Die große DEL-Prognose

„Prognosen sind äußerst schwierig, vor allem wenn sie die Zukunft betreffen“, lautet eine weit verbreitete Weisheit. Dies gilt auch für die Deutsche Eishockeyliga (DEL). Bei der heute beginnenden Saison lehnt sich Face2Face dennoch ganz weit aus dem Fenster und gibt eine Prognose für die kommende Spielzeit 2014/2015 ab.

 

Die Favoriten:  

Kölner Haie: Die Kölner Haie haben die letzten beiden Finalserien verloren. Das Team des ehemaligen Bundestrainers Uwe Krupp blieb aber von einem Umbruch verschont. Fluch oder Segen? Das Team ist eingespielt, wurde mit Mike Iggulden, Jamie Johnson, Evan Rankin und vor allem NHL-Rückkehrer Alexander Sulzer hochkarätig verstärkt.
30 +: Mit gleich elf Akteuren über 30 Jahren verfügen die Haie zwar über viel Erfahrung, die fehlende Spritzigkeit könnte aber zum Problem werden. Des Weiteren muss sich erst zeigen, ob die Kölner aus den beiden Finalniederlagen nun die nötige Motivation ziehen oder ob das Team einen Knacks abbekommen hat.
Fazit: Die Haie haben auf dem Papier den stärksten Kader. Das Saisonziel kann nur die Meisterschaft sein. 

Adler Mannheim: Der wichtigste Neuzugang der Adler war Trainer Geoff Ward. Der 52-Jährige war zuletzt sieben Jahre als Co-Trainer bei den Boston Bruins beschäftigt. In dieser Zeit schaffte er es mit den „Braunbären“ gleich zwei Mal ins Stanley-Cup-Finale. Ward möchte eine verschworene Einheit formen und fordert von jedem Spieler Führungsqualitäten. Mit den Neuzugängen Andrew Joudrey, Jamie Tardif und dem 40-jährigen Veteranen Glen Metropolit haben die Mannheimer an Charakter und Qualität gewonnen. Die Neu-Verteidiger Danny Richmond und Bobby Raymond sollen für die nötige Feuerkraft von der blauen Linie sorgen und somit das miserable Powerplay (letzte Saison waren die Adler die schlechteste Mannschaft in Überzahl) aufpolieren.
Nationalspieler: Durch die Tiefe im Kader kann es passieren, dass gestandene Nationalspieler wie Marcus Kink und Christoph Ullmann in die nominell vierte Reihe abrutschen. Werden sie sich fürs Team opfern und arbeiten oder sich beleidigt quer stellen?
Fazit: Schafft es Geoff Ward aus den Adlern eine Einheit zu formen, die ihre volles Potenzial abruft, sind die Mannheimer ein heißer Titelanwärter. 

Hamburg Freezers: Die „Kühlschränke“ haben mit David Wolf, der sein Glück beim NHL-Team Calgary Flames sucht, einen echten Typen und Punktesammler verloren. Den Verantwortlichen um Manager Stéphane Richer ist klar, dass sie den Hünen nicht ein zu eins ersetzen können. Als Ersatz wurde mit Marty Sertich und Kevin Clark hohe Qualität von der Liga-Konkurrenz eingekauft, durch wenige Veränderungen des letztjährigen Kaders weiterhin auf Kontinuität gesetzt.
Tandem: Mit Dimitrij Kotschnew und Sébastien Caron verfügen die Hamburger über zwei absolute Spitzentorhüter, die sich regelmäßig zwischen den Pfosten abwechseln. Doch können sich beide tatsächlich mit dieser Konstellation arrangieren, wenn es, im Gegensatz zur letzten Saison, mal nicht so gut bei den Freezern laufen sollte?
Fazit: Die Basis ist gelegt. Mit dem erfolgreichen Stamm aus der letzten Saison plus die beiden Top-Scorer Sertich und Clark verfügen die Hamburger über eine starke Mannschaft. Wenn sie endlich den „Halbfinal-Fluch“ in den Playoffs überwinden, ist sogar die Meisterschaft drin. 

Eisbären Berlin: Die Eisbären haben ihren Kader vom letztem Jahr, mit dem bereits in den Pre-Playoffs Schluss war, nicht groß verändert. Ein Nachteil? Nein! In der Mannschaft stecken genug Spieler, die bereits eine Vielzahl von Meisterschaften eingesammelt hat. Auch im Tor wurde der in die NHL abgewanderte Rob Zepp durch den finnischen Weltmeister-Torhüter Petri Vehanen mehr als ersetzt. Ein neuer, torgefährlicher Verteidiger fehlt allerdings noch.
Schleudersitz: Trainer Jeff Tomlinson ist nach der überschaubaren letzten Saison angezählt. Nur ein Erreichen des Playoff-Halbfinales dürfte den Ansprüchen der Verantwortlichen genügen.
Fazit: Die Berliner sind stark genug, um diese Saison die direkte Playoff-Qualifikation zu schaffen. Und dann ist solch einer erfahrenen Mannschaft alles zu zutrauen… 

EHC Red Bull München: Alles wieder auf Null. Nach einem Jahr unter Ex-Trainer Pierre Pagé, das unter dem No-Position-System gespielt wurde, fängt der Liga-Krösus wieder von vorne an. Gleich elf Neuzugänge haben die Münchner geholt und krempelten damit ihre Mannschaft abermals kräftig um. Prominentester Neuzugang dürfte wohl Nationalmannschaftskapitän Michael Wolf sein. Der Torjäger erzielte aber in der vergangenen Saison mit nur 35 Punkten seine schlechteste Scorer-Bilanz. Wird der Ex-Iserlohner bei einem Top-Team wieder zu alter Stärke finden?
Meistertrainer: Mit Don Jackson haben sie einen Nachfolger für den ungeliebten Pagé gefunden, der gleich fünf Meistertitel in seiner Vita zu verzeichnen hat. Doch reicht das, um aus dem EHC ein ernsthafter Meisterschaftsanwärter zu machen?
Fazit: Don Jackson weiß, wie man ein Erfolgsteam formt. Gelingt ihm dies auch in München und spielt sich die Mannschaft rechtzeitig ein, können sie eine gute Rolle in den Playoffs spielen.

 

Der erweiterte Kreis: 

Grizzly Adams Wolfsburg: Die Grizzlys haben bereits zu Saisonbeginn zehn Ausländerlizenzen vergeben. Zusammen mit den zahlreichen deutschen Akteuren ergibt sich daraus ein äußerst tiefer Kader. Der Konkurrenzdruck steigt dementsprechend. Mit Felix Brückmann (ehemals Adler Mannheim) kam ein Torhüter nach Wolfsburg, der sich durch den Wechsel mehr Spielzeit erhoffte. Just zur Zeit der Vertragsunterschrift ging der Stern von Grizzly-Goalie Sebastian Vogl auf. Wird es wie in Hamburg eine Doppellösung geben?Scharfschütze: Mit dem US-Amerikaner Nick Schaus haben die Wolfsburger einen echten Scharfschützen verpflichtet. 49 Scorerpunkte konnte er in 50 Spielen in der norwegischen Liga erzielen. Doch kann er dies auch in der DEL wiederholen?
Fazit: Qualität ist durchaus vorhanden. Kommt es aufgrund des tiefen Kaders und der angespannten Situation im Tor nicht zu internen Reibereien, können die Grizzlys ein gewichtiges Wort mitreden. 

ERC Ingolstadt: Trainer Nicklas Sundblad? Weg! Die letztjährigen Leistungsträger? Auch fast alle Weg! Der Meister musste nach seinem Überraschungscoup einen Umbruch über sich ergehen lassen. Immerhin: Mit Petr Taticek wurde ein Mann von internationaler Klasse verpflichtet. Auch Neu-Trainer Larry Huras kann bereits große Erfolge in der Schweiz nachweisen.
Machtkämpfe: Bereits in der letzten Saison gab es erhebliche Ungereimtheiten hinter den Kulissen. Man hätte sich fast selbst zerfleischt. Die Erwartungen sind im Umfeld durch den Meisterschaftserfolg enorm gestiegen.
Fazit: Bleibt es hinter den Kulissen ruhig und die neu zusammengestellte Mannschaft findet schnell in den Rhythmus, ist eine direkte Playoff-Qualifikation ein Selbstläufer. 

Thomas Sabo Ice Tigers: Nürnberg begeisterte letzte Saison mit Offensiv-Eishockey. Dabei vernachlässigten sie allerdings zu oft ihre defensiven Aufgaben. 152 Gegentore sprechen hierbei eine deutliche Sprache. Mit Nationaltorwart Jochen Reimer, der aus München kam, sowie den beiden ausländischen Verteidigern Kyle Klubertanz und Derek Joslin soll die Gegentorflut gestoppt werden. Kann im Gegenzug die letztjährige Top-Reihe um Patrick Reimer, Steve Reinprecht und Yasin Ehliz wieder ihr Potenzial abrufen?
DEL-Erfahrung: Mit acht Verteidigern und gleich 14 Stürmern mit DEL-Erfahrung sind die Ice Tigers breit aufgestellt. Mit erst sieben vergebenen Ausländerlizenzen kann während der Saison auf Ausfälle reagiert werden.
Fazit: Können die Nürnberger ihr beeindruckendes Offensiv-Eishockey auch in dieser Saison durchziehen ohne dabei ihre Defensivaufgaben zu vernachlässigen, wird man sie nach der Hauptrunde vorne wiederfinden.

Die Puckjagd ist wieder eröffnet: Die DEL startet in die Saison 2014/2015. Foto: Koehl

Die Puckjagd ist wieder eröffnet: Die DEL startet in die Saison 2014/2015. Foto: Koehl

Krefeld Pinguine: Die Pinguine gehören zu der Kategorie von Mannschaften, die man mal gerne Unterschätzt. Doch die Krefelder können mit diesem Underdog-Image scheinbar gut leben. Fraglich ist nur, wie der letztjährige Vorrunden-Zweite den Abgang von Torjäger Kevin Clark (33 Tore) nach Hamburg verkraftet. Reichen die Neuzugänge Tyler Beechey, Colin Long und Norman Hauner dazu aus?
Schweden-Hammer: Der schwedische Neuzugang Robin Weihager war in der DEL2 wegen seiner formidablen Offensivkraft gefürchtet. Wird er diese auch eine Etage höher ausspielen können?
Fazit: Ein zweiter Tabellenplatz wie in der vergangenen Saison wird den Pinguinen in diesem Jahr nicht noch einmal gelingen. Das Playoff-Ticket wird aber souverän gelöst.

 

Außenseiter:

Augsburg Panther: Mit Chris Mason haben die Panther einen echten NHL-Veteran für die Torhüterposition verpflichtet. Hat er das Zeug, die Augsburger alleine in die Playoffs zu führen? Auf den Sturm darf sich der Traditionsverein nämlich nicht ausschließlich verlassen. Dieser markierte, trotz acht Ausländern, nur die zehntbeste Torausbeute.
Abwehr: Mit Daryl Boyle, Rob Brown und Michael Bakos sind den Panthern wichtige Säulen in der Verteidigung weggebrochen. Mit James Bettauer und Braden Lamb sind bis jetzt nur zwei Neue für den Defensivverbund gekommen. Trainer Larry Mitchell setzt auf deutsche Spieler, die bei ihrem derzeitigen Arbeitgeber unzufrieden sind und damit spät auf den Markt kommen. Ein gefährliches Spiel.
Fazit: Im Sturm und im Tor sind die Augsburger gut aufgestellt. Die momentane Abwehr veranlasst einen aber nicht gerade zu Freudensprüngen. Die Playoffs sind nur sehr schwer zu erreichen. 

Straubing Tigers: Die acht Verteidiger schafften in der vergangenen Saison insgesamt gerade einmal 13 Tore. Klar, dass darunter das Powerplay zwangsläufig leiden musste. Eine große Verbesserung war in der Vorbereitung nicht zu erkennen. Mit Blick auf die vergrößerten Angriffs- beziehungsweise Verteidigungszonen und der daraus größeren Bedeutung für das Powerplay, ist das kein gutes Zeichen für die Tigers.
Hoffnungsträger: Zu den unproduktiven Verteidigern gesellen sich auch noch schwächelnde Stürmer. Nur vier Angreifern ist es in der letzten Spielzeit gelungen zweistellig zu treffen. Neuer Hoffnungsträger ist nun Zweitliga-Top-Scorer Harrison Reed. Schafft es der neue Trainer Rob Wilson aus dem vorhandenen Spielermaterial eine funktionierende Einheit zu formen?
Fazit: Die Straubinger haben als einzige DEL-Mannschaft ihren Etat gekürzt. Eine Playoff-Teilnahme wäre eine große Überraschung. 

Iserlohn Roosters: Die Defensive war im vergangenen Jahr der Trumpf im Iserlohner Spiel. Die Systemumstellung des Trainerduos Jari Pasanen/Jamie Bartman schlug voll ein. Doch die Roosters haben einen Umbruch hinter sich. Elf neue sind gekommen, gleivhzeitig mit Michael Wolf der Anführer und Kapitän gegangen. Die Lücke, die er hinterlässt ist groß, sehr groß. Können die Roosters den Abgang auffangen?
Deutsch-Kanadier: Brooks Macek und Brent Raedeke waren zwei völlig unbekannte Deutsch-Kanadier, die in der vergangenen Saison aber voll einschlugen. Mit Dylan Wruck und Ryan Button haben die Roosters die nächsten No-Names aus der Sparte der Deutsch-Kanadier verpflichtet. Entwickelt sich bei diesen ebenfalls solch eine Erfolgstory?
Fazit: Der Weggang von Michael Wolf wird für die Roosters nicht aufzufangen sein. Dennoch bleiben sie ein aussichtsreicher Kandidat für einen Platz um Rang acht bis zehn. 

Düsseldorfer EG: DEG- Rückkehrer Travis Turnbull lockte seinen Freund Michael Davies nach Düsseldorf. Aber können die beiden einen Sturm wiederbeleben, der im Vorjahr nur 101 Tore in 52 Spielen produzierte?
Sieger-Gen: Turnbull, Jakub Ficenec, Tim Conboy und Rob Collins: Die Neuzugänge der DEG lesen sich vielversprechend. Vor allem die drei erstgenannten wurden in der vergangenen Saison mit dem ERC Ingolstadt Meister und bringen damit das Sieger-Gen nach Düsseldorf mit. Auch Rob Collins verspricht echte Qualität. Doch kann die Diva diese auch immer abrufen? An guten Tagen entscheidet Collins eine Partie im Alleingang, an schlechten schleicht er provozierend über das Eis.
Fazit: Die Neuzugänge lassen an eine bessere Zukunft für die DEG hoffen. Ob es aber gleich für die Playoffs oder Pre-Playoffs reichen wird, bleibt abzuwarten. So oder so: Den Düsseldorfer-Weg zu verfolgen wird auf jeden Fall spannend. 

Schwenninger Wild Wings: 190 Gegentore, die schlechteste Defensive der Liga. Die Zahlen lügen nicht. Die Wild Wings hielten sich mit Verstärkungen in der Defensive dennoch zurück. Nur Backup-Goalie Markus Janka und die beiden Verteidiger Rob Brown und Derek Dinger wurden verpflichtet. Wird nun alles besser?
Erwartungshaltung: Mit Kyle Greentree, Jonathan Matsumoto, MacGregor und Ashton Rome haben die Schwenniger neue Ausländer verpflichtet, die durchaus wissen, wo das Tor steht. Doch reicht das aus, um dem Sturm neue Flügel zu verleihen und den gestiegen Ansprüchen im Umfeld gerecht zu werden?
Fazit: Schwenningen wird in dieser Saison eine bessere Rolle spielen, als im Vorjahr. Für die Playoffs werden sie sich aber dennoch nicht qualifizieren.

 

Neue Regeln: 

In der DEL gelten ab dieser Saison die Regeländerungen des Eishockey-Weltverbandes: 

  • Größere Angriffszone: Die neutrale Angriffszone wird um etwas drei Meter verkleinert. Das hat zur logischen Folge, dass sich die Angriffsdrittel vergrößern. So ist die blaue Linie künftig 22,86 Meter statt bisher 21, 33 Meter von Ende der Eisfläche entfernt.
    Die Folge: Vor allem für das Powerplay wird das vergrößerte Angriffs- beziehungsweise Verteidigungsdrittel eine entscheidende Rolle spielen. Es werden mehr Schüsse auf das gegnerische Tor abgefeuert und dadurch zwangsläufig auch mehr Treffer fallen. So zumindest die graue Theorie.
  • Hybrid Icing: Künftig zieht ein Befreiungsschlag von jenseits der Mittellinie nicht mehr zwangsläufig einen Pfiff nach sich. Der Linienrichter entscheidet auf Höhe der beiden Bullypunkte in der Endzone, ob der verteidigende oder der attackierende Spieler zuerst am Puck sein wird. Ist dies der Angreifer, läuft die Partie weiter – ansonsten wird abgepfiffen.
    Die Folge: Durch die Regel soll ein längerer Spielfluss gewährleistet werden. Durch das beim Kampf um die Scheibe angeschlagene hohe Tempo, könnte es vermehrt zu (unsauberen) krachenden Checks kommen. Der Linienschiedsrichter muss bei seiner Entscheidung die Sicherheit der Spieler im Blick haben.

 

 

 

 

 

 

 

Dritter Lockout – Stars flüchten nach Europa

Seit einer Woche ist es amtlich: Der für den 11. Oktober geplante Saisonstart in der nordamerikanischen Eishockey-Profiliga NHL findet an diesem Datum nicht statt. In Ringen um einen neuen Tarifvertrag zwischen der Spielergewerkschaft NHLPA und den Klubbesitzern ist die letzte Frist verstrichen und der alte Vertrag ausgelaufen. Dies hat zur Folge, dass alle Profis zum dritten Mal innerhalb von 18 Jahren von der Liga ausgesperrt werden (Lockout). Wann und wie es in der besten Eishockeyliga der Welt losgeht steht nach wie vor in den Sternen, da beide Seiten nicht von ihren Forderungen abrücken wollen.

Diese Nachricht hat in Europa zu einer regelrechten Invasion von NHL-Spielern geführt. So nahm der SC Bern mit dem 34-jährigen Verteidiger und Nationalspieler Mark Streit von den New York Islanders ein Eigengewächs auf.

Für großes Aufsehen sorgten die Vereinbarungen von Joe Thornton (San Jose Sharks) und Rick Nash (New York Rangers) mit dem HC Davos, die beide schon beim vergangenen Lockout 2004/05 für den Club spielten. Wie wertvoll die beiden Superstars sind, zeigten sie bereits beim ersten Saisonspiel. Beim 9:2-Sieg gegen die Rapperswil Lakers steuerte Nash im ersten Drittel einen Hattrick bei, Thornton glänzte mit vier Vorlagen.

Neben zahlreichen Verpflichtungen in Tschechien, Russland und Schweden von größtenteils einheimischen Importspielern, nutzte auch die Deutsche Eishockey Liga DEL die Gunst der Stunde und holte ein Teil ihrer „verlorenen Söhne“ zurück nach Deutschland.

So meldeten die Krefeld Pinguine als erstes einen spektakulären Transfer. Mit Christian Erhoff (Buffalo Sabres) kam nicht nur ein Krefelder Eigengewächs in die DEL, sondern ein waschechter Superstar noch dazu. Erhoff zählt in der NHL nicht nur zu den bestbezahltesten, sondern auch zu den besten Verteidigern der Liga.

Die Versicherungssumme des Stars beläuft sich nach Angaben der Pinguine auf 20 000 Euro pro Monat. Sie berechnet sich aus dem noch ausstehenden Gehalt Ehrhoffs in der NHL. Er wird in seinem noch bis Ende der Saison 2021 laufendem Vertrag 30 Millionen US-Dollar verdienen. Nicht nur der Aufsichtsrat der Pinguine will einen Teil finanzieren, Gelder sollen auch durch Sponsoren, Fanaktionen und Fanartikelaktionen aufgebracht werden.

Ein weiterer Transfercoup gelang den Adler Mannheim. Mit Marcel Goc (Florida Panthers) und Stanley Cup-Sieger Dennis Seidenberg (Boston Bruins) fanden zwei ehemalige Adler den Weg zurück. Für Goc, wie für Seidenberg war Mannheim eine naheliegende Option: Beide würden auf einen Bruder treffen (Nicolai Goc und Yannic Seidenberg), des Weiteren wurden beide in der Quadratestadt ausgebildet und kehren damit zu ihren Wurzeln zurück.

Der momentan vertragslose Stürmer Jochen Hecht ist ebenfalls eine Option in Mannheim. Hecht, der sich noch in Nordamerika für einen neuen Vertrag empfehlen möchte sieht sich zwar nicht unter Zeitdruck, doch für den gebürtigen Mannheimer steht die Kabinentür jederzeit offen.

Während weitere deutsche Legionäre in der DEL gehandelt werden, unter ihnen Alexander Sulzer (Buffalo Sabres) bei der Düsseldorfer EG und Thomas Greis (San José Sharks) für die Kölner Haie, sucht der aktuelle deutsche Meister Eisbären Berlin nach einem ausländischen NHL-Akteur – Ausgang offen.

Fest steht dafür die Transfersensation schlechthin: Zweitligist Crimmitschau sicherte sich die Dienste der beiden NHL-Stars Chris Stewart (St. Louis Blues) und Wayne Simmonds (Philadelphia Flyers). Eispiraten-Geschäftsführer Rene Rudorisch spricht gegenüber dem Fachblatt Eishockey NEWS stolz gar vom „Transfercoup des Jahrhunderts.“ Bereits am gestrigen Dienstag wurden die beiden 24-Jährigen, die zusammen auf 591 NHL-Spiele kommen, in Deutschland empfangen und sollen am Freitag im Derby gegen Weißwasser im Sahnpark zu sehen sein. Möglich machten die Verpflichtungen glückliche Zufälle und Sponsoren. Über die genauen Summen für Gehalt, Versicherung etc. schweigt man sich jedoch noch aus. Der Vertrag läuft vorerst über 30 Tage.

Währenddessen werden die beiden deutschen NHL-Spieler Marco Sturm (vereinslos) und Korbinian Holzer (Toronto Meapel Leafs) aus familiären und sportlichen Gründen in Nordamerika bleiben.

Neue Entwicklungen gibt es mittlerweile bei den Tarifverhandlungen. So berichtet der TV-Sender TSN auf seiner Internetseite, dass für den Montag ein Treffen in Toronto zwischen NHL und NHLPA angesetzt war, auf dem der Anteil der Einnahmen am Hockeybusiness noch einmal besprochen wurde. Allerdings handelte es sich dabei noch nicht um Verhandlungen. Beide Seiten sind aber optimistisch, dass die Verhandlungen für einen neuen Rahmentarifvertrag schon bald wieder aufgenommen werden können.

Gewinnspiel: Im Rahmen unseres zweijährigen Jubiläums verlosen wir drei Eintrittskarten für die Heidelberger Schwimmbäder. Wer teilnehmen möchte, schickt  bis einschließlich Mittwoch,17.10.2012 um 23:59 Uhr eine Email mit dem Betreff „Gewinnspiel Jubiläum“ an anja.rambacher@face2face-magazin.de. In der Mail sollten euer vollständiger Name, sowie eure Adresse enthalten sein, so dass wir euch schnellst- möglichst Bescheid sagen können. Die Gewinner werden Ende September benachrichtig.

Vorschau: Nächste Woche erfahrt ihr, ob Sebastian Vettel noch Chancen auf den WM-Titel hat.

Nach den Playoffs ist vor der WM

Die gestern in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) beendeten Playoffs waren mit einem Wort: historisch. Dies fing bereits im Viertelfinale an. Während die jeweiligen Favoriten Eisbären Berlin (4:0-Sieg gegen Köln), Adler Mannheim (4:1-Sieg gegen Hamburg) und Ingolstadt (4:1 gegen Düsseldorf) für noch wenig Aufsehen in der „best of seven“ Serie sorgten, schlug der Underdog aus Straubing umso gewaltvoller ein!

Beim Duell der nach der Vorrunde siebtplatzierten Straubing Tigers gegen die drittplazierten Grizzlys Adams Wolfsburg, war mächtig im Feuer im Spiel. Dass sich am Ende die Mannschaft aus Bayern und nicht die von vielen Experten als Meisterschaftskandidat gehandelten Wolfsburgern die Serie beherrschten, war schon ein kleines Eishockeywunder.

Mit einem glatten 4:0-Erfolg, in der Eishockeysprache auch als „Sweep“ bekannt, schickte Straubing die Mannschaft aus der VW-Stadt in den Urlaub. Was folgte war die Begegnung gegen den amtierenden Titelverteidiger Eisbären Berlin. Auch hier hielten die Straubinger lange Zeit mit – konnten sogar ein Spiel in Berlin gewinnen – mussten sich am Ende der Halbfinalserie, die im best of five Modus ausgespielt wurde, aber dennoch mit 1:3 geschlagen geben.

Für die Eisbären aus Berlin bedeutet dies gleichzeitig der Einzug ins Finale. Hier wartete bereits kein geringerer Gegner, als die Adler Mannheim, die sich ebenfalls in der Halbfinalserie mit 3:1 (gegen Ingolstadt) durchgesetzt haben. Damit war das Duell der beiden DEL-Rekordmeister (jeweils fünf Titel), von vielen auch nicht zu Unrecht das „Gigantenduell“ genannt, geboren.

Diese Finalserie versprach von Anfang an Spannung und Dramatik. Da die Eisbären die reguläre Saison als Erster abschlossen, wurde das erste Spiel in der Hauptstadt ausgetragen. Nach zwei zum Teil hochklassigen Eishockeyspielen stand die Serie, nach einem 2:0-Sieg der Berliner und einem 4:1-Erfolg der Adler, 1:1-Unentschieden. Da Mannheim das dritte Duell in Berlin mit 2:1 für sich entscheiden konnte, hatte der sechsmalige Meister aus der Quadratestadt die Chance, in der eigenen SAP-Arena alles klar zu machen.

Was die 13.600 Zuschauer in der ausverkauften Arena zu sehen bekamen, war ein Wechselbad der Gefühle – ein wahres Drama eben. Nachdem die Adler vierzehn Minuten vor Schluss das 5:2 schossen, hatten sie schon mehr als eine Hand an dem Pokal. Doch die Freude währte nur kurz. Die erfahrene Berliner Mannschaft ließ sich selbst von diesem Drei-Tore Rückstand nicht beeindrucken und schlug im Stile einer Spitzenmannschaft zurück. Dass am Ende ein 6:5-Sieg nach Verlängerung für die Berliner auf der Anzeigetafel stand, hatten selbst die kühnsten Optimisten für unmöglich gehalten – ein unglaubliches Spiel!

Dieser außergewöhnliche Erfolg bescherte allen Eishockeyfans ein fünftes und entschiedenes Finalspiel in Berlin. In diesem setzten sich die Eisbären schließlich mit 3:1 durch und krönten sich zum sechsten Mal zum Deutschen Meister.

Doch nach den Playoffs ist in der Eishockeywelt bekanntlich vor der WM. In Finnland und Schweden muss die deutsche Nationalmannschaft ihr Können unter Beweis stellen. In einem neuen Modus – die altbekannte Zwischenrunde fällt zugunsten von zwei Achtergruppen weg –  kämpft die DEB-Auswahl gegen Russland, Schweden, Tschechien, Norwegen, Italien, Lettland und Dänemark um den Einzug ins Viertelfinale.

Nach den Absagen der National Hockey League (NHL)-Spieler Christian Erhoff (Buffalo Sabres, verletzt) und Alexander Sulzer (ebenfalls Buffalo, wird Vater), sowie den Absagen von Kapitän Michael Wolf (Iserlohn Roosters, verletzt) und des Noch-Krefelders Patrick Hager (aus persönlichen Gründen) wird das alles andere, als ein einfaches Unternehmen.

Ein Mutmacher für die noch junge deutsche Mannschaft kann die bisherige Vorbereitung sein. Ohne die Spieler der Finalisten aus Mannheim und Berlin, sowie ohne einen einzigen Legionär aus der NHL, der besten Liga der Welt, haben die DEB-Cracks bei den Duellen gegen Russland, Tschechien und Dänemark noch kein Spiel nach sechzig Minuten verloren.

Aber apropo NHL-Legionären: Hoffnung auf Verstärkung aus Übersee ist durchaus erlaubt. Mit Thomas Greiss (San Jose Sharks) ist der einzige deutsche NHL-Torhüter bereits aus den dort noch lange laufenden Playoffs ausgeschieden. Seine Zusage für die WM in Skandinavien steht aber noch aus. Mit Marcel Goc, Marco Sturm (beide Florida Panthers) und Dennis Seidenberg (Boston Bruins) befinden sich noch drei deutsche Spieler in den Playoffs und können je nach Ausscheiden zu den am vierten Mai beginnenden Titelkämpfen dazu stoßen.

Vorschau: Nächste Woche nimmt Christian die unglaubliche Erfolgssaison des THW Kiel in der Toyata Handball-Bundesliga für euch mal genauer unter die Lupe.