Mit NHL-Verstärkungen Richtung Viertelfinale?

Am Samstag, 6. Mai, beginnt die Eishockey Weltmeisterschaft im russischen St. Petersburg. Die deutsche Auswahl befindet sich dementsprechend in der Endphase der Vorbereitung auf die Titelkämpfe und hat sich mit dem Erreichen des Viertelfinales hohe Ziele gesetzt.
Doch der Reihe nach: Mit zwei Auftaktniederlagen in Tschechien (2:7 und 1:2) und einer 1:3-Niederlage und einem 3:2-Erfolg nach Penaltyschießen gegen Schweden, verlief die erste Hälfte der Vorbereitung überschaubar. Jedoch konnte sich die Auswahl von Neubundestrainer Marco Sturm in jedem Spiel sichtlich steigern.

Deutlicher Qualitätsanstieg
Erst recht, wenn man die beiden Partien im lettischen Riga betrachtet. Bei dem 4:3-Sieg und der 1:4-Niederlage war die DEB-Auswahl zum größten Teil die spielbestimmende Mannschaft. Dies hatte man vor allem den beiden NHL-Verstärkungen Tobias Rieder (Arizona Coyotes) und Leon Draisaitl (Edmonton Oilers) zu verdanken. Bemerkenswert, mit welcher Selbstverständlichkeit der erst 20-jährige und damit jüngste Akteur im deutschen Kader agierende Draisaitl die Führungsrolle in der Nationalmannschaft annimmt. „Mein Ziel ist es, ein Führungsspieler zu sein. Ein Spieler, auf den die Jungs bauen können“, sagte er und zeigte dies in den Vorbereitungsspielen eindrucksvoll: Ist das wohl größte Talent im deutschen Eishockey auf dem Eis, läuft jeder Angriff über ihn. Mit 19 Toren und 32 Vorlagen hat sich Draisiatl bereits in seinem zweiten Jahr in der stärksten Liga der Welt eindrucksvoll etabliert. Und nicht etwa als Mitläufer, sondern als einer der kommenden Stars der NHL.

Großer Hoffnungsträger
Klar, dass er da automatisch zum großen Hoffnungsträger der Deutschen bei der Weltmeisterschaft wird. Sturm, der aus den derzeit 31 nominierten Spielern noch mindestens sechs für die Weltmeisterschaft streichen muss, drückt zum Wohle des Jungstars aber auf die Bremse: „Er kann wirklich alles erreichen, aber man muss die Kirche im Dorf lassen“, will Sturm nicht, dass der Druck auf den „German Gretzky“, wie Draisaitl in Nordamerika in Anlehnung an den besten Eishockeyspieler aller Zeiten, Wayne Gretzky, bereits ehrfurchtsvoll genannt wird, zu groß wird.

Weitere NHL Verstärkungen
Gut für Draisaitl, dass neben ihm und Rieder auch NHL-Veteran Christian Ehrhoff für die WM zugesagt hat und ihm so ein wenig Ballast von den Schultern nehmen kann. Der ehemalige Abwehrspieler der Krefeld Pinguine ist mit den Chicago Blackhawks in der ersten Runde der Play-offs gescheitert und kann nun der noch wackligen deutschen Hintermannschaft mehr Stabilität verleihen. „Es freut mich sehr, dass wir auf so einen starken und erfahrenen Spieler zurückgreifen können. Christian ist nach dem frühen Ausscheiden der Blackhawks ganz heiß darauf, sein Land bei der WM vertreten zu können“, freute sich Sturm, der betonte, „dass Ehrhoff es war, der sich sofort gemeldet und seine Bereitschaft erklärt hat, die deutsche Auswahl zu unterstützen.“

Zielsetzung Viertelfinale
Für die beiden Testspiele am Freitag (20 Uhr) und Samstag (19.30 Uhr/beide Spiele jeweils live bei Sport1) in Oberhausen gegen Weißrussland wird Ehrhoff allerdings noch nicht zur Verfügung stehen. Sein erster Einsatz ist für die WM-Generalprobe am 3. Mai in der Schweiz geplant. Dann soll auch wieder der derzeit wegen einer Ellenbogenverletzung geschonte und mit 699 NHL-Spielen mehr als erfahrene Marcel Goc von den Adler Mannheim zur DEB-Auswahl stoßen. Da auch die Teilnahme von NHL-Verteidiger Korbinian Holzer von den Annaheim Ducks noch im Bereich des Möglichen liegt, kann Sturm auf die wohl stärkste Auswahl bei einer Weltmeisterschaft in den letzten Jahren zurückgreifen. „Ich denke wir haben eine gute Truppe zusammen und können mit ihr das Viertelfinale erreichen,“ gibt der 23-jährige Rieder mit Blick auf die Gruppe B, in der es gegen Kanada, USA, Slowakei, Weißrussland, Frankreich und Aufsteiger Ungarn geht, die Richtung vor.

Der Kader für die Testspiele gegen Weißrussland:

Torhüter :
31 Felix Brückmann (Grizzlys Wolfsburg), 35 Mathias Niederberger (Düsseldorfer EG), 51 Timo Pielmeier (ERC Ingolstadt)

Abwehrspieler :
2 Denis Reul, 77 Nikolai Goc, 82 Sinan Akdag (alle Adler Mannheim), 5 Benedikt Brückner (Schwenninger Wild Wings), 7 Daryl Boyle (EHC RB München), 34 Benedikt Kohl (ERC Ingolstadt), 81 Torsten Ankert, 91 Moritz Müller (beide Kölner Haie), 85 Marcel Brandt (Düsseldorfer EG), 90 Constantin Braun (Eisbären Berlin)

Stürmer:
8 Tobias Rieder (Arizona Coyotes), 9 Jerome Flaake, 21 Nicolas Krämmer (beide Hamburg Freezers), 12 Brooks Macek (Iserlohn Roosters), 17 Marcus Kink, 47 Christoph Ullmann (beide Adler Mannheim), 19 Simon Danner (Schwenninger Wild Wings), 28 Frank Mauer, 36 Yannic Seidenberg, 74 Dominik Kahun (alle EHC RB München), 29 Leon Draisaitl (Edmonton Oilers), 37 Patrick Reimer, 83 Leonhard Pföderl (beide Ice Tigers Nürnberg), 43 Gerrit Fauser (Grizzlys Wolfsburg), 50 Patrick Hager, 87 Philip Gogulla (beide Kölner Haie), 55 Felix Schütz (Rögle BK), 92 Marcel Noebels (Eisbären Berlin)

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Adler Mannheim sind Meister – WM voller Fragezeichen

Die Adler Mannheim haben es geschafft. Mit dem 3:1-Erfolg beim ERC Ingolstadt sicherten sich die Mannheimer zum siebten Mal die deutsche Eishockeymeisterschaft und entrissen dem Titelverteidiger, trotz zwischenzeitlichem 1:2-Serienrückstand, den Pokal. Unterdessen steht dem deutschen Eishockey eine WM voller Fragezeichen bevor 

Es war 21.59 Uhr als am vergangenen Mittwoch Helme, Stöcke, Handschuhe und sonstige Gegenstände den Weg aufs Eis fanden. Die Adler Mannheim waren zum siebten Mal deutscher Meister. Minuten später stemmte Adler-Kapitän Marcus Kink dann auch den großen Silberpokal in die Höhe. Er hatte sich zuvor mit seinen Mannen eine begeisternde Finalserie gegen den Titelverteidiger ERC Ingolstadt geliefert und diese am Ende mit 4:2-Siegen für sich entschieden.

Besser konnte es im Vorfeld dieses Finals sowieso nicht kommen: Der Vorrundenerste Adler Mannheim trifft auf den Titelverteidiger aus Ingolstadt. Mannheim galt aufgrund des beeindruckenden Saisonverlaufes zwar als Favorit, doch es waren die Ingolstadter, die in den ersten drei Partien größtenteils den Ton angaben. Glück für die Adler, dass sie die erste Begegnung zuhause mit 2:1 nach Verlängerung für sich entscheiden konnten. Ronny Arendt erlöste die 13.600 überwiegenden Adler-Anhänger in der SAP-Arena mit einem Rückhandschuss. Einen Schuss, den ERC-Torwart Timo Pielmeier später als „Wurstsemmel“ titulierte. Und in der Tat: Der ansonsten so stark haltende Pielmeier ließ ausgerechnet diesen haltbaren Puck in seinen Kasten rutschen.

Das Momentum lag nun bei den Adlern. Sollte man zumindest meinen. Es war der ERC, der in Form eines Meisters zurückschlug. 5:2 und 6:1 standen in den darauffolgenden Partien für den ERC auf der Anzeigetafel. Die Adler waren entnervt, die Meisterschaftseuphorie verflogen. Doch nun war es die Mannschaft aus der Quadratestadt, die – wie schon so oft in den diesjährigen Play-offs – zurückschlug. Mit einem beeindruckenden 6:2-Auswärtsserfolg läutete die Mannschaft von Cheftrainer Geoff Ward das Titelrennen ein. Zwei folgende 3:1-Erfolge krönten schließlich die Adler zum verdienten Meister. „ Wir haben so viel Scheiße gefressen die letzten Jahre“, sagte Arendt, aber nun: „Ich liebe diese Mannschaft!“. Adler-Schlussmann Dennis Endras gestand: „Ich hatte beim 3:1 Tränen in den Augen.“ Und „Sprachrohr“ Christoph Ullmann ließ verlauten: „Wir haben acht Jahre darauf gewartet, dann können wir jetzt auch acht Tage lang feiern!“

Eine Sause erwartete die Adler bereits bei ihrer Ankunft in der SAP-Arena. Knapp 3000 Fans harten in dieser noch aus, um dem neuen Deutschen Meister um halb vier morgens (!) einen entsprechenden Empfang zu bereiten. Bereits zuvor hatten sich 10.787 Fans in der Mannheimer Arena zum Public-Viewing getroffen und verfolgten von dort aus den Meistercoup ihrer Mannschaft.

Meisterlich: über 10.00 Fans schauten beim Public-Viewing in der SAP-Arena das entscheidende Finalspiel. Foto: Privat

Meisterlich: über 10.00 Fans schauten beim Public-Viewing in der SAP-Arena das entscheidende Finalspiel. Foto: Privat

Nach dem Empfang einen Tag später im Rathaus – inklusive anschließendem Autokorso bis zum Mannheimer Wasserturm – luden die Adler zur offiziellen Meisterfeier in der SAP-Arena. Zwei Tage waren seit dem entscheidenden Meisterschaftsspiel vergangen. Klar, dass da die einen Adler-Akteure etwas mehr, die anderen etwas weniger Schlagseite hatten. Gefeiert wurde trotzdem, als gäbe es keinen Morgen. Mit teilweise nacktem Oberkörper präsentierten die Spieler ihren Fans das Objekt der Begierde.

Am morgen erlebte Arendt bereits eine Begegnung der dritten Art: Im Café traf der Stürmer seinen Nachbarn. Dieser ist kein geringerer als Marcus Kink. Und der Adler-Kapitän hatte nicht etwa einen Kaffe oder eine Tüte Brötchen in der Hand – nein! Es war, wie sollte es auch anders sein: Der silberne Henkelpokal!…

Aber nach der Meisterschaft ist wie jedes Jahr vor der WM: Bundestrainer Pat Cortina ist bei dieser allerdings alles andere als zu beneiden. Bereits 21 Spieler, darunter die vier NHL-Legionäre Marcel Goc (St. Louis Blues), Dennis Seidenberg (Boston Bruins), Christian Erhoff und Thomas Greiss (beide Pittsburgh Penguins) haben Cortina für die Titelkämpfe in Prag (01. bis 17. Mai) bereits abgesagt. Auch die Adler-Spieler Frank Mauer, Dennis Reul (beide Knieverletzung) und Sinan Akdag (Schulter-OP) winkten ab. Mit Dennis Endras, Nikolai Goc, Christoph Ullmann, Marcus Kink, Matthias Plachta und Kai Hospelt stehen aber dennoch sechs Akteure aus der Quadratestadt für Deutschland auf dem Eis. Vom Vizemeister Ingolstadt stoßen Timo Pielmeier, Benedikt Kohl und Patrick Hager zum deutschen Aufgebot dazu. Zwei Jahre vor der Heim-WM und ein Jahr vor der Olympia-Qualifikation wird es für die Jungs mit dem Bundesadler auf der Brust dennoch schwer, sich eine gute Platzierung zu erkämpfen. Deutschland steht eine WM voller Fragezeichen bevor. Etwas Hoffnung gibt zumindest NHL-Stürmer Tobias Rieder, der es in seiner ersten Saison für die Arizona Coyotes auf 13 Tore und sieben Vorlagen brachte.

Das vorläufige deutsche WM-Aufgebot: 

Tor: Dennis Endras (Adler Mannheim), Timo Pielmeier (ERC Ingolstadt), Danny Aus den Birken (Kölner Haie)

Abwehr: Benedikt Kohl (ERC Ingolstadt), Moritz Müller (Kölner Haie), Justin Krueger (SC Bern), Nikolai Goc (Adler Mannheim), Oliver Mebus (Krefeld Pinguine), Björn Krupp (Grizzly Adams Wolfsburg), Jens Baxmann (Eisbären Berlin), Stephan Daschner (Düsseldorfer EG)

Sturm: Kai Hospelt, Marcus Kink, Matthias Plachta, Christoph Ullmann (alle Adler Mannheim), Daniel Pietta (Krefeld Pinguine), Patrick Reimer, Yasin Ehliz (beide Ice Tigers Nürnberg), Tobias Rieder (Arizona Coyotes), Michael Wolf, Yannick Seidenberg (beide EHC München), Patrick Hager (ERC Ingolstadt), Thomas Oppenheimer, Nicolas Krämmer (beide Hamburg Freezers), Brent Radeke (Iserlohn Roosters).

 Vorschau:  Basenfasten – eine andere Art um sich gesund zu ernähren. Lest mehr darüber am 06.05.

Hoffnung trotz schwacher Jugendarbeit – Teil1

Nein, das deutsche Eishockey gehört auf der internationalen Bühne nicht zu der Weltklasse dazu. Dafür gibt es die verschiedensten Gründe. Einer davon ist wohl der existenziellste von ihnen: Die Jugendarbeit. Hier hapert es oft schon an den einfachsten Stellen. Klar, im Land, in dem König Fußball regiert, ist es schwer Kinder für die schnellste Mannschaftssportart der Welt zu begeistern. Auch sind Fußball oder Handball (oftmals für die Eltern) billiger und vielfältiger bei den Ausübungsmöglichkeiten (es steht leider nicht überall eine Eishalle zur Verfügung). Aber dennoch muss sich der deutsche Eishockeybund und die lizenzierten Vereine der Deutschen Eishockey Liga (DEL) in Sachen Jugendarbeit noch deutlicher hinterfragen. Die meisten der DEL-Clubs, zum Glück nicht alle, betreiben eine solche Jugendarbeit erst überhaupt nicht. Um die Mindestanzahl an deutschen Akteuren im jeweiligen Kader zu erfüllen, werden kurzerhand Deutsch-Kanadier, die zu häufig nicht mal die deutsche Sprache beherrschen, mit dem entsprechenden Pass ausgestattet und ins Team aufgenommen. Und sollte man doch einmal einen deutschen Spieler benötigen, bedient man sich überwiegend bei der unterklassigen Konkurrenz, die durch nachhaltige Jugendarbeit versucht das deutsche Eishockey langfristig auf einen erfolgreichen Weg zu führen. 

Natürlich gibt es auch vorbildliche Ausbildungsstätten wie beispielsweise in Mannheim, Köln, Düsseldorf oder, wie bereits oben erwähnt, in den im Profibereich leider unterklassigen Vereinen wie Landshut, Bad Tölz, Kaufbeuren und Rosenheim. Dadurch lässt sich auf internationalem Niveau zwar ganz nett mitspielen, zu mehr reicht es damit aber noch lange nicht. 

Zum Glück springt aber ab und zu auch das ein oder andere Talent aus den Schmieden heraus. Nachwuchshoffnungen, die es bis in die beste Eishockeyliga der Welt, der National Hockey League (NHL), schaffen. 

Die deutschen Eishockey-Nachwuchshoffnungen versuchen ihr Glück in der NHL. Foto: Koehl

Die deutschen Eishockey-Nachwuchshoffnungen versuchen ihr Glück in der NHL. Foto: Koehl

Vor allem vor der laufenden Saison richteten sich alle deutschen, eishockeyinteressierten Augen auf die NHL. Mit Leon Draisaitl, Tobias Rieder, Korbinian Holzer, David Wolf und Philipp Grubauer durften gleich sechs Talente zumindest für ein Spiel das Trikot eines NHL—Teams überstreifen. Face2Face behält die Stars von morgen ständig im Auge und gibt im Folgenden einen Überblick über den bisherigen Saisonverlauf der deutschen Youngstars. 

Leon Draisaitl. Der gebürtige Kölner war im vergangenen Sommer das Medienthema in der deutschen Eishockeyszene. Draisaitl wurde im NHL-Draft 2014 an dritter Stelle von den Edmonton Oilers gezogen. So früh, wie noch kein deutscher Spieler vor ihm. Dass Superlative wie Jahrhunderttalent nicht lange auf sich warten ließen, liegt nahe. In den USA trägt er, in Anlehnung an die kanadische Eishockey-Ikone Wayne Gretzky, den Spitznamen „The German Gretzky“. Klar, dass da der Hype um das „Ausnahmetalent“ entsprechend groß war. Der 1,88 Meter große und 108 Kilogramm schwere Centerspieler schaffte auch auf Anhieb den Sprung in den NHL-Kader, stürmte zwischenzeitlich sogar in der zweiten Sturmreihe. Doch der damals noch 18-Jährige hatte ein Problem: Mit den Oilers ist er in ein Team geraten, dass sich seit Jahren im Umbruch befindet und seit noch längerer Zeit kein Bein mehr auf die Erde brachte. Nach 37 NHL-Spielen beim damals schlechtesten Team der Liga, in denen ihm immerhin zwei Tore und sieben Vorlagen gelangen, hatten die Club-Verantwortlichen ein einsehen. „Ständig zu verlieren bringt einem jungen Spieler wie Leon in seiner Entwicklung nicht weiter. Er braucht Siege“, ließ die Oilers-Führung rund um General-Manager Craig MacTavish und Trainer Dallas Eakins verlauten. Die logische Konsequenz: Draisaitl wurde in die Western Hockey League, eine kanadische Juniorenliga, zurückgeschickt, um unter Erfolgserlebnissen weiter geschliffen zu werden. Die Kelowna Rockets, heißester Anwärter auf den Cup-Sieg, boten sich da regelrecht an. Und der NHL erfahrene Deutsche schlug voll ein. Mit neun Toren und 21 Vorlagen in 30 Partien für sein neues Team zeigte Draisaitl wie viel Potenzial in ihm steckt. „Ich lebe mich hier langsam ein und kann noch viel besser spielen“, ließ er verlauten. Es klang fast wie eine Drohung an die Konkurrenz. Doch so oder so. Leon Draisaitl wird noch eine große Karriere in der NHL vor sich haben. 

Tobias Rieder. Der Landshuter machte sich vor gut vier Jahren auf, um in Nordamerika seinen Traum vom NHL-Profi zu leben. Nach drei Jahren beim Juniorenteam der Kitchener Rangers in der Ontario Hockey League (OHL), ging es für ihn nach Portland in die zweitklassige AHL. Bei den Portland Pirates, dem Farmteam der Arizona Coyotes, zeigte Rieder sofort seine enormen  Torjägerqualitäten. Bereits in seinem ersten AHL-Spiel gelangen ihm zwei Treffer. Am Ende standen beachtenswerte 28 Tore für ihn zu Buche – und das bei einem Team, dass die Play-off-Runde verpasste. Als Zugabe gab es weitere Profi-Erfahrung bei der A-WM mit der deutschen Nationalmannschaft. Dort gefiel Rieder als bester deutscher Stürmer. Und nach neun Spielen (vier Tore, zwei Vorlagen) in der laufenden AHL-Saison, kam der Anruf aus Arizona –„Tobi pack deine Sachen, du spielst heute Abend in Washington gegen die Capitals“ sagte ihm sein AHL-Trainer Ray Edwards am Telefon. Gesagt getan. Da der Landshuter offenbar auf gelungene Prämieren zu stehen scheint, steuerte er bei seinem Debüt gleich mal seinen ersten NHL-Treffer hinzu. Aber das ist noch nicht alles. Rieder stellte am 01. Dezember des vergangenen Jahres einen Rookie-Rekord auf. Ihm ist es als ersten Liganeuling gelungen, zwei Unterzahltore binnen 58 Sekunden zu erzielen. Nach 48 Spielen stehen nun acht Tore und sechs Vorlagen auf der Habenseite Rieders. „Er ist ein cleverer Spieler, der mit Intelligenz und hohem Tempo agiert“, sagt nicht nur Coyotes-Trainer Dave Tippet dem Landshuter eine große Karriere voraus. 

Die nächsten deutschen Nachwuchshoffnungen in der NHL werden in Teil 2 näher unter die Lupe genommen. 

Vorschau: Ski-WM in Falun. Folgt nach dem überschaubaren Abschneiden in Sotschi der Sprung zurück zu alter Stärke?