Wahlkampf auf allen Fronten – Die Medienschlacht in den USA

Wahlkampf in den USA geht üblicherweise einher mit Konfettiregen – frenetischen Parteianhängern, die das Konterfei des politischen Gegners gern mal mit Hitlerbärtchen verzieren – und der obligatorischen Diskussion um Abtreibung.
Debattiert wird reichlich und das mit möglichst wenig konkreten Inhalten. Sowohl Obama als auch Romney versuchen sich derzeit als Kandidaten der Mittelschicht zu verkaufen, während der jeweils andere als die fleischgewordene Korrumpierung der Gesellschaft portraitiert wird.

Doch der Wahlkampf findet längst nicht mehr nur in den Parteizentralen statt, sondern vor allem medial. Ob Zeitungen, Radio oder Fernsehen – Meinungsmache gehört zum Alltagsgeschäft. Am schillerndsten flimmern dabei Moderatoren des Fox News Channels über die heimischen Bildschirme: die Herren meist staatstragend mit graumeliertem Haar und Anzug – die Frauen mit Glitzerlipgloss in roten oder blauen Kostümchen, weil sich das auf HD-Bildschirmen so gut macht.

Zwar schreibt sich Fox das Credo „Fair And Balanced“ auf die Fahnen, der Sender gilt dennoch als Sprachrohr der Republikanischen Partei. Fox umgeht den Vorwurf der Parteinahme, indem der Sender darauf verweist, dass sein Programm in sogenannte harte Nachrichten und Meinungssendungen – die wohlgemerkt zur besten Sendezeit laufen – aufgeteilt ist. Die harten Nachrichten seien selbstverständlich objektiv und was die persönliche Meinung eines Moderators sei, wisse der Zuschauer durchaus zu unterscheiden. Zudem seien alle anderen Sender liberal eingestellt und würden wohlwollend über die Demokratische Partei berichten. Dementsprechend sei Fox der einzig wirklich ausgewogene Sender, der beide Parteien ausreichend repräsentiert, ließ einst Medienmogul Rupert Murdoch, zu dessen Sendergruppe Fox News gehört, verlauten.

Und schaut man sich die Medienlandschaft an, lässt sich dieses Argument nicht ganz von der Hand weisen. Der Sender MSNBC hat beispielsweise überwiegend liberale Kommentatoren im Programm wie Rachel Maddow, die sich als eine der ersten TV-Persönlichkeiten öffentlich zu ihrer Homosexualität bekannte. Auch bei Comedy Central flimmern mit der „Daily Show“ und dem „Colbert Report“ gleich zwei liberale Satiresendungen über den Bildschirm. Bei ABC diskutieren mittags die Ladys von „The View“ über das tägliche Politikgeschehen, auch hier sind die Damen mit liberalen Ansichten in der Mehrheit. Abends übernimmt auf ABC dann der liberale Satiriker Bill Maher das Programm mit seiner Late-Night-Show. Selbst bei CNN, wo sich die Anzahl liberaler und konservativer Kommentatoren noch die Waage hält, scheuen die Moderatoren nicht mehr davor zurück, Gäste mit allzu kruden konservativen Ansichten zurechtzuweisen.

Hat Murdoch also Recht? Ist Fox nur das konservative Element, das eine ansonsten liberale Medienwelt braucht?
Murdochs These ist vielmehr als eine sich selbst erfüllende Prophezeiung anzusehen. Seit der Gründung 1996 hat der frühere Stratege der Republikanischen Partei Roger Ailes die Senderführung bei Fox News inne. Und sein Erfolgsrezept, bestehend aus zwei einfachen Grundregeln, funktioniert bis heute: Nachrichten müssen nicht nur informativ sein, sondern einen Unterhaltungswert bieten. Und Meinung bringt Quote: Seit nunmehr zehn Jahren ist Fox News mit Abstand der meistgesehene Nachrichtensender der USA.

Zum Vergleich: CNN sendet bereits seit 1980 und hat die größte Nachrichteninfrastruktur mit Korrespondenten und Niederlassungen auf der ganzen Welt. Trotzdem ist der Sender quotenmäßig am weitesten abgeschlagen. Studien zeigen, dass die regelmäßigen Zuschauer von Fox News hingegen am schlechtesten über das politische Alltagsgeschehen Bescheid wissen, sogar schlechter als die Befragten, die angaben, überhaupt keine Nachrichten zu schauen. Doch der kommerzielle Erfolg von Fox News scheint das zu legitimieren und immer mehr Sender springen auf den Quotenzug auf.

Bei der Wahl am 06. November  entscheidet sich also nicht nur welche politische Partei, sondern auch welches ideologische Lager triumphiert. Wer hat es in den vergangen vier Jahren geschafft, seine Inhalte besser zu verkaufen? Sollte Mitt Romney als Wahlsieger hervorgehen, wird das auch den Tenor der Medien verändern. Rachel Maddow wird nicht mehr die Rolle der Verteidigerin, sondern die der Anklägerin übernehmen. Die Fox-News-Crew wird wie schon zur Amtszeit von George Bush postulieren, dass jetzt  nicht die Zeit ist, Kritik zu üben, sondern sich geschlossen hinter dem Präsidenten zu versammeln. Alles andere sei schließlich unamerikanisch – ein Vorwurf den man in konservativen Kreisen nicht gerne auf sich sitzen lässt. Es sei denn der Wahlsieger heißt erneut Barrack Hussein Obama…Das wäre seit langer Zeit tatsächlich die erste große Niederlage für Fox News.

Vorschau:  Nächste Woche gibt es hier die Buchkritik und ein Gewinnspiel zu „Die Herren von Winterfell“ von Geroge R. R. Martin