Gebt mir Anerkennung! – oder wenn manche Menschen Fische wären

Her mit eurem Lob - wieso lechzen wir oft förmlich nach Anerkennung? (Foto: Tim Reckmann  / pixelio.de )

Her mit eurem Lob – wieso lechzen wir oft förmlich nach Anerkennung? (Foto: Tim Reckmann / pixelio.de )

Manchmal lechze ich förmlich nach Anerkennung. Und das geht mir gewaltig auf die Nerven und widert mich zugleich auch an. Es muss doch reichen selbst zu wissen, was ich kann und erreicht habe? Wieso muss ich aus den Mündern anderer Lob und Anerkennung hören, um wirklich stolz auf mich zu sein? Ich wünsche mir regelrecht wie früher als Kind gelobt zu werden, am besten noch mit einem anerkennenden Schulterklopfer! Dabei habe ich das früher nicht ausstehen können.

Wenn es um Anerkennung geht, kommen sofort die Eltern ins Spiel. Ihr Lieblingsthema: Ihre (Sorgen-)Kinder – und da kommt natürlich früher oder später auch dieser Schlag ins Gesicht: „Ja, du hast dir ja ganz schön viel Zeit mit deinem Studium gelassen.“ Aber was ist mit den anderen Dingen, die ich nebenher unternommen habe? Praktika, soziales Engagement, Auslandssemester? „Zählt das nichts?“, höre ich mich quengeln. Und mein Geld habe ich auch selbst verdient. Manchmal will ich so gerne einfach darauf pfeifen, was andere sagen. Wozu immer rechtfertigen? Manchmal würde ich so gerne diese ganzen Stimmen und Meinungen um mich herum ausschalten. Menschen, die an mir vorüberziehen, ihre Münder wie Fische auf und zu bewegen. Doch was sie sagen höre ich nicht. Hach – dann wäre vieles so viel einfacher. Wenn da keine anderen Leute wären, die ihren Mund dauernd unnötigerweise weit aufreißen, um zu jedem Thema ihren Senf dazuzugeben. Aber dann würde ich auch auf jegliche Kritik und Anerkennung verzichten müssen?

Wenn manche Mensche fische wären (Foto: Harald Schottner  / pixelio.de)

Wenn manche Mensche fische wären (Foto: Harald Schottner / pixelio.de)

Ich gehe meinen Weg. Manchmal auf Umwegen. Und eigentlich weiß ich ganz genau, dass es Schwachsinn ist, bei anderen Bestätigung zu suchen. Aber oftmals will ich ganz sicher gehen, dass ich alles richtig mache. Als würde die Zustimmung anderer mich darin bestärken, dass ich auf dem richtigen Weg bin. Ein Stempel, eine krakelige Unterschrift auf einer Urkunde – die das alles beglaubigt. Sehen sie her – diese junge Dame hat das hat alles mit Bravur gemeistert! Und wieder sehe ich das kleine Schulkind von früher. Schulranzen, süße Zöpfchen und in der Hand das Zeugnis, das nur darauf wartet stolz von den Eltern begutachtet zu werden. Ist doch kein Wunder, dass ich auf Anerkennung angewiesen bin. Wir lernen es ja nicht anders. Und selbst im Erwachsenenleben müssen wir für alles Beglaubigungen und Referenzen vorweisen. Ohne diese Papiere sind wir ein Nichts.

Ist es am Ende nicht sogar ganz menschlich, dass wir ab und an auch für etwas gelobt werden wollen? Egal wie alt wir sind? Vielleicht sollten wir dabei nur eines beachten – dass wir auf die Meinung weniger Menschen in unserem Umfeld Wert legen. Und alle anderen, die mich mit ihren Aussagen nerven – verwandle ich einfach in lustige Fische, die ihren Mut auf und zu machen – aber alles was daraus kommt – sind Luftblasen!

Vorschau: Nächste Woche schreibt Eva hier über die Weiblichkeit.

Nahostkonflikt: Schweden erkennt Palästina als Staat an

Als eines der ersten westlichen Länder hat Schweden in der vergangenen Woche die Anerkennung des Staates Palästina bekanntgegeben. Die schwedische Regierung sieht in diesem Schritt einen wichtigen Beitrag zur Bestätigung des Rechts der Palästinenser auf Selbstbestimmung. Zudem sollen die seit Jahren festgefahrenen Verhandlungen im Nahostkonflikt auf diese Weise vorangetrieben werden. Während die politischen Vertreter der Palästinenser dies als diplomatischen Sieg verbuchen, übt Israel scharfe Kritik am Vorgehen der Regierung in Stockholm.

Der schwedische Premierminister Stefan Löfven hatte den Schritt zur Anerkennung bereits bei seiner Antrittrede im Oktober 2013 angekündigt. Der Konflikt zwischen Israel und Palästina kann nur durch eine Zwei-Staaten-Lösung gelöst werden, ausgehandelt in Übereinstimmung mit den Grundsätzen des Völkerrechts, so Löfven im vergangenen Jahr. Die Entscheidung, den Palästinenserstaat zu diesem Zeitpunkt anzuerkennen, ist vor allem vor dem Hintergrund des Gazakrieges im vergangenen Sommer und der anhaltenden Spannungen in Ostjerusalem zu verstehen. Neben Schweden scheinen auch weitere europäische Länder, darunter Belgien, Portugal und Irland, einer einseitigen Anerkennung Palästinas zugeneigt zu sein. Im britischen Unterhaus gibt es ebenfalls eine entsprechende Empfehlung, allerdings ohne bindenden Charakter für die Regierung.

Mit der offiziellen Anerkennung Palästinas steht Schweden weltweit ebenfalls nicht allein da. Mehr als 130 Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen haben den Staat bereits anerkannt, darunter auch mehrere europäische Länder. Dabei handelt es sich jedoch vor allem um Staaten der ehemaligen Sowjetunion, wie Polen, Tschechien oder die Slowakei, die Palästina bereits im Jahr seiner Ausrufung 1988 anerkannten. Entsprechend groß ist vor allem die symbolische Bedeutung der Anerkennung Palästinas durch das erste große Land Westeuropas am vergangenen Donnerstag.

Während Palästinenserpräsident Mahmud Abbas das Vorgehen Schwedens als mutig und historisch beschrieb, fiel die israelische Reaktion erwartungsgemäß scharf aus. Nur wenige Stunden nach der Bekanntgabe der Anerkennung durch Schweden zog Israel seinen Botschafter aus Stockholm ab. Zuvor hatte der israelische Außenminister Avigdor Lieberman die Entscheidung der schwedischen Regierung als miserabel kritisiert. Mit dieser Haltung steht Israel aber zunehmend alleine da. Neben der Ansicht vieler europäischer Regierungen sind auch aus den Vereinigten Staaten, dem wichtigsten Verbündeten Israels, zunehmend kritische Töne zu hören. Vor allem der Bau von Siedlungen auf dem besetzten Palästinensergebiet sorgt immer wieder für diplomatische Spannungen. Zuletzt hatte der stellvertretende UN-Generalsekretär Jeffrey Feltman schwerwiegende Zweifel am allgemeinen Friedenswillen Israels geäußert.

Ob die Anerkennung Palästinas wirklich konkrete Folgen für den Friedensprozess haben wird, muss sich zeigen. Es scheint jedoch deutlich, dass die westliche Welt zunehmend die Geduld mit beiden Konfliktparteien verliert, eine einvernehmliche Zwei-Staaten-Lösung zu finden.