War for talents – oder doch nicht?

Freut sich über die Abgabe ihrer Bachelor-Arbeit - und wir freuen uns über die spannenden Ergebnisse: Alice Schweitzer (Foto: privat)

Freut sich über die Abgabe ihrer Bachelor-Arbeit – und wir freuen uns über die spannenden Ergebnisse: Alice Schweitzer (Foto: privat)

Sie sind gut ausgebildet und hochqualifiziert: Hochschulabsolventen. Ein regelrechter „war for talents“ (zu Deutsch: Kampf um Talente) ist um die Studenten der Generation Y entbrannt – so zumindest die Theorie. In ihrer Bachelor-Arbeit geht Alice Schweitzer den wirklich brennenden Fragen auf den Grund: Absolventen welcher Fächer werden zurzeit gesucht? Und liegt die größte Herausforderung von Hochschulabsolventen tatsächlich darin sich zwischen unzähligen, tollen Jobangeboten entscheiden zu müssen?

Face2Face: Wie sehen denn die Chancen für Hochschulabsolventen auf dem deutschen Arbeitsmarkt aus?
Alice: Aufgrund des demografischen Wandels stehen die Chancen für Hochschulabsolventen derzeit sehr gut. Es gibt mehr alte als junge Menschen. Vor allem  qualifizierte, junge Menschen werden deshalb händeringend gesucht.

Face2Face: In deiner Arbeit ist sogar von einem „war for talents“ die Rede. Spürst du als Hochschulabsolventin oder deine ehemaligen Kommilitonen etwas davon?
Alice: Leider nein. Das liegt wahrscheinlich an unserem Studiengang Medien- und Kommunikationsmanagement. Wirtschaftliche Studiengänge sind sehr beliebt. Hier gibt es viele qualifizierte Absolventen, daher ist die Nachfrage in diesem Bereich größtenteils gedeckt. Bei technischen Studiengängen sieht es da schon anders aus.

Face2Face: Absolventen welcher Fächer werden denn zurzeit besonders gesucht?
Alice: Absolventen in den MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) werden dringend gesucht. Grund dafür ist unter anderem eine Rezession um 1993/94. Zu dieser Zeit fiel die Nachfrage nach Ingenieuren und es kam zu Einstellungsstopps. Daher wählten damals viele Hochschüler andere Fächer. Jetzt fehlen genau diese qualifizierten Fachkräfte. Die Auswirkungen spürt die Wirtschaft heute noch.

Face2Face: Für deine Arbeit hast du auch eine Umfrage unter Hochschulabsolventen durchgeführt und sie gefragt, was sie sich von ihrem zukünftigen Arbeitgeber wünschen. Was haben sie geantwortet?
Alice: Sie wünschen sich vor allem ein gutes Betriebsklima, einen sicheren Arbeitsplatz und Weiterbildungsmöglichkeiten. Selbstverständlich spielt auch eine gute Bezahlung eine Rolle.

Face2Face: Gibt es deiner Recherche nach Unternehmen, die sich große Mühe geben, den Anforderungen der Hochschulabsolventen gerecht zu werden? Stichwort: Employer Branding.
Alice: Ja, vor allem große Unternehmen wie Daimler, Bosch und Co. haben Ressourcen, um gutes Employer Branding zu betreiben. Kleiner Unternehmen liegen hier etwas zurück, da sie meist nicht die finanziellen Mittel haben, um die Unternehmenskultur nach außen tragen zu können.

Face2Face: Nun bist du ja selbst Hochschulabsolventin. Worauf legst du bei deinem zukünftigen Arbeitgeber besonders wert?
Alice: Als Vertreter der Generation Y lege ich vor allem Wert darauf, dass Privatleben und Beruf miteinander vereinbar sind. Flexible Arbeitszeiten finde ich besonders wichtig. Ein Beruf muss zudem Spaß machen und ein gewisses Maß an Verantwortung darf nicht fehlen.

Jetzt seid ihr dran, liebe Leser! Wie seht ihr das? Was ist euch bei der Berufswahl besonders wichtig?

Studieren heute: Angst, Stress, Burnout?

Studieren heute: Angst, Stress, Burnout?

Studieren im Bachelor beziehungsweise Master: Ute Müller, Laura Ehlenberger, Florian Guldan (Foto: g.gradeneker), Tobias Helling und Kira Gantner (Foto: Das Atelier Mainz) (von links) (übrige Fotos: privat)

Vereinheitlichung der Strukturen der Hochschulbildung in Europa – klingt erst einmal nicht schlecht. Aber was halten Studierende verschiedener Hochschulen und Fachrichtungen ganz konkret vom Bachelor-Master-System? Face2Face hat drei Bachelor- und einen Masterstudenten befragt:

Studieren heute: Angst, Stress, Burnout?

Soll Theorie und Praxis vereinen: Das Bachelor-Master-System (© Gerd Altmann/Carlsberg1988 / pixelio.de)

 „Viele Menschen haben mir gesagt, dass die Studienzeit die schönste Zeit in ihrem Leben war und sie nie mehr so viel frei hatten. Na danke, jetzt hab ich den Salat, denn in meinem Studium sieht die Welt ein bisschen anders aus“, erzählt Ute Müller. Die 21-Jährige studiert zurzeit im vierten Semester Integrative Sozialwissenschaft an der Technischen Universität Kaiserslautern. Für Hobbys oder andere „normale“ und spaßige Dinge fehle ihr oftmals die Zeit, berichtet Müller, ihr Studium beschäftige sie fast rund um die Uhr. Das Bachelor- Master-System habe das Studentenleben ihres Erachtens stark erschwert. Bei ihrem Studiengang könne sie eine Klausur nur zwei Mal wiederholen, danach sei ein Härtefall-Antrag fällig oder das Studium ist sofort beendet. „Die Angst bei einer Klausur zu versagen ist dadurch enorm hoch und wird meines Erachtens zu einer ständigen Belastung“, weiß Müller. Auch die verkürzte Studienzeit sorge neben dem Leistungsdruck für zusätzlichen Zeitdruck – „bei einigen meiner Kommilitonen hat sich der Stress schon negativ auf die Gesundheit ausgewirkt und das kann nun wirklich nicht sein.“
Dennoch liebe sie ihr Studium trotz des ganzen Stresses sehr, so die 21-Jährige. „Es ist das Drumherum, was mein Studium so lohnenswert macht: Die Freunde, die Erfolgserlebnisse, die liebevolle Unterstützung vom Partner oder der Familie, die Möglichkeit das Beste aus sich herauszuholen und seine Zukunft selbst zu gestalten“, fügt sie an.

 Auch Laura Ehlenberger kennt die Beschwerden über den hohen Druck, der durch das Bachelorsystem auf den Studierenden lastet. Die 21-Jährige studiert im fünften Semester Publizistik an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz und weiß zu berichten, dass das heutige Studieren von vielen als „verschult“ wahrgenommen wird. „Die Veranstaltungen sind vorgegeben, sprich, bei der Legung des Stundenplans gibt es keine großen Freiräume“, erzählt sie, „zudem zählen schon zu Beginn des Studiums die einzelnen Noten. Dadurch wird von den Studenten in den Semestern mehr Leistung gefordert.“ Das erinnere viele ein wenig an das Schulsystem in der Oberstufe, so die Bachelor-Studentin, und sei mit dem früheren Studentenleben nicht vergleichbar. Weiterhin kritisiert sie: „Das Studium ist hauptsächlich theoretisch angelegt, was durchaus interessant und eine gute Grundlage ist. Bei den Studieninhalten fehlt mir jedoch ein wenig der Bezug zu realen Arbeitswelt.“
Sie glaube, dass der Bachelor für mehr Leistungsdruck innerhalb des Studiums sorgt. Ein völlig unbeschwertes Studentenleben sei demnach aus ihrer Sicht nicht möglich. Trotzdem ist sie sich sicher: „Wenn man sich die Arbeit und das Lernen aufteilt, ist es machbar, immer noch genügend Freiraum für sich selbst zu haben.“

Studieren heute: Angst, Stress, Burnout?

Massen an Büchern: Graue Realität für Studenten? (Foto: T. Gartner)

 „Von der Schule, wo man noch mehr Unterstützung von Lehrern erhält, zum Studium, wo man ganz auf sich allein gestellt ist, war es eine große Umstellung“, findet Florian Guldan (23). Obwohl er sich am Anfang unschlüssig war, entschied er sich nach der direkten Zusage der Fachhochschule Mainz für ein International Business-Studium. Inzwischen ist er im fünften Semester und mit diversen Exkursionen und einem Praxissemester erfüllt sein Studiengang ganz seine Erwartungen auf die optimale Vorbereitung auf das Berufsleben. Doch auch er sieht Probleme im Bachelor-Master-System: „Es hat das Studium definitiv anstrengender gemacht, da jetzt erst richtiger Leistungsdruck aufkommt.“ Als das Diplom System noch aktiv war, hätten die Studierenden seines Wissens nach je nach Studiengang zum Teil unbefristete Versuche zum Bestehen einer Prüfung gehabt. Beim Bachelor-Master-System habe man drei Versuche – „man setzt sich viel mehr unter Druck, vor allem unter zeitlichen Druck, was sich negativ auf das Lernverhalten auswirkt.“ Auch wenn der 23-Jährige teilweise von 8:15 bis 20:15 Uhr Vorlesungen hat, berichtet er, dass am Anfang des Semesters immer noch „alles recht entspannt“ zugehe. „Je näher jedoch die Prüfungen rücken, desto stressiger wird es“, weiß er, „oft liegt es auch am falschen Timing der Klausurvorbereitung.“ Richtig stressig würde es, wenn Klausuren aus dem letzten Semester wiederholt werden müssen und sich Vorlesungen der beiden Semester überschneiden. Nach Abschluss seines „eher trockenen Studiums“ freut sich Guldan ein weiteres, etwas kreativeres Studium zu beginnen.

Kreativ ist auch Kira Gantner in ihrem Masterstudium. Die 24-Jährige studiert im zweiten Semester Journalismus an der Johannes Gutenberg Universität Mainz. „Ich habe schon als Kind sehr gerne geschrieben, daher war für mich schnell klar, dass ich Journalistin werden will und das geht eben nur über ein Studium“, erzählt sie, „außerdem ist das Studium natürlich eine sehr aufregende Zeit. Diese Erfahrung wollte ich nicht verpassen.“ Dennoch empfinde sie den Leistungsdruck als sehr hoch. „In unserem Studiengang wurden aus über 200 Bewerbern 20 ausgewählt, die alle sehr gut sind“, berichtet die junge Frau, „es kann einen verrückt machen, wenn man das Gefühl bekommt, nicht gut genug zu sein.“ Auch von einigen Kommilitonen habe sie gehört, dass diese gestresst oder einfach unsicher seien, was von ihnen erwartet werde. „Ich habe mir das Studium weniger verschult vorgestellt“, so die Masterstudentin. In andere Fächer hinein zu schnuppern sei neben dem vollen Stundenplan schwierig – „das ist schade!“ Allerdings sieht Gantner auch Vorteile im Bachelor-Master-System: „Es ist einfacher seine Veranstaltungen zu wählen und seinen Stundenplan zu füllen, da im Prinzip das meiste vorgegeben wird.“

 Dass Studieren trotz Bachelor-Master-System Spaß machen kann, findet Tobias Helling. Der 26-Jährige hat seinen Bachelor bereits hinter sich und studiert zurzeit im zweiten Semester Umweltwissenschaften mit Schwerpunkt Biomaterials and Bioenergy auf Master an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. „Der Workload ist ok, Stress gibt es nur bei unorganisierten Gruppenarbeiten“, erzählt er, „und wenn es Spaß macht, ist der Stress eh einfach zu ertragen!“ Da es der erste Jahrgang des Studiengangs ist, laufe es manchmal noch etwas chaotisch ab. Von den anderen höre man oft Beschwerden, vor allem von den Studierenden mit anderen Schwerpunkten, weiß Helling zu berichten. Von den Inhalten habe sich seines Wissens nach mit der Umstellung auf Bachelor und Master nichts geändert. „Was aber etwas cooler ist, ist dass man mit dem Bachelor mehr Wahlmöglichkeiten bezüglich der Studienrichtung hat als mit dem Vordiplom“, findet er.

Vorschau: Nächste Woche erwartet euch im Panorama Teil 2 der Geschwister erzählen-Serie.

 

Preview: März 2013

Der Skandal-Bestseller „Shades of Grey“ soll verfilmt werden – Grund genug für eine Face2Face-Mitarbeiterin sich einmal in die Trilogie einzulesen und diese aus literaturwissenschaftlicher Sicht zu beurteilen. Außerdem beschäftigte sich die Redaktion im Februar unter anderem mit den Prüfungsanforderungen für Bachelor und mit dem Testen verschiedener Beautybox-Angebote.

Was euch im März auf Face2Face erwartet, lest ihr hier: Die Musik-Redaktion sprach mit dem deutschen Singer-Songwriter Michael Schulte. Wie gehen dunkelhäutige Schauspieler mit der Klischeehaftigkeit ihrer Rollenbesetzungen um – diese Frage versucht die FilmKunstKultur-Redaktion zu beantworten.

Mit Änderungen im Reglement und einer Aussicht auf die neue Formel 1 Saison beschäftigt sich die Sport-Redaktion in diesem Monat. In der Tipps&Tricks-Rubrik wird es appetitlich: Rezepte für Cupcakes und Wan Tan erhellen euch die tristen März-Tage. Der Frage wie viel Wissen in Google-Zeiten gesund und wichtig ist, gehen unsere Kolumnisten auf den Grund.

Chemikalien und ihre Folgen werden ein Thema in der Tier&Umwelt-Rubrik sein und die Moder-Redaktion stellt euch ein modisches Highlight vor: Ear-Cuffs. Eine Rezension zu einem Buch, das die persönlichen Erfahrungen eines Reisenden auf seinem Pilgerweg nach Santiago de Compostela schildert, findet ihr in der Reise-Rubrik und die Panorama-Redaktion startet eine neue Serie: Geschwister erzählen – ihr dürft gespannt sein!

Prüfungsanforderungen für Bachelor variieren

Prüfungsanforderungen für Bachelor variieren

Hier verbringt man als Student während dem Schreiben der Bachelor-Arbeit viel Zeit: In der Bibliothek (Foto: T. Gartner)

Ein bewölkter Nachmittag im eisigen Februar. Genau das richtige Wetter für eine heiße Schokolade in gemütlicher Runde. Diesen Gedanken hatten auch drei be-freundete Masterstudierende. Zwischen dampfenden Getränken und duftendem Kuchen fällt das Thema schnell auf die unterschiedlichen Prüfungsanforderungen des vor wenigen Monaten abgeschlossenen Bachelorstudiums.

„Also ich hatte drei Monate Zeit, um eine 30-seitige Bachelorarbeit zu schreiben“, erzählt Tom, „eine mündliche Prüfung gab es nicht.“ „Ist das dein Ernst?“, wirft Katharina ein, „ich musste in sechs Wochen 50 bis 60 Seiten abliefern. Und eine mündliche Prüfung kam auch noch dazu… Wie war das bei dir, Daniel?“ „Eine mündliche Prüfung hatte ich auch. Das war sozusagen die mündliche Verteidigung der schriftlichen Bachelorarbeit“, berichtet Daniel, „war das bei dir anders?“ „Ja, auf jeden Fall!“, sagt Katharina, „bei mir durfte das mündliche nicht mit dem schriftlichen Thema übereinstimmen.“

Ein einheitliches baden-württembergisches oder gar europäisches Hochschulbild? Offensichtlich nicht. Grund genug einmal nachzuhaken, bei denen, die es wissen müssen.

„Tatsächlich bestehen sehr unterschiedliche Vorgaben für die Bachelorarbeiten an den verschiedenen Hochschulen, wie auch zwischen den verschiedenen Fächern derselben Hochschule“, räumt Patrick Stoll (21), Physikstudent im fünften Semester an der Universität Konstanz und Sprecher der Landesstudierendenvertretung, ein. Und Marie Haibt (22), Soziologiestudentin im fünften Semester an der Universität Mannheim und Sprecherin der Landesstudierendenvertretung, erläutert: „Die Studierenden der Psychologie an der Universität Mannheim haben beispielsweise zwölf Wochen Zeit zum Verfassen ihrer Bachelorarbeit, während Soziologiestudierende der 2010er Prüfungsordnung sechs Wochen, jene der Prüfungsordnung 2012 acht Wochen Zeit vom Tag der Anmeldung an, haben.“

Ein Problem sehen Haibt und Stoll jedoch nicht in der Varianz der Bachelorprüfungen. „Bachelorarbeiten zählen unterschiedlich stark in die Gesamtnote und haben unterschiedlich viele ECTS-Punkte – daher sollten sie dementsprechend unterschiedlichen Aufwand für die Studierenden bedeuten“, erläutert Stoll. Und Haibt fügt an: „Für verschiedene Fächer oder aber auch allein verschiedene Richtungen eines Faches können unterschiedliche Seitenzahlen unterschiedlichen Aufwand bedeuten, während eine theoretische Arbeit mit geisteswissenschaftlicher Fragestellung nicht unter 40 Seiten beantwortet werden kann, ist in den Naturwissenschaften eine wissenschaftliche Fragestellung mit aufwendigem Versuchsaufbau und Analyse unter Umständen in nur wenigen Seiten dargestellt.“ Die Seitenzahl einer Bachelorarbeit sei daher keine aussagekräftige Messgröße über den Aufwand und den wissenschaftlichen Wert. Die Prüfungsordnungen lege ihres Wissens nach unter anderem aus diesen Gründen keine Seitenanzahlen fest, diese würden von der betreuenden Lehrkraft empfohlen.

Prüfungsanforderungen für Bachelor variieren

Tippen bis die Finger wund werden: Während dem Schreiben der Bachelor-Arbeit wird das Laptop zum treuen Gefährten (© Sylvia Krahl / pixelio.de)

Kurzum: Eine Vereinheitlichung der Vorgaben halten die beiden Studierenden nicht für zielführend. „Wichtig ist, dass die Studierenden über die Anforderungen der Bachelorarbeit in Kenntnis gesetzt werden und eine individuelle Betreuung gewährleistet ist“, sind sie sich einig.

Laut Jochen Schönmann, Leiter der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg, ist die Varianz in den Bachelorprüfungen explizit erwünscht. „Die Kultusministerkonferenz eröffnet in den sogenannten ʽLändergemeinsamenʼ Strukturvorgaben Spielräume für Abschlussarbeiten (Bachelor- wie Masterarbeit) und legt unter anderem fest, dass der Bearbeitungsumfang für die Bachelorarbeit zwischen sechs und zwölf ECTS-Punkten beträgt“, erläutert er. Die vorgesehenen Spielräume sollen den inhaltlichen, wissenschaftlichen und praktischen Anforderungen und Zielen von Studiengängen unterschiedlicher Fachkulturen Rechnung tragen. Zudem mache gerade der Erwerb einer Vielzahl verschiedener Kompetenzen während des Studiums die Anwendung verschiedener Methoden bei der Prüfungsart sinnvoll, so Schönmann.

Ob sich die Absolventen aufgrund dieser Sinnhaftigkeit gerechter behandelt fühlen, sei einmal dahingestellt. Und auch ob ein naturwissenschaftliches Projekt weniger Aufwand und entsprechend weniger Seiten erfordert, als die Bearbeitung eines geisteswissenschaftlichen Themas, ist fraglich. Sicher ist jedoch: Der Abschluss ist derselbe – egal ob 30 oder 80 Seiten.

Vorschau: Nächsten Dienstag berichtet die Panorama-Redaktion exklusiv über eine junge Autorin, die die Thalia Buchhandlung in Mannheim für eine kleine Kochsession nutzt. Mehr Infos dazu findet ihr HIER.

 

Bachelor – und was dann?

 

Bachelor - und was dann?

Von links: Selin Akyol, Thomas Steinbrecher, Freya Spindler, Marieke Pahlke, Alex Lesser (Fotos: privat)

Der Bachelor gilt seit 2010 als der erste internationale berufsqualifizierende und akademische Abschluss,den man an einer Universität oder Fachhochschulen erwerben kann. Mit ihm folgen viele Veränderungen und vor allem eine Verkürzung der Regelstudienzeit auf drei bis maximal vier Jahre. Zur Reform scheint es eine breitgefächerte Meinung zu geben, die von „besseren Chancen auf dem Arbeitsmarkt“ bis hin zu „ Unsicherheiten und Perspektivlosigkeit“ reicht. Doch welche Berufsaussichten hat man mit dem jeweiligen Bachelorabschluss? Über die Erfahrungen mit dem Bachelor berichten fünf Studenten in der Face2Face- Umfrage.

Vielen fällt es schwer den Stellenwert ihres Bachelors einzuschätzen, so auch Selin Akyol. Die 22- Jährige studiert Germanistik an der Universität Mannheim und habe den Eindruck, dass selbst Arbeitgeber nicht wüssten, was sie von Bachelorabsolventen zu erwarten haben. Die Komprimierung auf drei Jahre empfinde sie als puren Stress und fordere seitens der Universität eine engere Zusammenarbeit, die Studenten in Hinblick auf die Zukunft besser unterstützen.Auf die Frage, welche Berufsaussichten sie hat, antwortet sie: „ Das weiß ich nicht so genau. Vielleicht kann ich die Wegbeschreibung zum Arbeitsamt drauf schreiben.“ Für Akyol biete das Studium mehr Unsicherheiten und keine Spezialisierung, daher strebe sie auch keinen Master an.Wenn die 22- Jährige erneut die Wahl hätte sich zwischen einem Studium und einer Ausbildung zu entscheiden, dann würde sie lieber die Ausbildung machen, denn „da weiß man am Ende wenigstens wo man steht.“

Sehr zufrieden und glücklich mit dem BWL- Studium sei Thomas Steinbrecher (22). Den Bachelor sehe er als Chance an und nicht als „großes Ungeheuer“, mit dem er sicher einen Job finden würde. Im Vergleich zu Diplom- Betriebswirten ziehe der Bachelor auch mal den Kürzeren, dennoch stünden Wirtschaftswissenschaften im Gegensatz zu anderen Disziplinen im Vorteil, so Steinbrecher. Der 22-Jährige lobt die vielen Möglichkeiten und das große Angebot der Universität zu Köln, denn „im Wahlbereich ist da wirklich für jeden was dabei“. Allerdings wünscht auch er sich persönliche Betreuung, die die bürokratische Hürden etwas abbauen und beim anfänglichen Einfinden in das Studium behilflich wären. Mit einem direkten Einstieg in den Beruf beschäftige sich Steinbrecher nicht, denn während dem Bachelor habe er herausgefunden welche Bereiche der BWL ihm Spaß machen und ihm liegen. Diese möchte er im anschließenden Master vertiefen. „Mit einem Master steigen die Chancen“. Steinbrecher ist der Meinung, man solle sich nicht mit weniger zufriedengeben, vor allem weil die Studienzeit viel zu schön sei.

Bachelor - und was dann?

Ein Berg von Lernstoff: Der Bachelor hat´s gern interdisziplinär (Foto: Sharifi)

„In manchen Unternehmen gelten Bachelorleute als Studienabbrecher, weil sie keinen Masterabschluss haben, weshalb es sinnvoll wäre, ihn zu machen“, zeigt die Erfahrung von Freya Spindler. Die 23- Jährige BWL- Studentin habe das Gefühl, dass Bachelorabsolventen oftmals als günstigere Alternative zu Diplomabsolventen gesehen werden und dementsprechend auch ein niedrigeres Gehalt bekämen. Für sie stehe fest, dass ein Master folge, der ihr mehr Möglichkeiten biete. Spindler würde sich jederzeit wieder für den Trierer- BWL-Bachelor entscheiden. Dieser habe die Besonderheit, dass er noch Fächer wie VWL und Soziologie umfasse, welche je nach Interesse und Spezialisierung gewählt werden können. Im Allgemeinen biete das Studium nach dem dritten Semester eine Spezialisierung in Marketing, Management und Personalwirtschaft an. Die 23-Jährige äußert Verbesserungsvorschläge bezüglich der hohen Anzahl von Klausuren, die in einem größeren Zeitraum als innerhalb von zwei Wochen verteilt werden sollten. Auch die Regelstudienzeit solle um ein Semester verlängert werden, „weil es fast unmöglich ist das Studium in sechs Semestern zu schaffen“.

Ähnlich sieht das auch Marieke Pahlke. Mit der Studienwahl „Wirtschaftsmathematik“ an der Universität Bielefeld sei die 22-Jährige sehr zufrieden und glaube durchaus eine Arbeit zu finden. Sie ist der Ansicht, dass Wirtschaftsmathematiker schon gefragt sind, denn „als Wirtschaftsmathematiker hat man durch Kenntnisse in BWL und VWL Vorteile gegenüber den ‚reinen‘ Mathematikern“. Ab dem vierten Semester könne sie Profilierungen und Spezialisierungen wählen, um sich von der Masse besser abzuheben. Auch Pahlke finde die vielen Klausuren auf engem Zeitraum negativ. Oft bleibe einem dadurch nichts anderes übrig als sich vieles nur im Kurzeitgedächtnis einzuprägen und das sei ihrer Meinung nach nicht Sinn der Sache. „Ich bin mir eigentlich fast sicher nach meinem Bachelorabschluss noch den Master zu machen“, so die 22-Jährige, denn auch ihr mache das Studieren Spaß. Da der Master nur zwei Jahre dauere, lohne sich der Aufwand. Anderenfalls befürchte sie, dass „wenn man den Master nicht direkt nach dem Bachelor macht, verpasst man leicht den Anschluss und macht ihn dann nie“.

„Mein Studium macht mir Spaß. Es weckt sowohl mein Interesse und fordert meinen Ehrgeiz zu gleich“, findet Alex Lesser. Der 22-Jährige studiert an der Universität Mannheim den einmaligen Studiengang: Unternehmensjura. Da dieser auch ein ziemlich neuer sei, wisse er nicht wie die Arbeitgeber auf ihn reagieren. Jedoch könne er sich gut vorstellen, dass er beispielsweise bei einer Unternehmensberatung gute Einstiegschancen hätte. Die Zusammensetzung aus Wirtschaft und Jura sehe Lesser aber auch etwas problematisch, denn beide Bereiche seien sowohl umfangreich als auch zeitaufwändig. Somit finde nur ein grober Überblick und Anschneiden statt, denn für eine Vertiefung biete die Regelstudienzeit keinen Platz. „Der größte Knackpunkt beim Bachelor ist das Abarbeiten und Abhacken von Lerninhalten“. Mit dem Master habe sich der 22-Jährige noch nicht auseinandergesetzt. „Ich denke, dass ich den Master auch einfach unterschätze“. Im Gegensatz dazu strebe er die Möglichkeit an, sein erstes Staatsexamen zu machen und ergo den juristischen Teil zu erweitern.

Vorschau: Nächste Woche gibt es interessantes zum Thema „Interview Stress“.


Preview: Juni 2012

Vielseitigkeit – wirft man einen Blick auf die Themen des vergangenen Monats, so scheint das das Thema der Face2Face-Redaktion gewesen zu sein: Die Moderedaktion startete mit einer neuen Serie „Haute couture – nein danke!“, in den Mai. Wie „Mode mal anders“ aussehen kann, zeigt Teil 1 am Beispiel des Karlsruher „X-Trax“-Shop – viele weitere, spannende Serienteile folgen in den nächsten Wochen!

Wie man seinen Urlaub besser genießen kann, indem man ihn im Voraus plant, durftet ihr in der Reiserubrik erfahren. Und im Panorama metzelte sich Chefredakteurin und Amateur-Gamerin Tatjana Gartner durch das Rekordspiel „Diablo III“.

Auch im Juni versorgt euch das Redaktionsteam wieder mit spannenden Themen: Mit dem Mannheimer Krempelmarkt stellt euch die FilmKunstKultur-Redaktion den wohl größten Kultflohmarkt der Rhein-Neckar-Region vor. In der Sportrubrik erwartet euch eine Analyse der Fußball-Europameisterschaft und unsere Kolumnisten beschäftigen sich unter anderem mit dem Thema „Dildoparty“. Die Musikredaktion ist auf dem „Latin Festival“ unterwegs und liefert euch ein Interview mit dem spanisch-englischen Indie-Musiker „Elly Eja“. Was in keiner Reiseapotheke fehlen sollte, lest ihr in der Reiserubrik. Bachelor und was dann? – diese Frage möchte die Tipps&Tricks-Redaktion mithilfe einer Umfrage klären. Hilfestellung bei der Kleiderwahl zur derzeitigen Hochzeitssaison findet ihr in der Moderubrik. Mit einem ganz anderen Phänomen des Auftretens setzen sich die Mitarbeiter der Tier&Umweltrubrik auseinander: Dort geht es im Juni unter anderem um Warnfärbung und Albinismus.

Die neue Literaturrubrik auf Face2Face startet am Sonntag, 3. Juni!

Du schreibst gerne Gedichte oder Kurzgeschichten? Bist sprachlich gewandt und kreativ? Dann schick uns deine Texte! Ab Sonntag, 3. Juni wird eine Literaturrubrik das „Face2Face“-Angebot komplettieren. Wenn auch du deine Texte den „Face2Face“-Lesern präsentieren möchtest, schreib einfach eine E-Mail mit deinem Namen und deinem Text an eva-maria.obermann@face2face-magazin.de. Wir freuen uns auf deinen Beitrag!

 

 

„Uni-Politik hört nicht im AStA auf!“

2008 wurde die Linke.SDS als politische Hochschulgruppe an der Uni Mannheim gegründet. Face2Face sprach mit zwei Mitgliedern der Studentenorganisation – mit der Germanistik- und Philosophie-Bachelorstudentin Sarah Hermes (20) und dem Französisch- und Philosophie-Lehramtsstudenten Julien Ferrat (20) über Probleme im Universitätsalltag, Entwicklungen an der Uni Mannheim und generell über politische Teilhabe von Studenten an der Hochschulpolitik.

Face2Face: Könnt ihr unseren Lesern kurz und knapp erklären, für was die Linke.SDS steht?
Hermes: Unsere Schwerpunkte liegen in sozialer Gerechtigkeit und individueller Freiheit, wir fordern eine ökologische Uni und wollen kritische Wissenschaften, die ihren Namen auch verdienen.
Ferrat: Generell vertreten wir eine alternative Wirtschaftspolitik, die sich an den Menschen und nicht an den Märkten orientiert.

Face2Face: Was passiert denn gerade so?
Ferrat: Mit der Abschaffung der Studiengebühren ist ein Schritt in die richtige Richtung getan. Aber es gibt noch viel zu tun! Problematisch ist weiterhin zum Beispiel der Übergang vom Bachelor-Studium zum Masterstudiengang. In Mannheim ist die einzige Fakultät, die ausreichend Masterstudienplätze zur Verfügung stellt, die Fakultät für BWL.
Hermes: Im Gegensatz dazu bietet die Philosophische Fakultät kaum Masterplätze an.
Ferrat: Ja, die wenigen Masterabschlüsse an der Philosophischen Fakultät entfallen nahezu allesamt auf den Studiengang Kultur und Wirtschaft.

Hermes: Aber auch andere Entwicklungen stören uns. Die Semestertickets werden zum Beispiel immer teurer!
Ferrat: Das Problem ist hier, dass das Studentenwerk die Interessen der Studenten in Verhandlungen mit dem Verkehrsverbund Rhein-Neckar, kurz: VRN, nicht besonders vorbildlich vertritt. Und die Nahverkehrsverbindungen in Mannheim lassen auch zu wünschen übrig. Einige Studentenwohnheime sind zu gewissen Tageszeiten kaum zu erreichen.
Hermes: Das ist das nächste Problem: die Studentenwohnheime. Durch die doppelten Abiturjahrgänge kommen in den nächsten Semestern viel mehr Studienanfänger an die Unis als in den Jahren zuvor. Um allen Studierenden eine Wohnung zu vermitteln, haben wir vorgeschlagen, leerstehende US-Kasernen anzumieten. Das Studentenwerk hat das abgelehnt.
Ferrat: Begründet wurde das damit, dass die US-Liegenschaften zu weit von der Uni entfernt wären – was totaler Unfug ist. Die „Turley“-Barracks oder die „Hammond“-Barracks sind näher an der Uni beziehungsweise an anderen Hochschulen gelegen, als zum Beispiel die Wohnheime im Ulmenweg. Außerdem wird dann immer vor leerstehenden Wohnungen gewarnt – das ist ein Totschlagargument: Allein dieses Semester wurden 3.000 Studierende vom Studentenwerk mangels ausreichender Kapazitäten abgewiesen. Da nächstes Jahr der doppelte Abiturjahrgang kommt, ist diese Angst in keiner Weise begründet. In Heidelberg hat das dortige Studentenwerk übrigens genau diesen Schritt ergriffen und Kasernen angemietet.

Face2Face: Welche Möglichkeiten existieren denn für eine Hochschulgruppe überhaupt, etwas am Hochschulalltag zu ändern?
Ferrat: Unser Credo ist: Uni-Politik hört nicht im AStA (Anm. d. Red.: AStA meint den Allgemeinen Studierendenausschuss, ein politisches Studentengremium an deutschen Universitäten) auf! Der ist zurzeit finanziell sowieso leider nur schwach aufgestellt. Auch wenn sich das in nächster Zeit ändern wird: Die wirklich wichtigen Entscheidungen für das Studentenleben fallen weiterhin im Senat, im Landtag und in den Gemeinderäten. Leider weisen der Senat und der Landtag sehr starre Strukturen auf, aber im Mannheimer Gemeinderat haben konkrete gute Ideen unabhängig vom Antragsteller durchaus Chancen umgesetzt zu werden.

Face2Face: Warum ist die Wahlbeteiligung an den Universitäten so gering? Kann man überhaupt von einem repräsentativen AStA sprechen, wenn an einigen Unis nicht einmal jeder Zehnte wählt?
Ferrat: Alle Studierenden sind aufgefordert, wählen zu gehen. Dem kommen leider dennoch jedes Jahr zu wenige nach. Wie man das ändern kann, ist schwer zu sagen.
Hermes: Man kann den Leuten aber auch keinen Vorwurf machen. Die politischen Hochschulgruppen in Mannheim machen sehr wenige Informationsveranstaltungen – wie soll da jemand wissen, für was die stehen? Ist doch klar, dass dann die Motivation ausbleibt.

Ferrat: Ein Problem an der Uni-Politik ist sicherlich auch der AStA selbst. Die Sitzungen sind zwar hochschulöffentlich, werden aber nicht angekündigt. Da wird eine ziemliche Geheimniskrämerei betrieben.
Hermes: Auch Studenten, die keiner politischen Hochschulgruppe angehören, sollten wissen, worüber dort geredet wird. Wenn die Studenten nicht wissen, was der AStA so treibt, kann von einer echten Interessenvertretung kaum die Rede sein.

Face2Face: Was sind konkrete Probleme an der Uni Mannheim?
Ferrat: Vor allem die sogenannte Profilschärfung ist problematisch. In den letzten Jahren wurden viele Studiengänge abgebaut, etwa Geographie, Technische Informatik und Rechtswissenschaften auf Staatsexamen. In Mannheim ist alles immer sehr auf die Wirtschaft konzentriert. Die Wirtschaftsstudiengänge selbst sind dann sehr arbeitgeberlastig. So kommen volkswirtschaftliche Inhalte in den BWL-Studiengängen kaum vor. Dabei sollten Betriebswirte doch dringend begreifen, wie die Volkswirtschaft funktioniert. Auch bedenklich finde ich, dass BWL-Studenten die Veranstaltung „Unternehmensethik“ ganz einfach umgehen können, indem sie ein Auslandssemester einschieben.

Face2Face: Was sind eure Ansätze, um Probleme in der Universitätslandschaft zu lösen?
Hermes: Statt immer weiter einzuschränken, sollte auf Breite gesetzt werden! Viele Studiengänge bestehen aus reiner Wissensreproduktion, da kommt eine Paukklausur nach der anderen. Die Selbstentfaltung bleibt hier dann absolut außen vor. Die Prüfungsordnungen und allgemein das Studium müssen dringend entschlackt werden.

Face2Face: Stichwort Bildungsstreiks: Die Studiengebühren sind abgeschafft und schon wird in Mannheim nicht mehr gestreikt. Sind die Probleme des Bologna-Prozesses (Anm. d. Red.: „Bologna“ ist der Ursprung der Bachelor-/ Master-Studiengängen) hier vergessen worden?
Ferrat: Momentan ist es schwierig, die Leute zu mobilisieren. Die Studiengebühren waren ein Thema, welches die Landesregierung angehen konnte. Um den Bologna-Prozess abzufedern und humane Rahmenbedingungen für das Studium zu schaffen, sollte vor allem stärker an die Universitäten appelliert werden.
Hermes: Der Bildungsstreik in diesem Jahr war deswegen wohl auch eher ein Schülerstreik.
Ferrat: Wie bei jeder anderen Protestgeschichte ist irgendwann der Wille einfach verbraucht. Problematisch ist hier auch einfach der Zeitaspekt: Viele Bachelorstudenten stehen in ihrem Studium so hohen Anforderungen gegenüber, dass sie kaum Zeit finden, sich in irgendeiner Form zu engagieren.

Wenn das Studium immer mehr einem Chaos gleicht – im Blickpunkt: Lehramt

Ich glaube, ich muss mich hier doch mal einem Thema widmen, dass nicht jedem gefallen wird. Aber ich denke, dass es an der Zeit ist, den Mund aufzumachen und darüber auch in der Kolumne etwas zu schreiben. Viele Lehramtsstudenten, welche die Universität Koblenz-Landau besuchen, haben in den letzten Wochen etwas gehört, was bei vielen von ihnen doch das Fass zum Überlaufen gebracht hat. Deshalb nun auch folgende, vielleicht etwas überspitzen und heftigen Zeilen, um dem sich immer weiter aufbauschenden Chaos die Stirn zu bieten und vielleicht dem ein oder anderen bewusst zu machen, dass es so nicht weitergehen kann…

Als ich mein Studium begann, sah die neue Prüfungsordnung für Lehramtsanwärter fünf Praktika im Bachelor vor, doch da die Schulen dem immensen Studentenansturm nicht wirklich gerecht werden konnten, hat man sich entschlossen, das Ganze wieder etwas abzuspecken. Nicht so schlimm, meint vielleicht der eine, ich sehe das allerdings etwas anders. Denn Praktika sind gerade für angehende Lehrer eine gute Möglichkeit, in den späteren Beruf hineinzuschnuppern und wertvolle Erfahrungen zu sammeln. Und da die ersten beiden Praktika meistens hauptsächlich aus Hospitieren bestehen, dient dies wohl nicht gerade dem Nutzen der Studierenden. Und bei dem ganzen Hin- und Herreformieren der Landesregierung ist bald auch nicht mehr sicher, was gilt.

Damit aber noch nicht genug, denn momentan kursiert ein neues Chaosproblem an der Universität Koblenz-Landau: Es gibt nicht genügend Plätze für Studierende des Schwerpunktes „Förderschule“. Zu viele wollen dies studieren, zu wenig zur Verfügung stehendes Personal. Problem ist, dass jeder Student beim Bachelor- und Mastersystem seinen Schwerpunkt erst im 4. Semester wählen muss. Nun haben sich allein über 110 Studenten der Universität Koblenz-Landau und ein paar aus Trier, Koblenz, Saarbrücken und Mainz für den Förderschulschwerpunkt angemeldet und die Uni vergibt nur insgesamt 60(!) Plätze. Ein Horrorszenario, das seinesgleichen sucht. Denn wer nicht dem gewählten Schwerpunkt zugeteilt wird, wird entweder einem anderen Schwerpunkt zugeteilt, wird ein Wartesemester (oder evtl. auch mehrere) in Kauf nehmen müssen oder aber er wechselt die Uni. Letztes klingt plausibel und leicht, ist es allerdings nicht. Denn Landau ist die einzige Universität in Rheinland-Pfalz und im Saarland, die Förderschullehramt anbietet. „Eine Zumutung und Unverschämtheit“, hat mir zuletzt erst wieder eine Freundin bei einem Telefonat in die Ohren geschrien. Und sie hat Recht! Auch wenn die Studenten bei ihrer Immatrikulation ein Blatt Papier bekommen, auf dem steht, dass es der Universität vorbehalten ist, einen NC nach dem 4. Semester auf einen überfüllten Schwerpunkt zu setzen, so kann es dennoch nicht sein, dass die Universität sich des Problems die ganze Zeit über bewusst ist, aber nichts daran ändert.

Der Universitätspräsident Roman Heiligenthal hat in einem Interview der Rheinpfalz zugegeben, dass es einige Fehler im System gibt und dass man versuche, das in den Griff zu bekommen. Allerdings könne er die Plätze für das Förderschullehramt nicht um das Doppelte erweitern. Er plädiert daher für das Vorgängersystem des jetzigen Bachelor- und Mastermodells, bei dem man seinen Schwerpunkt bereits am Anfang setzte. Dies würde wohl eine Menge Ärger sparen…

Studieren wird also immer mehr zur Zerreißprobe. Werden einem hier keine Steine in den Weg gelegt, kann es sein, dass sie einem an anderer Stelle regelrecht zwischen die Füße geschmissen werden, wo es gar nicht erwartet wird. So werden zum Beispiel die Wartelisten im Fach Französisch für bestimmte Kurse immer länger, den Master für Lehramt an Gymnasien im Fach katholische und evangelische Religion gibt es nun doch nicht, der Bau eines neuen Laborgebäudes der Umweltwissenschaftler steht ebenfalls unter keinem guten Stern und die Probleme, mit denen KLIPS (Anmerkung des Autors: ein Programm der Universität Koblenz-Landau, das der Anmeldung von Veranstaltungen dient) ab und an für Furore sorgt, gehören auch schon irgendwie zum Alltag.

Ständig regnet es irgendwelche neuen Reformen aus Mainz, wenn man in das neue Semester startet. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass es seit meinem Studienbeginn mal nichts von höchster Stelle gegeben hat. Aber anstelle sich die Mühe zu machen und die betreffenden Studenten, deren Alltag das Studium und die damit zusammenhängenden Verpflichtungen hat, zu befragen, fällt den Herrschaften leider nicht ein. Den Bachelor und Master für Gymnasiallehramt in 10 Semestern zu absolvieren, wenn nebenher gleichzeitig noch das Latinum oder Graecum nachzuholen ist, das ist so gut wie unmöglich, wenn ich noch etwas von einem normalen Leben außerhalb der Lernbücher und Vorlesungsräume haben möchte. Die Anforderungen an die Studenten sind gewachsen, der Druck wird immer größer und bei all dem soll man dann noch den Überblick über die sich ständig verändernde Prüfungsordnung behalten.

Studieren kann Spaß machen, da steht außer Frage – und sicher ist nicht jedes Studienfach eine Katastrophe und nicht jede Uni eine Baustelle; ich spreche hier lediglich von den Zuständen, die ich mitbekommen habe. Dass es immer mal Höhen und Tiefen gibt, ist auch mir bewusst. Aber irgendwann will man als Student auch nicht mehr Marionette des politischen Puppentheaters sein. Denn dass es das Chaos gratis zum Studium dazugibt – wie ein Spielzeug beim HappyMeal von McDonalds – steht leider außer Frage…

Eure Lea