Kann eine Woche ohne Smartphone unseren alltäglichen Stress reduzieren?

Kann eine Woche ohne Smartphone unseren alltäglichen Stress reduzieren?

Das Smartphone als alltägliche Stressursache?
(Foto: JESHOOTScom, pixabay.com)

Durch das Smartphone haben wir im Alltag viele Vorteile. Wir können ständig mit anderen in Kontakt treten, wir können von überall aus online gehen, unsere neusten Erkenntnisse mitteilen und sind zu jeder Zeit erreichbar. Wer kennt das nicht: plötzlich hat man keine Netzverbindung und kann mit dem Smartphone nicht mehr ins Internet oder jemanden erreichen. Da bricht für manch Einen eine Welt zusammen, andere kommen sich einfach verloren vor. Das muss natürlich nicht der Fall sein, aber passiert doch grade in unserer Gesellschaft sehr häufig, da wir uns viel zu sehr auf unser Smartphone verlassen.

Mein Smartphone und ich

Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass ich vor allem durch die täglichen Zugfahrten zur Uni oder auf die Arbeit schon sehr an meinem Smartphone hänge. Der Zug kommt nicht? Schnell mal in der App nachschauen, ob er Verspätung hat. Hat jemand vielleicht versucht mich zu erreichen, während ich grade mal eine halbe Stunde nicht auf das Smartphone geschaut habe? Oder hat meine Arbeit mir vielleicht eine wichtige Mail geschickt, die ich noch lesen muss? Schnell mal in den eingegangenen E-Mails oder Nachrichten nachsehen. Das ist schon so etwas wie ein Ritual und ich habe fast ein schlechtes Gewissen, wenn ich an einem freien Tag mal mein Smartphone liegen lasse und ein paar Stunden nicht darauf schaue. Meist habe ich dann, wenn ich wieder nachsehe, ein paar verpasste Nachrichten und fühle mich gleich unbehaglich, weil jemand versucht hat mich zu erreichen, und ich nicht sofort verfügbar war. Denn ich habe schließlich ein Smartphone und wahrscheinlich hat derjenige erwartet, dass ich mich zeitnah melde.

Kann eine Woche ohne Smartphone unseren alltäglichen Stress reduzieren?

Immer erreichbar sein? Klar! Möglich gemacht durch verschiedene Apps auf dem Smartphone (Foto: TeroVesalainen, pixabay.com)

Das sind alles kleine Beispiele, wie mir mein Smartphone durch Nachrichten erheblichen Alltagsstress bereitet, die mir aber vor dem Selbstversuch noch nicht ganz klar waren. Zusätzlich kommen dann noch die Sozialen Netzwerke. Ich bin gar nicht bei Snapchat und nur selten bei Twitter, wenn, dann eher am Laptop. Aber Facebook und Instagram nutze ich vor allem mit dem Smartphone. Um den Selbstversuch auch wirklich durchzuziehen habe ich mich daher entschlossen, maximal eine halbe Stunde pro Tag in Facebook am Laptop zu gehen, da es wichtig für meine Arbeit ist und ich verschiedene Seiten mitbetreue. Instagram habe ich ganz weg gelassen, sowohl auf dem Smartphone als auch auf dem Laptop. Nun habe ich den Selbstversuch gewagt, und mein Smartphone von Montag bis Freitag ausgeschaltet.

Der erste Tag

Den Montag konnte ich zum Glück zuhause verbringen. Es ist mir zu Beginn gar nicht so sehr aufgefallen, dass ich mein Smartphone nicht nutzen konnte. Ich besitze einen „richtigen“ Wecker, und habe daher schon am Sonntagabend das Smartphone ausgeschaltet. Daher hatte ich vorerst auch nicht das Gefühl, dass mir etwas fehlt, da ich erst gar keine neuen Nachrichten vorfinden würde. Im Laufe des Tages erledigte ich einiges für die Uni und war zwar am Laptop. In gewisser Weise war ich also auch erreichbar, allerdings fiel es mir viel leichter, zum Beispiel mein Email-Programm auf dem Laptop nicht so oft zu öffnen, wie auf dem Smartphone. Das hat wahrscheinlich mit der Funktion der Push-Benachrichtigung auf dem Smartphone zu tun, diese habe ich am Laptop nicht und fühlte mich dadurch auch nicht dazu gedrängt, Nachrichten direkt zu beantworten. Ich habe mir einmal am Tag Zeit für die Emails genommen, und diese dann beantwortet. Und zwar alle auf ein Mal, was mir wesentlich weniger Stress bereitet hat, als wenn ich vier oder fünfmal am Tag einzelne Mails mit dem Smartphone beantwortet hätte. So gesehen war der erste Tag in meinen Augen ein voller Erfolg, obwohl ich einen Laptop zur Verfügung hatte.

Der zweite Tag

Am Dienstag wollte ich mich abends mit einer Freundin treffen. Leider hatte ich vergessen, vor dem Selbstversuch Zeit und Ort mit ihr genau auszumachen, daher musste ich doch morgens mein Smartphone einschalten und kurz eine Nachricht schicken. Das hat zum Glück auf Anhieb geklappt und wir konnten uns für abends verabreden. Allerdings kam es mir direkt wie ein Rückschlag vor. Ich bekam in der halben Stunde, in der ich das Smartphone eingeschaltet hatte, direkt neue Nachrichten und E-Mails. Die habe ich dann schnell beantwortet und meine Freunde darauf hingewiesen, dass ich diese Woche am besten über E-Mail oder Facebook erreichbar bin. Das hat den Selbstversuch wahrscheinlich ein bisschen beeinträchtigt, allerdings hatte ich die Hoffnung, dass ich für den Rest der Woche weniger verpasste Anrufe oder Nachrichten haben würde. Das hat mich dann doch wieder entspannt, darum geht es ja beim Selbstversuch. Zum Glück verlief der restliche Tag ohne Smartphone reibungslos.

Der dritte Tag

Kann eine Woche ohne Smartphone unseren alltäglichen Stress reduzieren?

Am Bahnhof ohne Smartphone, und dann hat der Zug Verspätung. Was jetzt? (Foto: Golda, pixabay.com)

Am Mittwoch musste ich arbeiten, daher hatte ich mir die Zugverbindung bereits am Tag vorher abgeschrieben, ganz altmodisch, in meinen Kalender. Leider kam es direkt auf der Hinfahrt zu Schwierigkeiten. Der Zug kam und kam nicht, und erst als ich mir sicher war, dass ich meinen Anschluss verpassen würde, fuhr er endlich in den Bahnhof ein und ich konnte einsteigen. Erst im Zug ist mir klargeworden, dass ich, wenn ich zu dem Zeitpunkt mein Smartphone gehabt hätte, ständig in der App nachgeschaut hätte, wie viel Zeit mir noch zum umsteigen bleiben würde, oder ob ich auf jeden Fall den nächsten Zug nehmen müsste. Stress pur! Ich konnte ja noch nicht mal auf der Arbeit anrufen, und wegen der Verspätung Bescheid geben. So war ich zwar auch ganz schön nervös, aber habe mir irgendwann gesagt, dass es sich jetzt sowieso nicht mehr ändern lässt, und wenn ich zu spät komme, dann ist das eben so. Vielleicht fahre ich das nächste Mal einfach etwas früher los, damit ich noch eine alternative Bahnverbindung habe. Am Ende hatte mein Anschlusszug tatsächlich auch Verspätung, und ich bin sogar noch pünktlich auf der Arbeit gewesen. Das hat mir wieder mal gezeigt, dass die Welt nicht untergeht, wenn wir mal 5 Minuten nicht auf das Smartphone schauen können. In Zukunft überlege ich mir genauer, wann ich wegen verspäteten Zügen in Stress gerate.

Der vierte Tag

Am Donnerstag musste ich Zuhause einiges für die Uni lesen und der Tag verlief daher auch ohne Smartphone ereignislos. Ich hatte mich allerdings erstaunlich schnell daran gewöhnt, auch am Laptop nicht die ganze Zeit bei Facebook online zu sein oder ständig meine Mails abzurufen. An dem Tag ist es mir doch sehr aufgefallen, dass ich viel gelassener bin, wenn ich nicht ständig auf Abruf stehe.

Der fünfte Tag

Gut ich muss schon zugeben, am Freitag war ich ziemlich erleichtert, dass ich nur noch diesen Tag ohne Smartphone überstehen musste. Die Fahrt auf die Arbeit und zurück verlief zum Glück reibungslos und ich hatte auch an mein Buch für die Zeit im Zug gedacht. Mir fiel gar nicht mehr so sehr auf, dass ich mein Smartphone grade nicht dabei hatte. Klar hat es mir insgesamt geholfen, dass das Buch was ich gerade lese sehr spannend ist, und ich hatte ja auch teilweise meinen Laptop zur Verfügung. Trotzdem fühlte ich mich am Ende der Woche schon um einiges entspannter als sonst, vor allem wenn ich von der Arbeit heimgekommen bin.

Am Freitag sind mir auch einige Dinge aufgefallen, die ich sicher mit Smartphone in der Hand nicht bemerkt hätte. Zum Beispiel der Zug mir gegenüber, als ich am Bahngleis wartete, mit der Aufschrift „Kaffeepäuschen“, der damit wohl auf seine kurze Pause hinweisen wollte. Oder wie oft man sich mit dem Smartphone auch einfach nur von den eigenen Gedanken ablenkt. Ich hatte einfach das Gefühl, mit offenen Augen durch die Welt zu laufen. Und auch wenn das jetzt wie ein Klischee klingt, dadurch freue ich mich zum Beispiel grade jetzt viel mehr auf die Vorweihnachtszeit. Ich bemerkte wie in verschiedenen Städten schon die Weihnachtsbeleuchtung und die Weihnachtsmärkte aufgebaut wurden. Ich bin sehr gespannt, ob ich im Dezember mal öfter mein Smartphone zuhause liegen lasse. Ein Gedanke, der mir vor dem Selbstversuch niemals gekommen wäre.

War es das wert?

Alles in allem war der Selbstversuch zum Thema Stressbewältigung meiner Meinung nach ein Erfolg. Ich habe mein Smartphone vor allem in Situationen vermisst, in denen ich andere hätte erreichen müssen. Dann nicht die Möglichkeit zu haben, andere zu erreichen hat mich schon mehr gestresst, als dass man mich nicht erreichen konnte. Allerdings habe ich auch gemerkt, dass es mich wirklich erleichtert hat, Facebook nicht auf meinem Smartphone nutzen zu können, und mir eine bestimmte Zeit des Tages dafür auszusuchen. Auch wenn ich verschiedenes in Facebook zu erledigen hatte konnte ich das über den Laptop viel entspannter machen. Zusätzlich bekam ich nicht den ganzen Tag Benachrichtigungen von Facebook auf meinem Smartphone, die mir, wie ich gemerkt habe, auch viel Stress bereitet haben. Auf Instagram habe ich erstaunlich gut verzichten können. Das ist normalerweise auch eine App, die ich täglich nutze, deren Fehlen mir aber in der Woche kaum aufgefallen ist. Daher gehe ich davon aus, das ich mich die Nutzung von Instagram auf dem Smartphone gar nicht stresst, sie ist eher eine nette Nebenbeschäftigung.

Kann eine Woche ohne Smartphone unseren alltäglichen Stress reduzieren?

Facebook wird jetzt erstmal von meinem Smartphone gelöscht (Foto: FirmBee, pixabay.com)

Am Samstag danach habe ich erst einmal Facebook und meine Email-Apps von meinem Smartphone gelöscht. Es ist definitiv nicht notwendig, immer über so viele verschiedene Kanäle erreichbar zu sein. Seitdem nehme ich mir einfach einmal am Tag Zeit, um die anstehenden Anfragen zu beantworten. Es bereitet mir wesentlich weniger Stress, wenn ich nicht ständig eine neue Mitteilung auf meinem Smartphone angezeigt bekomme. Natürlich kann ich ja weiterhin drauf zugreifen, allerdings unter meinen Bedingungen. Ich finde generell sollte jeder selbst entscheiden was wichtig ist und was man auch mal später machen kann. Man sollte sich nicht dazu gedrängt fühlen, gleich auf alles eingehen zu müssen, was man geschickt bekommt. Das ist es, was ich aus der Woche gelernt habe. Und wenn mich jemand wirklich erreichen wollte, dann hat er oder sie das geschafft, auch ohne Smartphone.

Ich werde in Zukunft mein Smartphone definitiv öfter mal auf Flugmodus schalten. Was ich nicht direkt mitbekomme, stresst mich auch nicht sofort, und wenn es wichtig ist, dann erfahre ich es schon irgendwie. Also kein Stress.

Wie geht man mit Menschen um, die unter Depressionen leiden?

In unserer heutigen Zeit sind Depressionen längst keine Randerscheinung mehr. Viele Menschen leiden oft daran, ohne dies zu wissen. Aber auch für Angehörige oder Freunde ist das eine schwierige Situation, da sie die Betroffenen und ihre Beweggründe oft nicht verstehen können. Wie geht man also im Alltag mit Menschen um, die an Depressionen leiden? Wie könnt ihr ihnen helfen und sie unterstützen? Wir haben dazu den Experten Dr. Olivier Elmer befragt.

Dr. O. Elmer, Sprecher des Bündnisses gegen Depressionen Rhein-Neckar Süd (Bild: PZN)

Dr. O. Elmer, Sprecher des Bündnisses gegen Depression Rhein-Neckar Süd (Bild: PZN)

Elmer wurde 1961 in Hamburg geboren und ist Fachpsychologe für Klinische Psychologie. Seit 1987 ist er in verschiedenen psychiatrischen Feldern tätig, wie zum Beispiel Suchtmedizin und Allgemein-psychiatrie. Mehrere Jahre war er außerdem Sprecher des Arbeits-kreises der Depressionsstationen in Süddeutschland und der Schweiz. Von 2012 bis 2014 war Elmer Referent im Referat „Psychiatrie, Sucht“ des Sozialministeriums Baden-Württemberg.

 

Derzeit arbeitet er in einer Stabsstelle der Medizindirektion des Psychiatrischen Zentrums Nordbaden und ist langjähriger Sprecher des „Bündnisses gegen Depression Rhein-Neckar Süd“.

 

Face2Face: Wie kann man eine Depression definieren und was sind ihre besonderen Merkmale?

Dr. Elmer: Eine Depression im psychologischen und medizinischen Sinne ist kein vorübergehendes Stimmungstief, das ja die meisten Menschen kennen. Sie ist eine ernste Erkrankung, die das Denken, Fühlen und Handeln eines Menschen beeinflusst und mit erheblichem Leiden einhergeht. Auch körperliche Symptome können mit einer Depression einhergehen. Oft sind der Schlaf und die Konzentration gestört. Erst wenn mehrere Symptome mindestens zwei Wochen auftreten, spricht man von einer Depression. Menschen, die an einer Depression erkrankt sind, können sich selten allein von ihrer gedrückten Stimmung, ihrer Antriebslosigkeit und ihren negativen Gedanken befreien. Aber es gibt gute Möglichkeiten der medikamentösen und psychotherapeutischen Behandlung. Deswegen ist es entscheidend, eine Fachärztin oder einen Facharzt aufzusuchen.

 

Face2Face: Wie kann man erkennen, ob jemand im persönlichen Umfeld an Depressionen leidet?

Dr. Elmer: Die Stimmung ist über einen längeren Zeitraum niedergedrückt; manchmal wird auch berichtet, gar nicht mehr richtig fühlen zu können. Was sonst Freude gemacht hat, macht jetzt keine mehr. Auch der Appetit geht häufig verloren. Der Antrieb fehlt; vielen fällt es schwer, morgens das Bett zu verlassen. Die Gedanken kreisen oft sorgenvoll um Negatives.

 

Face2Face: Wie geht man mit Menschen um, die an Depressionen leiden?

Dr. Elmer: Das Wichtigste ist, geduldig zu bleiben und zurückhaltend mit gut gemeinten Ratschlägen zu sein. So kann ein depressiver Mensch sich zum Beispiel nicht einfach „zusammenreißen“. Ein solcher Rat verstärkt möglicherweise seine Schuldgefühle. Gleiches gilt für Versuche, ihn aufzumuntern. Hingegen sollte der oder die Betroffene immer dann unterstützt werden, wenn Eigeninitiative gezeigt wird.

 

Face2Face: Kann man das Thema Depression überhaupt ansprechen, ohne dass sich der Betroffene belästigt fühlt? Gibt es da einen besonders guten Weg?

Dr. Elmer: Ein offenes Gespräch ist besser, als sich insgeheim immer mehr Sorgen zu machen. Denn je länger man wartet, desto belastender wird die Situation für Betroffene wie Angehörige. Also lieber ehrlich und ohne Vorwurf sagen, was einem am anderen auffällt, und den depressiven Menschen ermutigen, sich fachärztlichen Rat zu holen! Das gilt besonders, wenn lebensmüde Gedanken geäußert werden – dann ist schnelles Handeln erforderlich.

 

Face2Face: Welche Behandlungsmethoden gibt es? Zu welcher sollte man am ehesten raten?

Dr. Elmer: Die wichtigsten Behandlungsmethoden sind die Therapie mit antidepressiven Medikamenten und die Psychotherapie. Bei leichten und mittelschweren Depressionen genügt oft eine psychotherapeutische Behandlung. Bei schweren Depressionen hat es sich bewährt, beides zu kombinieren. Dabei sollte man wissen, dass Antidepressiva keine Beruhigungsmittel sind und auch nicht süchtig machen. Psychotherapie sollte durch ärztliche oder psychologische Psychotherapeutinnen oder -therapeuten erfolgen. Hier hilft die Internetseite der Kassenärztlichen Vereinigung, ambulante Hilfe in Wohnortnähe zu finden.

 

Face2Face: Wahrscheinlich muss es am Ende jeder selbst entscheiden, aber was sind Argumente für oder gegen eine Therapie/ Behandlung?

Dr. Elmer: Wie jede ernsthafte Erkrankung sollte eine Depression nach dem fachlich neuesten Stand behandelt werden. Da depressiv erkrankte Menschen häufig die Schuld für ihr Befinden bei sich selbst suchen und gar nicht an eine Erkrankung denken, halten sie einen Arztbesuch oft für sinnlos. Weil Hoffnungslosigkeit ein Symptom der Depression ist, glauben viele Betroffene auch nicht, dass ihnen geholfen werden kann. Auch fehlt vielen die Energie, sich zu einem Arzttermin aufzuraffen. Daher ist die Unterstützung der Angehörigen hier äußerst wichtig.

 

Face2Face: Wie kann man Menschen mit Depression im Alltag helfen?

Dr. Elmer: Kleine Schritte in Richtung angenehmer Aktivitäten sollten unterstützt werden. Da ist es sinnvoll, an Dinge anzuknüpfen, die früher Freude gemacht haben. An ihre Pflichten denken depressive Menschen eh‘ sehr oft…

 

Face2Face: Gibt es etwas Besonderes im Umgang mit Menschen zu beachten, die bereits eine Behandlung begonnen haben?

Dr. Elmer: Sie sollten ermutigt werden, nicht sofort aufzugeben, wenn sich nicht ganz rasch ein Erfolg einstellt. Die Behandlung einer Depression braucht Zeit. Aber sie wirkt.

 

Wer selbst unter einer Depression leidet oder jemanden kennt, der depressiv erkrankt ist, sollte sich möglichst früh professionelle Unterstützung suchen, z.B. über die Deutsche Depressionshilfe. Insbesondere bei Suizidgedanken ist dringend spezialisierte Hilfe nötig!

 

Selbst ist die (Karriere-) Frau

Normalerweise bin ich ein sehr sozialer Mensch – ich nehme mir viel Zeit meine Freundschaften zu pflegen und stelle deshalb manchmal die Arbeit hinten an. Was passiert aber, wenn ich mich in verschiedenen Situationen meines Alttags so verhalten würde, wie man es von einer typischen Karrierefrau erwarten würde? Wie reagiert mein Umfeld und wie fühle ich mich selbst dabei? Startschuss für einen Selbstversuch!

Bücher und Definitionen statt Hanabi und Wizard



Selbst ist die (Karriere-) Frau

Als Karrierefrau stürze ich mich in die Arbeit und nehme keine Rücksicht auf mein Privatleben (Foto: M. Boudot)

Es ist Sonntagabend und in unserer WG ist mal wieder ein Spieleabend geplant. Normalerweise spiele ich mit Begeisterung mit, aber heute nehme ich keine Rücksicht auf mein Privatleben, sondern widme mich dem Stoff meines Studiums. Als „Karrierefrau“ steht die Arbeit bei mir nämlich an erster Stelle und Familie und Freunde finden da kaum Platz. Statt Hanabi, Wizard und Siedler zu spielen, versinke ich in meinen Büchern. Blöd nur, dass ich meine Mitbewohner immer wieder lachen höre. Sie scheinen einen spaßigen Abend zu haben – im Gegensatz zu mir. Nach getaner Arbeit bin ich zwar stolz auf meine Produktivität, aber ich gehe doch eher mit schlechterer Laune ins Bett. Am nächsten Morgen frustriert mich meine Abwesenheit am gestrigen Abend sogar noch mehr, denn das Erste, was mir meine Mitbewohner beim Frühstück mitteilen ist: „Du hast echt was verpasst!“

Herausgeputzt für Elyas M’Barek

Selbst ist die (Karriere-) Frau

Mein neues Outfit als Karrierefrau: Bluse, Blazer und Rock (Foto: M. Boudot)

Am Dienstag bin ich mit meinen Mädels im Kino verabredet. Da ich mitten im Selbstversuch stecke, nutze ich die Chance mich mal richtig herauszuputzen – eben wie eine typische Karrierefrau. Also krame ich Rock, Bluse, Blazer und hohe Schuhe aus dem Schrank und mache mich auf den Weg zum Kino. Schon unterwegs fühle ich mich etwas unwohl und werde vor allem von Jugendlichen angestarrt und begutachtet. Im Kino angekommen bekomme ich ein „Was hast du denn heute Abend noch vor?“ von meinen Freundinnen zur Begrüßung – na toll. Ist wohl nicht unbedingt das perfekte Outfit für „Fack ju Göhte“. Dass meine Abendgarderobe ein absoluter Fehlgriff war, wird mir während des Films bewusst. Der Bund vom Rock drückt auf meine Blase, mein Blazer stremmt und meine Schuhe sind auch alles andere als bequem. Das typische Selbstbewusstsein einer Karrierefrau strahle ich an diesem Abend also ganz bestimmt nicht aus.

Tennistraining à la Angelique Kerber

Zielstrebig, diszipliniert und ausdauernd – diese Merkmale einer Karrierefrau habe ich mir für mein Tennistraining am Mittwoch vorgenommen. Zehn Minuten vor Trainingsbeginn komme ich an der Halle an, um pünktlich umgezogen auf dem Platz zu erscheinen – mit vollster Motivation versteht sich. Während des Trainings tänzle ich immer wieder, bleibe nicht stehen und absolviere die Übungen öfter, als es die Trainerin gefordert hat, bis zu ihrem Kommentar „Du musst die Übungen doch garnicht so oft machen.“ Ich habe ihr nichts von meinem Selbstversuch erzählt, weshalb sich die Situation etwas merkwürdig und unangenehm anfühlt. Die Ansprüche an mich selbst habe ich bewusst extrem hochgeschraubt. Dadurch habe ich allerdings oft leichte Fehler gemacht und mich darüber geärgert. Trotzdem habe ich während des Trainings viel Lob von meiner Trainerin bekommen, habe mich am Ende richtig ausgepowert, aber gut gefühlt. Am Tag darauf folgte dann der Muskelkater…

Fazit meines Selbstversuchs

Eigenschaften einer Karrierefrau, wie schicke Kleidung zu tragen, keine Rücksicht auf das Privatleben nehmen oder diszipliniert und zielstrebig zu sein, für kurze Zeit in meinen Alltag zu integrieren, war keine schwere Aufgabe.
Allerdings möchte ich nicht immer auf Unternehmungen mit meinen Freunden verzichten und mich stattdessen in meiner Arbeit verlieren. Ich kann mir nämlich sehr gut vorstellen, dass man sich dadurch schnell einsam fühlt und das wäre nichts für mich.
Auch trage ich lieber bequemere Kleidung, als Rock und Bluse – Karrierefrauen wird nämlich nachgesagt, dass sie diese nicht nur auf der Arbeit, sondern auch in ihrer Freizeit tragen.
Zielstrebig und diszipliniert an etwas heranzugehen finde ich dagegen ein sehr gutes Merkmal. Karrierefrauen sind ja nicht ohne Grund erfolgreich. In Zukunft möchte ich versuchen diese Eigenschaften häufiger in meinen Alttag zu integrieren, ohne mich dabei selbst zu sehr unter Druck zu setzen.

Ausgeredet? A little more conversation!

Zu viel Alltag? Wie wär's mit " a little more ..." ( ©Rainer Sturm / pixelio.de)

Zu viel Alltag? Wie wär’s mit “ a little more …“ ( ©Rainer Sturm / pixelio.de)

Mal wieder ein langer Tag. Nach einer Portion Arbeit, einem Nachmittag voll Kindererziehung, der x-ten Fertigstellung desselben Puzzles, dem unendlichen Putzen von Babynasen, dem monotonen Ein- und Ausräumen der Spülmaschine, dem Aufsammeln von über den Tag geleerten Joghurtbechern und einem Abendessen mit den Lieben sitzen mein Mann und ich auf dem Sofa. Der Fernseher berieselt uns, das Programm entscheidet der Wochentag. Wir sind müde, redefaul, gefangen im Alltag. Eine Situation, die jedes Paar irgendwann kennt, ob mit oder ohne Kind(er), Hund und Katz, Eltern, die abends anrufen und Kollegen, die sich nach 21 Uhr per Whats App melden. Plötzlich sind die zwei wieder zu zweit.

„A little less conversation, a little more action please“, brummte Elvis Presley einst ins Mikrophon, woraufhin dutzende kreischende Anhänger(innen) nur noch an die verheißungsvolle „Action“ dachten. Doch wie geht man und frau das eigentlich an? Einfach loslegen und hoffen, dass der andere mitmacht? Hinterher um Verzeihung bitten ist leichter, als vorher um Erlaubnis zu fragen? Wie wahnwitzig das bei guten alten Sex ist, wurde erst kürzlich wieder deutlich, als niemand anderes als das Jugendmagazin Bravo sich einer ziemlich negativen Kritik gegenüber sah, nachdem es Mädchen „Flirt-Tipps“ gegeben hatte, die so eindeutig daneben waren, dass ein Stur der Entrüstung durch das Internet rollte. Die Organisation Pinkstinks hat daraufhin mal genauer nachgeschaut und neben Brüste- und Penisgallerien doch glatt einen Beitrag über Oral-Sex gefunden, in dem den weiblichen Geschlechtspartnern geraten wird, sich „selbstlos“ von ihm oral befriedigen zu lassen, auch wenn sie es nicht will, und der männlichen Part bekommt an anderer Stelle allen Ernstes gesagt: „Frag sie im Zweifelsfall hinterher, ob es okay war“, wenn es darum geht, auf sie zu ejakulieren. Wer hier unten liegt, ist ja wohl klar und ich bedanke mich bei Doktor Sommer dafür, die nächste Generation so gegendert, wie nur möglich, zu beraten.

Ausgeredet? Bei der Kommunikation darf es immer "a little more" sein (© Hans-Joachim Bussing / pixelio.de)

Ausgeredet? Bei der Kommunikation darf es immer „a little more“ sein (© Hans-Joachim Bussing / pixelio.de)

Was ich beim Aufregen über das Frauenbild der Bravo-Redaktion aber auch merke: Es wird nicht geredet. Vor dem Sex nicht und dabei schon gar nicht. Und auch sonst nicht. Jedenfalls nicht über Sex. „Sowas kann man schlecht beim Spaziergang besprechen.“, schreibt Bravo und ich frage, warum nicht? Eine entspannte Atmosphäre ist doch ideal, um über Sex zu reden, über Stellungen und Aktionen, die der eine mag und der andere nicht, oder beide toll finden. Ich fasse es manchmal nicht, dass Sex immer noch derart sakralisiert  wird, dass nicht einmal die, die ihn miteinander haben, haben wollen oder hatten nicht darüber sprechen können. Gehört Geschlechtsverkehr nicht mehr zum Leben dazu? Sind nicht gerade Bücher wie 50 Shades of Grey und After Passion so ein Hit, weil es darum um Sex geht, noch dazu um „besonderen“, weil nicht unter die Kategorie Missionarsstellung verbuchbar? Liebe Leute: Sex gehört zum Leben, sonst würd es das nicht geben!

Im neu erschienenen Buch Think Love geht der Paartherapeut Ulrich Clement gerade diesem Problem an den Kragen, denn er hat darin 180 Fragen gesammelt, die Paare sich gegenseitig über ihren (gemeinsamen) Sex stellen können, um ihn und sich besser zu verstehen und vielleicht auch besser werden zu lassen. Treffend formuliert: „Sexualität ist Kommunikation auf körperlicher Ebene. Nur wer redet wird gehört.“ Weil hinter jeder Frage Platz zum selbst Reinschreiben ist, wird das Buch auch für die interessant, die eben nicht so leicht über Sex reden, sich aber trotzdem dazu auslassen wollen. Denn bevor wir verstummen können und uns der körperlichen Kommunikation hingeben, ist manchmal eben doch „a little more conversation“ nötig. Ohne Frage braucht das oft Überwindung, der Prüderie und Bravo sei Dank, aber wenn wir diese Hürde bei dem Menschen, mit dem wir Speichel, Schweiß und andere Körperflüssigleiten austauschen nicht fallen lassen können, ist es vielleicht nicht verkehrt, darüber mit demjenigen zu reden.

Wir zwei auf unserer Couch genießen manchmal die Berieslung des Fernsehers nach einem stressigen Tag, ziehen uns manchmal an unsere Rechner zurück, haben manchmal Sex. Aber geredet wird bei uns jeden Abend. Über alles. Denn Reden in einer Beziehung ist wie Geld in der freien Wirtschaft. Zahlungsmittel, Zaubermitteln, Zündstoff für das eine oder das andere.

Vorschau: Nächste Woche schreibt Anna darüber, wie es ist, wenn die Zeit mal wieder rast.

 

Ein Plädoyer für die Spontanität

Kaffeepause - sich spontan mit der Freundin auf einen Kaffee verabreden, ist immer eine gute Idee! (Foto: Rainer Sturm  / pixelio.de)

Kaffeepause – sich spontan mit der Freundin auf einen Kaffee verabreden und für einen Moment den Alltagsstress hinter sich lassen. Das ist immer eine gute Idee! (Foto: Rainer Sturm / pixelio.de)

Spontanität – das ist etwas Herrliches und eröffnet einem oftmals ganz neue Möglichkeiten. Doch natürlich muss man gewillt sein, sich darauf einzulassen und die Magie der Spontanität schätzen und lieben lernen. In gewisser Weise muss jeder sich auch mit der Ungewissheit anfreunden, dass spontane Vorhaben nicht unbedingt immer so ausgehen, wie jemand sie sich vorher ausgemalt hat. Sie können aber auch zu großartigen und unvergesslichen Erlebnissen und Begegnungen mit tollen Menschen führen, die einem noch lange im Gedächtnis bleiben. Doch einige scheinen mit dem Konzept der Spontanität nicht ganz so gut zurechtzukommen und ihm eher feindselig gegenüber zu stehen. Ich war schon immer geneigt mich spontan mit Freunden auf einen Kaffee zu treffen, wenn mir ganz plötzlich danach war. Oder aber wenn ich gerade etwas in einem Stadtmagazin herumstöberte und zufällig über ein interessantes Konzert oder eine Ausstellung stolperte, griff ich sodann zum Telefonhörer, um eine Freundin oder einen Freund mit meiner bereits bis ins kleinste Details ausgemalten Abendplanung vertraut zu machen.

Unter Zeitdruck - nicht immer bleibt Zeit für Spontanitiät, angesichts vieler Termine und Verpflichtungen (Foto: Bernd Kasper  / pixelio.de)

Unter Zeitdruck – angesichts vieler Termine und Verpflichtungen scheint Spontanität oftmals ein wirklicher Luxus zu sein (Foto: Bernd Kasper / pixelio.de)

Oft werde ich allerdings enttäuscht. Denn nicht alle meine Freunde sind für meine recht kurzfristigen Vorhaben zu begeistern oder haben schlicht und einfach schon eine Verabredung oder einen anderen wichtigen Termin. Natürlich habe auch ich meine Verpflichtungen und sitze nicht den ganzen lieben langen Tag zu Hause und drehe Däumchen. Allerdings vermute ich, dass meine Herangehensweise eine ganz andere, als die, der nicht so spontanen Menschen ist – wenn ich im Voraus weiß, dass die kommende Woche einen freien Tag zulässt, werde ich deshalb nicht zwangsläufig sofort eine Verabredung vereinbaren.

Bei anderen Freunden bemerke ich des Öfteren einen Mechanismus, ja förmlich den Drang, dass schnell alle Tage für die folgenden Wochen mit Terminen im bereits überquellenden Terminplaner gefüllt werden müssen. Eine freigebliebene Spalte im Wochenplan scheint dabei verwunderlicher Weise eine gewisse Panik und Unruhe in Ihnen auszulösen. Wenn ich dann bei der Losvergabe für eine begehrte Verabredung noch einen Hauptreis, nämlich einen einstündigen Kaffeetermin ergattere, der irgendwie noch zwischen am gleichen Tag, stattfindenden Terminen, reingequetscht wird, kann ich mich enorm glücklich schätzen.

Termine über Termine - das kann einem schon mal über den Kopf hinauswachsen (Foto: I-vista  / pixelio.de)

Termine über Termine – das kann einem schon mal über den Kopf hinauswachsen (Foto: I-vista / pixelio.de)

Manch einer würde wohl anmerken wollen, dass Spontanität viel mit Ungebundenheit oder weniger Verpflichtungen zu tun hat. Da ist mit Sicherheit etwas dran. Und auch mit der Berufstätigkeit kann ein jeder nicht mehr tun und lassen, wonach es ihm beliebt. Ich bin Studentin und habe bisher noch keine Kinder, um die ich mich kümmern oder die ich vor der Arbeit noch bei der KiTa vorbeibringen muss. Andere Lebensumstände können einen in der Spontanität einschränken und von einem viel Disziplin und einen meist durchgeplanten Tagesablauf abverlangen. Sonst würden die ganzen Aufgaben und Erledigungen wohl nicht gelingen und einem früher oder später über den Kopf hinaus wachsen. Da bleibt zugegebenermaßen wenig Platz für den Zauber der Spontanität.

Spontan etwas freie Zeit übrig?! Endlich mal wieder Pinsel sowie Farbe aus dem Schrank holen und seiner Kreativität freien Lauf lassen (Foto: www.hamburg-fotos-bilder.de  / pixelio.de)

Spontan etwas freie Zeit übrig?! Endlich mal wieder Pinsel sowie Farbe aus dem Schrank holen und seiner Kreativität freien Lauf lassen (Foto: www.hamburg-fotos-bilder.de / pixelio.de)

Aber vielleicht gibt es auch Menschen, die mehr den Drang nach Spontanität verspüren als andere. Ich werde mich nochmal zu Wort melden, sobald sich meine Lebensumstände drastisch verändert haben sollten – sprich, ich meine eigene Familie gründe. Vielleicht spreche ich dann nicht mehr in den höchsten Tönen von der Spontanität. Vielleicht werde ich dann meine damalige Naivität belächeln. Bis dem aber nicht so ist, gehe ich weiterhin meinem Impuls nach, verreise kurzentschlossen über das Wochenende, versuche Freunde von meinen brillanten Spontaneinfällen zu überzeugen, sie wenn möglich sogar mit meinem Spontanitäts-Fieber anzustecken und schwelge glücklich in meiner bunten Spontanitäts-Luftblase.

Vorschau: Eva geht nächste Woche dem Wahnsinn der Perfektion auf die Spur

Die Geduld und Ich – eine Hass-Liebe

Schon Konfuzius wusste: „Ist man in kleinen Dingen nicht geduldig, bringt man die großen Vorhaben zum Scheitern.“ Klingt eigentlich sehr geistreich. Aber woran liegt es bloß, dass ich mir im geduldig sein so unheimlich schwer tue?

Schon von klein auf bekommen wir beigebracht, dass Geduld eine wichtige Tugend ist. Wir lernen es, wenn wir als Kinder mit Mama durch die Spielwarenabteilung schlendern und sehnsüchtig die bunt-glitzernden Regale hinaufschauen. Der Anblick der unzähligen verlockenden Spielwaren, lässt unser Kinderherzchen höher schlagen. Doch unsere Traumwelt kollidiert schlagartig mit der Realität, wenn uns die Mutter auf das nächste Jahr vertröstet. Da können wir uns dann diese eine besondere Puppe mit dem wallenden Haar, diese eine beliebte Action-Spiel-Figur wünschen, die das Budget in diesem Jahr nicht mehr hergibt. Ja, teilweise endete der harmlose, anfänglich freudenvolle Gang ins Kaufhaus dramatisch. Tränenüberströmt und schreiend weigerten wir uns aus dem Spielwarenhaus zu gehen. Nur mit Mühe und Not brachten es unsere Mütter fertig uns aus dem Kaufhaus zu zerren und blickten dabei peinlich berührt, die umstehenden Kunden entschuldigend an.

Hier hatten wir also unsere erste Lektion in Sachen Geduld gelernt: Man bekommt nicht alles, was man sich wünscht. Stattdessen wird man auf später vertröstet. Im Kaufhaus musste ich diese schmerzhafte Erfahrung machen und verstand, was es mit der Geduld auf sich hat. Ich hatte dieses Wort schon zuvor öfters in Gesprächen aufgeschnappt, doch erst jetzt hatte ich die wahrhafte Bedeutung verstanden. Ich hatte die Geduld durchschaut: Sie ist ein böses Monster, das einem wann immer es ihm möglich ist, einen Strich durch die Rechnung macht. Mit erhobenem Zeigefinger weist es einen darauf hin, dass man gefälligst zu warten hat und zwar viele, viele Jahre bis ein Herzenswunsch in Erfüllung geht. Die Geduld war im Kindesalter für mich der Inbegriff für einen miesen Spielverderber. Als Kind hatte ich außerdem insgeheim die Befürchtung, dass die Geduld sich mit meinen Eltern verbündet hatte.

Die Geduld begegnete mir erneut, als ich am Esstisch ungeduldig darauf wartete mit dem Abendbrot zu beginnen. Ich setzte schon mit der Gabel an, als mich meine Eltern streng dazu ermahnten, doch abzuwarten bis alle am Tisch Platz genommen hatten. Hinter meiner Mutter erhaschte ich in Dunst gehüllt, die Geduld wie sie schadenfreudig und siegessicher zugleich Grimassen zog.

Aber mal Spaß beiseite. Natürlich. Im Nachhinein erscheinen diese Vorfälle wie Lappalien und sind natürlich auch etwas überspitzt dargestellt. Meine Entwicklung gestört haben sie auch in keiner Weise. (das hoffe ich zumindest) Im Gegenteil haben diese Zurechtweisungen uns Kindern, wie es so oft heißt, ja nur Grenzen aufgezeigt.

In den letzten Jahren ist es allerdings so weit gekommen, dass ich den Sinn und Nutzen der Geduld völlig in Frage stelle! Dabei brauche ich die Geduld vielleicht viel mehr als mir lieb ist. Ich habe das Gefühl, dass ich meine mir gesteckten Ziele nicht schnell genug erreiche. Momentan schreibe ich an meiner Bachelor-Arbeit. Das heißt: Auf meinem Computer ist eine angefangene Abschlussarbeit, die ich eher stiefmütterlich behandle.
Viel lieber würde ich allerdings verreisen. Was ich auch tue. Immer wieder verschwinde ich für ein verlängertes Wochenende. Mit dem Hintergedanken danach viel motivierter arbeiten zu können.

Mit Schneckentempo zum Ziel? : Eine Schnecke kriecht gemählich auf einem Holzboden, Thailand (Foto: Gartner)

Mit Schneckentempo zum Ziel? Eine Schnecke kriecht gemählich auf einem Holzboden (Foto: T. Gartner)

Ich neige dazu, viele Dinge auf einmal haben zu wollen. (Ein Hoch auf das Kind in uns!) Ich würde gerne mehr schreiben, Yoga praktizieren, regelmäßig reisen, eine Band gründen, unzählige Bücher von bedeutenden Schriftstellern lesen, tolle Rezepte ausprobieren, ein außergewöhnlich kreatives Projekt auf die Beine stellen, eigene Gedichte und Texte veröffentlichen und in mir eine wirkliche Leidenschaft entdecken, die ich dann vorantreiben kann. Ich könnte die Auflistung problemlos bis in die Unendlichkeit weiterführen. Aber ich denke, ihr merkt schon wo das Problem liegt.

Aber auch, wenn die Geduld und ich wohl nie beste Freunde werden, lehrt sie uns doch etwas Wichtiges: Sie bereitet uns auf das Erwachsenenleben vor, in dem man nicht mehr einfach eine Wunschliste verfasst und sich darauf verlassen kann, dass diese Wünsche im Handumdrehen in Erfüllung gehen. Die Geduld, mit der man ungewollt in jungen Jahren schon Bekanntschaft macht, zeigt einem schon früh auf, dass man oftmals verbissen kämpfen muss, um an seine Ziele zu gelangen. Lass dich nicht entmutigen. Das ist wohl die geheime Botschaft der Geduld.

Ich versuche mich gerade darin einen bosnischen Eintopf zu kochen. Dafür habe ich mir ausgiebig Zeit genommen. Während der Eintopf noch gute zwei Stunde vor sich hin köcheln soll, verfasse ich diesen Text und spüre eine gewisse Ruhe in mir aufkommen. Was wenn es die Geduld doch gut mit mir meint? Vielleicht sollte ich der Geduld eine Chance geben! Meine erste Probe auf dem Weg zu einem geduldigen Menschen habe ich mit Bravur gemeistert: Denn der Eintopf ist fertig und ich immer noch die Ruhe selbst. Der gute Konfuzius – wie Recht er doch hatte!

Vorschau: Sascha berichtet von Veränderungen und wie man aktiv anpacken kann, auch wenn es nicht immer leicht fällt.

Wie viel Medien braucht der Mensch?

Zu viel oder falsch genutzt? Der Konflikt um Medien kommt immer wieder hoch (© Stefan Bayer / pixelio.de)

Zu viel oder falsch genutzt? Der Konflikt um Medien kommt immer wieder hoch (© Stefan Bayer / pixelio.de)

Einer meiner ersten Blicke am Morgen gilt meinem Mobiltelefon. Es blinkt blau, wenn ich Nachrichten bekommen habe, weckt mich mit ausgewählter Musik, zeigt mir den Wetterbericht, wichtige Nachrichten und die Termine des Tages. Ich plane die Zeit ein, noch im Bett das Wichtigste zu überprüfen und meinen Tag zu organisieren, denn beim Frühstück mit den Kindern will ich mich auf anderes konzentrieren können. Wir leben in einer multimedialen Welt, in der technische Geräte nicht mehr nur zum Alltag, sondern auch zur Bewältigung desselben beitragen.

Die Frage, wie viel Medium ein Mensch tatsächlich braucht, ist dabei eine ganz individuelle. Aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet, braucht keiner und jeder Medien. Während meine eine Großmutter beispielswese das Internet nutz, um mit ihren Kindern, Enkeln und Urenkeln in Kontakt zu bleiben, die quer durch Deutschland und seine Grenzen hinaus verteilt sind, ein Mobiltelefon für ihre Spaziergänge hat, falls etwas passieren sollte, und ohne ihr breites Bücherregal nicht immer wüsste, wie sie ihren Tag füllen soll, kennt meine andere weder Computer noch Handy, liest kaum die Tageszeitung und schafft es nicht, wenn die Urenkel an der Fernbedienung von TV auf Radio geschaltet haben, den Fernseher wieder in Gang zu bekommen.

Kinder und Medien: ein heikles Thema (© Eklih Mmorf / pixelio.de)

Kinder und Medien: ein heikles Thema (© Eklih Mmorf / pixelio.de)

Als wir jüngst in unser neues Eigenheim gezogen sind, beschwerte sich mein Vater (!), dass ich dagegen war, in den Kinderzimmern beim Renovieren Fernsehanschlüsse zu verlegen. „Das geht doch nicht, die brauchen das irgendwann“, sagte er, während ich ernsthaft überlegte, ob irgendwer einen Fernseher in seinem Schlafzimmer ernsthaft „braucht“. Noch dazu in einer Zeit, in der viele junge Haushalte nicht etwa darum auf einen Fernseher(-Anschluss) verzichten, weil sie sich nichts anschauen, sondern weil ein Computer ebenso in der Lage ist, Filme abzuspielen und Übertragungsprogramme zu nutzen, die mehr bieten, als manch teurer Kabelvertrag. Tatsächlich würde ich meinen Kindern einen eigenen Computer zu gegebener Zeit nicht verweigern. Viel zu sehr weiß ich, wie schon Schule, Uni und Beruf oft die Nutzung von diversen Programmen und Internet nötig machen.

Damit ich das aber ruhigen Gewissens in den Kinderzimmern belassen kann, ist eines unverzichtbar: Dass ich meinen Kindern einen verantwortungsbewussten und sinnvollen Umgang mit Medien beibringe. Darum – ganz ehrlich – betrachte ich Eltern, die auf Medien vollends verzichten, auch eher skeptisch. Seien wir ehrlich, viele von uns mussten sich selbst „beibringen“, was im Internet vertrauenswürdig ist (und wie viel nicht), wie die Programme auf unserem Mobiltelefon nicht überhand nehmen und den Arbeitsspeicher zumüllen oder dass Exel zu weit mehr gut ist, als Tabellen zu erstellen. Und einige von uns haben manche dieser Punkte bis heute nicht geschafft. Liegt es da nicht in meiner Verantwortung, meinen Kindern, die mit Sicherheit allein durch die Gesellschaft noch medialer aufwachsen, als ich, die ich laut meinem Professor bereit ein „digital native“ bin, die Regeln der medialen Welt beizubringen. Ich lasse ja auch keinen ans Steuer, der die Straßenverkehrsordnung nicht kennt.

Ansichtssache: Auch Bücher sind Medien (Foto: Obermann)

Ansichtssache: Auch Bücher sind Medien (Foto: Obermann)

Und, das wollen wir hier nicht vergessen, auch Zeitungen und Bücher sind Medien, auch CDs und Werbeplakate. Medial heißt nicht gleich Computer. Und so wie die ersten Bücher nicht unbedingt einen so guten Ruf hatten, mag es sein, dass Fernsehen und Internet in ein paar Jahrzehnten zum Gut der gebildeten Schicht gehören, wie heute die Klassiker der deutschen Literatur. So genannte „e-learning“-Angebote gibt es an fast jeder Universität und auch an immer mehr Schulen. Ohne Internet könnte ich mich weder für meine Kurse anmelden, noch für die Prüfungen. Selbst die Einschulungsfotos meines Sohnes musste ich per Internet einsehen und auswählen. Die Kuchenliste für den letzten runden Geburtstag wurde per WhatsApp besprochen und meine Oma schickt mir lieber elektronische Post, als mich anzurufen, weil sie besser lesen, als hören kann.

Oft werden die Medien verflucht, verteufelt und für eine Abwesenheit aus der Realität verantwortlich gemacht. Tatsache ist doch, dass sie tief eingebettet sind in unsere Realität. Es macht keinen Unterschied, ob ich im Zug die gedruckte Zeitung lese oder das elektronische Äquivalent, die Nachrichten sind die gleichen. Und hier wie dort ist es meine Obliegenheit, zu entscheiden, welche Meldungen ich für wichtig erachte, welche ich überfliege oder gar nicht erst lese. Entscheidend ist nämlich, dass die Nutzung von Medien Verantwortung bedeutet und kein Kontrollverlust. Und nur, wenn ich das selbst begriffen habe und mich daran halte, kann ich dies auch weitergeben.

Vorschau: Nächste Woche gibt unsere neue Kolumnistin Anna ihren Einstand und schreibt über die Hass-Liebe zur Geduld.

Geplant – Verplant

Alles geplant? Wer seine Zeit einteilt, hat oft mehr davon (©Maurits Malgo / pixelio.de)

Alles geplant? Wer seine Zeit einteilt, hat oft mehr davon (©Maurits Malgo / pixelio.de)

Mein Alltag ist hektisch. Dafür sorgen, dass die Kinder gegessen haben, Kindergartentaschen richten, Spülmaschine ausräumen, Spülmaschine einräumen, Kinder in den Kindergarten bringen, Arbeiten gehen, Recherchieren, Artikel schreiben, Masterarbeit schreiben, Katze füttern, Schwangerschaftsvorsorge, Kinder aus dem Kindergarten abholen, Einkaufen, Aufräumen, Kochen, Kinder ins Bett bringen. Und dann habe ich eventuell noch ein paar Minuten, um ein Buch zu lesen, noch ein paar Zitate zu überprüfen und mich zu duschen, ehe ich scheintot ins Bett falle.

Hektisch, ja. Stressig, ja. Schlimm? Überhaupt nicht! Not macht erfinderisch, und meine Not kann nicht als solche bezeichnet werden. Ich habe mir ja die Eckpfeiler meines Lebens ausgesucht. Studium, Kinder, Ehe, Arbeit, das alles wollte ich und ich wollte nicht warten, bis ich eines abhaken konnte, um zum nächsten zu gelangen. Getreu dem Motto „I want it all and I want it now“ sammle ich stattdessen immer mehr Elemente, die mein Leben aus meiner Sicht vervollständigen. Marmelade kochen, Gurken einmachen, Vereinsarbeit. Alles geplant also. Wer hat gesagt, eine arbeitende Frau könne nichts mehr neben dem Beruf haben, oder eine Mutter nichts mehr neben ihren Kindern? Humbug! Geht alles.

Alle Termine im Blick: wer viel geplant hat, muss auch vieles beachten (©GG Berlin / pixelio.de)

Alle Termine im Blick: wer viel geplant hat, muss auch vieles beachten (©GG Berlin / pixelio.de)

Eines aber macht mein Leben nötig, so wie viele andere auch: Selbstorganisation. Das heißt nicht nur, dass ich wissen muss, wann die Spülmaschine ein oder auszuräumen ist, die Wäsche aufzuhängen oder zu waschen. Das heißt nicht nur, dass ich meine Termine und die meiner Familie immer im Blick haben muss. Ich muss koordinieren, wann ich was erledige, so dass ich weder in Verzug gerate, noch ein anderer Teil meines Alltags darunter leidet. Beispiel? Momentan schreibe ich täglich etwa fünf Seiten für meine Masterarbeit. Das versuche ich stets zu erledigen, ehe mein Mann heim kommt oder die Kinder abgeholt werden müssen. Meinem Mann bleiben für solche Aufgaben wegen der längeren Arbeitszeit nur die Stunden, wenn die Kinder im Bett sind. Geht auch.

Die Wahrheit ist doch, jeder von uns muss irgendwann anfangen sich selbst zu organisieren. Manche lernen schon zu Schulzeiten, für ihre Hausaufgaben und Hausarbeiten selbst verantwortlich zu sein, ohne dass Mama immer dahinter steht und den Zeigefinger schwingt. Andere werden auch im Studium noch so verhätschelt, dass sie keine Zugfahrt überstehen, ohne dass ihnen ein Elternteil übers Telefon Anweisungen gibt, wo sie aussteigen müssen oder wann der nächste Zug fährt. Viele schaffen es auch, sich vom Elternhaus gleich in eine Beziehung zu stürzen, in der der andere die Mehrheit der Entscheidungen trifft und damit auch die Verantwortung trägt. Es gibt sie also, die Menschen, die mit 30 noch nicht begriffen haben, wie sie ihren Alltag organisieren können. Die bis Nachmittags im Bett liegen und sich dann wundern, wenn die Geschäfte schon zu haben, weil Mittwoch ist. Die sich sorglos frei nehmen und nicht verstehen, dass andere auf Ferienzeiten oder Urlaubstage angewiesen sind.

Feierabend? Auch Erholung wird geplant (©Günther Gumhold / pixelio.de)

Feierabend? Auch Erholung wird geplant (©Günther Gumhold / pixelio.de)

Selbstorganisation ist wichtig. Durch sie wird mein Alltag zwar hektisch aber auch schön. Ich kann das Kuscheln mit meiner Tochter genießen, ohne an unkorrigierte Arbeiten denken zu müssen, die auf mich warten. Ich kann die Füße hochlegen, verschnaufen, lesen, fernsehen oder einfach nur nichts tun, weil ich weiß, dass ich meine Arbeit erledigt bekomme. Alles geplant. Und die Tage, an denen es nicht so gut funktioniert, wenn ein Kind krank wird, oder ich selbst einen Presslufthammer im Kopf habe, wenn jeder Zug Verspätung hat und mein Mann im Stau steht, diese Tage fallen nicht so schwer ins Gewicht. Sie gehen vorbei, denn schon meine Mutter wusste: Morgen sieht alles ganz anders aus.

Für viele von uns ist Selbstorganisation selbstverständlich. Doch sich in Erinnerung zu rufen, dass wir sie erst lernen musste und dass andere sie vielleicht noch lernen müssen, hilft uns nicht nur zu erkennen, wie wichtig sie ist. Wir erkennen auch, wo unsere Planung  vielleicht nicht so rund läuft, und bei wem wir gar keine entdecken können. Organisation ist die Ordnung unseres Alltags, aber sie muss nicht perfekt sein. Denn nur, wo es Chaos gibt, kann es auch Ordnung geben. Nur, wenn wir wissen, wie es ist, wenn nichts mehr klappt, können wir uns freuen, wenn einfach mal alles aufgeht. Denn mal ehrlich: wir lieben es, wenn ein Plan funktioniert.

Vorschau: Nächste Woche gibt es von Sascha einen Perspektivenwechsel, wenn er über eine Stadtführung in einer Fremdsprache berichtet.

Nur was für Hipster? – So’n Quatsch!

Upcycling ist das neue Vegetarisch. Wo es früher noch als Seltenheit galt, ist es heute schon normal. In Bars und Restaurants findet man fast überall vegetarische oder gar vegane Gerichte. Es wurde überwiegend zum Trend.

Genauso ist es mit dem Upcycling. Hierbei werden Abfallprodukte oder nutzlose Stoffe in neuwertige Produkte umgewandelt. Diese Methode existiert nicht erst seit gestern, das ist klar, aber es scheint, als würde es immer mehr in Mode kommen. Wer auf maschinell angefertigte Massenware von Modehäusern wie zum Beispiel H&M oder Zara verzichten will, der legt jetzt selbst Hand an. Die Marke Myboshi beispielsweise verkauft Mützen zum Selberhäkeln. In einer Box befinden sich mehrere Wollknäul und eine Anleitung, Muster und Farben kann jeder selbst auswählen und im Nu hat man sich seine ganz eigene modische Beanie geschaffen.

Oftmals sind viele Sachen, die wir einfach nicht mehr haben wollen, eigentlich viel zu schade, um sie zu entsorgen. Mit ein wenig Kreativität und Geschick lassen sich die interessantesten und witzigsten Dinge herstellen. Aus alten goldenen Gabeln, die man übrigens oft auf Flohmärkten oder bei Oma finden kann, werden zum Beispiel Kleiderhaken geformt. Wer ein bisschen Witz einbringen möchte, der biegt die Zinken der Gabel zu einer Corna, also der typischen Handgeste eines Rockers, oder zu einem Peace-Zeichen. Derjenige, der gerade zuhause leere Getränkekisten rumstehen hat, kann zwei aufeinander befestigen, eine antik wirkende Holzplatte  darauf montieren, und schon besitzt er einen der wohl coolsten Barhocker für feuchtfröhliche Abende in der WG. Mit Raffinesse kann der schnieke Barhocker auch lässig als Nacht- oder Abstelltisch verwendet werden. So lassen sich die eigenen vier Wände ganz individuell gestalten. Wer jetzt denkt, dieser alternative Kram sei nur was für die Generation Hipster, der liegt falsch.

Denn mit der Methode wird nicht nur Geschick und Fantasie bewiesen, sondern auch nebenbei unnötiger Müll verhindert, Altes neu aufgewertet und bei einem möglichen Flohmarktkauf sogar auch eine gewisse Wohltätigkeit vollbracht.

In manchen Städten wie zum Beispiel Berlin, Bonn, Frankfurt oder München, aber bislang vor allem in kleineren Städten, gibt sie es schon, die sogenannten Näh-Cafés. Wer nicht alleine zuhause vor der Nähmaschine sitzen will, der kann es sich dort gemütlich machen und nebenher seinem Hobby nachgehen. Aber ist das nicht spießig mit dem Nähen? Nein, ganz im Gegenteil. Immer mehr Leute, unter anderem auch viele junge, kommen in solche Cafés, um sich mitunter dem stressigen Alltag zu entziehen oder im wahrsten Sinne des Wortes, aus dem Nähkästchen plaudern zu können. Eine Besonderheit dieser Cafés ist es, dass oft Nähmaschinen zur Verfügung gestellt und manchmal sogar auch Kurse angeboten werden. Wegen ihrer meist individuellen Einrichtung bekommen die Cafés erst so richtig ihren ganz eigenen Charme. Vermutlich stammen auch hier viele Möbel von Flohmärkten, frei nach dem Motto: Aus alt mach neu.

Fakt ist, es scheine so, als ob die Gesellschaft sich langsam wieder ein wenig dem Massenkonsum entzieht und Wert darauf legt, selbstgemachte, individuelle Kleidung zu tragen, Altem neuen Wert zu geben indem es aufgewertet wird und gemeinnützige Veranstaltungen wie Flohmärkte zu besuchen.

Ziemlich sozial, das Upcycling, oder?!

Tipps für den Alltag: Smalltalk ist mehr als nur sinnloses Gequatsche

Wohl kaum einer kann sich davor drücken, wir alle tun es schließlich täglich und überall: Smalltalken.
In den verschiedensten alltäglichen Situationen reden wir mit Personen, die wir nicht sonderlich gut kennen – sei es auf Partys, im Treppenhaus, in Aufzügen, im Supermarkt, auf der Straße oder bei der Zugfahrt. Trotz allem ist das kleine Gespräch im Alltag für viele Personen lästig oder überflüssig. Gerade dann, wenn ein üblicher Wortwechsel wie: „Hallo, geht´s Ihnen gut?“, „Danke, ja. Und Ihnen?“, „Danke auch“ folgt und sich ein Lächeln mit einem unangenehmen Schweigen anschließt. Das Gespräch ist beendet. Eigentlich eine peinliche Situation.

Dabei kann Smalltalk mehr sein als nur sinnloses Gequatsche. Smalltalk ist der Erfolgsfaktor – und das nicht nur täglich im Privat- sondern auch im Berufsleben: in Kundengesprächen, beim Vorbeilaufen am Vorgesetzten auf dem Gang, aber auch während eines Vorstellungsgesprächs. Der perfekte Smalltalk lockert viele versteifte Situationen – gewusst wie, kann man eine Menge Kontakte knüpfen, Bekanntheit erlangen und zudem echte Sympathiepunkte sammeln.

Aber wie fange ich so ein spontanes Gespräch an? Und was soll ich überhaupt sagen? Keine Angst: Intelligent smalltalken kann jeder, es ist alles reine Überwindungs- und Übungssache.
Damit auch euer Smalltalk zum Erfolg wird, verrät euch die Tipps&Tricks-Redaktion die Smalltalk-Erfolgsregeln:

Täglich und überall: Smalltalk ist der Erfolgsfaktor

Täglich und überall: Smalltalk ist der Erfolgsfaktor (© Maren Beßler / pixelio.de)

Mit einem Lächeln beginnen
Ein nettes, ehrliches Lächeln ist die Grundvoraussetzung für den Beginn eines Gesprächs, es wirkt nicht nur sympathisch, sondern verleiht einer unangenehmen Situation zudem noch eine positive Stimmung.

Gesprächsbeginn wagen
Keine Bedenken vor belanglosen oder offensichtlichen Themen, denn gerade solche Themen eignen sich hervorragend für den Gesprächseinstieg. Empfehlenswert sind ganz einfache Themen wie: Hobbys, Sport, Wetter, TV-Programm, Wohnort, Beruf, Arbeitsweg oder Urlaubsreisen – und das ist auch der Aufhänger: „Sie sehen so erholt aus – waren Sie um Urlaub?“, „Ich bin zum ersten Mal hier. Waren Sie schon öfters in dieser Gegend?“, „Wenn ich das sagen darf: Sie haben eine wirklich schöne Bluse“. Netter Humor, Lob und Komplimente können übrigens die Gesprächssituation schnell auflockern. Wichtig dabei ist aber, dass man nach einem gelungenen Gesprächseinstieg, den Ball ins Rollen bringt und in das nächste naheliegende Thema übergeht.

Intelligente Fragen stellen
Besonders gut eignen sich die sogenannten W-Fragen (wo, wie, wieso, wann), da hierbei – wie es ein Gespräch wünscht – ganze Sätze als Antworten folgen. Auf geschlossene Fragen folgt nämlich meist nur ein „Ja“ oder „Nein“, wodurch sehr schnell ein Schweigen entstehen kann.

Kritische Themen vermeiden
Solange ihr die Person gegenüber noch nicht besonders gut kennt, solltet ihr folgende Themen besser vermeiden: Religion, Finanzen, persönliche Probleme, Tod, Gerüchte und Lästereien über nicht anwesende Personen.

Gemeinsamkeiten finden
Sobald Gemeinsamkeiten und dieselben Interessen gefunden sind, entwickelt sich das Gespräch ganz von alleine. Tipp: Häufige Gemeinsamkeiten finden sich im Sport, in der Musik oder in bekannten TV-Serien/Sendungen.

Rechtzeitig das Gespräch beenden
Jedes Gespräch hat ein Ende. Sobald einem die Themen ausgehen, sollte man nicht zwanghaft weiter nach Gesprächsstoff suchen – besser ist es, das Gespräch freundlich und mit Ausblick zu beenden, beispielsweise stellt ihr ein weiteres Gespräch in Aussicht.

Üben, üben und nochmals üben
Zum Schluss heißt es nur noch üben! Mit jeder Überwindung und jedem gelungenen Smalltalk gewinnt ihr mehr Sicherheit – das bedeutet jegliche alltägliche Gelegenheit nutzen.
Übrigens: Ein gelungener Smalltalk kann wirklich Spaß machen. Wir wünschen euch viel Erfolg!

Vorschau: Nächste Woche folgen hier nützliche Tipps zur Pflege eurer Orchideen.