Streiche spielen am 1. April? Der Narrentag in Asien

Streiche spielen am 1. April? Der Narrentag in Asien

Närrisches Symbol: Der Joker oder Harlekin in einem Kartenspiel (Foto: Alexas_Fotos, Pixabay.com)

Wir alle kennen das: Mit kleinen Scherzen oder Streichen schicken wir andere in den April oder werden selbst mit einem Augenzwinkern an den ersten April erinnert. Den traditionellen Tag der Streiche, den 1. April, gibt es in Deutschland und vielen anderen Ländern Europas sowie in Amerika bereits seit Langem. Wie sieht es aber in Asien mit dieser speziellen Tradition aus?

Der 1. April traditionell in Deutschland

Der 1. April ist in Deutschland traditionell der Tag der Streiche. Wer an diesem Tag einen Streich gespielt bekommt, wird häufig mit den Worten „April, April“ aufgeklärt. Spätestens dann ist klar, dass es sich um einen speziell für diesen Tag geplanten Aprilscherz gehandelt hat. Dabei kann es zwar schon einmal zu Missverständnissen kommen, wenn der Scherz ernsthafte Schäden nach sich zieht. Das kommt aber zum Glück eher selten vor.

In Asien: Chinas Regierung erklärt Aprilscherze für illegal

Es scheint so, dass China den ersten April weitaus kritischer sieht, als dies in Europa der Fall ist. Am 1. April 2016 berichtete die Zeitung Die Welt, Aprilscherze seien in China ab sofort illegal und nicht mit dem sozialistischen Wertekodex vereinbar. Auf einer Mikroblog-Seite der amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua wurde damals sogar davor gewarnt, in der Öffentlichkeit Aprilscherze zu spielen. Das führte dazu, dass von diversen Mikrobloggern eine, wie sie Die Welt bezeichnete, „virtuelle Aprilwitz-Revolution“ ins Leben gerufen wurde. Als früh morgens die Nachrichtenagentur Xinhua den Blogbeitrag veröffentlichte, ließen sich viele der Blogger online über das Verbot aus.

Hier zwei Kommentare zu der Entscheidung der Regierung, wie sie auch Die Welt zitierte:

„Das ist der allerbeste Aprilscherz für heute.“ – Blogger Kamel

„Überall sonst wird der Narrentag nur einmal im Jahr begangen. Dank unserer Propaganda feiern wir ihn doch jeden Tag.“ – Blogger Wassermelone

Nachdem die Zensoren Chinas das bemerkten, wurden laut der Zeitung Die Welt mehr als 3000 Blogeinträge und Kommentare von der Nachrichtenagentur gelöscht. Lediglich dreizehn Kommentare blieben unberührt, weil sie die Zensoren wohl als ungefährlich einstuften, aber es wurden keine weiteren Kommentare zugelassen. Allerdings hatte sich die Aktion bereits auf andere Plattformen und Blogs ausgebreitet und bereitete den Beteiligten trotz den Versuchen, sie zu stoppen, einen arbeitsreichen 1. April.

Die angeblich aus dem Westen kommende Tradition wurde von der chinesischen Regierung wohl vor allem aus folgendem Grund nicht gebilligt: Der Tag wäre ein willkommener Anlass für Regierungskritiker, über das Netz vermehrt Kommentare oder Streiche zu verbreiten, was zu einem Kontrollverlust führen könnte. Trotzdem wird diese Tradition auch in China immer mehr angenommen und praktiziert.

Kommt die Tradition zum 1. April wirklich aus Europa?

Es lässt sich nicht wirklich klar sagen, wo der Narrentag ursprünglich entstanden ist. In Deutschland ist unter anderem die Annahme verbreitet, dass der 1. April im 16. Jahrhundert seinen Ursprung hat, wo er eben auch als „Narrentag“ bezeichnet wurde. Wie die FAZ am 1. April 2001 berichtete, wurde im Jahr 1564 im Zuge der Kalenderreform der Beginn des neuen Jahres vom 1. April auf den 1. Januar verlegt. Wer an dem alten Datum festhielt, wurde als Narr bezeichnet.

Allerdings kann es auch sein, dass die Aprilscherze in Asien entstanden sind. Hierbei gibt es die Theorie, dass sie vom alten indischen Hulifest abstammen, welches traditionell am Monatsanfang des Aprils gefeiert wird. Das Bonifatiuswerk der deutschen Katholiken e.V. beschreibt auf seiner Internetseite das Hulifest als vergleichbar mit der alemannischen Fastnacht, da hier der Winter und seine Dämonen durch die Narren vertrieben werden sollen. Sogar die indische Liebesgöttin Maja wird im Zusammenhang mit dem Scherzbrauch genannt, da sie Täuschung symbolisiert.

Woher der Tag nun auch stammt, er wird in vielen asiatischen Ländern genauso gefeiert wie in Europa. So ist der Tag der Streiche nicht etwa eine westliche Erfindung, sondern er hat in den Kulturen Asiens ebenfalls seinen Platz.