Mit Tieren an seiner Seite, nicht zwischen den Zähnen

„Als würde ich in einen menschlichen Arm beißen“

Vegetarier-Serie Teil 4

Einige Tierarten werden heutzutage nur noch zum Verzehr gezüchtet – und das unter Lebensbedingungen, gegen die Tierschützer seit jeher kämpfen. Tierliebe, eine bewusste Ernährung, manchmal sogar Kostengründe: Das sind oft die Ursachen dafür, dass Menschen sich für ein Leben ohne Fleisch, für ein Leben als Vegetarier, entscheiden. Face2Face fragt nach, wodurch sie dazu kamen und wie sie nun ihr Leben gestalten.
Sara studiert an der Hochschule Darmstadt, lebt in Frankfurt und isst seit siebzehn Jahren kein Fleisch mehr. Es war die Begegnung mit einer Horde quiekender Schweine, die sie als Auslöser für ihren Vegetarismus noch bis heute genau in Erinnerung hat.

Face2Face: Wie kamst du dazu, Vegetarierin zu werden und wann war das?
Sara: Ich war als Kind, mit elf Jahren, in einem Reitverein, neben dem ein Bauer Schweine und Hühner züchtete. Der Schweinestall war ganz dunkel und ich habe von dort immer wenig mitbekommen, bis zu dem Tag, an dem alle geschlachtet werden sollten. Vor Angst und Stress haben sich die Schweine gegenseitig ihre Ringelschwänze abgebissen und fürchterlich geschrien. Damals dachte ich mir ‚Jetzt esse ich nie wieder Fleisch’. Das habe ich dann sofort und konsequent umgesetzt.

Face2Face: Was ist dein Beweggrund dafür, keine Tiere mehr zu essen?
Sara: Wie gesagt, ausgelöst wurde diese Umstellung durch den Vorfall auf dem Bauernhof. Aber an sich geht es mir nicht um das sterbende Tier, sondern die schreckliche Haltung davor. Wenn ich mich außerdem an die Bisse in Fleisch erinnere, fühlt es sich für mich immer danach an, als würde ich in einen menschlichen Arm beißen. Bei dem Gedanke an die Konsistenz von Fleisch wird es mir einfach ganz anders.

Face2Face: Würden Tiere artgerechter gehalten werden vor der Schlachtung, würdest du dann Fleisch essen?
Sara: Das kommt darauf an, ob ich Lust auf Fleisch hätte. Im Moment ist das nämlich ganz und gar nicht der Fall. Aber grundsätzlich ja. Fisch würde ich schon eher essen. Das habe ich letztes Jahr auch ausnahmsweise getan, auf einem Forellenhof, wo ich der Meinung war, die Tiere werden artgerecht gehalten. Das würde ich auch wieder machen, wenn ich genau weiß, woher der Fisch jetzt kommt und ob es ihm gut ging.

Face2Face: Was hat sich seither für dich verändert? Fühlst du dich besser?
Sara: Irgendwo schon, weil ich ein reineres Gewissen habe. Ich verzichte und tue damit nicht unbedingt etwas weltbewegendes, aber es beruhigt mich, dass ich es mache. Andererseits ist das auch ein Trugschluss, zu glauben, man sündigt jetzt gar nicht mehr. Denn wenn man weiterhin tierische Produkte wie Käse oder Eier ist, selbst wenn es Bio-Eier sind, unterstützt man ja weiterhin diese Massenproduktion.

Face2Face: Was würdest du dir in Bezug auf den Fleischverzehr in der heutigen Gesellschaft wünschen?
Sara: Mein Ziel ist es, dass es die Massentierhaltung so nicht mehr gibt. Die Leute sollten aber beim Fleischkauf insgesamt mehr nachdenken, und nicht jedem billigen Angebot nachgehen.

Face2Face: Wie ernährt man sich ohne Fleisch? Dein Lieblingsrezept?
Sara: Ich mache mir zum Beispiel gerne Spinat mit Gorgonzola-Soße und Tomaten. Aber als ich in Indien war, habe ich das indische Essen für mich entdeckt. Ich liebe also Curry-Gemüse und die ganzen vegetarischen Speisen aus diesem Land.


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