Gut vorbereitet ins Auslandsssemester – eine Checkliste

Mittlerweile gehört es fast schon bei jedem Studenten zum Studiumsverlauf dazu: Das Auslandssemester. Ein halbes Jahr an einer Universität im Ausland studieren, neue Leute, Länder und Kulturen kennen lernen. Das klingt nach einem großen Abenteuer, das viel Spaß machen kann. Eine gute Vorbereitung sollte dabei aber nicht unterschätzt werden. Face2Face hat euch daher eine Checkliste mit den Dingen zusammengestellt, die man vor seinem Start in das Auslandssemester unbedingt noch erledigt haben sollte, damit man seine Zeit vor Ort anschließend unbekümmert genießen kann.

1. Dokumente beantragen: Wenn ihr in ein außereuropäisches Land reist, braucht ihr einen Reisepass. Dieser hat eine Bearbeitungszeit von mindestens 6 Wochen, also rechtzeitig beantragen! Gleiches gilt für ein Visum und den Antrag für ein mögliches Auslandsbafög. Einen internationalen Führerschein bekommt ihr direkt ausgestellt, wenn ihr bereits einen EU-Scheckkarten-Führerschein und ein biometrisches Passbild besitzt.

2. Impfen lassen: Ein wenig Vorlaufzeit (8-6 Wochen) solltet ihr auch bei notwendigen Impfungen einplanen. Es gibt Ärzte, die sich auf Reisemedizin spezialisiert haben. Dort gibt man in der Regel seinen Impfass ohne Termin ab, füllt einen Fragebogen aus und bekommt dann seinen Termin bzw. seine Termine für die notwendigen Impfungen. Hinweise, welche Impfungen benötigt werden, erhaltet ihr auch auf der Internetseite des auswärtigen Amtes.

3. Kreditkarten beantragen: In fremden Ländern herrscht auch ein anderes Zahlungsmittel (Ausnahme in der EU), demnach müsst ihr euch auch darüber informieren, wie ihr am besten kostenlos Geld abheben und mit einer Karte bezahlen könnt. Beides liefert euch die Kreditkarte von Number26, die auch eine sehr gute App bereitstellt, mit der ihr eure Ausgaben im Ausland immer völlig unter Kontrolle und auf einem Blick habt. Eine sehr gute Ergänzung zur Number26 ist die Kreditkarte der DKB. Mit diesem Paket habt ihr sowohl eine Visa- (DKB), als auch eine MasterCard (Number26) und seid damit gegen eventuelle Ausfälle einer der beiden Karten abgesichert. Beide Karten kosten kein Geld und sind leicht online per Web-ID zu beantragen.

4. Auslandskrankenversicherung abschließen: Bei einem Auslandssemester befindet ihr euch länger im Ausland, als es durch eure Reise-Krankenversicherung abgesichert wäre. Ihr braucht demnach eine spezielle Auslandskrankenversicherung für diese Zeit. Informiert euch im Voraus gut über die einzelnen Konditionen der verschiedenen Versicherungen. Besonderen Wert solltet ihr auf einen 24-Stunden-Notruf-Service legen. Außerdem unterscheiden sich viele Krankenversicherungen im Falle eines Rücktransportes. Achtet darauf, dass eure Versicherung einen „medizinisch sinnvollen“ Rücktransport mit einschließt, und nicht nur einen „medizinisch notwendigen“. Alle weiteren Unterschiede solltet ihr direkt vergleichen. Die Young Travel Versicherung der „Hanse Merkur“ wurde an vielen Stellen empfohlen.

5. Handyvertrag stilllegen lassen: Woran viele im ersten Moment nicht denken, ist es, den Handyvertrag (falls vorhanden) für die Zeit im Ausland pausieren zu lassen oder zu kündigen, da man in dieser Zeit eine Prepaid-Karte des jeweiligen Landes verwenden wird. Hier räumt o2 beispielsweise eine Vorlaufzeit von zwei Wochen ein.

6. Informationen sammeln: Wenn man in ein fremdes Land reist, sollte man sich vorher auch unbedingt über dessen Kultur, Religion und Gepflogenheiten informieren. Wie sieht es beispielsweise mit der Kleiderordnung in der Universität aus? Welche Verhaltensweisen aus Deutschland sind dort eventuell verpönt? Informiert euch vorher über solche Dinge, damit ihr euer Auslandsssemester nicht direkt mit einem Sprung ins Fettnäpfchen beginnt. Außerdem kann ein Reiseführer nicht schaden, der euch schon einmal einen Überblick darüber gibt, was ihr gerne in eurem Zielland sehen würdet.

7. Unterkunft buchen: Ob ihr lieber vor Ort nach einer dauerhaften Unterkunft suchen wollt oder schon vorab in Deutschland etwas fest gemietet habt: Kümmert euch auf jeden Fall darum, dass ihr die erste Nacht irgendwo untergebracht seid. Wenn ihr beispielsweise nachts erst am Flughafen ankommt, ist es gold wert, wenn man bereits eine Unterkunft gemietet hat. Klärt auch ab, ob euer Hotel eventuell einen Flughafentransfer anbietet.

Auf den Spuren von Harry Potter Teil 2

Die Reise auf den Spuren von Harry Potter geht weiter:

Raus aus London, hinein in die schöne Landschaft Englands. Nachdem im letzten Teil London bereits ausführlich ausgekundschaftet wurde, ist es nun an der Zeit, die bereits gesammelten Eindrücke auf sich wirken zu lassen. Virgina Water Lake, ein See in der Nähe von London Heathrow, ist genau der richtige Ort, um die letzten Tage zu verarbeiten und zur Ruhe zu kommen. Wer ausnahmsweise keinen Hippogreif dabei hat, kann stattdessen einen Rundflug über den See machen oder diesen einfach zu Fuß besichtigen. Ziel ist es dann natürlich die Stelle zu finden, an der Hermine in „Harry Potter und der Feuerkelch“ Rons Nachricht zum Trimagischen Turnier an Harry weitergegeben hat. Wer dann immer noch nicht genug von der Natur hat, kann sich auf den Weg nach Ashridge Wood begeben. Im Film „Harry Potter und der Feuerkelch“ ist der Wald die Kulisse für die Quidditch Weltmeisterschaft.

Genug Sauerstoff getankt und Vogelgezwitscher gehört! Jetzt geht es wieder in die Stadt: Oxford. Nur 35 Minuten von Ashridge Wood entfernt gibt es dort das Angebot einer offiziellen Tour für 15 Pfund. Oxford lässt sich aber auch gut auf eigene Faust erkunden. So sollte auf jeden Fall die Mensa im Christ Church College besichtigt werden, welche als Kulisse für Hogwarts Speisezimmer diente. Auch die Old Bodleian Library in der Cattle Street ist einen Abstecher Wert, um dort in der Bücherei von Madam Pince nach einem neuen Buch zu suchen. Eine Stunde mit dem Auto von Oxford entfernt befindet sich die Gloucester Cathedral. Wer nicht schon in den letzten Tagen das Gefühl hatte, der Muggelwelt entflohen zu sein, wird bei der Besichtigung der Kathedrale endgültig glauben, Harry oder Hermine zu begegnen. In einigen der Flure wurden nämlich Aufnahmen für Hogwarts gedreht.

Auf den Weg nach Schottland

Der Harry Potter-Roadtrip geht nun weiter Richtung Schottland. Auf dem Weg kann bei der Hardwick Hall angehalten werden, um die Villa der Malfoys zu besichtigen. Wer für den Unterschlupf der Todesser jedoch keine 12,50 Euro ausgeben möchte, kann direkt weiter zu Malham Cove fahren – eine Felsenlandschaft, wo Harry und Hermine damals ihr Camp auf der Flucht vor Voldemort aufgeschlagen haben. Die nächste Station ist Hogsmeade, der einzige Ort, der ausschließlich von Hexen und Zauberer bewohnt wird. Von dort aus ist Hogwarts nicht mehr weit entfernt. Die Goathland Train Station stellte die Kulisse für den  Hogsmeade Bahnhof dar, an dem die Schüler mit dem Hogwarts Express ankommen.  Wer nicht von pferdelosen Kutschen abgeholt wird, muss sich nun leider wieder per Bus und Bahn Hogwarts nähern. Bei einem Besuch der Durham Cathedral ist das allerdings gut möglich. Die Durham Kathedrale diente für Außen- und Innenaufnahmen von Hogwarts und kann mit einer offiziellen Tour für fünf Pfund besichtigt werden, manche Bereiche sind sogar kostenlos zu begehen. Der gut informierte Muggel weiß allerdings nur zu gut, dass Hogwarts nicht gerade klein ist. Daher geht die Reise weiter nach Alnwick Castle. Auch dies diente als Kulisse für Hogwarts (sowie „Robin Hood – König der Diebe” oder „Elizabeth”) und kann mit einer Tour besichtigt werden.

Vorschau: Am Freitag, 08. April wird Schottland und Irland zum Abschluss der Reise erkundet.

Abenteuer Erasmus: Mein Leben in Paris

Mein neues Zuhause: Paris (Foto: Hohmann)

Mein neues Zuhause: Paris (Foto: Hohmann)

Es ist soweit! Ab dem 1. September werde ich ein Jahr lang in Paris leben und studieren. Neue Sprache, neue Leute, neue Kultur, neues Leben: Auf Face2Face werde ich alle vier Wochen von meinen Erlebnissen und Erfahrungen berichten und euch auf dem Laufenden halten.

Heute: Erasmus-Bewerbung und Wohnungssuche

Vor knapp vier Wochen, am 19. Juli, habe ich mein Studenten-Leben in Frankfurt hinter mir gelassen und ein neues Abenteuer gewagt: Ein Jahr in der Stadt der Liebe, ein Jahr in Paris!
Im Rahmen meines Studiums verbringe ich zwei Semester an einer der zwölf Universitäten in Paris, möglich macht`s Erasmus. Nach langwierigem Bewerbungsverfahren hielt ich endlich die Bestätigung in meinen Händen: Vom 1. September 2015 bis zum 31. Mai 2016 bin ich Studentin in der Metropole Paris. Im Nachhinein habe ich erfahren, dass es in meinem Studienfach nur zwei Bewerber gab, sodass meine Chancen von Anfang an sehr gut standen. Ihr solltet euch also generell nicht davor scheuen, euch zu bewerben, auch wenn der Bewerbungsprozess seine Zeit dauert – am Ende lohnt sich der Aufwand!

Im Zug: Auf dem Weg von Frankfurt nach Paris (Foto: Hohmann)

Im Zug: Auf dem Weg von Frankfurt nach Paris (Foto: Hohmann)

Finanziell unterstützt werde ich durch mein Erasmus-Stipendium. Wie viel man monatlich erhält, hängt von dem jeweiligen Land ab. Die Zielländer sind in drei Kategorien unterteilt, wobei Gruppe 1 (z.B. Dänemark, Italien, Irland, Frankreich) den Höchstsatz von 330 Euro erhält, Gruppe 2 (z.B. Belgien, Griechenland, Niederlande, Spanien, Türkei etc.) 270 Euro und  Gruppe 3 (Bulgarien, Litauen, Polen, Ungarn etc.) 210 Euro.

Geschafft: Koffer Nummer eins (Foto: Hohmann)

Geschafft: Koffer Nummer eins (Foto: Hohmann)

Mir wird schnell klar, warum Frankreich zu den teuersten Ländern gehört: Die Mieten in Paris sind immens hoch. Nach einigen Wohnungsbesichtigungen habe ich mich für ein kleines Studio im 16. Arrondissement in Paris entschieden, welches im Westen liegt. 510 Euro für elf Quadratmeter – aber wenigsten mit eigenem Bad.
Ein eigenes Bad ist bei den kleinen Apartments keine Selbstverständlichkeit. Oft befinden sich Duschen und Toiletten auf dem Gang und man muss sich diese mit ein paar anderen teilen. Für mich war relativ schnell klar, dass ich mein eigenes Bad haben möchte – so viel Komfort muss sein.
In Frankfurt wohnte ich bei meiner Mutter im Herzen der Stadt – 22 Quadratmeter durfte ich mein eigen nennen. Nun hieß es also, mein Hab und Gut in elf Quadratmeter unterzubringen – da muss man natürlich Abstriche machen. Welche Klamotten brauche ich wirklich (zuhause hatte ich zwei Kleiderschränke – einen für den Sommer, einen für den Winter!)? Welche Schuhe trage ich am meisten (bei knapp 30 Paar Schuhen keine leichte Wahl)? Ich weiß nicht genau wie, aber ich habe es nach qualvollen Stunden geschafft, mich für die wichtigsten Dinge zu entscheiden. Und habe tatsächlich alles in meinem neuen kleinen Heim untergebracht!

Am 22. September berichte ich von meinen ersten Schritten in Paris und meinen ersten drei Wochen an der Uni!

Vorschau: Nächste Woche entführen wir euch in die Party-Hochburg Rimini!

„Hasta Alaska“: Mit dem Kombi von Chile nach Alaska

Im November 2011 startete Ben (32) in Chile ein unglaubliches Abenteuer. Sein Ziel: Mit einem

Das ist er: Abenteurer Ben (Foto:Ben)

Das ist er: Abenteurer Ben (Foto:Ben)

Kombi und seinem Hund namens Alaska nach Alaska!

Doch schon zuvor zog es ihn von seinem Heimatort Jersey, einer kleinen Insel im Ärmelkanal, in die große weite Welt: Angefangen im November 2008 in Kanada, snowboardete er in den Bergen von Kanada und Neuseeland, surfte an der australischen Küste, lebte mit einem Mönch in den Bergen von Thailand, arbeitete als Tiger-Trainer und trampte durch Kambodscha. Furchtlos durch die Welt, immer nach der Suche nach einem nächsten Abenteuer. Nach Kanada, Südostasien, Australien und Neuseeland landete er schließlich im Winter 2011 in Chile, kaufte sich einen Kombi und startete sein Projekt „Hasta Alaska“. Begleitet von seiner Kamera, teilt er seine Erfahrungen mit Leuten aus

Farbenfroh und einzigartig: Bens Kombi (Foto: Ben)

Farbenfroh und einzigartig: Bens Kombi (Foto: Ben)

aller Welt auf seiner eigenen Homepage, seiner Facebook- und Twitter-Seite und seinem Youtube-Channel. Es liegt ihm sehr am Herzen jeden, der Interesse hat, an seiner Reise teilhaben zu lassen und wie gelingt dies einfacher als durch das Internet? Mittlerweile zählt er 6.199 „Gefällt mir-Angaben“ bei Facebook und 13.921 Abonnenten bei Youtube – die Tendenz ist weiter steigend. Nahezu täglich berichtet er mit Bildern und kleinen Anekdoten von seinem teilweise beschwerlichen Trip und erntet damit Respekt und Anteilnahme von allen Seiten. Laut eigenen Angaben verbringt Ben wöchentlich über 20 Stunden mit der Pflege und Erweiterung seiner diversen Kanäle und jede einzelne Sekunde, so Ben, lohnt sich.

Sein treuster Freund: Hund "Alaska" (Foto:Ben)

Sein treuster Freund: Hund „Alaska“ (Foto:Ben)

Ganz allein mit seinem Cocker Spaniel im Gepäck machte er sich also auf den weiten Weg. Er entschied sich bewusst diese Reise allein anzutreten, um sich die Freiheit zu bewahren, tun und lassen zu können, was er möchte. Jedoch begrüßt er nach dem CouchSurfing-Prinzip zwischendurch immer mal wieder Mitreisende, die mal kürzer und mal länger mit ihm auf Tour sind. Die Kosten für das Benzin teilen sie sich, sodass für Ben sein Projekt bezahlbar bleibt. Allerdings sind er und Hund Alaska die einzigen dauerhaften Mitglieder der Kombi-Crew.

Bis zum heutigen Zeitpunkt musste er seine Reise bereits zwei Mal nahezu abbrechen, da

Auch Pannen gehören dazu: Reparaturen am Straßenrand (Foto:Ben)

Auch Pannen gehören dazu: Reparaturen am Straßenrand (Foto:Ben)

der Kombi, noch bevor er Chile verlassen hatte, fast auseinanderbrach. Nachdem er in Costa Rica Ersatzteile gekauft hatte, der Kombi aber nach zehn Kilometern schon wieder streikte, war er kurz davor aufzugeben, seinen Kombi zu verkaufen und sich stattdessen zwei Esel zu kaufen. Er versicherte mir, dass dies ein ernsthafter Gedanke war! Jedoch ermutigten ihn seine Online-Freunde weiterzumachen und so ging seine Reise trotz mancher schwieriger Situation stetig weiter – bis heute!

Auf meine Frage, was seine Pläne für die Zukunft sind und wie lange er dies noch machen möchte, sagte er:“ Ich hoffe mit dem Eintreffen in Alaska im August oder September 2015. Allerdings kann ich dies natürlich nicht zu hundert Prozent vorhersehen. Was ich nach sieben Jahren machen möchte, in denen ich quer durch die ganze Welt gereist bin, weiß ich noch nicht. Aber eins weiß ich ganz genau: Ich werde bei meiner Ankunft in Alaska nicht derselbe Mann sein, der Chile im November 2011 verlassen hat!“

Euch begeistert, wie mich, das Projekt von Ben und ihr möchtet seine Reise weiter verfolgen und mehr Bilder von seinem abenteuerlichen Abenteuer sehen?

Über alle Berge

Aus eigener Kraft die Alpen überqueren – das klingt nach einer ordentlichen Herausforderung. Und gerade das macht den Reiz einer Transalp mit dem Fahrrad aus. Die Berge als imposantes Hindernis auf dem Weg gen Süden, Richtung Sonnenschein und es gibt nur eines auf das man sich verlassen kann: Die Kraft des eigenen Körpers.

Julius am Ettaler Sattel

Im Transalp-Fieber: Julius nutzt jede freie Minute, um für die Transalp zu trainieren (Foto: Resch)

Dieser Herausforderung will sich nun auch der 38-jährige Julius stellen – nach zehn Jahren Abstinenz vom Radsport.

Dabei fing Julius schon früh mit dem Rad fahren an. Er sei schon als Kind gerne mit dem Fahrrad unterwegs gewesen und zum 18. Geburtstag habe er sich dann endlich ein Rennrad geleistet. „Von diesem Moment an war ich wie gefesselt vom Radsport“, schwelgt Julius in Erinnerungen. Er habe es geliebt in seiner Freizeit seinem Hobby zu frönen, auch wenn er nie Ambitionen zum Leistungssport gehabt habe. „Es ging bei mir eher um die Bewegung an sich, ich denke, es war das Gefühl der Freiheit beim Radfahren, das mich so fasziniert hat.“

Vor zehn Jahren kam dann der Umzug von Bayern nach Skandinavien. Durch die schlechte Situation auf dem Arbeitsmarkt habe er sich im Ausland nach Beschäftigung umsehen müssen. In Skandinavien sei er schnell fündig geworden und mit dem Umzug in den hohen Norden und der neuen Arbeitsstelle habe Julius nur noch wenig Zeit für seinen geliebten Radsport gehabt.

Nun aber wollte Julius endlich etwas an seiner Situation ändern: „In meiner passiven Zeit habe ich ganz schön an Gewicht zugelegt. Das wollte ich jetzt definitiv mit mehr Sport angehen.“ So habe er schnell den Entschluss gefasst, wieder aus Rad zu steigen. „Und dann war da noch mein Vetter“, schmunzelt Julius. „Als der von meinem erneuten Radsport-Fieber erfahren hatte, kam er völlig überraschend mit der Idee einer gemeinsamen Transalp daher. Ganz spontan habe ich einfach zugesagt.“ So sei es dazu gekommen, dass Julius nun vor seiner ersten Transalp stehe.

Bis zum Start heiße es noch hart zu trainieren, so Julius. Natürlich fahre er so viel wie möglich mit dem Rad. Doch im kalten Skandinavien müsse er sich damit arrangieren, dass er nicht so regelmäßig draußen trainieren könne. „Das gleiche ich mit gezieltem Krafttraining aus. Außerdem tanze ich für mein Leben gern, das bringt mir einmal die Woche auch eine zusätzliche Belastung, die ich als Trainingseinheit verbuchen kann“, verrät Julius.

Sicher sei es nicht immer einfach, den inneren Schweinehund zu überwinden. „Aber da bin ich Gott sei Dank pragmatisch veranlagt“, meint Julius, „Es heißt dann einfach Augen zu und durch, dann geht es irgendwie schon.“ Außerdem sei es für ihn eine besondere Motivation, dass das Training einem klaren Ziel diene, das er sich bereits mit großer Vorfreude ausmale. „Wenn ich an die Transalp denke, dann freue ich mich schon jetzt auf die Heimat, die Alpenluft, darauf, neue Leute kennenzulernen.“

Julius wisse aber auch, welch große Herausforderung auf ihn warte. Er habe durchaus Respekt vor dem Projekt. Nicht nur Pannen seien für ihn eine mögliches Ärgernis, auch schlechtes Wetter könne die Transalp schwerer als erhofft machen. „Vor allem da mein Vetter auf dem Weg in den Süden das Penser Joch nehmen will, kann eine Schlechtwetterfront schnell Probleme bereiten“, so Julius mit ernster Miene. Mit seinen 2211 Metern Höhe könne das Penser Joch im Extremfall sogar für Eisregen sorgen. „Davor habe ich schon Respekt.“

Deswegen bleibe Julius auch gewohnt vernünftig. Man müsse immer auch ein Scheitern mit einkalkulieren, genau wie bei jedem anderen Projekt. Trotzdem sieht er der Transalp mit guter Laune entgegen. Als er vom bevorstehenden Grundlagentraining mit sehr langen Einheiten zur Verbesserung der Ausdauer berichtet, fügt er mit einem Augenzwinkern hinzu: „Kilometer fressen eben“.

Die Faszination Transalp hat Julius eindeutig infiziert. Er sei sich sicher, dass er es schaffen könne, auch wenn es bestimmt nicht leicht werde. „Und um Nummer sicher zu gehen, packe ich einfach weniger ein. Dann geht es wenigstens leichter bergauf“, lacht Julius.

Vorschau: Nächste Woche im Panorama: Eine Umfrage zum Thema „Wie verbringt ihr euren Weihnachtsabend?“

Einen trinken mit Rüdiger Nehberg…

Dass der Survival-Papst Rüdiger Nehberg allein mit einem Baumstamm über den Atlantik gefahren ist, 22 bewaffnete Überfälle überlebt hat, mit Indianern lebte und das Bundesverdienstkreuz erhielt, wissen viele. Am Samstag, 23. März, ist er auf Einladung des Lions-Club Haßloch in die ausverkaufte Stadthalle nach Speyer gekommen, um über genau diese zahllosen Abenteuer zu berichten. Wie es aber ist, mit Rüdiger Nehberg einen trinken zu gehen, wissen nur wenige…

Es ist 0:30 Uhr. In kleiner Runde sitze ich mit Rüdi in einer Kellerbar. Ich habe einen Platz direkt neben ihm ergattert. Das freut mich, denn er hört nicht mehr so gut. Dass Rüdi schon 78 Jahre alt ist, ist kaum zu glauben. So aus der Nähe kann ich ihn ganz unverhohlen anschauen, ohne stalkermäßig zu wirken. Rüdi sieht wirklich nicht aus wie 78. Anfang 60 höchstens. Er benimmt sich auch nicht, wie 78-Jährige sich eigentlich benehmen. Wenn die von Horst, Frank-Walter, Willy oder Helmut erzählen, dann sind das meistens Stammtischkumpels. Bei Rüdi sind das Köhler, Steinmeier, Brandt, Schmidt.

Einen trinken mit Rüdiger Nehberg...

Beim Verkauf seiner Bücher: Rüdiger Nehberg (Foto: Wagner)

Wäre Rüdi ein Schulkind, würde man ihm wahrscheinlich Ritalin verschreiben. Er erzählt mit strahlenden Augen und wenn er etwas mit Nachdruck sagen will, haut er so heftig mit der Faust auf den Tisch, dass alle Gläser wackeln. Dass ich Rüdi Rüdi nenne, und nicht Rüdiger Nehberg, ist keinesfalls mangelndem Respekt geschuldet. Ich lerne Rüdi an diesem Abend zwar zum ersten Mal von Angesicht zu Angesicht kennen, aber ich habe schon lange ein enges Vertrauensverhältnis zu ihm aufgebaut. Das ist so ähnlich wie die imaginäre Freundschaft, die man mit Moderator Günther Jauch pflegt, wenn man sich regelmäßig mit ihm über die Kandidaten bei „Wer wird Millionär“ ärgert. Während die lange rumraten, wissen Günni und wir die Antwort natürlich schon längst und verdrehen genervt die Augen.

Aber zurück zu Rüdi. Ich bin Mitglied seiner Menschenrechtsorganisation TARGET, welche sich gegen die weibliche Genitalverstümmelung einsetzt, die noch in vielen Ländern Afrikas praktiziert wird. Für die Veranstaltung in Speyer habe ich die PR-Arbeit übernommen, und darf deshalb danach auch mit einen trinken gehen. Seit Monaten beschäftige ich mit Rüdis Reisen rund um den Globus, seinen unglaublichen Survival-Abenteuern und eben seinem   Einsatz für die Frauen Afrikas. Dabei habe ich nicht nur die Medien, sondern vor allem mich selbst davon überzeugt, dass Rüdi einfach ein super Kerl ist. Zu meinem Erstaunen muss ich feststellen, dass Rüdi sich auch mir gegenüber so verhält, als wären wir seit Jahren enge Kumpels. Dabei haben wir noch nie ein Wort miteinander gewechselt.

Einen trinken mit Rüdiger Nehberg...

Auf der Bühne: „Sir Vital“ (Foto: Wagner)

Weil er nicht mehr so gut hört und Mühe hat zu verstehen, was andere aus der Gruppe sagen, beugt Rüdi sich öfter auf meine Stuhllehne. Dass ich da quasi im Weg sitze, scheint ihm egal zu sein. Um zu demonstrieren, wie die Stiche der südamerikanischen Dasselfliege schmerzen, kneift er mir ein paar Mal fest in den Arm. Pflichtbewusst bestätige ich den anderen Zuhörern, dass das ziemlich weh tut.  Rüdi sagt, die Fliegen legen Eier unter die Haut, die dann zu Larven heranwachsen und sich an die Oberfläche fressen. Hat er dann einfach gegessen. Sind ja quasi aus ökologischem Anbau, meint Rüdi. Das war in den Achtzigern, als er mit den Yanomami-Indianern im brasilianischen Regenwald lebte.

Damals hatte Rüdi erfahren, dass die Indianer von skrupellosen Goldsuchern bedroht werden. Um sich selbst ein Bild von der Situation zu machen, kämpfte er sich allein durch den Regenwald. Sein wichtigstes Utensil: eine Mundharmonika. Denn wer laut kommt, ist kein Feind – so ein Leitspruch der Indianer. Schließlich haben ihn die Yanomami aufgegriffen und mit in ihr Dorf genommen. „Die dachten wahrscheinlich ich bin ein bisschen blöd, so allein im Regenwald mit einer Mundharmonika unterwegs“, sagt Rüdi. Dieser Eindruck habe sich noch verstärkt, als die Indianer ihn nach langem Betteln mit auf die Jagd nahmen. Ein falscher Schritt von Rüdi und die anvisierte Beute war entkommen. Dann habe er allein nicht mehr den Weg zurück ins Dorf gefunden und musste von einem kleinen Kind geführt werden. „Ich war die Lachnummer des ganzen Dorfes, bei jeder Gelegenheit erzählten die Jäger diese Geschichte und lachten sich schlapp“, erzählt Rüdi augenzwinkernd.

Einen trinken mit Rüdiger Nehberg...

Vortrag vor vollem Haus: Die Stadthalle Speyer war ausverkauft (Foto: Wagner)

Um auf die Lage der Indianer aufmerksam zu machen, überquerte er 1987 den Atlantik mit einem Tretboot. Zuvor hatte er dafür mit den Kampfschwimmern in Eckernförde trainiert. Zu Beginn des Trainings musste Rüdi ein Passbild von sich abgeben, für die Gedenktafel im Fall der Fälle. Fotos von Wasserleichen sähen nicht besonders schön aus, so die Begründung der Kampfschwimmer. Was zunächst wie ein makabrer Witz klingt, wurde schnell zur bitteren Realität. Beim ersten Tauchgang verlor Rüdi – an Händen und Füßen gefesselt –  das Bewusstsein und musste wiederbelebt werden.

Man kann wohl getrost sagen, dass Rüdi mehr erlebt hat, als die meisten Menschen zusammengenommen. Jetzt ist er 78 Jahre alt und ihm läuft – wie er selbst sagt – die Zeit weg. Seit vielen Jahren setzt er sich in Afrika gegen die weibliche Genitalverstümmelung ein und hat in dieser Zeit mehr erreicht als die meisten Politiker. „Wenn ich da hin komme, dann nicht als Missionar oder Politiker, sondern als einer von ihnen“, erklärt er. Von der Kirche scheint Rüdi sowieso wenig zu halten, vor allem nachdem ihm Papst Johannes Paul II seine Hilfe in Sachen Yanomami-Indianer zusicherte, dieses Versprechen jedoch nie einlöste.

Einen trinken mit Rüdiger Nehberg...

Ende der Veranstaltung: Lions-Präsident Michael König überreicht eine Spende über 10.000 Euro an TARGET (Foto: Wagner)

Weder ein Politiker noch Papst schaffte es, die wichtigsten islamischen Autoritätsfiguren an einen Tisch zu bringen, sondern Rüdi – ein ehemaliger Konditor aus Hamburg. Die religiösen Führer einigten sich darauf, dass die genitale Verstümmelung weder durch den Koran begründet wird, noch mit der Ethik des Islams vereinbar ist. Nun gilt es, diese Botschaft zu verbreiten. Über solche Themen zu sprechen, ist in vielen Regionen jedoch absolut tabu.  Rüdis Ziel ist es jetzt, ein Banner mit eben dieser Botschaft in Mekka zu spannen. Dazu ist er auf die Hilfe des saudischen Königs angewiesen. Bisher blieben alle Kontaktversuche aber erfolglos.

Er habe große Pläne, meint Rüdi mit leuchtenden Augen. Noch könne er nicht darüber sprechen, aber wir würden schon sehen, sagt er, und haut zum Abschluss noch einmal kräftig auf den Tisch. Wenn es einem zuzutrauen ist, ist es jedenfalls Rüdi.

Vorschau: Nächste Woche erscheint hier ein Artikel zum Thema „Foodsharing“.