Zukunftsvision Arbeitsplatz

„Morgen“, murmele ich schlaftrunken, während ich mir eine Tasse Kaffee eingieße. Dem Gang eines Untoten gleich schlurfe ich zur Coach und lasse mich in die weichen Kissen sinken. „Wie sieht dein Tag heute aus?“, fragt mich mein Freund, der eindeutig fitter ist als ich. „Och, heute Morgen arbeite ich im Homeoffice, dann brauch ich mich wenigstens nicht fertig zu machen. Heute Mittag gibt´s dann eine Hologramm-Schaltung mit dem Chef. Dafür sollte ich mir vielleicht die Haare kämmen.“ Beim Gedanken daran, dass mich mein Chef ungeschminkt, mit zerzaustem Haar und in meinen heiß-geliebten rosa Hausschuhen sehen könnte, muss ich schmunzeln. „Und bei dir so?“, frage ich. „Wir arbeiten immer noch an dem Virtual Reality-Problem“, erklärt er, „deshalb fahre ich heute zu den Kollegen und erledige im Zug via Tablet schon einmal das Tagesgeschäft. Ich hoffe mal, dass wir das heute wieder in den Griff bekommen. Unsere Kunden in Shanghai haben schon nachgefragt, wann wir uns mal wieder im virtuellen Raum die Hände schütteln können.“ „Verrückt, was heute alles möglich ist“, sage ich gedankenversunken.

Nervennahrung und Sencha-Tee: So lässt es sich arbeiten, findet FilmKunstKultur-Mitarbeiterin Elisabeth (Foto: Peternek)

Nervennahrung und Sencha-Tee: So lässt es sich arbeiten, findet FilmKunstKultur-Mitarbeiterin Elisabeth (Foto: Peternek)

Und tatsächlich könnte sich die Arbeitswelt, so wie wir sie heute kennen, wesentlich verändern. Moderne Technik und innovative Ideen machen´s möglich.

Die Gamescom im vergangenen Jahr lieferte schon einmal erste Ausblicke auf das, was in einigen Jahren vielleicht sogar schon Alltag in einigen Unternehmen sein könnte. Der wie eine Art Laufstall wirkende Virtualizer ermöglicht beispielsweise Bewegungen in virtuellen Welten ohne Änderung der Position in der Realität. Taucherbrillen-ähnliche Konstruktionen lassen den Gamer – in Zukunft vielleicht auch den Angestellten? – in eine Parallelwelt abtauchen.

Das Potenzial dieser Datenbrillen hat scheinbar auch Facebook erkannt und übernahm für 2,3 Milliarden Dollar Ocolus VR, deren Brille wir 2013 auf der Gamescom testeten. Facebook-Chef Mark Zuckerberg begründete den Kauf so: „Wir bereiten uns auf die Plattformen der Zukunft vor.“ Weiter sagte er: „Oculus hat die Chance, die sozialste Plattform aller Zeiten zu erschaffen und damit die Art und Weise zu verändern, wie wir arbeiten, spielen und kommunizieren.“ Die Tatsache, dass eine Persönlichkeit wie Zuckerberg, dem man ein gewisses Gespür für moderne Entwicklungen zugestehen muss, voraussagt, dass die Datenbrillen nicht nur unsere Freizeitgestaltung, sondern auch unseren Arbeitsalltag revolutionieren können, ist ein weiteres Indiz für die Zukunftsfähigkeit der Virtual Reality.

Hat Spaß an ihrer Arbeit beim SWR, auch wenn der der Schreibtisch auch mal etwas chaotischen ist: Anja, Mitarbeiterin der Face2Face-Sport-Redaktion (Foto: Rambacher)

Hat Spaß an ihrer Arbeit beim SWR, auch wenn der der Schreibtisch ab und an mal etwas chaotisch ist: Anja, Mitarbeiterin der Face2Face-Sport-Redaktion (Foto: Rambacher)

Einen Überblick über mögliche Entwicklungen zum Thema „Arbeitsplatz der Zukunft“ liefern die Betreiber des CeBit-Blogs im Rahmen einer von ihnen gestarteten Blogparade. Die Zukunftsvisionen der Blogger reichen von Homeoffice statt Büro über digitale Netzwerke und sogenannte Collaboration Tools zur Kontaktaufnahme mit Kollegen und Kunden bis hin zur Abschaffung der E-Mail.

Die Face2Face-Mitarbeiter haben ihre ganze eigene Sicht zum Thema Arbeitsplatz der Zukunft. „Ich glaub, dass keine noch so ausgefeilte Technik den persönlichen Kontakt ersetzen kann“, ist sich Anja (24) aus der Sport-Redaktion sicher. Konferenzen via Videochat oder Telefon seien ja heute schon üblich, dennoch erzielt ein persönlichen Gespräch ihrer Meinung nach viel besseren Konsens, zumal Verständnisschwierigkeiten eingedämmt werden könnten. „Ich finde es angenehm, mit mindestens zwei anderen Kollegen im Büro zu sein, das pflegt einerseits die Nähe und andererseits kann man schneller gemeinsam an Ideen feilen“, erzählt die Volontärin der SWR Media Services.

Schlicht und ordentlich: So mag Denis, bei Face2Face für IT und Support zuständig, seinen Arbeitsplatz (Foto: Pollach)

Schlicht und ordentlich: So mag Denis, bei Face2Face für IT und Support zuständig, seinen Arbeitsplatz (Foto: Pollach)

FilmKunstKultur-Mitarbeiterin Elisabeth (23) befürchtet, dass wir uns trotz mehr und mehr Möglichkeiten für Work-Life-Balance, wie Homeoffice und flexible Arbeitszeiten, auf eine ständige Erreichbarkeit per Telefon und Mail 24×7 einstellen müssen. „Die Wochenenden nur für Familie und Freunde ohne Gedanken an den Job sind wohl passé“, glaubt sie, „dann checkt man zwischen Fußballspiel des Sohnes und Ballettaufführung der Tochter nochmal schnell die Mails, um montagmorgens keine bösen Überraschungen im Büro zu erleben.“

„Mein Arbeitsplatz der Zukunft ist nicht allzu weit entfernt von meinem Arbeitsplatz heute“, ist sich Denis (23) sicher. Videokonferenzen, Instant Messenger und mobiles Internet sind in seinem Betrieb an der Tagesordnung. Für das tägliche Geschäft sei das sehr gut. Dennoch glaubt Denis, dass persönlicher Kontakt immer noch notwendig sein wird: „Das ist aus meiner Sicht eine wichtige Basis für ein gutes Miteinander.“

Alles griffbereit: So mag Redaktionsleiterin Tatjana ihren Schreibtisch (Foto: T. Gartner)

Alles griffbereit: Der Schreibtisch von  Face2Face-Redaktionsleiterin Tatjana (Foto: T. Gartner)

Als Redaktionsleiterin des Online-Magazins Face2Face kann ich mit Stolz sagen: Das Unternehmen der Zukunft ist bei uns bereits Realität. Allerdings auch mit all seinen Herausforderungen. Die Face2Face-Mitarbeiter arbeiten von daheim aus, die Kommunikation innerhalb der Redaktion findet größtenteils über Soziale Netzwerke und E-Mails statt. Obgleich diese Form der Zusammenarbeit viele Vorteile hat – jeder kann nach seinem eigenen Rhythmus arbeiten und hat gleichzeitig den Rückhalt einer flexiblen, da mehrheitlich mobil erreichbaren Community – so liegt die Herausforderung darin, eine persönliche Bindung herzustellen, sowohl zwischen Kollegen als auch zwischen den Mitarbeitern und dem Unternehmen selbst. Mit Konferenzen und persönlichen Mitarbeitergesprächen versuchen wir genau das zu erreichen. Ob sich das Konzept des Virtuellen Unternehmens, wie Face2Face eines ist, bewährt, wird die Zukunft zeigen.

Wie stellt ihr euch den Arbeitsplatz der Zukunft vor?

Vorschau: Am Dienstag, 22. April lest ihr bei uns im Panorama eine Umfrage zum Thema Kindheit in der DDR.