Die Überreste des Sommers

Schönes Wetter, Sonne, ein genialer Sommertag. Saftig grüne Wiese am Ufer – wunderbar. Nichts ahnend gehe ich am See entlang. Doch plötzlich ekelt es mich bei diesem Anblick. Inmitten der Natur schon wieder Überreste einer wilden Grillparty. Leere Bierflaschen, Plastikfolie vom Eis aus der Tiefkühltruhe und dort neben einem zerfledderten Pappkarton sogar eine angebissene Bratwurst. Ich weiß nicht recht, welches Gefühl überwiegt, der Brechreiz oder die Wut. Denn das Ärgerlichste: Nur zehn Meter weiter steht einsam und verlassen ein Mülleimer. In ihm herrscht gähnende Leere, während sich draußen der Abfall zu kleinen Gebirgen auftürmt.

Die Überreste des Sommers

Respektlos: Nach der Party bleibt der Müll leider oft einfach liegen (©PIXELIO/Jennifer Piepenbring)

Leider scheint das inzwischen schon ganz normal und alltäglich geworden zu sein, es herrscht eine allgemeine Sorglosigkeit im Umgang mit Abfällen. Da wirft der eine nach dem Einkauf seinen Beleg einfach ins Gebüsch, der andere spuckt seinen ausgelutschten Kaugummi mitten auf die Straße. Über leere Getränkedosen in der U-Bahn brauchen wir ja gar nicht zu sprechen, an die haben wir uns ja schon alle wohl oder übel gewöhnt. Doch ausgerechnet im Sommer, der schönsten Zeit des Jahres, wird die Sache mit dem Müll noch schlimmer. Nach kleinen Partys in öffentlichen Anlagen, am See oder im Park kommt keinem in den Sinn, die Reste der Feier in die Mülltonne zu befördern. Stattdessen bleibt der Abfall einfach liegen, mal mehr, mal weniger weit in alle Richtungen verstreut.

Niemand hat etwas gegen kleine Feste im Park. Schließlich hat jeder das gute Recht, draußen in der Natur mit seinen Freunden zusammen zu sitzen. Aber es gibt immer mehr Schmutzfinke, die nicht einsehen wollen, dass jeder selbst für seinen Müll verantwortlich ist und diesen auch wegschaffen sollte. Und wenn erst einmal ein paar anfangen, dann denken sich logischerweise die nächsten: „Warum soll ich aufräumen, wenn die da drüben das auch nicht machen?“ So werden es immer mehr, die die Natur verdrecken. Nach und nach entsteht eine regelrechte Müllkultur und anders als zum Beispiel in Neapel können wir uns nicht damit rechtfertigen, dass der Abfall ein politisches Problem ist, bei dem die Mafia mitspielt. Unser Dreck ist einfach nur respektlos – der Natur gegenüber, genauso wie den Mitmenschen, die sich auf etwas Erholung freuen und stattdessen von üblem Geruch belästigt werden.

Die Überreste des Sommers

Ordentlich: Der Müll gehört in die Tonne (©PIXELIO/ Jan-Rio Krause)

Soll das Ordnungsamt nun Geldbußen verhängen? Was ist mit Appellen an die Vernunft des Einzelnen? In der Regel hilft alles Strafen und Appellieren aber nur wenig, es fördert eher eine Protesthaltung. Was dann? Wenn nicht sowieso schon der Fall, dann sollte ein jeder von uns ein gutes Beispiel abgeben und auch Kleinkram artig in den Mülleimer werfen. Das ist schon ein guter Anfang, denn Kleinigkeiten machen bekanntlich die Summe des Lebens aus. Je mehr bewusst mit ihrem Unrat umgehen, desto besser, desto größer die Wirkung. Das ist dasselbe, wie bei den Glühbirnen: Wenn jeder das Licht ausmacht, wenn er einen Raum verlässt, dann spart das in der Summe irrsinnig viel Strom. Dazu muss der Einzelne den ersten Schritt tun und die Initiative ergreifen, anstatt darauf zu warten, dass jemand anderes anfängt.

Auch eine tolle Idee, wie ich finde: Das sogenannte „RamaDama“, also in etwa „Räumen tun wir“, das regelmäßig in meinem Stadtteil München-Moosach stattfindet. Das ist eine Aktion der „Aktionsgemeinschaft Moosach“, bei der Freiwillige in kleinen Gruppen ausschwärmen und mal wieder etwas Ordnung schaffen. Auch wenn der Effekt oft nur von kurzzeitiger Natur ist, so geht davon doch ein klares Signal aus: Wir wollen keinen Dreck, weder auf den Straßen, noch auf Wiesen oder in Parks. Das „RamaDama“ schärft ein bisschen das Bewusstsein und vermittelt, dass Müll eben keine Nebensache ist. Wir produzieren ohnehin zu viel Abfall und gerade deshalb ist ein bewusster und verantwortungsvoller Umgang mit dem Thema wichtig und notwendig; egal ob bei Partys im Park oder „nur“ im Alltag.

Vorschau: Dinner en Blanc, Supper Club & Co. – die neue Essklasse – das ist das Thema der nächsten Woche