Stephanie Neigel – Sängerin mit viel Gefühl

Am 5. November war die Singer/Songwriterin Stephanie Neigel für ein Konzert zu Gast in der Fabrik in Frankfurt-Sachsenhausen. Volker Engelberth am Piano, Alex Merzkirch am Bass, Thomas Sauerborn an den Drums und Philipp Brämswig an der Gitarre begleiteten die sympathische Sängerin bei ihrem über 90-minütigen Konzert auf der Bühne des gemütlichen Gewölbekellers. Die Zuhörer durften sich über eine Mischung aus Jazz und Pop freuen. Höhepunkt des Abends war die gefühlvolle Ballade „The Book“. Über diesen Song und über ihren ganz persönlichen Musikgeschmack haben wir mit der 29-Jährigen gesprochen.

Voll in ihrem Element: Stephanie Neigel bei ihrem Konzert in der Fabrik in Frankfurt-Sachsenhausen (Foto: S. Holitzner)

Voll in ihrem Element: Stephanie Neigel bei ihrem Konzert in der Fabrik in Frankfurt-Sachsenhausen (Foto: S. Holitzner)

Face2Face: Wie fandest du dein Konzert in Frankfurt?

Stephanie: Sehr schön. Wir hatten viel Spaß. Es war ein sehr nettes Publikum hier. Alle haben super mitgesungen und mitgeklatscht. Das erwartet man überhaupt nicht direkt. Da freut man sich immer, wenn das passiert, denn das ist keine Selbstverständlichkeit.

Face2Face: Wie kamst du überhaupt zur Musik?

Stephanie: Ich glaube eher, dass die Musik zu mir kam. Meine Mama hat mir erzählt, dass ich als Baby nur eingeschlafen bin, wenn sie mir vorgesungen hat. Ich habe von Anfang an schon so eine große Affinität für Stimme und Klang gehabt. Wenn ich dann später auf Konzerten war, war das für mich einfach das Größte. Das war wirklich so eine beeindruckende Welt, Musik zu hören, die mir gefällt, und nachzusingen. Die Musik war einfach schon immer da.

Face2Face: Was zeichnet dein aktuelles Album „Capture Time“ aus?

Stephanie: Es klingt sehr akustisch, sehr bandsoundmäßig. Es sind alles echte Instrumente, die gespielt wurden. Wenn ich mir das Album manchmal anhöre, dann habe ich immer noch ziemlich viel Spaß. Dann sehe ich immer noch die groovende Band und freue mich einfach über gute, im Moment gemachte Musik. Die meisten Songs sind im letzten Jahr entstanden. Konkret daran gearbeitet haben wir ein Jahr.

Face2Face: „The Book“ ist eine sehr berührende Ballade. Worum geht’s und wie ist der Song entstanden?

Stephanie: „The Book“ ist an einem Tag entstanden, als ich auf einer Wiese saß und im Sonnenschein in den Himmel geguckt habe. Es war ein warmer, schöner Sommer. Ich saß da zwar alleine, aber ich habe mich gefragt, wie ist das mit dem Leben? Ist vielleicht einfach alles schon vorbestimmt oder ist alles komplett frei und wir sind wie Teilchen, die ganz zufällig aneinanderstoßen und wieder woanders hingestoßen werden wie Billardkugeln. Oder ist im Prinzip schon alles geschrieben und ich kann mir nur wünschen, dass ich mit gewissen Menschen noch lange in dieser Story verbunden sein werde? Ich habe mich gefragt, ob ich überhaupt die letzte Seite aufschlagen würde, wenn ich wissen könnte, was noch alles kommt. Das waren meine Gedanken und die habe ich dann aufgeschrieben. Ich hatte auch schon eine Melodie und Akkorde im Kopf.

Sympathische Sängerin: Stephanie Neigel (Foto: S. Holitzner)

Sympathische Sängerin: Stephanie Neigel (Foto: S. Holitzner)

Face2Face: Was inspiriert dich im Allgemeinen zu deinen Songs?

Stephanie: Das kann ein Moment auf der Wiese sein, wo ich mich kurz frage, was hat das Leben mit mir gemacht, dass ich jetzt hier sitze. Es kann aber auch die schlaflose Nacht sein. Es können sehr persönliche Momente oder allgemeine Fragen sein, ganz banale Dinge. Ich plane das nicht. Das kommt mir einfach in den Kopf und wenn ein Thema stark genug in meinem Kopf ist, dann will es auch raus als Songtext.

Face2Face: Was hörst du selbst am liebsten für Musik?

Stephanie: Neulich hatte ich eine Amy Winehouse-Phase und habe eine Woche lang alles ausgecheckt, weil ich sie so beeindruckend fand und weil ich ganz viele Hintergrundinfos durch den Film, der jetzt gerade im Kino gelaufen ist, kennengelernt habe. Manchmal gibt es aber auch Phasen, da höre ich ganz alte Jazzladies. Auch höre ich John Mayer oder mal wieder was ganz Aktuelles, was vielleicht ein bisschen elektronisch ist. Immer wieder höre ich Joni Mitchell. Sie ist für mich eine sehr inspirierende Frau.

Face2Face: Hast du schon Pläne für 2016?

Stephanie: Nächstes Jahr im Frühling geht es weiter mit Konzerten durch ganz Deutschland. Vorher stehen noch ein paar Kooperationen an. Ich spiele mal wieder zusammen mit dem Jazzmusiker Daniel Stelter und dem Gitarristen und Sänger Kosho. Mit dem Frauen-a-capella-Quartett Les Brünettes bin ich auch immer viel unterwegs. Und dann bin ich jetzt so langsam am Planen, wie das nächste Album klingen kann. Ich bin schon ein bisschen am Schreiben.

Mehr Infos gibt es auf der Homepage oder der Facebookseite von Stephanie Neigel.

Vorschau: Nächsten Samstag gibt es einen Artikel zu Red Bull Flying Bach zu lesen.

Von Pazifikinseln, Weltuntergang, mangelnder Mainstreamkonformität und Selbstfindung – Ein Interview mit der Band Traversay

Im Jahre 2010 gründeten der Pianist Niklas Blumenthaler (21), Sänger und Gitarrist Simon Lindner (22) und Schlagzeuger Johannes Lindner (21), die Band Traversay. 2013 veröffentlichten sie ihre erste EP, mit dem pragmatischen Namen #EP. Seitdem spielten sie zahlreiche Gigs in der Metropolenregion Rhein-Neckar und haben sich mit ihrem Wechsel aus harten Gitarrenriffs und melodischen Klavierpassagen mittlerweile eine passable Fangemeinde aufgebaut. In ein spezifisches Genre lässt sich die Band nur schwer einordnen, jedoch kommt die Bezeichnung Progressive Rock der Musik noch am nähesten.Face2Face sprach mit zwei der drei Bandmitglieder über ihre Bandgeschichte und nahe Zukunft.

Face2Face: Traversay ist nicht nur der Name eurer Band, sondern auch die Bezeichnung für eine Inselgruppe im Südpazifik. Aus welchem Grund habt ihr diese unbewohnten Inseln für eure Namensgebung herangezogen?

Das Cover der ersten CD der Band Traversay: #EP (Foto: Traversay)

Das Cover der ersten CD der Band Traversay: #EP (Foto: Traversay)

Simon: Wie es so häufig vorkommt, haben wir zuerst unsere Band gegründet und uns dann auf Namenssuche gemacht. Wir hatten 40 oder 50 Namensvorschläge, die aber alle nicht unseren Vorstellungen entsprachen. In einer Bar beim Blick auf die Weltkarte haben wir dann entschieden, dass unsere Band jetzt Traversay heißt. Diese unbewohnten Inseln erschienen uns ideal, denn sie werden mit nichts anderem verbunden, als dass sie jetzt auch noch Namensgeber für unsere Band sind.

 Face2Face: Womit verbringt ihr eure Zeit, wenn ihr nicht gerade auf der Bühne steht oder an neuen Songs tüftelt?

Niklas: Ich studiere Lehramt an Gymnasien für die Fächer Mathe und Politik an der Universität Mannheim. Simon studiert Medizin und Johannes Realschullehramt für die Fächer Mathe, Physik und Musik. Nimmt man Studium und Musik zusammen, dann bleibt eigentlich nicht mehr viel Zeit für andere Dinge. Natürlich haben wir dennoch vielseitige Interessen, wie Sport treiben, Freunde treffen und was man eben so macht, dem gehen wir natürlich auch nach. Unser großes gemeinsames Hobby ist aber tatsächlich die Musik.

Face2Face: Die Gründe der Zusammenkunft von vielen Bands reichen über zufällige Begegnungen bis hin zu langen Sandkastenfreundschaften. Dass Johannes und Simon verwandt sind, kann man ja zumindest erahnen. Wie genau habt ihr drei nun zueinandergefunden?

Verkörpern die Band Traversay: Niklas Blumenthaler, Johannes Lindner und Simon Lindner (von links nach rechts) (Foto: Traversay)

Verkörpern die Band Traversay: Niklas Blumenthaler, Johannes Lindner und Simon Lindner (von links nach rechts) (Foto: Traversay)

Simon: Meine Freundin ist Niklas‘ Krabbelgruppenfreundin, irgendwann hat sie Niklas mal ins Schwimmbad mitgenommen und wir haben uns auf Anhieb gut verstanden. Umso mehr hat es uns gefreut zu merken, dass wir die gleiche Musik hören und idealerweise auch noch verschiedene Instrumente spielen.

Face2Face: Schon 2011, nur knapp zwei Jahre nach eurer Gründung, habt ihr den 1. Platz beim Newcomer-Festival des Café Central in Weinheim belegt und seitdem auch viele Gigs gespielt. Bei welchen Leuten kommt eure Musik an?

Niklas: Es ist auffallend, dass eher männliche als weibliche Personen auf unsere Musik stehen. Dadurch, dass wir etwas anspruchsvollere Musik machen, sprechen wir auch Leute an, die nicht die typischen Radiohörer sind. Traversay lässt sich wohl eher abseits des Mainstreams ansiedeln, weshalb diese Art von Musik vielleicht keine Massen anspricht.

Face2Face: Eure Songs erinnern mitunter an Radiohead und Muse. Welche Künstler haben euch beeinflusst oder inspiriert?

Simon: Gerade am Anfang hatten wir tatsächlich eine Phase, in der wir exzessiv Muse und Radiohead gehört haben, was wohl auch Einfluss in unsere Musik gefunden hat. Mittlerweile haben sich die Einflüsse erweitert, Muse und Radiohead nahmen aber in der Anfangszeit auf jeden Fall eine vorrangige Stellung ein. Inzwischen sind wir freier von direkten Einflüssen, ganz lassen sich diese wohl aber nie vermeiden.

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Über den Dächern Mannheims: Die Band Traversay (Foto: ChrisArtography)

Niklas: Dazu muss noch gesagt werden, dass es keine Band gibt, der wir nachgeeifert haben und uns gedacht haben „wir wollen so wie sie sein“. Zwar wäre es wohl einfacher sich eine Band als Ideal zu nehmen, aber wir haben schon immer versucht, unseren eigenen Stil zu finden. Mittlerweile ist uns das auch ganz gut gelungen.

Face2Face: Hört man sich beispielsweise den Track „Omega“ an, kann man sagen, dass eure Musik doch sehr sphärisch ist. Wie finden Musik und Lyrics bei euch zueinander?

Niklas: Wir versuchen, viele Dinge thematisch umzusetzen. Der Song Omega mit seinen Chören soll eine gewisse Endzeit und Weltuntergangsstimmung rüberbringen. Bei dem Lied Redeption dachte ich persönlich an den arabischen Frühling, aber das kommt bei jedem vielleicht anders rüber.

Bei den Lied Mirror 7 haben wir uns mathematisch mit der Zahl sieben auseinandergesetzt. Das Lied ist in sieben Teile aufgeteilt, besteht aus 7 Takten und das ganze Stück ist im 7/8 Takt geschrieben. Außerdem lässt sich das Stück inhaltlich in der Mitte spiegeln, zum Beispiel sind Anfang und Ende gleich. Das sind ein paar Spielereien, die uns wirklich Spaß gemacht haben.

Simon: Der Fokus liegt bei uns auf jeden Fall auf der Musik und nicht auf den Texten. Wir machen die Musik, um der Musik willen und nichts anderes. Wir wollen kein autobiographisches Material in unsere Texte mit einbringen. Vielmehr interessieren uns gesellschaftsrelevante aber auch abstrakte Themen, unter denen sich jeder etwas Eigenes vorstellen kann.

Face2Face: Schaut man sich eure Besetzung an, so seid ihr mit drei Mitgliedern und mit Gitarre, Schlagzeug und Keyboard doch spärlich besetzt. Viele Musikergeister scheiden sich in dieser Hinsicht, aber vermisst ihr manchmal einen Bassisten unter euren Reihen?

Im Rampenlicht: Traversay bei ihrer EP-Release im Peer23 in Mannheim (Foto: ChrisArtography)

Im Rampenlicht: Traversay bei ihrer EP-Release im Peer23 in Mannheim (Foto: ChrisArtography)

Niklas: Wir hatten schon zwei Anläufe, in denen wir einen Bassisten für uns gewinnen wollten, bisher hat es aber menschlich einfach nicht gepasst. Wir wollen jemanden finden, der sich perfekt in unser Team einspielt, und lassen uns dafür auch Zeit. Nachdem wir so lange Zeit ohne Bass unterwegs waren, ist es zudem schwer, sich aus diesem eingespielten Team herauszubewegen.

Face2Face: Was sind eure Pläne für die Zukunft? Gebt uns doch einen kurzen Ausblick!

Niklas: Im Herbst haben wir vor, eine neue Single und ein dazugehöriges Video rausbringen. Wir wollen uns neu erfinden, vielleicht mit einem komplett neuen Auftreten, sowohl medial als auch unser Bühnenauftritt. Wir gehen sogar so weit, dass wir unseren Bandnamen infrage stellen.

Simon: Kurz und knapp kann man sagen: Wir sind im Begriff, alles zu hinterfragen: Unsere Besetzung, unseren Auftritt und unseren Namen. Wir wollen unser Songwriting als Grundlage für diesen Prozess nehmen und von dem ausgehend Veränderungen durchführen. Erstmal sind jetzt keine neuen Konzerte geplant. Wir wollen uns auf eine Sache konzentrieren, das heißt, im Moment liegt der Fokus auf dem Songwriting. Erst danach können weitere Schritte eingeleitet werden.

Wem dieser Artikel nun Lust auf mehr gemacht hat, kann sich auf Bandcamp einige Lieder von Traversay aufhören. Hier geht es außerdem zur Facebook-Seite der Band.

Aber dem nicht genug. Ihr habt bis zum 03.05. die einmalige Möglichkeit, eines von 2 Traversay-Paketen zu gewinnen. Dieses enthält nicht nur die EP der Band, sondern auch ein Poster mit Unterschriften aller Bandmitglieder. Schreibt dazu eine Email mit eurem Namen und warum ihr das Paket gerne gewinnen würdet an nadine.schwalb(at)face2face-magazin.de.

Die Hommage an einen Schauspieler – Laut Kinski

Die Hommage an einen Schauspieler – Laut Kinski

Beim Nachtwandel sammelten sie Herzen ein: Laut Kinski überzeugt alle (Foto: Roman Glinka)

Ihre Wurzeln liegen in Ladenburg – gar nicht so weit weg von ihrer neuen Heimat Mannheim. Seit einigen Jahren machen sie zusammen Musik und haben sich nun endlich als Einheit formiert. Die Band, von der wir sprechen, nennt sich Laut Kinski.

Kennengelernt haben sich die sympathischen Männer Paul Brenndörfer (Gesang), Oliver Kotzan (Gitarre), Sascha Barembuch (Bass), Nils Keitzscheck (Schlagzeug), David Lörch (Keyboard), Lucas Lörch (Saxophon) und Armin Rothe (Trompete) in der Schule und durch zufällige Begegnungen auf einer Party. Sie beschließen gemeinsam Musik zu machen, Musik die sich von damals bis heute weiterentwickelt hat. Nun sind sie soweit und bringen ihr Debutalbum Casino am Ende der Welt heraus.

Back to the roots

Ihre musikalischen Anfänge liegen mehr als eindeutig beim Ska. Dabei ist es nicht geblieben, denn nach der Zusammenkunft mit Sänger Paul hat sich der Stil grundsätzlich geändert. Brenndörfer kommt aus der Drum n Bass Szene. Als MC unterwegs, hat er seine Einflüsse in die Band gebracht und ausgebaut. Doch herrscht zu Beginn ein überschaubares Durcheinander was die Stile und die Sprachen angeht. Gesungen wird zu Beginn auf Englisch, Deutsch, Spanisch und noch ein paar Sprachen mehr, doch sieht die Band ein, dass es zu verwirrend wird und so entscheiden sie sich gemeinsam für die deutsche Sprache. Die Musik wird klarer und deutlicher und es entsteht etwas Großes.

Musik

Das Album Casino am Ende der Welt entsteht über einen längeren Zeitraum in Eigenregie. Dabei steht eines schnell fest: Es gibt keine musikalischen Grenzen. Als Hommage an Klaus Kinski (Anm. d. Red.: Klaus Kinski war ein deutscher Schauspieler), hat sich der Bandname im Laufe der Zeit zu Laut Kinski entwickelt. Das Album ist ein Konzeptalbum, ein Filmalbum oder wenn man es ganz einfach halten möchte: ein richtig gutes Album. Um die Liebe zum Film nicht untergehen zu lassen, baut man Original-Filmtöne in die Platte mit ein und entwickelt eine visuelle Darstellung zur Musik. Ein Thema, das sich wie ein roter Faden durch die Musik zieht und doch die einzelnen Songs nicht daran hindert für sich selbst zu stehen.

Selbstständig

Mit der Selbstständigkeit hat die Band nicht lange gewartet. Es entsteht nicht nur das neue Album, sondern auch der Wille selbstständig zu werden. So holen sie sich das nötige Wissen beim Clustermanagement Mannheim, kaufen sich das Material und nehmen das Album im selbst zusammengestellten Studio auf. Somit kommt auch der nächste Schritt ein Label zu gründen. Im Interview erwähnt Brenndörfer: „Wir wollten die Kontrolle über alles haben, über den Vertrieb, die Aufnahme und die gesamte restliche Arbeit, so kam schnell die Entscheidung, wir machen das am besten selbst.“ Mit der anstehenden Release-Party am Donnerstag, 20. Dezember, im Atlantis Kino gehen sie den wichtigsten und größten Schritt ihrer noch jungen Karriere ein und erobern langsam aber sicher und mit einem verstohlenen Lächeln die Welt.

Vorschau: Kommende Woche gehen wir der Frage nach, ob man Musikjournalismus wirklich noch braucht?

Dubstep – Ein Trend verbreitet sich über die Grenzen der Rhein-Neckar-Region hinaus

Was für die Generation, die vor 1991 geboren wurden, in der Jugend Punk, Metal und Rock´n´Roll war, ist für die Jugend, die ab 1992 geboren wurde, Dubstep. Man hört es überall, es gibt mittlerweile Radiosender im Internet, die sich nur dieser einen Musikrichtung widmen und sogar T-Shirts mit der Aufschrift „Sex,Drugs and Dubstep“. Selbst auf den Festivals hört man statt der 90er Jahre Trashpop Songs, verstärkt Dubstep von den jüngeren Besuchern. Wo haben der Stil und der Trend ihren Ursprung und wo kann man sich der Musik voll und ganz hingeben ? Dieser Frage ist die Face2Face Musikredaktion auf den Grund gegangen.

Dubstep hat seine Wurzeln in South London und hat sich aus den Musikstilen „Grime“ und „2Step“ herausgebildet . 2001 begann die Erfolgsgeschichte der neuen Musikrichtung mithilfe der fähigen Hände des „UK Garage Dj´s El-B“. Die Bezeichnung Dubstep kommt aus dem Club Forward, der nach einem passenden Namen für eine neue Musikrichtung suchte. Dubstep ist eher minimalstisch angehaucht, viele sagen auch Dubstep wäre langsameres und basslastigeres Drum`n´Bass. Doch spielt das Genre nicht nur mit Reggae- und Drum`n´Bass-Elementen, sondern auch mit Techno- und Rave-Musik, sowie Minimal-Techno.

In der Online-Enzyklopädie „Wikipedia“ ist Folgendes zu lesen: „Der bekannte Dubstep-Pionier „Kode9“ antwortete auf die Frage, was Dubstep auszeichnet, mit „Bass and space“ und wird damit inzwischen oft zitiert. Space bezieht sich hier vor allem auf das Arrangement und den extremen Minimalismus.

Der Produzent „Kode9“ geht, laut Wikipedia, davon aus, dass sein Track von lauten und bassgewaltigen Lautsprechern in einem Club wiedergegeben wird und berücksichtigt dies auch bei der Produktion. „Dubstep ist Musik von und für Clubgänger und DJs und wird nur in kleinen Auflagen für diese Zielgruppe gepresst. Die neuesten Tracks finden ihre Verbreitung und Bekanntheit durch die DJs, die schon lange vor der Veröffentlichung von den befreundeten Produzenten mit neuem Material versorgt werden. Es werden sehr tiefe Bässe verwendet, die teilweise außerhalb des hörbaren Bereichs liegen. Somit wird auch die physische Wirkung der Basswiedergabe als bewusst eingesetzter Teil der Musik angesehen.“

Seit 2010 werden auch die kommerziellen Medien, sowie die Restbevölkerung, die sich nicht unbedingt mit Dubstep auseinander setzt, darauf aufmerksam und einige bekannte Erfolge lassen sich verbuchen.Die Gruppe „Magnetic Man“ erreichte mit der ersten Single „Need Air“ den Einstieg in die Top ten. „Chase&Status“, eine Band aus England, erreichen mit ihrer Single „Blind Faith“ Platz fünf der UK Charts, das Album der Gruppe erreichte sogar Platz zwei. Der Dubstep-Produzent „Rusko“ arbeitet unter anderem mit „Britney Spears“ und „Rihanna“ zusammen. Im Juli 2011 erreicht „Dj Fresh´s“ Single „Louder feat Sian Evans“ die Spitze der Charts. Und auch Talente wie der berühmte Dj „Skrillex“, das DJ-Duo „Flux Pavillon“ und „Son of Kick“ konnten sich durchsetzen und touren um die Welt. Das wachsende Interesse in der Musikgemeinschaft der Rhein-Neckar-Region kann man zunehmend beobachten. Die Dubstep-Partys werden mehr und die Fangemeinde wird größer.
Die Orte, an denen man seinen Durst nach lauten „Wobble“-Partys stillen kann, sind in unmittelbarer Nähe. Jeden ersten Freitag im Monat gibt es im „Karlstorbahnhof“ die Partyreihe „Tiefdruck“, die nach Angaben der Organisatoren und Besucher, sehr beliebt und belebt ist. Auch die „Halle02“ in Heidelberg hat sich dem angeschlossen und veranstaltet in regelmäßigen Abständen entsprechende Partys. In Mannheim gibt es im Abstand von ein paar Monaten die Reihe „Dubstairs“ in „Das Zimmer Mannheim“. Hier sind auch schon Größen wie „Son of Kick“ aufgetreten. Die Pionierarbeit im Bereich Dubstep-Partys und -Konzerte leisten zur Zeit die fleißigen Männer des ehemaligen „Rocker33“, die mit ihrer Partyreihe „Stuttgart KaputtDUBBEN“ Dupstep-Stars wie den Künstler „Doctor P“ , „Flux Pavillon“ und viele andere Musiker nach Stuttgart holen. Alles in allem ist zu sagen, dass der Dubstep-Trend noch am Anfang steht – und es ist noch kein Ende in Sicht.

Gewinnspiel:

Um euch davon zu überzeugen, verlosen wir von der Musikredaktion 3×2 Gästelistenplätze für die bevorstehende „Dubstairs“-Party im „Das Zimmer Mannheim“ am 28. Januar. Wer mitmachen möchte, schreibt eine Email an jean-claude.jenowein@face2face-magazin.de bis zum kommenden Donnerstag, den 26. Januar um 23:59 Uhr. Die Gewinner werden per Mail informiert. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen, Mitarbeiter von Face2Face dürfen nicht teilnehmen.

Vorschau: Nächste Woche könnt ihr ein Interview mit der deutschen Popsensation „Kraftklub“ lesen und zu gewinnen gibt es auch noch etwas.

„Unsere Band steht für absolute musikalische Freiheit“ – Interview mit „Emil Bulls“

"Unsere Band steht für absolute musikalische Freiheit" - Interview mit "Emil Bulls"

Live: "Emil Bulls" im "Substage" in Karlsruhe(Foto: Güngör)

Emil Bulls – manch einer würde sagen, sie machen Metal in den verschiedensten Formen, doch sie selbst sagen, dass sie sich nicht in Schubladen stecken. Face2Face hat den Bassist der Band Jamie Richardson während ihrer „Oceanic“-Tour in Karlsruhe im Musikclub „Substage“ getroffen und sich Antworten zu einigen wichtigen Fragen geholt.

Face2Face:Wie habt ihr als Band zusammengefunden?
Richardson
: Als Band zusammengefunden haben wir uns über die Schule, also ganz klassisch als Schülerband. Ich war mit Gitarrist Moik zusammen auf einer Schule und da haben wir irgendwann einen kleinen Jam mit unseren ersten Drummer gespielt und der meinte dann „Ja, hey ich spiele in ner Band und wir suchen noch jemanden und so“ und dann sind wir zu denen in den Proberaum gereist und haben die erste Bandprobe abgehalten und im Grunde genommen haben wir nie darüber geredet, sondern waren dann einfach eine Band.

Face2Face: Wie würdet ihr eure musikalische Entwicklung von damals bis heute beschreiben? Was hat sich verändert?
Richardson
: Als wir angefangen haben, wussten wir nicht genau in welche Richtung das geht. Wir haben alle Musikstile ausprobiert und ich würde sagen, dass unsere Musik schon ein Stück härter geworden ist. Unsere Band steht für absolute musikalische Freiheit und wir stecken uns in keine Schubladen sondern machen Musik frei aus dem bauch heraus, so wie sie aus uns raus fließt.

Face2Face: Ihr habt gerade euer neues Album „Oceanic“ herausgebracht – wie sah die Arbeit an den Aufnahmen aus?
Richardson
: Die Arbeit an „Oceanic“ hat so angefangen, dass wir uns erst entscheiden mussten eine neue Platte zu machen, denn zuerst wollten wir alle ein wenig ausspannen, sind aber dann ganz schnell zu dem Entschluss gekommen eine neue Platte zu machen. Man muss eben bedenken, dass wenn man gerade von einer längeren Tour zurück kommt, man etwas ausgebrannt ist, aber das hat sich ziemlich schnell geändert. Wir haben uns ein Haus gemietet, haben uns zwei Wochen eingesperrt und dann ist es mehr oder weniger von alleine geflossen.

"Unsere Band steht für absolute musikalische Freiheit" - Interview mit "Emil Bulls"

Sorgen für völlige Eskallation bei den Fans: "Emil Bulls" (Foto: Güngör)

Face2Face: Wie ist es für euch live zu spielen?
Richardson
: Auf der Bühne live zu spielen ist für uns genau das Ding warum wir Musik machen. Wir haben über ein Jahr an dem Album gearbeitet und jetzt auf Tour können wir so ein bisschen die Lorbeeren ernten. Sehen zu können das die Leute unsere Musik abfeiern, dass sie unsere Song auswendig mitsingen können und sich für und mit uns freuen, dieses Gefühl ist einfach unbezahlbar.

Face2Face: ich komme dann auch direkt zur letzten Frage – was sind eure Wünsche und Ziele für 2012?
Richardson
: Unsere Wünsche und Ziele für 2012 sind erstmal der zweite Teil unserer „Oceanic-Tour“ darauf freuen wir uns sehr, dann kommen natürlich einige neue Städte die es bei der ersten Tour nicht geschafft haben. Nach der Tour ist vor der Tour, was bedeutet es kommen einige Festivals dazu und dann mal schauen, was noch so auf uns zu kommt.

Vorschau: Nächste Wochen seht ihr hier ein Interview mit „Culcha Candela“