Rap und Hip-Hop aus Frankreich

Spätestens 1998, als keine geringere als Missy Misdemeanor Elliot mit Timabaland und Nicole Wray für ihre Hitsingle „All in my grill“ den französischen Rapper MC Solaar featurte, hatten französisch-sprachiger Rap und Hip-Hop auch international ihren Durchbruch erlangt.

Bereits in den 1980er Jahren bildeten sich die ersten Gruppen. Diese waren stark an US-Vorbildern orientiert. Hip-Hop und Rap wurden als Modewelle wahrgenommen, die schnell verebbten. Erst seit den frühen 1990ern gibt es wieder eine eigene Szene, die sich stärker von den USA absetzt und in Frankreich hauptsächlich in den Banlieues, den französischen Vorstädten und Stadträndern, verwurzelt ist.

1990 erschien der erste Rap-Sampler Rapattitude in einer größeren Auflage und wurde insgesamt 40.000 mal verkauft. MC Solaar und IAM waren die ersten erfolgreichen Rapper.

MC Solaar war ebenfalls der erste Rapper, der 1992 den nationalen Musikpreis „Victoire de la musique“ erhielt. Die Szene orientiert sich heute an künstlerischen Polen wie Suprême NTM im Pariser Norden oder 500 One im Pariser Süden. Wichtige Zentren der Szene sind Paris (Suprême NTM, La Cliqua), Marseille (IAM), Toulouse (KDD), Strasbourg (NAP) oder die Bretagne (Manau).

Die Szene und auch die meisten Gruppen sind im Gegensatz zu den US-amerikanischen Vorbildern absichtlich multikulturell und nicht ethnisch festgelegt. Sie selbst betiteln sich oft als Black-Blanc-Beur-Gruppen. Black für die Schwarzen, Blanc für die Weißen und Beur für die Araber aus dem Maghreb. Dennoch sind heutzutage die größten französischen Rap-Künstler meist Farbige mit Migrationshintergrund aus Nord- und Westafrika sowie den französischen Überseegebieten DOM und TOM; Aber auch einige Weiße französischer oder anderer Abstammung gelangten zu Bekanntheit, wie Rocking Squat von der Gruppe Assassin oder die Rapperin Diam’s. Sie orientieren sich am sogenannten Message oder Knowledge Rap, der sich an der Ostküste der USA parallel zum Gangsta-Rap der Westküste entwickelte.

Thematisch wurde in den französischen Rapsongs zunächst der Lebensalltag in der Banlieue beschrieben: Arbeitslosigkeit, Gewalt, Zurückweisung und Chancenlosigkeit, Rassismus, Drogenhandel und Beschaffungskriminalität sowie Kritik an der Polizei waren die Hauptthemen.

Diese Auseinandersetzung trug zur Identitätsfindung bei. Rapper haben in Frankreich meist einen gemeinsamen Erfahrungshorizont, sie werden von der Gesellschaft ausgeschlossen und haben kaum Lebensperspektiven. Rap bietet ihnen daher einem symbolischen, aber durchaus auch materiellen Entfaltungsraum. Diese Bedeutung des Rap für das eigene Leben wird in den Songs immer wieder thematisiert, zum Beispiel in „Petite Banlieusarde“ aus dem Album „Dans ma Bulle“ von Diam’s aus dem Jahr 2006.

Auch wenn sich einige französische Rapper vom US-amerikanischen Gangsta-Rap inspirieren lassen, dem sogenannten Hardcore-Rap, in dem es hauptsächlich um Kriminalität und Gewalt geht sowie um die täglichen Erlebnisse und das Repräsentieren in den Stadtvierteln, gibt es in Frankreich nach wie vor Gruppen, die den engagierten Message Rap weiterführen. Sie zeichnen sich durch einen ausgeprägt metaphorischen Sprachgebrauch aus, der immer wieder zu Missverständnissen führt oder von Politik und der medialen Öffentlichkeit genutzt wird, um ein negatives Bild des Rap zu vermitteln.

Was in vielen Berichten und Studien in den Hintergrund tritt, ist die aktive Szene der in Frankreich rappenden Frauen. Sie waren, wenn auch in geringerer Zahl, von Anfang an dabei und sie reagieren auf die Konstruktion des Raps als eine männliche Domäne. So kam bereits 1995 die Rap-Compilation Lab’ Elles auf den Markt. 1999 brachten Lady Laistee, Diam’s, Bams und Princess Aniès ihre ersten Alben heraus.

Rapper und Crews wie zum Beispiel Booba, Rohff, Mc Solaar, IAM, dessen Album „L’école du micro d’argent“ sich über 1,5 Mio. mal verkaufte, Supreme NTM, Sinik und 113 verkauften jeweils schon Millionen von Alben, weshalb viele Künstler auch außerhalb von Frankreich wie zum Beispiel in Kanada, Belgien, Schweiz und weiteren französisch-sprachigen Ländern den Durchbruch schafften. Durch ihren internationalen Erfolg arbeiteten sie auch häufiger mit bekannten amerikanischen Rappern und Produzenten wie unter anderem Dr. Dre, Game, Wu-Tang Clan, Mobb Deep, Nas zusammen.

 Vorschau: Nächsten Samstag erscheint ein Bericht über Giorgio Moroder.

Ol‘ Dirty Bastard – 10 Jahre nach dem Tod des Skandalrappers

Russell Tyrone Jones, besser bekannt als Ol‘ Dirty Bastard oder ODB war eines der Gründungsmitglieder der US-amerikanischen Hip Hop- und Rap-Gruppe Wu-Tang-Clan.

Am 13. November 2014 jährte sich der Todestag des Rappers nun zum zehnten Mal.

Nach dem Erfolg des Wu-Tang-Clan in den 90ern und dem Etablieren in der Hip Hop-Szene, begann Jones bereits 1995 eine sehr erfolgreiche Solo-Karriere. Unter anderem agierte er auch als Producer, wo er unter anderem mit der Gruppe The Fugees zusammen arbeitete.

Er produzierte mit Größen wie The Neptunes, Rza und Kelis* zusammen und zählte Sängerin Mariah Carey und Unternehmer Damon Dash zu seinen engen Freunden.

Seine engen Freunde waren es auch, die ihn nach dem Absitzen seiner Haftstrafe im Gefängnis in Freiheit empfingen, da er immer wieder für einige Monate für seine Straftaten einsaß.

Trotz seines Erfolges nahm er immer liebevoll Stellung zum Wu-Tang-Clan und zweifelte nie an der Bedeutung seiner Wurzeln.

Hits wie „I got your money“ (feat. Kelis*) und „Shimmy shimmy ya“ werden heute noch in der Clubszene gefeiert und genießen auch zehn Jahre nach seinem Tod Kultstatus. ODB genoss das Leben, die Musik, das Geld und die Frauen. Trotz seiner häufigen Zusammenstöße mit dem Gesetz wegen Raub und Waffenbesitz, verlor Jones niemals sein Ziel vor Augen, wobei seine Markenzeichen die auffällig große Zahnlücke und seine hemmungslosen Interviews wurden.

Sein bis dahin einzigartiger Sprechgesang revolutionierte die Rap-Szene und setzte einen Meilenstein für die heutige Hip Hop und Rapmusik.

In seinen letzten Interviews wirkt er immer etwas verwirrt und niemals nüchtern, seine Statements sind allerdings stets scharfsinnig, sarkastisch und sehr humorvoll.

Seine Freestyles, sein bemerkenswerter Flow und nicht zuletzt seine einzigartige Persönlichkeit sind ein unvergleichliches Erbe für die Musik.

Jones starb, zwei Tage vor seinem 36. Geburtstag am 13. November 2004 an einer Überdosis Drogen.

Rest in Peace, Dirty.

Vorschau: Am 13. Dezember gibt es einen Beitrag zu Charity Songs zur Weihnachtszeit – do they know its christmas time.