La Dolce Vita

Italien ist schon lange bekannt als ein Zentrum des unbeschwerten Lebens und des Genusses. Da ist es kaum verwunderlich, dass ausgerechnet ein Italiener dafür verantwortlich ist, dass wir alles nicht so übergenau nehmen müssten.

Entspannt das Leben genießen - dafür steht "la dolce vita".

Das Leben genießen: In Maßen ist das gut und richtig. (©Domaris/Pixelio.de)

Die Rede ist hier von Vilfredo Pareto, einem italienischen Wirtschaftswissenschaftler des 19. Jahrhunderts, der das nach ihm benannte Pareto-Prinzip aufstellte, auch bekannt als „80-20-Regel“.

Zugegeben: Pareto dachte bei der Aufstellung dieser Regel eher weniger an Genuss und lockeres Leben. Es war vielmehr die Beobachtung, dass 20% aller Italiener zu seiner Zeit ganze 80% des Vermögens besaßen, welche ihn auf sein Prinzip brachte. Im Grunde genommen heißt das nichts anderes, als dass wenige Reiche fast alles besaßen und die große Masse der Armen fast gar nichts hatte.

Diese Diskrepanz lässt sich aber nicht nur in der Wirtschaft und Soziologie wieder finden. Es gibt zahllose Möglichkeiten, wie das Pareto-Prinzip angewandt werden kann. Beispielsweise lässt sich beobachten, dass ungefähr 20% Prozent der Straßen einer Stadt etwa 80% des gesamten Verkehrs verkraften müssen. Oder – ein anderes Beispiel – dass bereits in den ersten 20% einer Nachricht rund 80% der gesamten Informationen enthalten sind.

Wer jetzt glaubt, das Ganze sei zwar ganz nett, aber bringe im Endeffekt nichts, dem sei gesagt, dass selbst in großen Firmen, bei denen es um viel Geld geht, mit dem Pareto-Prinzip gearbeitet wird. So offenbarte Microsoft, dass etwa 80% aller Software-Crashs beim Endverbraucher von gerade einmal 20% der bekannten Fehler im Programm verursacht werden.

„Und was hat das jetzt mit „dolce vita“ zu tun?“, mag da der ein oder andere fragen. Eine angenehme Auswirkung auf unser tägliches Leben liefert uns Joe Friel, Trainer zahlreicher Triathleten und Radsportler. Er wendet das Pareto-Prinzip auf die Ernährung seiner Schützlinge an, diese müssen laut Friel nicht komplett auf ungesundes Essen verzichten. Sein Credo: Man müsse nicht hundertprozentig auf gesunde und ausgewogene Ernährung setzen. Es reiche aus, wenn man sich zu 80% gesund ernähre, die restlichen 20% dürften mit dem gefüllt werden, was einem schmecke, egal ob gesund oder weniger gesund.

Somit müssten wir Junk-Food und gesüßte Getränke nicht gänzlich von unserem Speiseplan verbannen, um volle Leistung zu bringen. Denn leider schmeckt gerade das ungesunde Essen verführerisch gut und verleitet zu kleinen Sünden. Und wer doch widersteht, den überkommt leicht das Gefühl, er müsse auf etwas verzichten. Mit Pareto sparen wir uns diese Zwickmühle. Wir tun etwas für unsere Fitness, müssen aber dennoch nicht leben wie ein fanatischer Asket.

Im Endeffekt ist es auch gerade das, was das Pareto-Prinzip ausmacht. Es sagt uns, dass wir eben nicht perfekt sein müssen, nicht perfekt zu leben brauchen. Ein wenig über die Stränge zu schlagen, ein wenig das Leben zu genießen, macht nichts aus und wird nichts an unserem Erfolg ändern. Wir dürfen halt nur nicht allzu unbedacht werden: Ein wenig Genuss und Belohnung im Verhältnis zu einem großteils vernunftgelenkten Leben lautet die Devise.

Auf diese Weise bleibt „la dolce vita“ kein Wunschtraum mehr oder etwas, das im Gegensatz zu Erfolg steht. Die „80-20-Regel“ ermöglicht beides – ein Hoch auf Vilfredo Pareto!

Vorschau: Der Advent steht wieder einmal vor der Tür. Passend dazu wird Eva nächste Woche über den Adventskranz sinnieren.


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Sascha Resch

Über Sascha Resch

Jahrgang 1992. In München geboren und aufgewachsen, beendete er 2015 erfolgreich seine Ausbildung zum Fachinformatiker, Schwerpunkt Software-Development. Nebenbei sammelte er journalistische Erfahrungen in der Redaktion des TOUR-Rennradmagazins, beim Magazin der Jungen Presse Bayern, durch seine eigene Webseite Alpenvettern.de und natürlich seit 2012 auch bei Face2Face. Seit 2015 studiert er in München am Institut für „Deutsch als Fremdsprache“ und arbeitet parallel als Deutschlehrer in einer Schwabinger Sprachschule. Auch bei Face2Face ist er flexibel: Zunächst als Autor unterwegs, kümmert er sich jetzt zusammen mit Denis Pollach um die IT-Infrastruktur des Magazins.

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