Mit Tieren an seiner Seite, nicht zwischen den Zähnen – Vegetarier-Serie Teil 3

 

Nun wieder Vegetarierin: Die Studentin Johanna aus Darmstadt (Foto: Lobig)

Nun wieder Vegetarierin: Die Studentin Johanna aus Darmstadt (Foto: Lobig)

„Vegetarismus hat nichts mit ‚gut sein’ zu tun“

Einige Tierarten werden heutzutage nur noch zum Verzehr gezüchtet – und das unter Lebensbedingungen, gegen die Tierschützer seit jeher kämpfen. Tierliebe, eine bewusste Ernährung, manchmal sogar Kostengründe: Das sind oft die Ursachen dafür, dass Menschen sich für ein Leben ohne Fleisch, für ein Leben als Vegetarier, entscheiden. Face2Face fragt nach, wie sie dazu kamen und nun ihr Leben gestalten.

Johanna Kindermann ist 23 Jahre alt und studiert in Darmstadt Online-Journalismus. Der Vegetarismus ist für sie seit ihrer Kindheit gezwungenermaßen ein Thema gewesen – jetzt, wo sie in einer WG wohnt, holt er sie doch wieder ein.

Face2Face: Wie kamst du dazu Vegetarier zu werden und wann?
Johanna: Ich esse jetzt erst seit etwa vier Monaten wieder kein Fleisch. Davor war ich seit meiner frühen Jugend keine Vegetarierin mehr, aber richtig viel Fleisch gab es bei mir trotzdem nie.
Ich bin vegetarisch erzogen worden. Aber mit der Zeit ist es für mich einfach normal geworden, dass auf meiner Pizza oder in meinem Döner Fleisch ist und ich das mit esse. Wie ich dazu kam, lässt sich kaum sagen.
Ich habe einfach angefangen, darüber nachzudenken, wie ich essen will. Irgendwann gab es einfach kein Zurück mehr. Ich konnte es nicht mehr mit mir vereinbaren, Fleisch weiterhin zu essen.

Face2Face: Was ist dein Beweggrund dafür?
Johanna: So etwas hat meiner Meinung nach immer ein bisschen mit der Erziehung zu tun, denke ich. Was dir deine Eltern dazu erzählen, brennt sich in dein Gehirn.
Auch, wenn ich es als Kind verabscheut habe, dass es zu Hause Milch und Eier vom nächsten Bauern gibt, habe ich zwangsläufig irgendwann angefangen, mir Gedanken darüber zu machen. Einerseits will ich mich also „gesund“ ernähren. Andererseits stelle ich mich auch dagegen, dass Tiere meistens so unwürdig gezüchtet und geschlachtet werden.

Face2Face: Würden Tiere artgerechter gehalten werden vor der Schlachtung, würdest du dann Fleisch essen?
Johanna: Ja. Es gibt ja auch viele Tierhaltungen, die in meinen Augen okay sind. Abgesehen davon, dass es sehr schwierig ist, das genau zu überprüfen, würde ich dieses Fleisch bedenkenlos essen. Allerdings hab ich in diesen vergangenen vier Monaten festgestellt, dass mir Gerichte ohne Fleisch sogar besser schmecken, also würde ich es vielleicht doch nicht essen.

Face2Face: Was hat sich für dich verändert seither? Fühlst du dich besser?
Johanna: Bisher hat sich noch gar nichts verändert, aber es sind ja auch erst wenige Monate und ich habe vorher auch nie viel Fleisch gegessen.
Anstrengend finde ich es nur, wenn man in der Gruppe kocht. Da müssen sich die anderen dann doch etwas nach einem richten. Manchmal finden die das auch etwas befremdlich und sind genervt, „dass man ein guter Mensch sein will“. Obwohl das nichts mit gut sein zu tun hat, finde ich. So bin ich einfach. Ich finde es dabei auch völlig okay, dass andere trotzdem Fleisch essen.

Face2Face:„Vegetarier essen den Tieren das Essen weg“: Provokante Sprüche wie dieser – was sagst du dazu?
Johanna: Den Spruch habe ich noch nie von jemandem ernsthaft gehört. Ich bezweifele, dass das je jemand ernst gemeint hat. Ich glaube, dass sich viele Menschen eher angegriffen fühlen, wenn man verkündet, Vegetarier zu sein.
So, als ob ich ihn gleich bekehren wollen würde. Mich stört es nicht, wenn jemand einen Witz darüber reißt. Das muss man ja alles nicht so eng sehen.

Face2Face: Was würdest du dir wünschen in Bezug auf den Fleischverzehr in der heutigen Gesellschaft?Johanna: Etwas mehr Bewusstsein wäre schön. Es ist logisch, dass das Fleisch von bestimmten „No Name“-Marken so extrem billig ist, darüber denkt aber kaum jemand nach.

Face2Face: Wie stehst du selbst zu Tieren?
Johanna: Wir hatten mehrere Katzen und einen Hund, daher bin ich es gewohnt, Tiere wie Familienmitglieder zu behandeln. Andererseits bin ich genauso Schlachtung gewohnt. Neben uns züchtete jemand Hasen. Es war normal, dass manchmal der Hase, mit dem man am Vortag noch spielte, plötzlich weg war. Damit hatte ich aber nie ein Problem.

Face2Face: Wie ernährt man sich ohne Fleisch? Welches ist dein Lieblingsrezept?
Johanna: Kein Fleisch eben. Bei mir zu Hause ist das kein Problem, da habe ich mir nie Schnitzel gebraten oder Truthahn gemacht.
Nur unterwegs ist man die geringe Auswahl an vegetarischen Sachen schnell satt. Tomate mit Mozarella, da ist kein Bäcker kreativer. Ich habe aber eine Freundin, die vorher jeden Tag mindestens zum Mittagessen Fleisch aß. Deswegen wurde ihre Ernährung so stark umgeschmissen, dass sie Tabletten für die Ersatzstoffe nehmen muss.
Alles Gewöhnungssache. Mein Lieblingsrezept? Reispfanne mit angebratenen Karotten, Broccoli, Erdnüssen und Sojasauce.

Vorschau: Am nächsten Donnerstag gibt es ein Interview mit Manuela Leopold, Pferdezüchterin und Tierliebhaberin, zu lesen.


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.