Ist die traditionelle bayerische Küche auch alltagstauglich?

Natürlich essen die Bayern nicht nur Weißwürste und Brezeln und trinken Bier, trotzdem habe ich im Restaurant oft den Eindruck, dass genau diese Gerichte die bayerische Küche ausmachen. Da muss es doch noch mehr geben, oder?

Und eignen sich bayerische Rezepte eigentlich auch für ungelernte Köche und Köchinnen in der eigenen Küche zuhause? Wie man Weißwürste zubereitet, wissen bestimmt die meisten, da sie ja oft nur in kochendem Wasser heiß gemacht werden. Das ist also eher keine große Herausforderung für die eigene Küche.

Daher habe ich drei andere bayerische Rezepten für euch ausprobiert. Ob die wohl genauso alltagstauglich sind wie die traditionellen Weißwürste?

Gericht Nummer 1: Nürnberger Rostbratwürstchen mit Röstzwiebeln und Kartoffelbrei

Dieses Gericht ist bestimmt nicht nur in Bayern bekannt und beliebt. Also ran an den Kochtopf! Zuerst habe ich mich an den Kartoffelbrei gemacht, der auf bayerisch praktischerweise Kartoffelstampf genannt wird, da man genau das machen muss. Die Kartoffeln, bevorzugt mehligkochende, habe ich geschält, gewaschen und in mittelgroße Stücke geschnitten. Das hat mir später das Stampfen erleichtert. Dann werden sie in Salzwasser 20 Minuten lang weich gekocht. Danach nur kurz abkühlen lassen. Damit sie sich besser zu einem Brei verbinden, muss man warme Milch und etwas Butter dazugeben und dann stampfen, stampfen, stampfen. Das geht hervorragend mit einem extra dafür geeigneten „Katoffelstampfer“. Wer so etwas allerdings nicht zuhause hat, kann natürlich auch eine Gabel benutzen, das dauert zwar etwas länger, aber das Ergebnis ist dasselbe. Dann fehlen nur noch die Gewürze: Ich habe geriebene Muskatnuss, Salz und Pfeffer verwendet, das reicht eigentlich schon. Aber Würzen ist ja bekanntlich Geschmackssache also kann man das ruhig etwas variieren.

Damit man nicht zu viel Zeit verliert, während die Kartoffeln kochen, kann man auf jeden Fall bereits die Zwiebeln schälen und in Ringe schneiden. Diese werden dann auf niedriger Hitze ebenfalls 20 Minuten in einer Pfanne mit Öl langsam braun angebraten.

Wenn dann die Kartoffeln fertig gekocht sind und abkühlen müssen, habe ich die Würstchen zu den Zwiebeln in die Pfanne gegeben und mitgebraten. Nur das Wenden sollte nicht vergessen werden, da sie sonst schnell anbrennen. Sobald der Kartoffelstampf fertig ist, sollten auch die Würstchen und die Röstzwiebeln soweit sein, sodass nach guten 45 Minuten das Essen auf den Tisch kann.

Ist die traditionelle bayerische Küche auch alltagstauglich?

Und so sah er aus, mein Kartoffelstampf mit Röstzwiebeln und Rostbratwürstchen

Selbst für mich als echter Anfänger in der Küche war das Gericht auf jeden Fall kochbar. Das Aufwändigste war mit Abstand der Kartoffelbrei, für den ich knappe 45 Minuten Zubereitungszeit gebraucht habe. Es war zeitlich also etwas intensiver als andere Gerichte, aber geschmacklich definitiv die Mühe wert.

Gericht Nummer 2: Obazda mit Brezeln

Bei einem bayerischen Kochversuch dürfen Brezeln natürlich nicht fehlen. Weil mir (und wahrscheinlich auch vielen von euch) das Selbstbacken allerdings ein bisschen zu aufwendig ist, habe ich Brezeln gekauft und mich in der Küche auf den „Obazda“ konzentriert.

Der Obazda hat seinen Namen durch den Herstellungsprozess erhalten, da die Zutaten mithilfe einer Gabel zusammen gedrückt, also „ogebazt“, werden. Dafür kommen Camembert und Frischkäse in eine Schüssel und werden solange zerdrückt, bis eine glatte Masse entstanden ist. Dazu kommen noch Butter, nach Geschmack etwas Bier, ganz die bayerische Art, und eine in kleine Stücke gehackte Zwiebel, sowie Gewürze.

Dieses Mal bin ich ganz nach Rezept vorgegangen und habe mit Kümmel, Paprika, Salz und Pfeffer gewürzt, da man so den besonderen Geschmack des Obazdas erreicht. Angerichtet mit Zwiebelringen, die ich vorher in Paprikapulver gewendet habe, und Brezeln eignet sich der Dip hervorragend als Vorspeise oder einfach so für zwischendurch.

Diesmal hat auch die Zubereitung nicht so lange gedauert: Etwa 25 Minuten habe ich gebraucht, wobei die meiste Zeit für das Zusammendrücken des Käses draufgegangen ist. Das lag aber vermutlich einfach an der wenigen Übung, die ich darin hatte. Das Gericht lässt sich auf jeden Fall super vorbereiten und macht satter als es aussieht.

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Der angerichtete Obazda mit Zwiebeln und Brezeln

Gericht Nummer 3: Bauernfrühstück auf Bayerisch

Eine deftige Hauptspeise, ein nicht weniger herzhafter Snack – fehlt noch ein typisch bayerisches Bauernfrühstück mit Knödeln, Pilzen und Spiegelei.

Zuerst schien mir das Rezept nicht so aufwändig, bis mir klar wurde, dass ich auch die Semmelknödel selbst machen sollte. Wer das am Morgen zu anstrengend oder zeitaufwändig findet, kann natürlich auch Semmelknödel fertig kaufen. Ich würde dann allerdings empfehlen, diese schon am Vortag zuzubereiten. Generell ist das eigentlich ein Gericht, was sich super vorbereiten bzw. mit Resten zubereiten lässt. Da mir das allerdings erst in der Küche, als ich loslegen wollte, so richtig klar wurde, musste ich mit den frischen Knödeln arbeiten.

Wenn ihr die Knödel ebenfalls selbst herstellt, solltet ihr Weißbrot vom Vortag verwenden, was in kleine Stücke geschnitten werden sollte. Sind die Stücke zu groß, können die Knödel später nicht gut geformt werden, was ich leider im Selbstversuch feststellen musste. Wenn das Weißbrot geschnitten ist, wird es mit heißer Milch getränkt und muss erst einmal ziehen.

In dieser Zeit konnte ich bereits die Lauchzwiebeln und die Pilze putzen und scheiden. Diese wurden dann zusammen in Öl kurz angebraten und dann beiseite gestellt.

Zum Weißbrot-Milch-Gemisch kamen dann noch Ei und Mehl dazu. Das Ganze habe ich dann mit den Händen geknetet und zu gleichmäßigen Kugeln, also Knödeln, geformt. Diese mussten dann 20 Minuten in kochendem Salzwasser ziehen, bevor sie, abgetropft, in Stücke geschnitten und auch in Butter angebraten wurden.

Zuletzt habe ich alles zusammen, also die Knödel, die Pilze und die Zwiebeln, in einer Pfanne erhitzt und zwei Spiegeleier darüber geschlagen. Kurz braten – fertig! Das Ergebnis war nicht nur lecker, sondern wird auch einem echten Bauernfrühstück auf jeden Fall gerecht.

Ist die traditionelle bayerische Küche auch alltagstauglich?

Es kann auch in der Pfanne serviert werden: Das Bauernfrühstück mit Spiegelei, Knödeln und Pilzen

Wenn ich die Knödel und Pilze bereits am Vorabend zubereitet hätte, hätte ich mir einiges an Zeit ersparen können. Denn so hat es insgesamt ca. 1 ½ Stunden für mich als Koch-Anfängerin gedauert, bis ich frühstücken konnte – für einen Morgenmuffel nicht ganz alltagstauglich. Allerdings ist das Bauernfrühstück für eine Resteverwertung absolut unschlagbar und wird trotz der Zubereitungszeit damit bei mir zuhause bestimmt in Zukunft öfter gekocht.

Ich hoffe, ich konnte euch einige Einblicke in die bayerische Küche geben, die euch jetzt vielleicht auch motivieren, das eine oder andere Gericht mal in der heimischen Küche auszuprobieren. Es ist einfacher, als es aussieht – versprochen.

Die neue Ess-Klasse

Kaufe ich mir eine Zeitschrift am Kiosk meines Vertrauens, bevölkern in letzter Zeit immer mehr Artikel zu den Themen „Supperclub“, „Diner en blanc“ und überhaupt der Wiederentdeckung des Genusses deren Seiten. Es scheint als kehren die Menschen wieder zurück zum gemeinsamen Abendbrot oder zum Essen in netter Gesellschaft. Und diese kann für viele durchaus auch aus einem Haufen wildfremder Menschen bestehen. Oder warum sonst sind solche „Ess-Events“ immer mehr im Kommen?

Die neue Ess-Klasse

Der „Supperclub“-Albtraum, den es wahrscheinlich gar nicht gibt: eine verdreckte und unappetitliche Küche (©Schomber/pixelio.de)

Ich esse immer noch am liebsten in Gesellschaft meines Freundes, meiner Familie oder meiner guten Freunde. Fremde am Esstisch? Ich kann Smalltalk da einfach nicht so gut gebrauchen. Worüber soll man mit denen reden? Wie gut die Pasta schmeckt? Wenn ich esse, will ich dabei eigentlich niemanden neu kennenlernen, das ist für mich nicht der entsprechende Rahmen dafür. Wäre ich dann in einem sogenannten „Supperclub“ gut aufgehoben? Eher nicht. Und dann auch noch in der Wohnung eines fremden Menschen? Nein danke, das ist, auch ohne spießig zu sein, nichts für mich.

Damit ihr wisst, wie solch ein „Supperclub“ funktioniert, hier eine kleine Erklärung: eine Gruppe von unbekannten Menschen verabredet sich via Internet zum Essen und dann trifft man sich in der Privatwohnung eines der Eingeweihten. Alles ist natürlich streng geheim, auf dem Weg dorthin muss man quasi die Klappe halten. Der Einladende kocht dann für alle anderen Anwesenden, die zuvor per Email eine persönliche Einladung mit Wegbeschreibung und ein paar Verhaltensregeln erhalten haben. Wer es bis zum Klingelschild geschafft hat, kann sich also glücklich schätzen. Da frage ich mich doch, wozu all die Heimlichkeit? Ist diesen Leuten langweilig? Das klingt für mich genauso, wie wenn ich bei Freunden zum Essen eingeladen bin, nur eben als extrakomplizierter Weg dafür. Ganz schön witzig. In Berlin jedenfalls sind diese „Supperclubs“ der letzte Schrei. Dazu kann ich nur sagen: Ich muss wirklich nicht alles mitmachen.

Die neue Ess-Klasse

So könnte sie aussehen: die „Diner en blanc“-Tafel, denn alles muss in Weiß gehalten sein (©Ferenc Jánosi/pixelio.de)

Im Gegensatz zum halblegalen „Supperclub“ spricht mich das Konzept des – leider auch nur halblegalen – „Diner en blanc“ schon mehr an. Dieses stammt ursprünglich aus Paris, wo im Sommer 1988 angeblich ein Franzose seine Gartenparty wegen zu vielen Gästen spontan auf einen öffentlichen Pariser Platz verlegte. Ab diesem Zeitpunkt wurde alljährlich im Juni an einem öffentlichen, aber bis zuletzt geheimen Ort ein Massen-Picknick veranstaltet. Da es nicht umsonst „Diner en blanc“ heißt, sind alle Teilnehmenden dazu verpflichtet, von Kopf bis Fuß weiß gekleidet zu erscheinen. Damit auch eine lange Tafel entsteht und jeder einen Sitzplatz hat, bringt jede Person zusätzlich einen kleinen Tisch und Stühle mit und außerdem ein aus drei Gängen bestehendes, kaltes Menü und Getränke. Ein Familienausflug in Weiß also, bei dem die Kinder aber am besten zuhause bleiben. Denn wie der „Supperclub“ ist auch diese Veranstaltung nicht so ganz legal, auch hier wird der Ort bis zuletzt geheim gehalten wird. Normalerweise müssen Veranstaltungen dieser Größenordnung vorher bei der Polizei angemeldet werden, um im Notfall unter anderem auch ausreichend Rettungskräfte beisammen zu haben. Ich frage mich, warum man das nicht einfach mal macht? Ich könnte mir vorstellen, dass viele so etwas toll finden würden und ich müsste mich dabei nicht wie einer der Panzerknacker fühlen.

Das Konzept gibt es auch in Deutschland. Das Diner fand bereits in Hamburg, Berlin, Düsseldorf, München und vielen anderen Städten, statt. Das finde ich – mal abgesehen von der Illegalität – eine tolle Sache! Wenn ich erfahren sollte, dass es in nächster Zeit in Stuttgart oder Karlsruhe stattfinden wird, dann nehme ich gerne teil. Zwar gibt es auch dort fremde Menschen, aber in direkter „Umgebung“ sind doch eher welche, die sich kennen. Und man nimmt an etwas Großem teil.

Denn groß ist die Veranstaltung in jedem Fall, wenn man sich einmal vor Augen führt, dass die Teilnehmeranzahl beim letzten „Diner en blanc“ in Berlin um die 2000 Personen betrug. Jeder, der gerne kommen mag, darf auch teilnehmen. Ein tolles Konzept oder? Wie sieht es bei auch aus, seid ihr eher die „Diner en blanc“-Kandidaten, oder würdet ihr diesem Massen-Ereignis einen „Supperclub“ im kleineren Kreise vorziehen?

Vorschau: Nächste Woche erwartet euch an dieser Stelle ein Bericht über die immer schwieriger werdende Wohnungssuche heutzutage.