Menschen MUT machen

In einer hektischen Großstadt wie Berlin stellt sich der Verein „Mensch – Umwelt – Tier e.V.“ („MUT“)vor eine besonders anspruchsvollen Aufgabe: Die Mitarbeiter wollen den Menschen mit ihrer Arbeit einen Ausgleich zum Alltag bieten und sie wieder mehr mit Tier und Natur verbinden.

Pferd, Mensch und Natur sind miteinander verbunden: Diezemann bei einem Pferdeprojekt mit Kindern (Foto: Diezemann)

Pferd, Mensch und Natur sind miteinander verbunden: Diezemann bei einem Pferdeprojekt mit Kindern (Foto: Diezemann)

„MUT“ unterstützt 22 Projektpartner bundesweit, mit Schwerpunkt in Berlin, indem er engagierte Bürger animiert, Bauernhöfen, Hospizen oder Seniorenheimen zu helfen. Alexandra Diezemann (42), die Pressesprecherin des Vereins, hat face2face von den sozialen Projekten mit Tier, Mensch und Natur berichtet.

Face2Face: Wie sieht Ihre Vereinsarbeit mit Menschen und Tieren konkret aus?
Alexandra Diezemann: Mit dem Ziel, bestehende Einrichtungen wie Kinderbauernhöfe, Seniorenheime oder Hospize personell und finanziell zu unterstützen, wurde der Verein vor elf Jahren gegründet. Wir stellen uns mit unseren Infoständen vor allem an hoch frequentierte Plätze und wollen die Menschen auf der Straße aufrütteln. Der Verein funktioniert sozusagen als Sprachrohr der sozialen Institutionen, die engagierte Bürger so dringend gebrauchen können. Wir animieren die Bürger zum Helfen. Das können diese, indem sie Mitglied werden, Geld- oder Sachspenden bringen, bei Arbeitseinsätzen in den Einrichtungen helfen oder mit ihrem Tier in den Institutionen den Menschen eine Freude bereiten.

Glücklich mit ihrem Job: Die Pressesprecherin des Vereins, Alexandra Diezemann (Foto: privat)

Glücklich mit ihrem Job: Die Pressesprecherin des Vereins, Alexandra Diezemann (Foto: privat)

Face2Face: Und wie wollen Sie bedürftigen Bürgern helfen?
Diezemann: Wir geben zum Beispiel Tierhaltern Tipps und klären Eltern auf, welche günstigen Freizeitmöglichkeiten es für ihre Kinder gibt. Wir bieten nämlich unter anderem Veranstaltungen auf Kinderbauernhöfen an. Da dürfen die Teilnehmer zum Beispiel helfen, eine Holzhütte oder ein Kaninchenhaus zu bauen, auf dem Dachboden übernachten und mit den Tieren in Kontakt kommen. Für all das müssen sie nicht viel zahlen und kommen mal raus aus der hektischen Stadt.

Face2Face: Wie reagieren die Menschen auf Ihre Einrichtung?
Diezemann: Viele sind von Infoständen natürlich abgeschreckt, aber wir bieten ja tolle Sachen an und das merken die Passanten schnell. Wir wollen sie motivieren, etwas Gutes für sich und ihre Mitmenschen zu tun – dafür sind die meisten offen und nehmen sich ein paar Minuten Zeit. Einige entscheiden sich zu Hause noch, über das Formular in unserem Flyer für vier Euro im Monat Mitglied zu werden. Es gibt aber auch viele, die sich in ihrer Freizeit bei einzelnen Projekten direkt melden und beim Kuchenverkauf helfen, spenden oder sich an Hilfsaktionen beteiligen.

Face2Face: Mit welchen Tieren arbeiten Sie in Ihrem Verein?

Im Auftrag sozialer Institutionen: "MUT" setzt sich seit vielen Jahren für soziale Projekte unter anderem in Kinderbauernhöfen und Seniorenheimen ein (Foto: privat)

Im Auftrag sozialer Institutionen: "MUT" setzt sich seit vielen Jahren für soziale Projekte unter anderem in Kinderbauernhöfen und Seniorenheimen ein (Foto: privat)

Diezemann: Die Tiere, die wir als Verein haben, nämlich zwei Esel, zwei Ziegen, zwei Schafe, Meerschweinchen und Vögel – wohnen auf dem Sonnenhof. Das ist ein Kinderhospiz in Berlin-Pankow, das von der Björn-Schulz Stiftung gegründet wurde. 2003 haben wir da diesen 300 Quadratmeter großen Streichelzoo aufgebaut und dem Hospiz komplett zur Verfügung gestellt. Wir als Verein tragen alle Kosten von der Renovierung bis zu den Tierarztkosten. Der Streichelzoo soll den erkrankten Kindern und deren Familien Freude bereiten und die Verbindung zwischen ihnen und den Nachbar- und befreundeten Kindern herstellen. So fühlen sich die kranken Kinder vielleicht auch weniger ausgegrenzt. Auf dem Hof herrscht nämlich immer ein lustiges, buntes Treiben. Manchmal macht der Kindergarten um die Ecke mal einen Ausflug dorthin oder Schulgruppen besuchen den Sonnenhof. Vor allem aber freitags, beim Eltern- und Geschwistertag, erfreuen sich die Bewohner des Sonnenhofs bei einem Rundgang durch den Streichelzoo.

Face2Face: Welches sind Ihre aktuellen Projekte?
Diezemann: Gerade stehen wir, nach fünf Jahren, wieder vor der Renovierung des Streichelzoos. Wir müssen natürlich gewährleisten, dass die Tiere auf gesundem Sand stehen, deshalb muss dieser jetzt mal wieder erneuert werden. Wir suchen jetzt eine Firma, die uns dafür Sand spendet. Außerdem starten wir einen Aufruf an Mitarbeiter und Bürger, die helfen sollen, den Sand zu erneuern. Das andere Projekt ist momentan die Unterstützung unseres Projektpartners „Therapiehunde Berlin“. Der Verein ermöglicht, dass private Hundebesitzer mit braven Hunden zum Beispiel Senioreneinrichtungen besuchen und die Bewohner mit dem Tier zusammen bringen. Der Verein sucht gerade dringend Nachwuchs und braucht eben vor allem Mitarbeiter, die die Einrichtungen regelmäßig besuchen können, da sich die Bewohner dann auf „ihren“ Hund jede Woche freuen.

Face2Face: Seit wann arbeiten Sie selbst im Verein „MUT“ mit und warum?

Das Spielhaus im Kinderbauernhof Pinke Panke in Berlin Pankow: Gebaut von helfenden Händen aus dem Verein MUT (Foto: privat)

Das Spielhaus im Kinderbauernhof Pinke Panke in Berlin Pankow: Gebaut von helfenden Händen aus dem Verein MUT (Foto: privat)

Diezemann: Ich bin seit Januar 2002 dabei, also seit zehn Jahren. Damals habe ich mich auf eine Anzeige hin gemeldet. Ich war freie Journalistin und wurde direkt für die redaktionelle Betreuung des Vereins beschäftigt. Ich bin sozusagen die Buchstabentante. Ich wollte schon seit meiner Kindheit immer irgendwas mit Tieren und Schreiben machen. Das hat sich jetzt erfüllt. Es ist sehr schön, wenn man weiß, dass man einen Beruf ausübt, bei dem man etwas verändern kann. Wir sind ja immer bemüht, das Leben der Menschen und Tiere positiver zu gestalten und das gibt mir persönlich auf jeden Fall ein befriedigendes Gefühl.


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