Mit Tieren an seiner Seite, nicht zwischen den Zähnen

„Bei dem Quatsch mache ich nicht mit“

Vegetarier-Serie Teil 3

Einige Tierarten werden heutzutage nur noch zum Verzehr gezüchtet – und das unter Lebensbedingungen, gegen die Tierschützer seit jeher kämpfen. Tierliebe, eine bewusste Ernährung, manchmal sogar Kostengründe: Das sind oft die Ursachen dafür, dass Menschen sich für ein Leben ohne Fleisch, für ein Leben als Vegetarier, entscheiden. Face2Face fragt nach, wodurch sie zum Vegetarismus kamen und wie sie nun ihr Leben gestalten.

Andreas Pollierer (31) aus Darmstadt ist seit achtzehn Jahren Vegetarier mit einer besonderen Regel: Ab und zu, wenn er weiß, dass das Tier gut gehalten wurde, isst er auch mal einen Happen Fleisch.

Face2Face: Wie kamst du dazu, Vegetarier zu werden und wann?
Andreas Pollierer: Als ich dreizehn war, also 1993, wurde ich Vegetarier nachdem ich einige Tiertransport- und Massenhaltungsfilme gesehen habe. Damals habe ich mir gedacht: Bei dem Quatsch mache ich nicht mit. Nicht von einem Tag auf den anderen, aber relativ schnell habe ich dann aufgehört Fleisch zu essen.

Face2Face: Was ist dein Beweggrund dafür gewesen?
Pollierer: Hauptsächlich war es das Entsetzen über die Methoden der Produktion, die mich zu dieser Umstellung gebracht haben. Aber natürlich taten mir auch die Tiere als Lebewesen irgendwie leid.

Face2Face: Würden Tiere artgerechter gehalten werden vor der Schlachtung, würdest du dann Fleisch essen?
Pollierer: Alle fünf Jahre kommt so was in der Art mal vor, ja. Wenn ich ganz genau weiß, wo das Tier herkommt und dass es ein artgerechtes Leben hatte, kann ich es auch mal essen.
Das war mal eine große Ausnahme, als ich ein Spanferkel mit gegessen habe, da es vom Bauernhof nebenan kam und ich es quasi persönlich gekannt habe.

Face2Face: Was hat sich seither für dich verändert? Fühlst du dich besser?
Pollierer: Ich esse weiterhin Fisch, weil ich die tierischen Eiweiße für sehr wichtig für die Ernährung halte. Außerdem habe ich für mich entschieden, dass ich nur das Tier esse, dass ich auch selbst schlachten würde – Fisch gehört da dazu. Für mich bedeutet es keine Einschränkung oder Verzicht, kein Fleisch zu essen.

Macht als weitgehender Vegetarier seine eigenen Regeln: Student Andreas Pollierer (Foto: Schäfer)

Macht als weitgehender Vegetarier seine eigenen Regeln: Student Andreas Pollierer (Foto: Schäfer)

Face2Face: „Vegetarier essen Tieren das Essen weg“: Provokante Sprüche wie dieser – was sagst du dazu?
Pollierer: Der Spruch ist nicht provokant, sondern dumm und falsch.
Deswegen ärgere ich mich auch nicht darüber. Es gäbe nämlich kein Hungerproblem auf der Welt, wenn alle vegetarisch leben würden. In den Dritte – Welt – Ländern haben Menschen zum Beispiel kein Getreide, da es als Tierfutter nach Europa exportiert wird.

Face2Face: Was würdest du dir in Bezug auf den Fleischverzehr in der heutigen Gesellschaft wünschen?
Pollierer: Die Leute sollten bewusster essen. Der Trend geht glücklicherweise schon dahin, beispielsweise achten viele Menschen auf Bio-Siegel. Außerdem ist es ja schon mal ein Etappensieg, dass in Deutschland keine Eier aus Käfighaltung mehr verkauft werden. Das haben die Menschen selbst bewirkt, da sie dieses Produkt nicht mehr genügend gekauft haben.
Ich wünsche mir, dass dieser Trend so weiter geht und die Menschen weniger und bewusster Fleisch essen.

Face2Face: Wie stehst du selbst zu Tieren?
Pollierer: In meiner Kindheit habe ich immer mit Haustieren zusammen gelebt. Wir hatten Hunde, Katzen, Hamster, Fische und in der Nachbarschaft Pferde.
Gerade habe ich keine Zeit mehr, mich um ein Tier zu kümmern. Aber ich schätze alle Lebewesen, und bin sogar dem Fisch in meinem Sushi dankbar, während ich ihn esse.
Ich kann ein Tier eher essen, wenn es noch nicht bis zur Unkenntlichkeit verarbeitet wurde.

Face2Face: Wie ernährt man sich ohne Fleisch? Dein Lieblingsrezept?
Pollierer: Ich liebe Sushi, deswegen esse ich darin auch Thunfisch. Das ist wirklich die einzige Ausnahme, bei der ich gegen meine Prinzipien verstoße. Die Produktion von Thunfisch ist nämlich nicht gerade artgerecht.
Außerdem esse ich gerne Kartoffelauflauf mit verschiedenem Gemüse wie Karotten, Zucchini und Erbsen. Für mich bedeutet ein Leben ohne Fleisch keinen Verzicht.

Bisherige Teile der Vegetarier-Serie:

Susanne aus Dudenhofen
Tanja aus Speyer
Johanna aus Darmstadt

Vorschau: Am nächsten Donnerstag lest ihr über die Geschichte eines Pferdes, das in letzter Sekunde wieder das Vertrauen zu Menschen gewinnen konnte.


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