Mit dem Winter auf Kriegsfuß

Schneebedeckte Winterlandschaft

Kalt: Für manchen ist solch eine Winterlandschaft nur ein Graus (Foto: C. Gartner)

„Leise rieselt der Schnee …“ – das bedeutet für viele romantische Winterstimmung. Verschneite Landschaften, glitzernder Schnee im Wald, alles sieht aus, als wäre es gezuckert. Da wird einem gleich warm ums Herz.

Leider bin ich in diesem Punkt ein echter Miesepeter. Ich kann der ganzen Winterromantik beileibe nichts abgewinnen, für mich sind Frost und Schnee nur eines: Ein lästiges Übel, das es zu überstehen gilt. Am schönsten wäre es doch, Winterschlaf zu halten, so ginge man der Kälte elegant aus dem Weg.

Ich finde diese Kühltruhen-Atmosphäre überhaupt nicht prickelnd, immerzu friert man, auch ein dicker Pullover ändert daran nichts. Im Sommer kann es mir fast nicht zu warm werden, je mediterraner das Wetter, desto schöner. Dementsprechend habe ich meine Probleme, wenn die Witterung der entgegengesetzten Himmelsrichtung entspricht. Skandinavische Bedingungen lassen mich im wahrsten Sinne des Wortes erschaudern.

Denn neben der Kälte heißt Winter auch: wenig oder gar keine Sonne. Wenn es denn schon kalt sein muss, in Ordnung. Aber kaum dass ich an das Dauergrau der letzten Jahre denke, schon fällt die Stimmung endgültig in den Keller.

Sobald dann noch eine kräftige Schneefront durchzieht und die gesamten Straßen unter einem dicken Schneegrab verschwinden, hat der Winter seinen Höhe- oder besser Tiefpunkt erreicht. Man kommt nur noch schwer vorwärts, endlich sind sich Auto- und Radfahrer einmal einig: Schnee stresst. Und selbst diejenigen, die auf die Öffentlichen umsteigen, verfluchen den Winter bald. Verspätungen en masse, verstopfte U-Bahnen und der Mitreisende, der freundlicherweise, ohne eine Hand vorzuhalten, hustend Viren und Bazillen unter seinen Mitmenschen großzügig verteilt. Da kommt Freude auf.

Als aktiver Radsportler bin ich dann gleich doppelt gestraft. Das Training gestaltet sich als besonders schwierig. Meistens steht Laufen auf dem Programm, wobei es mich auch da oft genug auf die Schnauze haut, wenn ich mal wieder eine Eisfläche unter dem Schnee übersehen habe. Ansonsten Rollen-Training, also Radfahren drinnen. Nichts ist schlimmer als „Indoor-Cycling“, ich bewundere diejenigen, die sich das regelmäßig im Fitness-Studio antun können.

Schnee am Monte Baldo

Ungemütlich: So präsentierte sich der Monte Baldo am Gardasee Ende April (Foto: Resch)

So bleibt mir nur, zu hoffen dass der Winter nicht allzu lange dauert. Dann kann ich wenigsten bei uns in München wieder normal mit dem Rennrad fahren. Mit Pässe-Touren dauert es ohnehin noch länger, denn im Gebirge ist der Winter bekanntermaßen noch hartnäckiger als im Flachland. Ich erinnere mich noch an mein Trainingslager dieses Jahr am Nordufer des Gardasees. Obwohl es schon Ende April war, durfte ich mich am Monte Baldo über schmierige Straßen und Schneewände am Wegesrand freuen. Selbst das Murmeltier, das mir an jenem Tag begegnet war, schien sagen zu wollen: „Hab ich mich denn im Kalender geirrt? Der Winterschlaf ist vorbei und da ist ja immer noch Schnee!“

Nun ja, es hilft alles Jammern nichts. Wie jedes Jahr heißt es, durchhalten, der nächste Sommer kommt bestimmt, er muss es einfach. Und im Endeffekt ist es ja bloß gerecht, dass es nicht nur Sommer gibt, auch diejenigen, die den Winter lieben, sollten auf ihre Kosten kommen dürfen. Ihnen sei die Freude vergönnt, so wie wir Sommerfreunde uns an den warmen Temperaturen im August laben dürfen.

Vorschau: Was es mit Smartphones im Winter auf sich hat und warum die kalte Jahreszeit unseren Fingern eigentlich ganz gut tut – Eva wird es nächste Woche verraten.


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Sascha Resch

Über Sascha Resch

Jahrgang 1992. In München geboren und aufgewachsen, beendete er 2015 erfolgreich seine Ausbildung zum Fachinformatiker, Schwerpunkt Software-Development. Nebenbei sammelte er journalistische Erfahrungen in der Redaktion des TOUR-Rennradmagazins, beim Magazin der Jungen Presse Bayern, durch seine eigene Webseite Alpenvettern.de und natürlich seit 2012 auch bei Face2Face. Seit 2015 studiert er in München am Institut für „Deutsch als Fremdsprache“ und arbeitet parallel als Deutschlehrer in einer Schwabinger Sprachschule. Auch bei Face2Face ist er flexibel: Zunächst als Autor unterwegs, kümmert er sich jetzt zusammen mit Denis Pollach um die IT-Infrastruktur des Magazins.

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