Orientierungshilfe

Umständlich: Die Orientierung mit der Landkarte kann schnell fehleranfällig und unangenehm werden.

Umständlich: Die Orientierung mit der Landkarte kann schnell fehleranfällig und unangenehm werden. (©Thomas Siepmann/Pixelio.de)

Wenn ich früher eine Radtour planen wollte, wusste ich schon, das würde eine Menge Arbeit. Klar, erst einmal die Tourenidee, wo es ungefähr hingehen sollte. Dann hieß es Landkarte zücken und eine geeignete Strecke finden. Außerdem schrieb ich immer eine Karteikarte mit Hinweisen zur Orientierung – so musste ich seltener anhalten und die Landkarte studieren.

Die Fahrt mit Straßenplan und Karteikarte war billig, aber schwer umzusetzen. In Ortschaften oder gar Städten war die Orientierung mit Karteikarte fast unmöglich. So viele Möglichkeiten, wo man entlang fahren und sich auch verfahren könnte. Wenn ich alle paar Meter in eine andere Straße biegen musste, konnten die Anweisungen auf der Karteikarte schnell unübersichtlich und kryptisch werden: „Haupt- Kirche, r Dorf-, l halten, KV r, r halten“. So musste ich doch immer wieder pausieren und die Landkarte zücken. Und selbst damit blieb es dank groben Maßstabs oft ein Rätselraten, wo ich denn nun lang müsse.

Deswegen war ein Teil meiner Vorbereitung für eine Tour immer das Auswendiglernen der Strecke. Den Abend vor einer großen Ausfahrt verbrachte ich mit dem Memorieren der Streckenabschnitte und Richtungsangaben. Vorteil: Bei einer komplexen Tour über 150 km konnte ich ganz nebenbei mein eher mäßiges Gedächtnis trainieren. Großer Nachteil: Irgendwann vergisst man immer etwas und gerade bei langen Touren, die aus gut und gerne 1000 Richtungswechseln bestehen können, verfranzt man sich definitiv.

Problematisch: Feldwege mögen zwar ruhig sein, aber sie sind definitiv nichts fürs Rennrad.

Problematisch: Feldwege mögen zwar ruhig sein, aber sie sind definitiv nichts fürs Rennrad. (©Julien Christ/Pixelio.de)

Ich hatte die Wahl: Entweder ich musste das Risiko eingehen, mich zu verfahren und wieder auf einem staubigen Krautacker zu landen. Oder ich hielt mich auf gut ausgeschilderten Straßen und inhalierte dann eine gehörige Portion Ruß. Einen ganzen Tag auf Bundesstraßen kann ich jedem Kettenraucher nur empfehlen: Billiger kann man seine Lunge nicht teeren.

Kurz: Große Touren waren immer Stress. Ich bin leidenschaftlich gerne mit dem Rennrad unterwegs, vor allem in den Bergen. Die Krux mit der Orientierung geht aber schlichtweg auf die Nerven. Ich habe mich deshalb vor Kurzem überwunden und mir ein GPS-Gerät angeschafft. Trotz anfänglicher Skepsis: Ich muss sagen, jetzt ist alles viel entspannter.

Schon allein die Zeitersparnis ist unglaublich. Die stundenlange Planerei und dann das Auswendiglernen der Strecke waren ein Graus. Jetzt klicke ich mir meine Route mit dem Tourenplaner meiner Wahl zusammen. Im passenden Format gespeichert, aufs Gerät übertragen, fertig. Die restliche Zeit kann jetzt ich sinnvoller in Training investieren.

Mit meinem GPS-Gerät kann ich endlich die Freude über wenig befahrene Straßen mit Zuverlässigkeit verbinden. Ruhige Straßen heißen nun nicht mehr, dass die Orientierung komplexer und riskanter wird. Ein Blick auf meinen satellitengestützten Helfer und ich weiß, wo es lang geht. Wenn mal wieder eine Ortschaft auf meinem Weg liegt, dann ist auch das kein Grund für Unruhe mehr. Ich weiß sofort, wo ich lang muss, und bin ganz schnell, ohne Anhalten wieder auf einer ruhigen Landstraße.

Nach der Tour kann ich dann noch von der Analyse der gefahrenen Strecke profitieren. Wo war ich wie schnell? Wie gut war ich am Anstieg tatsächlich? Wo kann ich mich verbessern? Mein GPS-Gerät hilft mir dabei, schnell Antworten auf diese Fragen zu finden.

Klar, ganz ohne Landkarte wage ich mich trotz kleinen Helferleins nicht auf die Straße. Sollte das Gerät abstürzen oder die Datei beschädigt sein – kurz: sollte irgendwas nicht funktionieren, so ist es gut, wenn ich noch eine altmodische Alternative zur Verfügung habe. Technik ist toll und hilfreich. Doch ein wenig Misstrauen kann ja nicht schaden.

Vorschau: Nächste Woche berichtet Eva uns von ihrem Leben auf dem Wahlzettel.


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Sascha Resch

Über Sascha Resch

Jahrgang 1992. In München geboren und aufgewachsen, beendete er 2015 erfolgreich seine Ausbildung zum Fachinformatiker, Schwerpunkt Software-Development. Nebenbei sammelte er journalistische Erfahrungen in der Redaktion des TOUR-Rennradmagazins, beim Magazin der Jungen Presse Bayern, durch seine eigene Webseite Alpenvettern.de und natürlich seit 2012 auch bei Face2Face. Seit 2015 studiert er in München am Institut für „Deutsch als Fremdsprache“ und arbeitet parallel als Deutschlehrer in einer Schwabinger Sprachschule. Auch bei Face2Face ist er flexibel: Zunächst als Autor unterwegs, kümmert er sich jetzt zusammen mit Denis Pollach um die IT-Infrastruktur des Magazins.

Ein Gedanke zu “Orientierungshilfe

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