Kabinettsbibliothek, Kaffee und der süße Duft des Stadtlebens

Der Duft von frisch gefallenem Regen liegt in der Luft. Die großen Steinplatten des Ehrenhofs glitzern geheimnisvoll im Licht der gleißend hellen Sonne. Nur ein paar wenige Schäfchenwolken lockern das satte Blau des Himmels über dem Schloss ein wenig auf. Obwohl es noch früh am Morgen ist, herrscht hier schon reges Treiben.

Kabinettsbibliothek, Kaffee und der süße Duft des Stadtlebens

Einen Besuch wert: Das Mannheimer Schloss (Foto: Beutler)

 Als Zentrum von Kultur, Kunst und Wissenschaft galt der Mannheimer Hof unter Carl Theodor, Erbe des Kurfürsten Carls Philipps, unter dessen Regenschaft der Schlossbau ab 1720 aufgenommen wurde. Nachdem das prächtige Bauwerk im Zweiten Weltkrieg fast vollständig zerstört wurde, erstrahlt es seit dem Wiederaufbau und den Restaurierungsarbeiten im Jahre 2007 wieder in neuem Glanz. Heute macht es  seinem großen Vorbild, dem Versailler Schloss, wieder alle Ehre.

 Zurückversetzt in eine längst vergangene Epoche – so könnte man das Gefühl beschreiben, das einen beim Betreten des teilweise zum Museum umfunktionierten Schlosses überfällt. Die prunkvoll ausgestattete Innenarchitektur, mehrere hundert originale Gemälde und Möbel lassen nicht nur die Herzen eingefleischter Historiker höher schlagen. Einen ganz besonderen Höhepunkt bildet der einzige, vollständig original erhaltene Raum: Die Kabinettsbibliothek der Kurfürstin Elisabeth Auguste. Die in zarten Rosé-, Rot- und Blautönen gehaltene Decken- und Wandbemalung, durchzogen von dezenten Goldapplikationen, wird durch den abenteuerlich verlegten Holzfußboden in so authentischer Weise abgerundet, dass im geneigten Besucher die Erwartung aufkommen könnte, die Kurfürstin selbst betrete jeden Augenblick den Raum, als sei es das Normalste auf der Welt.

 Noch leicht benebelt vom Geruch der geschichtsträchtigen Räumlichkeiten, vollgestopft mit Informationen zum Schloss und seinen ehemaligen Bewohnern, wird dem Museumsbesucher beim ersten Schritt hinaus auf den Ehrenhof schlagartige bewusst, in welchem Zeitalter er sich tatsächlich befindet. Junge Männer und Frauen schlendern geschäftig zwischen den beiden Schlossflügeln hin und her. Die Aprilsonne zaubert vielen ein Lächeln, dem ein oder anderen auch eine leichte Röte ins Gesicht. Das rege Treiben auf dem Ehrenhof hat seinen Grund: 1967 wurde aus der ehemaligen Wirtschaftsschule eine Universität. Rund 11.000 Studierende verteilen sich heute auf die insgesamt fünf Fakultäten: Volkswirtschaftslehre und Rechtwissenschaft, Betriebswirtschaftslehre, Sozialwissenschaften und die Philosophische Fakultät. Bei so vielen unterschiedlichen Bildungsmöglichkeiten ist es kein Wunder, dass auch Herkunft, Sprache und Aussehen der Studenten bunt gemischt sind.

 Bei den ungewöhnlich sommerlichen Temperaturen hat es sich eine Gruppe junger Studenten in einer Ecke des Ehrenhofes gemütlich gemacht. Ein schwarzhaariger Junge mit südländisch-gebräuntem Teint lacht über das, was die ihm gegenüberstehende Blondine gerade erzählt hat. Diese schüttelt ihr langes Haar auf,  lächelt in die Runde, sagt etwas, klemmt ihre Tasche unter den Arm und läuft in Richtung Café EO.

Kabinettsbibliothek, Kaffee und der süße Duft des Stadtlebens

Immer etwas los: Die Planken (Foto: Beutler)

 Als sie die schwere Glastür öffnet, schlägt ihr ein Raunen und Summen von hunderten von Stimmen entgegen. Das als Lounge, Bar und Cafeteria deklarierte EO ist bis auf den letzten Platz belegt. Auf den Tischen stehen Tabletts und Laptops. Einige der Studierenden essen, andere sind in Bücher vertieft. Die eindeutige Mehrheit jedoch unterhält sich angeregt. Der perfekte Ort, um das Studentenleben und dessen Mythos hautnah mitzuerleben. Der Duft nach frisch zubereitetem Essen liegt in der Luft: Putengeschnetzeltes mit Currysauce und knusprig-würzige Kartoffelecken. Fürs Erste tut´s am späten Vormittag aber auch ein Kaffee – das dachte sich wohl auch die blonde Studentin und macht sich mit einem Becher des wohlig duftenden Heißgetränks in der Hand auf in Richtung Innenstadt.

 „Das Herz der Einkaufsstadt Mannheim“ – so titelt mannheim.de. Und tatsächlich: Die sogenannten Planken bieten Shopping-Spaß pur. Von Wasserturm bis zum Paradeplatz reiht sich ein Geschäft an das nächste. An einem sonnigen Tag wie heute sind hier regelrechte Menschenmassen unterwegs. Und in diesem Getümmel aus wippende Köpfe, im lauen Wind flatternden Haaren, vom vergangenen Winter noch bleiche, nackte Arme und Beine ist die blonde Studentin blitzschnell verschwunden.

 Selbstverständlich hat Mannheim außer dem Schloss noch unzählige weitere kulturelle Angebote, aber wer verbringt seinem freien und noch dazu von der Sonne so verwöhnten Tag schon gerne in düsteren Museen und Ausstellungen, während draußen zwischen Eisdielen und Mode-Boutiquen das Stadtleben pulsiert?

Kurzinformation:
Öffnungszeiten Mannheimer Schloss:
Di. bis So. und an Feiertagen
10.00 – 17.00 Uhr
letzter Einlass um 16.30 Uhr

Museumsführungen:
täglich 11.00 und 15.00 Uhr
Sa.: 11.00, 13.00 und 15.00 Uhr
So. und Feiertage stündlich 11.00 – 16.00 Uhr

Öffnungszeiten Café EO:
Mo. bis Fr.: 9.00 – 20.00 Uhr
Sa.: 10.00 – 16.00 Uhr

Vorschau: Stockholm – was es in der Hauptstadt Schwedens alles zu erleben gibt, lest ihr nächste Woche in einem Bericht von Johanna.


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Tatjana Gartner

Über Tatjana Gartner

Jahrgang 1989. Sie ist in Heidelberg geboren und in Speyer aufgewachsen, schloss ihr Germanistik-Studium an der Universität Mannheim 2012 mit dem Bachelor, ihr Medien- und Kommunikationsmanagement-Studium an der SRH Hochschule Calw 2013 mit dem Master ab. Während ihres Studiums absolvierte sie mehrere Praktika, unter anderem bei der Rheinpfalz, dem ZDF und der Deutschen Presse-Agentur. Im Herbst 2010 gründete sie gemeinsam mit Kommilitoninnen an der Universität Mannheim „Face2Face – das Online-Magazin“, das sie bis heute leitet. Sie schreibt am liebsten über spannende Persönlichkeiten und bewegende Schicksale, aber auch „leichte Koste“, wie Tutorials und Tipps und Tricks, zählen zu ihrem Repertoire. Und wenn ein Lifestyle-Thema auf den Prüfstand muss, stellt sie sich auch gerne mal einem Selbstversuch.

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