrochen. Ein netter Anfang sind unsere drei vorhin erwähnten Beispielwörter Glubbal, Biafuizl und griabig. Die heißen nichts anderes als Wäscheklammer, Bierdeckel oder Bier-Untersetzer und gemütlich, entspannt. Alles klar, oder?

Wer jetzt auf den Geschmack gekommen ist und nicht das Glück hat, einen bayerischen Muttersprachler zur Hand zu haben, der kann unkompliziert auf http://www.bayrisch-lernen.de/ einen kleinen Einstieg wagen, auch wenn für die Aussprache ein echter Bayer als Lehrer wohl unentbehrlich bleibt.

Schon wieder Wiesn

Eindeutig: Bayern ist bekannt für seine auffälligen Traditionssymbole

Eindeutig: Bayern ist bekannt für seine auffälligen Traditionssymbole. (©Rainer Sturm/Pixelio.de)

Die Uhr tickt mal wieder. In nur wenigen Tagen fängt es an, das größte Volksfest der Welt, das Münchner Oktoberfest, in Bayern kurz die Wiesn. Alle sind schon ganz gespannt: Mit wie vielen Schlägen wird Dieter Reiter, der neue Oberbürgermeister Münchens, das erste Fass Bier anzapfen? Gibt es einen neuen Besucherrekord? Wird das Wetter gnädig sein?

Es ist wie vor Weihnachten, alles ist ganz aus dem Häuschen. Nur ich gehöre zu der seltenen Speziesderer, die sich nicht vom Volksfest-Fieber anstecken lassen. Ich gehe an der Wiesn vorbei, wie ein echter Münchner das Glockenspiel am Marienplatz nur beiläufig im Blickwinkel registriert – ist ja nichts Besonderes.

Die Wiesn, das heißt heutzutage vor allem ungeheure Menschenmassen. Selbst einem Menschenfreund wird der Trubel und das Gedränge auf der Theresienwiese einfach zu bunt. Um fünf Uhr vor dem Zelt Schlange stehen, nur damit ich um zehn Uhr noch einen Platz im Zelt bekomme? Oder gar ein Jahr im Voraus einen Platz reservieren? Nein danke, da verzichte ich lieber.

Sollte ich es tatsächlich schaffen, einen Platz im Zelt oder Biergarten zu erkämpfen, dann geht es ja erst richtig los. Eine Maß Bier kostet 2014 zum ersten Mal über zehn Euro. Wer meint, ein Wasser oder eine Cola seien billiger, weit gefehlt. Die ein, zwei Euro weniger, sind die mitleidigen Blicke auch nicht wert: „Das ist also der arme Chauffeur.“ Selbst das Essen ist maßlos überteuert. Ein halbes, ja ein halbes Hendl, das heißt halbe Brust, nur ein Flügel, ein Schenkel, kostet auch schon rund zehn Euro. Da bleibt einem die Hähnchenbrust im Halse stecken, egal wie saftig sie auch sein mag.

Überhaupt bedeutet das Oktoberfest heute nur noch, möglichst viele Besucher möglichst schrill und bunt zu bespaßen. Das, was der Wiesn-Gänger zu sehen bekommt, hat mit echter bayerischer Natur nicht mehr viel gemeinsam. Übergroße Hüte in Form von Bierkrügen, neueste Designer-Dirndl in quietschbunten Leucht-Farben oder wankende Bierleichen, die lallend „Viva Bavaria“ gröhlen. Leider ist das alles nur noch eine Karikatur der bayerischen Tradition. Echtes „Mia san mia“ und urig-kerniges Volkstum suchen wir auf der Wiesn vergebens.

Doch auch wenn ich die Theresienwiese fern meide, komme ich dem Trubel nicht aus. Wer schon einmal versucht hat, während der Wiesn in München mit den Öffentlichen zu fahren, weiß, wovon ich spreche. Wenn es durch die Innenstadt gehen soll, wird die sonst entspannte Fahrt zur reinsten Nervenprobe. Da hilft es auch nur wenig, dass die gesamte Belegschaft der Münchner Verkehrsbetriebe Urlaubssperre hat und Überstunden schiebt. Bus und Bahn sind überfüllt, überall Verspätungen, den Fahrplan kann der Pendler vergessen.

Gemütlich: Im Biergarten ist die Atmosphäre noch nartürlich gesellig

Gemütlich: Im Biergarten ist die Atmosphäre noch nartürlich gesellig. (©Olga Meier-Sander/Pixelio.de)

Klar ist es schön, dass so viele Menschen nach München kommen. Doch häufig ist der Grund nur noch einer: Möglichst viel Alkohol und möglichst wilde Party. Leider kommt es mir so vor, als ob die Theresienwiese immer mehr zum Ballermann verkommt. Daran ändert auch die „Oide Wiesn“ nichts, wo das Oktoberfest so nachgestellt wird, die es früher einmal war. Allein der Fakt, dass wir die Tradition spielen müssen, ist für mich traurig genug.

Ich bleibe der Münchner Wiesn lieber fern. Ja, ich bin ein Münchner, durch und durch. Doch das halte ich einfach nicht aus. Da lobe ich mir kleinere Feste wie das Dachauer Volksfest. Dort finde ich noch traditionelle Stimmung und das Bier kostet in etwa die Hälfte im Vergleich zur Wiesn-Maß. Dann schmeckt die Halbe gleich doppelt so gut.

Vorschau: Nächste Woche sind die Sommerferien wieder überall in Deutschland vorbei. Passend dazu wird Eva ihre Erfahrungen über Schulkinder und Lehrergatten mit uns teilen.

„Die CSU lebt als Volkspartei“ – Union mit absoluter Mehrheit im bayerischen Landtag

9,5 Millionen Wahlberechtigte in Bayern waren am vergangenen Sonntag dazu aufgerufen, einen neuen Landtag zu wählen. Nach einem kurzen Intermezzo in einer Koalitionsregierung mit den Freien Demokraten ist es dabei der CSU gelungen, die absolute Mehrheit im bayerischen Landtag wiederzuerlangen. Dem vorläufigen amtlichen Endergebnis zufolge, kommt sie auf einen Gesamtanteil von 47,7 Prozent der abgegebenen Stimmen. Der derzeitige Koalitionspartner FDP hingegen wird mit lediglich 3,3 Prozent nicht mehr im Landtag vertreten sein. Linke und Piraten scheiterten ebenfalls an der Fünf-Prozent-Hürde. Von den Oppositionsparteien, die den Einzug geschafft haben, konnte sich nur die SPD leicht verbessern. Freie Wähler und Grüne mussten Verluste hinnehmen.

Absolute Mehrheit der Sitze für die CSU: Das vorläufige Endergebnis der Landtagswahl in Bayern (Grafik: Borrmann)

Absolute Mehrheit der Sitze für die CSU: Das vorläufige Endergebnis der Landtagswahl in Bayern (Grafik: Borrmann)

Mit diesem Ergebnis kann die CSU zwar nicht an alte Spitzenwerte anknüpfen, übernimmt aber hiermit bereits zum 15. Mal seit Bestehen der Bundesrepublik die alleinige Regierungsverantwortung in Bayern. „Wir sind wieder da“, kommentierte der amtierende Ministerpräsident Bayerns und CSU-Vorsitzende Horst Seehofer den Wahlsieg seiner Partei.

 Von vielen Menschen war die bayerische Landtagswahl mit großer Spannung erwartet worden. Sie galt als ein politischer Stimmungstest für die Bundestagswahl am kommenden Sonntag. Doch von einem wegweisenden Ergebnis sprechen nach den ersten Hochrechnungen nur noch die wenigsten Parteien. „In Bayern ticken die Uhren anders“, sagte FDP-Chef Philipp Rösler über das Ergebnis seiner Partei nach der Wahl. Tatsächlich war es den Liberalen in den vergangenen 30 Jahren nur zweimal gelungen, in den bayerischen Landtag einzuziehen. So bemühte sich auch der Generalsekretär der FDP, Patrick Döring, in einem Interview mit der ARD darauf hinzuweisen, dass die Lage im Bund eine andere sei.

Entscheidung an der Urne: Die Bayernwahl als Stimmungstest für den Bund? (© Stephanie Bröge  / pixelio.de)

Entscheidung an der Urne: Die Bayernwahl als Stimmungstest für den Bund? (© Stephanie Bröge / pixelio.de)

 Auf eine Trendwende in der letzten Woche vor der Bundestagswahl werden auch die Grünen hoffen müssen, die bereits im Vorfeld der Bayernwahl mit deutlich sinkenden Umfragewerten zu kämpfen hatten. Die SPD wertet ihr Abschneiden bei dieser Wahl zwar als gutes Ergebnis, wird sich aber auf den leichten Stimmengewinnen durch den Spitzenkandidaten Christian Ude nicht ausruhen können. SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück gibt sich nach den ersten Hochrechnungen entsprechend kämpferisch: „Wir wissen, dass die SPD bei einer Bundestagswahl immer noch mal deutlich besser abschneidet als bei einer Landtagswahl in Bayern.“

 Über den Aussagegehalt der Wahlergebnisse für die kommende Bundestagswahl konnten am späten Sonntagabend Spitzenpolitiker der fünf großen Parteien auch in der ARD-Talkrunde bei Günther Jauch diskutieren. Hierbei wies der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel ebenfalls darauf hin, die Aussagekraft einer Landtagswahl für den Bund nicht überzubewerten. Landesspezifische Themen und Eigenheiten der Parteien und Kandidaten spielten oft eine größere Rolle als bundespolitische Tendenzen. Trotzdem warb Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr im Verlauf des Gesprächs für eine Zweitstimmenkampagne der Union für die FDP. Um seiner schwächelnden Partei kommenden Sonntag über die Fünf-Prozent-Hürde zu helfen, hatte Bundesaußenminister Guido Westerwelle eine entsprechende Absprache zwischen CDU und FDP in seinem Wahlkreis bereits in der vergangenen Woche angekündigt. Die ebenfalls in der ARD-Sendung anwesende Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen widersprach einer Empfehlung der CDU zur Zweitstimmenabgabe für die FDP aber erneut deutlich.

 Ein – für bayerische Verhältnisse – wenig überraschendes Ergebnis einer Landtagswahl verspricht somit die letzte Woche vor der Bundestagswahl noch einmal spannend werden zu lassen. Wem es gelingt, in dieser Endphase erneut alle verbliebenen Kräfte zu mobilisieren, wird sich am Sonntag, 22. September, zeigen.

Wertheim Village – Ein gallisches Konsumdorf

Als wäre der Sommerschlussverkauf per se nicht alle Jahre wieder Grund zum Jubeln – dem Shopping-Tempel Wertheim Village gelingt da gewissermaßen ein Rabatt-Coup. Satte sechzig Prozent im ganzjährigen SALE! Ein Versprechen, das sich selbst in Kreisen professioneller Wühltischplünderer sehen lassen kann. Eine Adresse für Schnäppchenjäger soll das ominöse Dorf, in dem es statt Tante-Emma-Lädchen und Biobauer laut Webpräsenz über 110 Luxusläden zu finden gibt, neben den namhaften Outletcentern Metzing und Zweibrücken in jedem Falle sein. Meinem Freund und mir kam diese fast schon provokante Offerte, auf die das Wertheim Village dank Sommerschlussverkauf noch zehn weitere Prozent packt, gerade recht, schließlich ist er auf der Suche nach einem preisgünstigen Anzug und ich nach einer Alternative zum ernüchternden Online-Shopping. Die einzige Erwartung, die ich an das rund 50 Autominuten von Frankfurt am Main gelegene Einkaufsdorf stelle, ist die, dort auf annehmbare Outfits zu angenehmen Preisen zu stoßen – idealerweise sollten diese, anders als schon nach kürzester Zeit im Internet, auch in Standardgrößen verfügbar sein und nicht bloß als Restposten für Magermodels und Moppelchen herhalten.

Da die unfreundliche Navigationsgerätstimme im Auto uns zunächst nicht ins Outlet-Mekka, sondern lediglich nach Original-Wertheim fehllotst, vermuten wir dort, an der bayerischen Grenze, zunächst das vermeintliche Konsumparadies. Übel wäre das durchaus nicht, immerhin liegt Wertheim direkt am Wasser und steht jeder niedlichen, kopfsteingepflasterten deutschen Altstadt in Nichts nach. Nur wenig später erreichen wir allerdings endlich DAS Wertheim Village – offenbar ist Dorf hier nicht gleich Dorf – das aufgrund seines pompösen, mit Weintrauben-Logo geschmückten „Ortsschilds“ sogar unser untaugliches Navi kaum verfehlen kann. Gigantisch ist nicht nur die Einfahrt: Auch die Fahrgestelle der vermögenden oder zumindest um jeden Preis nach außen hin vermögend wirken wollenden Konsumenten scheinen auf dem Parkplatz miteinander wetteifern zu wollen. Harder, better, faster, stronger muss wohl das offizielle Motto der Karosserien und vor allem ihrer Besitzer lauten. Die Vermutung bestätigt sich beim Eintritt in diese schöne neue Welt, die für mich amerikanischer nicht sein könnte. Wie in einem stilisierten Disneyland – ohne Fahrgeschäfte, aber dafür mit ganz viel Mode – reihen sich die Warenhäuser aneinander. Eines bietet mehr Auswahl als das andere, man übertrumpft einander in Preis, Aufmachung und Lautstärke der aus den Lautsprechern dröhnenden Pop-Musik. Labels von Rang und Namen geben sich hier die Klinke in die Hand: Vom Trendsetter Nike über Dauerbrenner Hugo Boss bis hin zum Spezialisten wie etwa Seidensticker ist alles vorhanden, was das textilaffine Herz begehrt.

Geldbeutel

Boss und Co.: Markenwahnsinnige sind im Wertheim Village gut aufgehoben. (Foto: T.Gartner)

Schnell kommt Urlaubsfeeling bei demjenigen auf, der eine Weile durch das schier makellose Dorf flaniert ist. Die Straßen sind in den Augen eines Städters und wahrscheinlich selbst für Landeier unnatürlich sauber und mit Restaurants gespickt, deren Speisen und Getränke sich – und das überrascht nur wenig – in ähnlichen Preiskategorien bewegen wie die angebotene Bekleidung. Man muss es ganz deutlich sagen: Outlet-Center ist eben nicht gleich Discounter. Unter den rund 110 Boutiquen wird man H&M oder Zara vergeblich suchen. Entsprechend begegnet man im Wertheim Village auch nur echten Shopping-Touristen, sprich all jenen, die einen ganzen Tag lang dem Konsum fröhnen und sich selbst als gewöhnliche Mittelständische zumindest für kurze Zeit als etwas Besseres fühlen möchten. Immerhin ist hier der Kunde noch tatsächlich König.
Allerdings bedeutet dies noch lange kein königliches SALE-Angebot. Die besten Sachen waren längst vergriffen oder nur noch in Mini-oder und Übergrößen zu bekommen und auch den nahezu perfekt sitzenden Anzug hat mein Freund nicht auf Anhieb gefunden. Vielleicht haben Asterix und Obelix ja im nächsten Sommer mehr Erfolg –ob im Internet oder in einem der anderen gallischen Outlet-Dörfer, in denen man bundesweit Kurzurlaub machen kann.

Vorschau:  In der nächsten Woche geht es um den ältesten Kopfschmuck der Welt – den guten alten Hut.

Hoteltest, Teil 2: Hotel Seeblick am Starnberger See, Deutschland

Manche verbringen ihren Urlaub gerne im Schnee bei klirrender Kälte, andere bevorzugen tropische Temperaturen, Strand und Meer – aber alle Urlauber haben eines gemeinsam: Sie wollen in ihrem Hotel gut aufgehoben sein. Unsere Face2Face-Hoteltester sind für euch auf der ganzen Welt unterwegs und informieren euch ausführlich, welche Hotels top und welche flop sind.  Heute: Das Hotel Seeblick am Starnberger See.

Äußeres Erscheinungsbild
Von außen wirkt das Hotel wie ein stattlicher Gasthof, ähnlich dem weltbekannten Hotel Kaiserin Elisabeth, das nur ein paar Kilometer seeaufwärts zu finden ist. Auf den Innenhof sind die meisten der mit Balkon ausgestatten Zimmer gerichtet; somit lässt sich von dort schon einmal ein erster Blick auf den Pool innerhalb des Hauses werfen.

Lage
Das Hotel liegt in Bernried am Starnberger See, nahe dem Buchheimmuseum. Zwei Orte seeaufwärts, befindet sich Tutzingen die äußerste S-Bahnstation von München. Etwa 80km südlich von Bernried erhebt sich die Zugspitze, sowie 60km südwestlich die Schlösser Neuschwanstein und Hohenschwangau.

Zimmer
Die Doppelzimmer des Hotels Seeblick entsprechen dem Standard: Neben einem Doppelbett, einem Fernseher, einem Safe und zwei Sesseln, ist nicht mehr zu erwarten. Dusche, Klo und Waschbecken befinden sich in einem Nebenraum. Das besondere Extra der Dusche: Die Temperatur lässt sich auf das Grad genau einstellen. Das Design der Hotelzimmer offenbart keine großen modischen Verspieltheiten. Die Zimmer sind jedoch sehr sauber und die Handtücher werden täglich gewechselt.

Service
Das Personal ist überaus freundlich, zuvorkommend und hilfsbereit – von den Rezeptionisten, über die Kellner bis hin zu den Zimmermädchen!

Hoteltest, Teil 2: Hotel Seeblick am Starnberger See, Deutschland

Von außen schon ein stattliches Gasthaus: Das Hotel Seeblick (Foto: Lütjohann)

Gastronomie
Das Frühstücksbuffet ist vielfältig: Obst, Gemüse, Wurst, Käse, verschiedene Marmeladen, einige Müslisorten, Rührei, Speck, Brötchen, Kuchen und vieles mehr. Allerdings ist mit einem großen Andrang am Buffet, besonders an Wochenenden in der Hauptsaison, zu rechnen.
Das Restaurant des Hotels  ist täglich bis zehn Uhr abends geöffnet.

Sauberkeit/Hygiene
Das gesamte Hotel ist sehr sauber: Im Frühstücksraum wird benutztes Geschirr direkt weggeräumt und die Zimmer werden bereits am Morgen gereinigt.

Sport und Unterhaltung
Im Hotel Seeblick laden die hauseigene Sauna, der Swimmingpool, der Fitnessraum sowie ausleihbare E-Bikes zur sportlichen Betätigung rund um den Starnberger See, sowie im Hotel selbst ein. Ebenfalls vorhanden sind ein Tischfußballspiel, ein Billardtisch und ein Solarium, das allerdings extra bezahlt werden muss (6 Euro).

Preis-Leistungs-Verhältnis
Das Hotel Seeblick darf im Moment drei Sterne sein Eigen nennen, was aufgrund der Zimmer und Bewirtung angemessen erscheint. Der Preis beträgt in der Hauptsaison 90 Euro pro Nacht für ein Doppelzimmer inklusive Frühstücksbuffet.

Ergebnis
Alles in allem ist das Hotel als zufriedenstellend zu bewerten und ist besonders wegen der vielfältigen Freizeitmöglichkeiten rund um den Starnberger See als  guter Ausgangspunkt zu empfehlen. Als einzige Abzugspunkte sind eine fehlende Minibar in allen Standard-Zimmern sowie die willkürliche Vergabe von Zimmern mit Balkonen und ohne zu werten. Deshalb wird das Hotel Seeblick in Bernried von der Face2Face-Reiseredaktion mit 9 von 10 Punkten bewertet.

Vorschau: Am Dienstag, 9. Oktober folgt ein weiterer Teil der Mentalitätencheckserie. Dieses Mal über Ägypten. Außerdem endet heute um Mitternacht das Gewinnspiel der Face2Face Reiseredaktion. Der/die Gewinner/In wird umgehend benachrichtigt.

 

Mia san mia oder san ma des wirklich?

Mia san mia oder san ma des wirklich?

Uriges Markenzeichen: Der typisch bayerische Gamsbart (© PIXELIO/Rainer Sturm)

„Wir Bayern sind für Deutschland das, was die Indianer für die USA sind“ – dieses Zitat der bayerischen Schauspielerin und Kabarettistin Marianne Sägebrecht mag zwar politisch nicht einwandfrei sein, es zeigt dennoch anschaulich, wer die Bayern in Deutschland eigentlich sind. Der Bayer als Ureinwohner, der durch seine eigentümlichen Bräuche und Traditionen auffällt, in einer unverständlichen Sprache kommuniziert und einige dieser Spezies tragen auch noch wilden Federschmuck auf dem Kopf, den berühmten Gamsbart.

Doch damit noch nicht genug! Fragt man einen „Preußen“, was typisch bayerisch ist, so bekommt man jedes Mal ähnliche Antworten. Bier, Weißwurst und Sauerkraut sind offensichtlich die bajuwarischen „Stammeszeichen“, die ein jeder kennt. Und tatsächlich scheint es so: Alle Welt glaubt, dass der gemeine Bayer seinen kompletten Alltag in Dirndl oder Lederhose zubringt, abends, wenn er nach Hause kommt, die Bayernfahne hisst, vor einem König Ludwig-Bild salutiert und schuhplattelnd ein Fass Starkbier ansticht, während im Ofenrohr eine knusprige Schweinshaxn brutzelt. Verkommt die bayerische Kultur zu einem Mosaik aus tausenden von Klischees und Stereotypen?

Aber meistens verbirgt sich hinter einem Klischee auch ein Fünkchen Wahrheit und letzten Endes muss jeder von uns Bayern zugeben, dass wir selbst schuld an diesem Bild des Bayernlandes sind. Es ist nun mal so, dass wir unsere Kultur so gut vermarkten, dass alle ein klar definiertes Bild von der Marke „Bayern“ vor Augen haben, so wie jeder bei dem Wort „Ferrari“ sofort an einen italienischen, leuchtend roten Edel-Sportwagen denkt. Dass das weiß-blaue Markenimage nicht immer so imponierend, manchmal eher lächerlich wirkt, ist wieder eine andere Geschichte. Wenn man sich nur mal anschaut, wie aggressiv das Bild des typischen Bayern auf der Münchner Wies’n beworben wird – mit kompletter Festtracht inklusive Haferlschuhen, mit Bier in Strömen, tausenden von Hendln und Lebkuchen-Herzen, auf denen der Spruch „Hob di liab“ prangt – dann darf es uns auch nicht wundern, wenn dieser übersteigerte Eindruck gleich als allgemeines Bayern-Bild die große Runde macht.

Mei, schade ist halt, dass dabei die meisten vergessen, dass Bayern eben nicht nur schrille „Wies’n-Gaudi“ bedeutet, sondern auch Qualität, was das bayerische Reinheitsgebot von 1516 beispielhaft beweist. Diese Urform des Lebensmittelschutzes regelte, dass Bier nur aus Wasser, Malz und Hopfen bestehen darf. Es ist heute noch deutschlandweit gültig, allein die Hefe ergänzt das Reinheitsgebot. Dass Bayern auch ein wirtschaftlicher Musterknabe mit der geringsten Arbeitslosenquote in ganz Deutschland ist, sehen leider die wenigsten. Genauso wie die Tatsache, dass der bayerische Bildungsstandard zu den höchsten in Deutschland gehört – das bayerische Abitur gilt immerhin als eines der hochwertigsten und schwierigsten auf Bundesebene. Aber hier fängt auch schon die bayerische Isolation an. So weltoffen und gastfreundlich er ist, so eingebildet und arrogant kann er auch sein, der Bayer. Sogar eine eigene Partei, die „CSU“, braucht die bayerische Nation im Bundestag, auch wenn sich alle von Franken bis ins Allgäu einig sind, dass in Berlin viel unwichtigere Dinge als im Münchner Landtag verhandelt werden. So braucht sich der Bayer dann nicht zu wundern, wenn er als Hinterwäldler und Eigenbrötler dasteht, dessen Karikatur nur allzu oft im Bier versinkt.

Mia san mia oder san ma des wirklich?

Gesellig: Der Biergarten ist öffentlicher Treffpunkt in Bayern (© PIXELIO/Olga Meier-Sander)

Vielleicht sollten wir Bayern unseren weiß-blauen Stolz ein wenig einschränken, damit die „Preußen“ auch unser wahres Gesicht erkennen können. Aber wie schaut es denn aus, das echt bayerische Leben? Ich als geborener Münchner, der seine Stadt wirklich liebt – das gebe ich zu – würde den klassischen Bayern so beschreiben: Er mag von weitem befremdlich und abstoßend wirken, doch in seinem Innersten ist er tatsächlich so ähnlich wie auf dem Oktoberfest, nämlich fröhlich, offen und gesellig. In einem Biergarten ist immer Platz, egal wer und wie viele da kommen mögen, dann „ruck ma hoit zam“. Auch ruhig und gelassen kommt der Bayer daher, insbesondere München verkörpert wie keine andere deutsche Stadt „la dolce vita“. Wer die Landeshauptstadt einmal während eines sonnigen Sommertages erlebt hat und sich abends in ein Straßencafé begibt, der versteht sofort, warum München als nördlichste Stadt Italiens gilt. Doch das geht schon wieder in Richtung Klischee und von denen haben wir heute bereits mehr als genug angesprochen.

Vorschau: Nächste Woche wird es bei Eva richtig Sommer, denn dann dreht sich bei ihr alles um Eis