Primark – faire Mode zu Billigpreisen?

Bekleidung: Modisch, günstig und fair? (©Uwe Wagschal /pixelio.de)

Bekleidung: Modisch, günstig und fair? (©Uwe Wagschal /pixelio.de)

In vielen deutschen Großstädten eröffneten in den vergangen Jahren Filialen des irischen Modelabels Primark. Durch seine extrem niedrigen Preise ist es vor allem bei jüngeren Käufern sehr beliebt. Viele gelangen dabei in einen regelrechten Kaufrausch. An Samstagen stehen die Leute teilweise sogar an bis auf die Straße, um ein Schnäppchen zu ergattern. Seit der Eröffnung der ersten Filiale in Deutschland 2009 fallen Scharen glücklicher Teenager auf, in beiden Händen die großen braunen Papiertüten mit dem Firmenlogo.

Dabei stellen Kritiker natürlich sofort die Frage: Sind menschenfreundliche Betriebsbedingungen und Umweltschutz bei solch geringen Preisen überhaupt möglich?

Primark meint ja. Auf der Homepage des Textildiscounters wird damit geworben, dass sie sich für Umweltverträglichkeit und gute Arbeitsbedingungen in den Produktionsstandorten einsetzen. Dies soll zum Beispiel durch die Verwendung nachhaltiger Baumwolle erreicht werden. Die Produktion der Baumwolle findet in vielen Ländern, wie zum Beispiel in Indien, nur unter erheblichen Einschränkungen für die Umwelt statt. Als Gründe können der enorme Wasserverbrauch und ein hoher Einsatz von Pestiziden genannt werden. Laut Statistischem Bundesamt ergibt sich pro Tonne hergestellter Baumwollfaser im weltweiten Mittel ein Wasserverbrauch von 8.500 Kubikmetern. Durch ein verbessertes Wassermanagement und einem geringeren Pestizideinsatz will Primark, laut eigenen Angaben, ihre Baumwolle auf den Baumwollfarmen nachhaltiger produzieren lassen.

Darüber hinaus ist Primark Mitglied in der Ethnical-Trading-Initiative (ETI) und setzt sich u.a. für höhere Löhne, mehr Rechte für Arbeiterinnen und gegen Kinderarbeit ein.

Einige kritische Stimmen prangern jedoch an, dass der Verkauf von Kleidung mäßiger Qualität zu derart günstigen Preisen eine Art von neuem Wegwerfkult auslösen könnte. So erschien 2012 in der Berliner Zeitung bereits ein Artikel „Kaufen, anziehen, wegwerfen“, der diese Problematik aufzudecken versuchte. So sei nach Angaben des Statistischen Bundesamtes der Anteil des Textilmülls von 2004 bis 2010 von 82.400 bis 100.300 Tonnen angestiegen. Auch habe sich nach Angaben des Fachverbandes für Textilrecycling die Qualität der Altkleider in den letzten Jahren verschlechtert.

Insgesamt lässt sich sagen, dass sich das Unternehmen im internationalen Vergleich mit anderen großen Konzernen gut präsentiert. Es scheint viele gute Ansätze zu haben, um in Sachen Nachhaltigkeit und Menschenfreundlichkeit ein Vorbild zu sein. Die Frage nach der konsequenten Umsetzung dieser Ideale bei diesen niedrigen Preisen bleibt jedoch bestehen.

Vorschau: Nächste Woche erfahrt ihr hier etwas über fossile Arten.

 


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