Frühlingsgefühle

Frühlingsgefühle

Frühling: Alles wächst und blüht. (Foto: Obermann)

„Frühling lässt sein blaues Band

 Wieder flattern durch die Lüfte;

 Süße, wohlbekannte Düfte

 Streifen ahnungsvoll das Land.“

 So schrieb es Eduard Mörike und ist damit nicht umsonst viel zitiert. Der Geruch nach Natur, Wärme, erwachenden Pflanzen erfasst jeden auf die ein oder andere Art. Ziemlich ungünstig haben es die Allergiker. Tränen in den Augen vor lauter Frühling – so sieht‘s aus. Und all die wetterfühligen Menschen spüren den Druck des Lenz umso mehr. Er erwacht nicht nur, er reißt die Welt ähnlich an sich, wie der Winter im Spätjahr. Jeder, der den Frühling sanft nennt, ist kein guter Beobachter. Natürlich erweckt er die Natur, aber sind wir immer froh, wenn jemand die Vorhänge zurückreist und uns aus den gemütlichen, warmen Federn wirft. Oh, wie gemein ist der Frühling. Blumen treibt er aus der Erde, Pollen aus ihren sicheren Hüllen, und was er erst mit uns Menschen anstellt ist ziemlich erschreckend.

 Frühlingsgefühle. Kaum werden die Tage länger erwacht auch das Tier in uns. Der Bär kommt aus dem Winterschlaf und sucht Gesellschaft. Mehr noch, er sucht, um es mal auf den Punkt zu bringen, Sex. Natürlich gibt es auch die These, dass in den kalten Monaten mehr Kinder gezeugt werden. Muss aber nicht zwangsläufig heißen, dass es da auch am meisten Spaß im Bett gab. Und einen weiteren Faktor will ich hier in die Runde werfen: Vor dem Ziel (Sex) steht der Weg. Ein Weg, der gerade, wenn Paarungsverhalten nicht mehr nur natürlich geregelt ist schon mal länger dauern kann.

 Ist es nicht ohnehin der Weg, der uns am meisten Spaß macht?

 Das Hin und Her, das Beschnuppern, die Tagträume, das Kribbeln im Bauch. Frühlingsgefühle eben. Eine Freundin von mir ist auch gerade mal wieder verliebt, mit allem Drum und Dran. Liebt er sie auch? Warum meldet er sich nicht? Drama, Drama, Drama Queen. Denn das ist sie und sie liebt das Spiel. Aber ehrlich, tun wir das nicht alle?

 Damit fangen wir früh an. Beim Kindergartenfest meines Kleinen beobachtete ich faszinierend das Mädchen neben ihm. Sie schielte zu ihm rüber. Lachte, wenn er es tat, klatschte, wenn er dazu ansetzte, und flirtete so, wie es im Buche steht. Ohne es zu merken, will ich dazu fügen, denn eine drei Jährige kann das gar nicht verstehen. Aber sie imitierte perfekt das Verhalten von uns lieben Erwachsenen.

 Jaja, die Frühlingsgefühle machen vor keinem Halt. Und es gibt sie nicht nur im Frühling. Bestes Beispiel: Twilight. Ich habe mich durchgequält und fand es wirklich furchtbar. Doch ich verstehe, was die Mädchen daran finden. Und die einsamen Hausfrauen. Es sind Frühlingsgefühle. Was ist besser, als sich in eine fiktive Figur zu „verknallen“? Niemand kann es einem nachweisen und es gibt gar nicht die Möglichkeit den letzten Schritt zu gehen, der ein tatsächlicher Fehler sein könnte. Da sind sie, die Frühlingsgefühle. Kribbeln im Bauch, die Gedanken schweifen ab, herrlich. Ein Hauch des Verbotenen. Die Andeutung einer Veränderung, wie der Käfer, der einen neuen Baum sucht. kleines grünes Käferlein

 Außerdem dürfen wir nicht vergessen, dass der Frühling außer Frühlingsgefühlen auch noch die Vorfreude beinhaltet. Die Vorfreude auf den Sommer. Badespaß, heiße Tage, leckeres Eis. Und damit kommt auch das Gefühl, wie schön es ist, manchmal nichts zu tun, einfach nur angekommen zu sein, dir Frühlingsgefühle hinter sich lassen zu können. Bis dahin. Eure Eva.

Vorschau: Lea will euch nächste Woche thematisch etwas über Japan, Atomkraft, Angst und Geschichte erzählen.