Gut vorbereitet ins Auslandsssemester – eine Checkliste

Mittlerweile gehört es fast schon bei jedem Studenten zum Studiumsverlauf dazu: Das Auslandssemester. Ein halbes Jahr an einer Universität im Ausland studieren, neue Leute, Länder und Kulturen kennen lernen. Das klingt nach einem großen Abenteuer, das viel Spaß machen kann. Eine gute Vorbereitung sollte dabei aber nicht unterschätzt werden. Face2Face hat euch daher eine Checkliste mit den Dingen zusammengestellt, die man vor seinem Start in das Auslandssemester unbedingt noch erledigt haben sollte, damit man seine Zeit vor Ort anschließend unbekümmert genießen kann.

1. Dokumente beantragen: Wenn ihr in ein außereuropäisches Land reist, braucht ihr einen Reisepass. Dieser hat eine Bearbeitungszeit von mindestens 6 Wochen, also rechtzeitig beantragen! Gleiches gilt für ein Visum und den Antrag für ein mögliches Auslandsbafög. Einen internationalen Führerschein bekommt ihr direkt ausgestellt, wenn ihr bereits einen EU-Scheckkarten-Führerschein und ein biometrisches Passbild besitzt.

2. Impfen lassen: Ein wenig Vorlaufzeit (8-6 Wochen) solltet ihr auch bei notwendigen Impfungen einplanen. Es gibt Ärzte, die sich auf Reisemedizin spezialisiert haben. Dort gibt man in der Regel seinen Impfass ohne Termin ab, füllt einen Fragebogen aus und bekommt dann seinen Termin bzw. seine Termine für die notwendigen Impfungen. Hinweise, welche Impfungen benötigt werden, erhaltet ihr auch auf der Internetseite des auswärtigen Amtes.

3. Kreditkarten beantragen: In fremden Ländern herrscht auch ein anderes Zahlungsmittel (Ausnahme in der EU), demnach müsst ihr euch auch darüber informieren, wie ihr am besten kostenlos Geld abheben und mit einer Karte bezahlen könnt. Beides liefert euch die Kreditkarte von Number26, die auch eine sehr gute App bereitstellt, mit der ihr eure Ausgaben im Ausland immer völlig unter Kontrolle und auf einem Blick habt. Eine sehr gute Ergänzung zur Number26 ist die Kreditkarte der DKB. Mit diesem Paket habt ihr sowohl eine Visa- (DKB), als auch eine MasterCard (Number26) und seid damit gegen eventuelle Ausfälle einer der beiden Karten abgesichert. Beide Karten kosten kein Geld und sind leicht online per Web-ID zu beantragen.

4. Auslandskrankenversicherung abschließen: Bei einem Auslandssemester befindet ihr euch länger im Ausland, als es durch eure Reise-Krankenversicherung abgesichert wäre. Ihr braucht demnach eine spezielle Auslandskrankenversicherung für diese Zeit. Informiert euch im Voraus gut über die einzelnen Konditionen der verschiedenen Versicherungen. Besonderen Wert solltet ihr auf einen 24-Stunden-Notruf-Service legen. Außerdem unterscheiden sich viele Krankenversicherungen im Falle eines Rücktransportes. Achtet darauf, dass eure Versicherung einen „medizinisch sinnvollen“ Rücktransport mit einschließt, und nicht nur einen „medizinisch notwendigen“. Alle weiteren Unterschiede solltet ihr direkt vergleichen. Die Young Travel Versicherung der „Hanse Merkur“ wurde an vielen Stellen empfohlen.

5. Handyvertrag stilllegen lassen: Woran viele im ersten Moment nicht denken, ist es, den Handyvertrag (falls vorhanden) für die Zeit im Ausland pausieren zu lassen oder zu kündigen, da man in dieser Zeit eine Prepaid-Karte des jeweiligen Landes verwenden wird. Hier räumt o2 beispielsweise eine Vorlaufzeit von zwei Wochen ein.

6. Informationen sammeln: Wenn man in ein fremdes Land reist, sollte man sich vorher auch unbedingt über dessen Kultur, Religion und Gepflogenheiten informieren. Wie sieht es beispielsweise mit der Kleiderordnung in der Universität aus? Welche Verhaltensweisen aus Deutschland sind dort eventuell verpönt? Informiert euch vorher über solche Dinge, damit ihr euer Auslandsssemester nicht direkt mit einem Sprung ins Fettnäpfchen beginnt. Außerdem kann ein Reiseführer nicht schaden, der euch schon einmal einen Überblick darüber gibt, was ihr gerne in eurem Zielland sehen würdet.

7. Unterkunft buchen: Ob ihr lieber vor Ort nach einer dauerhaften Unterkunft suchen wollt oder schon vorab in Deutschland etwas fest gemietet habt: Kümmert euch auf jeden Fall darum, dass ihr die erste Nacht irgendwo untergebracht seid. Wenn ihr beispielsweise nachts erst am Flughafen ankommt, ist es gold wert, wenn man bereits eine Unterkunft gemietet hat. Klärt auch ab, ob euer Hotel eventuell einen Flughafentransfer anbietet.

ERAS.. WAS? – Impressionen eines Auslandsaufenthaltes

„You are boring“, bringt mein Gesprächspartner mühevoll mit einem sofort wahrnehmbaren französischen Akzent hervor, nicht ohne mir mit seiner Whisky-Cola-Fahne ins Gesicht zu hauchen. Naserümpfend verziehe ich das Gesicht und muss mir eingestehen: das Argument, dass ich am frühen Morgen eine Klausur schreibe, zieht hier nicht.

Hier bedeutet in diesem Falle: Irgendwo in einem heruntergekommenen Studentenkorridor in Nordeuropa. Hier, inmitten einer Meute feierwütiger Austauschstudenten, die die letzten Abende ihres Auslandsaufenthaltes mit Unmengen an Alkohol begehen wollen. Hier, in eben diesem Land, das ich im letzten halben Jahr hassen und lieben gelernt habe. Hier, wo ich in weniger als 48 Stunden nicht mehr sein werde. Hier, wo ich ein gerade angefangenes Leben zurücklassen werde, wie ein halb leeres, eisgekühltes Bier auf der Theke einer Kneipe.

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Prägen den abendlichen Alltag: Trinklieder und Alkohol. (Foto: Privat)

Ich reiße einem meiner Freunde eine Flasche Sprite-Wodka aus der Hand und nehme einen tiefen Schluck. Die Mangelernährung der letzten Tage macht sich bald bemerkbar und der Alkohol durchströmt meinen Organismus. Während ich noch mehr Sprite-Wodka in mich hineinschütte, der Franzose mittlerweile bei Gin Tonic angelangt ist und das erste Pärchen Speichelaustausch betreibt, konsumiert eine Gruppe Spanier gerade eine Zigarette mit Hasch auf dem Balkon.

Gehen unsere Vorlieben bezüglich des präferierten Rauschmittels, mit dem wir Eskapismus betreiben weit auseinander, haben wir alle etwas gemeinsam: Erasmus, ein Austauschprogramm, mit dem sich die EU als „eine der großen Erfolgsgeschichten der Europäischen Union“ profiliert. Völkerverständigung und Kulturaustausch werden hier in hohem Maße betrieben, wie ich mit einem flüchtigen Blick aus dem Augenwinkel nur bestätigen kann.

Die Universität und ihre Vorlesungen und Seminare sind in weite Ferne gerückt, der größer werdende Blätterstapel auf dem Schreibtisch fällt der perfektionierten Ignoranz zum Opfer und die Klausuren befinden sich nur noch rudimentär in den hintersten Winkeln unseres Gedächtnisses. Denn seien wir ehrlich: Die Milliarden an Euro, die unsere liebe EU semesterweise auf die Konten von Studenten überweist, kommen vielleicht erst in zweiter Linie unserer Fachkompetenz zugute. In erster Linie investiert die EU hier in die Ermöglichung von ausschweifenden Partys, Alkoholexzessen und unvergesslichen Reisen, die man in einem anderen Land unternimmt.

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Nicht minder prägend: Verschwommene Erinnerungen an gelungene Zeiten (Foto: Privat)

Ich grinse in mich hinein, denke an die vielen einzigartigen Momente, die wir hier alle hatten. Ich denke an die vielen verschiedenen Sprachen, in denen wir uns verständigt haben, das landesspezifische Essen, das wir gegessen und zubereitet haben. Daran, wie ich über grüne Wiesen rannte und neue Sportarten für mich entdeckte, um mich abends mit einer Runde Yoga zu entspannen. Wie wir durch Wälder streiften und an jedem Busch anhielten, um die dort wachsenden Beeren zu essen. Wie wir nackt in den örtlichen See gesprungen sind und uns danach zitternd am Lagerfeuer aufgewärmt haben. Wie ich mir dort zwei Stunden vorher Marshmallows in die Haare und Steaksoße auf den Pullover geschmiert habe. Daran, wie es war, fernab der Zivilisation auf eine Wandererhütte zu stoßen, in der sich Kerzen und ein Holzofen als der größte Luxus herausgestellt haben, den man sich vorstellen kann. Wie ich vergaß, wo ich mein Fahrrad hingestellt hatte und eine geschlagene halbe Stunde herumgeirrt bin, um es wiederzufinden. Daran, wie eine kalte Hundeschnauze mich mitten in der Nacht geweckt hat und ich mich auf dem Sofa meines Couchsurfing-Hosts wiederfand. Und wie wir bei -39°C nach einem Saunagang in den Schnee gesprungen sind, während Polarlichter den Himmel erleuchtet haben.

„You are boring“, vernimmt mein Verstand jetzt erst völlig verzögert die Beschuldigung und ich werde aus meinen Gedanken gerissen. Ich zucke mit den Schultern, drehe mich um und bahne mir nach kurzer Verabschiedung den Weg durch die trinkende Meute.

Es mag unglaubwürdig klingen, aber auch meine Unvernunft hat irgendwann ein Ende und früher oder später schafft es dieser kleine Gedankenfetzen, der verheißt dass ich eine Prüfungsleistung erbringen sollte, sich an die Oberfläche vorzuarbeiten. Schließlich war ich dieses Semester schon oft genug unvernünftig. Wie oft habe ich mir selbst das Ultimatum gestellt, nie wieder Alkohol zu trinken, nachdem ich nach einer durchzechten Nacht mit einem alles in den Schatten stellenden Kater aufgewacht bin. Wie oft habe ich die horrenden Eintrittspreise bezahlt, die in diesem Land normal sind oder meinen Teil zur Finanzierung des Staatshaushaltes in Form von Branntweinsteuer beigetragen.

Es ist wohl Zeit, meiner Leber eine kleine Pause zu gönnen, Zeit ein bisschen zu schlafen, Zeit der Student zu sein, den sich die EU wünscht. Einem kann ich mir jedoch sicher sein: Ich habe das ganze Auslandssemester lang Zeit gefunden, eben diese Erfahrungen zu sammeln, die ein richtiges Studentenleben ausmachen und mein Leben nachhaltig beeinflussen werden.

Ein Jahr im Reich der Mitte

Nanning von oben

Beeindruckender Ausblick: Nanning von oben (Foto: Schröder)

Sein Auslandsjahr hat ihm mehrmals einen Schock beschert. Max Schröder (28) studiert „International Business Management East Asia“ mit dem Schwerpunkt „China“ am Ostasieninstitut der Hochschule Ludwigshafen. Zwölf Monate lang hat er sich in das Reich der Mitte – genauer in die Stadt Nanning, befindlich in der Provinz Guangxi (Südchina) – begeben und hierbei allerlei Fremdartigkeiten erlebt. Welche kulturellen Unterschiede den Austauschstudenten eiskalt erwischten, erzählt er Face2Face im Interview.

Face2Face: Wie sah ein typischer Tagesablauf in China aus und was verlief anders als in Deutschland?
Max: Im Vergleich verlief ein Tag in China gar nicht viel anders als in Deutschland. Normalerweise hatten wir von 8.40 Uhr bis 12 Uhr Chinesischvorlesungen. Anschließend haben meine Kommilitonen und ich uns meist an den Essensständen der Uni etwas zu Essen geholt und sind dann nach Hause in unsere Wohnung um zu essen, uns auszuruhen, zu lernen oder was eben gerade so anstand. Am Wochenende haben wir diverse Bars oder Discos aufgesucht.

Face2Face: Welche Sprache hast du am meisten verwendet? Gab es Schwierigkeiten mit der Verständigung?
Max: Chinesisch, denn mit Englisch kommt man nicht weit. Der wohl einzige Ort in China, in dem man mit Englisch gut zu Recht kommt, ist Hong Kong, weil es über 150 Jahre unter englischer Fremdherrschaft stand. Vereinzelt schlägt man sich auch noch in Shanghai oder in Peking mit Englisch durch. Es konnte passieren, dass man auf Leute traf, die kaum zu verstehen waren, weil sie ihrem Dialekt verfallen sind. Ein Beispiel: Unser Vermieter benötigte einmal eine eigene Übersetzerin, weil ihn selbst die Chinesen nicht einwandfrei verstanden haben. Wer also Land und Leute sehen und verstehen will, sollte zumindest rudimentäre Chinesisch-Kenntnisse mitbringen.

Essen gehen

Sie lassen es sich gut gehen: Max und seine Kommilitonen beim Essen (Foto: privat)

Face2Face: Wie ist die chinesische Mentalität im Vergleich zur Deutschen?
Max: Sehr viel entspannter als in Deutschland würde ich sagen. Es ist am Anfang etwas gewöhnungsbedürftig, wie relaxt die Chinesen mit der Zeit umgehen. Was heute nicht passiert, passiert eben morgen. Vielleicht kann die Einstellung der Chinesen ja auch als Vorbildcharakter für den gestressten Europäer dienen. Ebenfalls erwähnenswert: Für die meisten Chinesen ist ein (westlicher) Ausländer etwas Besonderes, da sie viele nur aus Film und Fernsehen kennen. Entsprechend wird man auf der Straße angestarrt oder gerne um ein gemeinsames Foto gebeten.

Face2Face: Vermisst du die chinesische Küche?
Max: „Die“ chinesische Küche gibt es genauso wenig, wie es „die“ europäische Küche gibt. Stattdessen hat jede der 23 chinesischen Provinzen traditionell ihre eigene Küche. Jede lässt sich mehr oder minder den Geschmacksrichtungen süß, sauer, salzig oder scharf zuordnen. Viele der Gerichte fehlen mir, vor allem weil man sie hierzulande schwer in entsprechenden Restaurants bekommt. Es ist fast unmöglich an Bāozi (Anm. d. Red.: die gefüllten Hefebrötchen sind ein klassisches chinesisches Frühstück), Jiǎozi (Anm. d. Red.: gefüllte Teigtaschen), Lāmiàn (Anm. d. Red.: von Hand gezogene Nudeln) oder ähnliches zu kommen. Was man dazusagen muss: Die meisten Restaurants aus China müssten wegen mangelnder Hygiene in Deutschland wohl zwangsschließen. Es passiert schon mal, dass in der (einsehbaren) Küche Ratten oder Mäuse herumspringen, während man im Gastraum isst. Nach einiger Zeit ist das aber auch für uns kein Grund mehr gewesen, die Essstäbchen aus der Hand zu legen, da wir wussten, dass alles durchgegart wird und die Konkurrenz auch nicht besser ist. Man gewöhnt sich an alles.

Markt 2

Gewöhnungsbedürftig: Ein Markt in China (Foto: Schröder)

Face2Face: Wie sind die Wohnverhältnisse? Wie hast du gehaust – in einer WG oder alleine?
Max: Die chinesischen Kommilitonen wohnen meist im unieigenen Wohnheim, in den Unterstufen zu sechst oder acht auf gerade mal 15 bis 20 Quadratmeter, in höheren Stufen zu zweit. Auslandsstudenten können im Auslandsstudentenwohnheim oder Dozentenwohnheim wohnen – selbes Zimmer, aber allein. Ich habe mir außerhalb des Campus´ mit Kim, meiner deutschen Mitstudentin, eine Wohnung von 130 Quadratmetern geteilt, die uns pro Person nicht ganz 150 Euro im Monat gekostet hat – Möbel inklusive. Qualitativ ist das natürlich nicht mit deutschem Standard zu vergleichen: Null Isolierung, sehr dreckig und durch die hohe Luftfeuchtigkeit gerne auch mit Schimmel versehen.

Face2Face: Typisch China – typisch Deutschland: Was wäre für Deutschland ein Tabu, was in China Gang und Gebe ist und umgekehrt?
Max: Wer das erste Mal nach China kommt, merkt wahrscheinlich, dass es für die – meist älteren, männlichen – Chinesen keinesfalls ein Problem darstellt, lautstark den Rotz hochzuziehen, um ihn neben sich auszuspucken oder mit hochgekrempeltem T-Shirt bauchfrei über die Straße zu laufen. Es ist auch normal, wenn man im Restaurant beim Essen Reste wie Knochen einfach unter den Tisch spuckt und dabei laut schmatzt. Für uns wäre das schlechtes Benehmen, aus chinesischer Sicht ist das aber entweder gesundheitsfördernd oder ein Kompliment an die Küche.
Ein ganz klares Tabu ist es für uns Deutsche beispielsweise Hitler lobend zu erwähnen, was Chinesen oft nicht nachvollziehen können, weil er – nach chinesischer Sichtweise – doch so ein guter Führer war. Sobald jemand mitbekommen hat, dass du Deutsch bist, gab es meist nur drei Themen: Autos, Fußball, Hitler. Wobei gebildete Chinesen durchaus wissen, dass letzterer in Europa heute kaum mehr Anklang findet und das Thema meiden.

Hong Kong bei Nacht

Atemberaubend: Hongkong bei Nacht (Foto: Schröder)

Face2Face: Was vermisst du am meisten in Deutschland, das es in China gibt?
Max: Spontan würde ich sagen Säfte und Tees. Die konnte man zwischen 50 Cent und 1,50 Euro überall frischgepresst oder -gebrüht kaufen und waren echt super in der südasiatischen Hitze. Auch die Straßenstände mit allerlei Früchten, Gemüse oder Speisen hatten ihren eigenen Charme. Generell ist die Kultur des Essengehens in China weit ausgeprägter.
Außerdem konntest du dich viel besser und spontaner mit Fremden in Diskotheken anfreunden, als es in Deutschland möglich ist, was vielleicht auch am „Ausländerbonus“ liegt, den man meist genießt. Die Chinesen sind sehr gastfreundlich – wenn du mit jemandem ein paar Worte wechselst, wirst du direkt zum Trinken und Spielen an den Tisch gebeten.

Face2Face: Würdest du sagen, du hast einen Kulturschock erlitten, als du in China angekommen bist oder gar als du wieder die Heimreise nach Deutschland angetreten hast? Wenn ja, kannst du definieren, was diesen Schock ausgemacht hat beziehungsweise welche Differenzen besonders stark sind zwischen Deutschland und China?
Max: Ohja! Ich bin von Frankfurt nach Peking geflogen – ich war vorher noch nie in Ostasien und hatte nur ungefähre Vorstellungen. Aber Peking war dann doch ein Schock: Mein Hotel lag am Hauptbahnhof, dem wohl schlimmsten Fleck der Stadt. Es war nicht nur sehr laut, voll, dreckig und stinkig, es war auch voller obdachloser Bettler und Kindergangs. Am Tag darauf bin ich weiter nach Shanghai – dort war es schon wesentlich angenehmer. Peking hat sicher seine schönen Ecken, nur habe ich diese in der kurzen Zeit nicht zu Gesicht bekommen. Mein Kulturschock hielt also nur einige Stunden an. Der Reverse-Kulturschock trat ein, als ich nach Deutschland zurück gekommen bin, und dauerte etwas länger. Ich brauchte beispielsweise einige Zeit, bis ich nicht mehr in Versuchung kam, quer durchs Lokal nach der Bedienung zu rufen, was in China ganz normal ist. Dass ich nicht mehr so extrem auf der Straße angestarrt werde, ist ebenfalls ziemlich neu und mit dem Euro musste ich manchmal etwas herumrechnen.

Mehr zum Thema findet ihr in unserer Reiserubrik.

 Vorschau: Im nächsten Panorama-Artikel werden die bekanntesten Mediatheken im Internet – darunter etwa ARD, ZDF, Arte, Pro 7, RTL und 3 Sat – unter die Lupe genommen.

Von Männern mit Handtaschen und bezahlten Studenten

Bei manchen Studiengängen ist es schon Pflicht, es macht sich gut im Lebenslauf und stellt eine gelungene Abwechslung zum Studienalltag dar: Das Auslandssemester. Immer mehr Studentinnen und Studenten wagen sich im Bachelor oder Master für ein oder zwei Semester ins Ausland. Heute hat Face2Face für  euch vier Studenten interviewt, die sich gerade im Ausland befinden oder vor kurzem wieder nach Deutschland zurückgekehrt sind.

Luca Bayha (23) war im Rahmen seines Physik-Bachelors ein ganzes Jahr im Ausland. Sein fünftes und sechstes Semester verbrachte er im United Kingdom in London. Seine Entscheidung ist Ausland zu gehen fällte Bayha schon zu Anfang des Studiums. „Definitiv klar war es dann am Anfang der dritten Semesters“, erzählt er. Nach England zog es Bayha unter anderem wegen der Sprache,  mit deren Kenntnis er sich einen leichten Start in seinen Auslandaufenthalt erhoffte. Das habe dann auch geklappt, wie er Face2Face berichtet, und er  kann als Erfahrung mitnehmen, „dass man sich überall schnell einleben kann und dass ich viele nette und hilfsbereite Leute getroffen habe.“ Auch die Bewerbung von der Uni Heidelberg aus war für Bayha relativ einfach: „Es war nicht besonders schwierig, auch wenn nicht immer klar war, welche Formulare man  benötigt.“ Mit seiner Bewerbung habe er sechs Monate vor Beginn seines Auslandjahres begonnen. In England habe Bayha dann in den Vorlesungen hauptsächlich mit anderen Gaststudenten zu tun. „Mit den einheimischen Studenten entstand der Kontakt durch das Wohnheim und den gemeinsamen Sport“, berichtet der 23-Jährige. Alles in allem würde er, wenn er noch einmal die Wahl hätte, alles genauso wieder machen.

„Die universitäre Bürokratie und das Verhältnis zum zweiten Weltkrieg“ sind ähnlich, berichtet Sina Pauly (22) über ihr Auslandsjahr in Graz in Österreich. Für Österreich habe sie sich ein Jahr im Voraus entschieden, vor allem weil sie dort bereits  soziale Kontakte geknüpft habe. Selbstverständlich hörte sie ihre Vorlesungen im Studienfach Latein auf Deutsch. Trotzdem verwunderte sie die Tatsache etwas, „dass wie selbstverständlich auch in der Uni im „Dialekt“ gesprochen wird.“ Im Studium habe  sie es hauptsächlich mit österreichischen Studenten zu tun gehabt. Über  Bewerbungsverfahren von der Uni Tübingen aus berichtet sie, dass es „aufwändig aber einfach“ war. Beim nächsten Mal anders machen würde Pauly dass sie, wenn sie jetzt am Anfang ihres Auslandssemesters stünde, mehr ERASMUS-Veranstaltungen besuchen würde.

Weit weg von Deutschland und Europa hat sich Philipp Kunkel (24) gewagt. Zwei Semester studierte er in Taipeh, der Hauptstadt Taiwans. „Dass ich für zwei Semester ins Ausland gehen will, war für mich eigentlich schon ziemlich klar, als ich angefangen habe zu studieren. Zwar wusste ich noch nicht wohin, aber zumindest wollte ich mal was anderes kennen lernen“, berichtet er. Auch, dass er Chinesisch lernen und die chinesische Kultur kennen lernen wollte, stand für ihn relativ schnell fest. „Dementsprechend hatte ich mich auch für China beworben, aber am Ende bin ich froh, dass es Taiwan geworden ist“, erzählt er. Ein Jahr im Voraus habe er sich beworben und wurde gleich genommen, da nur wenige Studenten von der Universität Heidelberg nach Taiwan wollten. „In Taiwan war dann auch alles eigentlich kein Problem, da es genug Leute gab, die sich um einen gekümmert haben und immer weitergeholfen haben.“ Im Laufe seines Aufenthaltes habe er die Erfahrung gemacht, dass die Bewohner Taiwans freundlich, offen, hilfsbereit und sehr gastfreundlich sind. Ungewohnt waren jedoch das taiwanesische Essen, die Nachtmärkte und „die vielen Männer mit großen Frauenhandtaschen.“ Zu tun habe Kunkel im ersten Semester noch eher mit anderen Austauschstudenten, aber je besser sein Chinesisch über das Jahr wurde, desto mehr habe er mit Taiwanern unternommen, da man so ja auch noch die Sprache üben konnte. „Ich glaube, dass es noch schöner gewesen wäre, wenn ich die Sprache noch ein bisschen besser gekonnt hätte, weil man dann gleich von Anfang an noch viel mehr entdecken kann“, erzählt Kunkel zum Schluss, „ansonsten würde ich eigentlich nichts anders machen.“

Für Clarissa Wink (23) stand schon in der Schule fest, dass sie gerne einmal ein Auslandssemester in Frankreich machen möchte. Von ihrem Physikstudium an der Uni Stuttgart aus hatte sie dann die Wahl entweder nach Oslo oder Paris zu gehen. Da ihr Auslandsemester auf ein Wintersemester fiel, entschied sie sich wegen der langen Nächtegegen Norwegen. Über das Unisystem in Frankreich berichtet Wink, dass es anders als in Deutschland über den Universitäten noch sogenannte „Grandes Écoles“ gebe: „An meiner École, der École Normale Supérieure, werden Studenten schon gleich nach ihrer Aufnahme verbeamtet und bekommen ein festes Gehalt.“ Damit gehen einher, dass sowohl die Ansprüche an die Studenten, als auch das Niveau sehr hoch seien. Mit ihrer Bewerbung habe sie im dritten Semester ihres Bachelor-Studiengangs angefangen und im fünften Semester sei sie dann nach Paris gegangen. An der Universität habe sie sowohl mit anderen Austauschstudenten zu tun gehabt, als auch mit einheimischen Studenten. „Die Vorlesungen sind größtenteils auf Französisch manche auch auf Englisch. Die Dozenten kommen nicht nur aus Frankreich, sondern auch aus dem Iran, Deutschland und der ganzen Welt“, berichtet Wink. Wenn sie jetzt ihr Auslandssemester überdenkt, wäre es vielleicht hilfreich gewesen dieses erst im Master zu absolvieren, „weil ich fachlich noch mehr hätte mitnehmen können“, sagt sie – im Großen und Ganzen sei sie aber  sehr zufrieden.

Vorschau: Am Dienstag, 12. Februar geht es in der Reiserubrik weiter mit der Mentalitätencheckserie – dieses Mal geht es um Australien.

Alles rund ums Auslandssemester

Bei manchen Studiengängen ist es schon Pflicht, es macht sich gut im Lebenslauf und stellt eine gelungene Abwechslung zum Studienalltag dar: Das Auslandssemester. Face2Face hat für euch ein paar allgemeine Tipps zum Thema Auslandssemester zusammengestellt. Am Dienstag, 29. Januar folgt  dann ein Interview mit Studenten, die sich schon ins Ausland gewagt haben.

1. Bewerbt euch rechtzeitigt!

Schon in  Deutschland hat jede Universität ihre eigenen Bewerbungsfristen. Im Ausland ist das noch viel komplexer: An manchen Universitäten gibt es Trimester, anstatt Semester, andere haben ihre Fristen für das kommende Semester schon ein Jahr im Voraus. Wer sich früh erkundigt, hat auch die besten Chancen an seiner Wunschuni einen Platz zu finden.

 2. Sucht euch konkrete Ansprechpersonen an den Universitäten

Wenn ihr dann eine Universität angeschrieben habt, versucht eine konkrete Kontaktperson zu finden. Das gilt übrigens auch an der deutschen Entsende-Uni. Falls ihr nur Institute anschreibt, besteht die Gefahr, dass euer Anschreiben in Vergessenheit gerät oder ihr einfach die falsche Person angeschrieben habt, aber euch das niemand mitteilt. Generell gilt aber, dass euch meistens euer Auslandskoordinator in Deutschland weiterhelfen kann.

3. Erasmus, BAföG

Ihr dachtet für BAföG  in Deutschland muss man viele Dokumente ausfüllen? Auslands-BAföG zu bekommen ist meist noch komplizierter, da Bestätigungen von zwei Universitäten, zwei Staaten und so weiter vorliegen müssen. Auch hier empfiehlt sich, sich möglichst früh zu erkundigen. Mit Erasmus, der Förderung für Studenten, die ein Auslandsjahr innerhalb Europas machen, ist es etwas einfacher, aber auch hier sollte man sich erkundigen.

4. Lernt die Landessprache!

Egal in welcher Sprache ihr nachher Vorlesungen hört, ihr geht ja nicht nur zum Studieren ins Ausland, sondern wollt auch etwas von Land und Leute mitbekommen. Bei der Volkshochschule oder dem Studium Generale eurer Universität oder durch Schlüsselqualifikationskurse, könnt ihr schon einmal die Landessprache lernen.

 5. Unterkunft

Manche Auslandsstudenten haben einen Wohnheimplatz sicher, andere müssen sich für einen bewerben und wieder andere müssen sich eine Wohnung suchen. Es ist also auch hier festzustellen, was die Auslandsuniversität für euch parat hält. Je nachdem muss man sich noch auf Wohnungssuche begeben, oder kann sich bequem zurücklehnen.

Wie ihr heute gesehen habt, dreht sich am Anfang erst einmal alles um Informationen, Informationen, Informationen.

Vorschau: Am Dienstag, 29. Januar lest  ihr dann wie es weitergeht, wenn man die Bewerbung geschafft hat. Fünf Studierende berichten dann von ihren Erfahrungen im Ausland.

 

Kulturelle Begegnungen – das VISUM Buddy Program an der Universtät Mannheim

Ein Semester in einem anderen Land zu studieren kann für viele Studenten eine ernste Probe ihrer Selbstständigkeit bedeuten. Doch dank der Studenteninitiative VISUM der Universität Mannheim muss sich theoretisch kein Austauschstudent mehr alleine durch den deutschen Bürokratiewahnsinn kämpfen.

Denn das VISUM Buddy Program stellt Kontakte zwischen deutschen Studenten der Universität Mannheim und Austauschstudenten aus aller Welt her, um ihnen die ersten Schritte in dem ihnen unbekannten Umfeld zu erleichtern.Auch ich habe dieses Semester das Experiment Buddy Program gewagt und möchte euch hier meine Erfahrungen mitteilen:

Schon einige Monate zuvor habe ich mich für das Buddy Program per Internet angemeldet und mich dort kundig gemacht, welche Behörden besucht werden müssen. Dann, etwa zwei Wochen vor Ankunft meines Buddy-Partners in Mannheim, erhalte ich eine Email von VISUM, in der wir einander vorgestellt werden und wir die Kontaktdaten des jeweils anderen erfahren.

Ich zögere nicht, meinem Buddy eine Email zukommen zu lassen.
Er, Südkoreaner, stellt sich mir mit dem Namen Kimmy vor. Er ist 24 Jahre alt, studiert Physik und Wirtschaft und macht einen sehr netten Eindruck auf mich.

Etwa eine Woche später finde ich mich wie verabredet früh morgens am Mannheimer Hauptbahnhof ein, um ihn abzuholen. Zugegebenermaßen bin ich ein bisschen aufgeregt, wer mich dort erwarten soll. Nach einiger Verspätung treffen wir dann schließlich aufeinander. Bei einem Kaffee stellt sich meine Befürchtung, er könnte vielleicht zu introvertiert sein und wir hätten Verständigungsprobleme, als völlig ungerechtfertigt heraus – welch Erleichterung.

In den nächsten vier Stunden begleite ich ihn zum International Office unserer Universität, helfe ihm, ein deutsches Bankkonto zu eröffnen, sich an der Universität zu immatrikulieren, den Studentenausweis abzuholen und begleite ihn schließlich zum Bürgerbüro, wo wir seinen Wohnsitz in Deutschland anmelden und sein Semesterticket abholen. Wir verabreden uns für den kommenden Montag, an dem ein von VISUM organisierter International Stammtisch stattfinden soll.

Haben sich durch VISUM kennengelernt: Steffen aus Deutschland und Steffi aus den USA.

Haben sich durch VISUM kennengelernt: Steffen aus Deutschland und Steffi aus den USA. (Foto: Schwalb)

Dort treffe ich auch andere Buddy-Paare, die mir ihre Erfahrungen mitteilen.

„Das VISUM Buddy Program ist ein interkultureller Austausch, bei dem deutsche Studenten den Austauschstudenten die wundervolle Stadt Mannheim näher bringen“, so Steffen, der gleichzeitig Mitgliedervorstand bei VISUM ist. Seine Buddy-Partnerin Steffi aus den USA erzählt, dass auch sie von Steffen vom Bahnhof abgeholt wurde, er ihr bei den Behördengängen geholfen hat und ihr die Stadt und den Weg zum Wohnheim gezeigt hat. „Das Programm ist aber auch sozial sehr wichtig, denn man lernt viele neue Menschen kennen und hat die Chance sein Deutsch zu verbessern“, erklärt sie. Dann überrascht sie mich, obwohl sie sehr gut Deutsch spricht, mit ein paar Wörtern echtem Monnemer Dialekt, der ihr von Steffen beigebracht wurde.

Keine landesübliche Kleidung, sondern die Verkleidung für das Motto des International Stammtisch: Buddy Paar Judith aus Deutschland und Uy aus Norwegen.

Keine landesübliche Kleidung, sondern die Verkleidung für das Motto des International Stammtisch: Buddy Paar Judith aus Deutschland und Uy aus Norwegen. (Foto: Schwalb)

„So optimal läuft es beim Matching jedoch nicht immer. Judith aus Deutschland konnte ihrem Buddy Uy aus Norwegen die ersten Tage nicht helfen, weil sie nicht in Mannheimm war, als er ankam. Dennoch verstehen sich die beiden, die sich auch beim International Stammtisch wiedergetroffen haben, blendend. „Das VISUM Buddy Program ist eine gute Möglichkeit sich mit internationalen Studenten auszutauschen und die Buddys zu integrieren“, findet Judith. Auch Uy kann dem nur zustimmen: „Judith ist ein sehr netter Buddy und hat mich all ihren deutschen Freunden vorgestellt.“

Auch ich kann bisher nur Positives über das Buddy Program berichten und bin mir sicher, dass ich den Kontakt mit meinem Buddy auch nach seinem Deutschlandaufenthalt weiter aufrechterhalten werde.

Zur Feier des zweijährigen Jubiläums von Face2Face verlost die Film-Kunst-Kultur Redaktion einen Thalia Gutschein im Wert von 30 €. Zum Gewinnspiel geht’s hier.