Gleich knallt’s

Gleich knallt's. Das neue Jahr wird mit lauten Böllern eingeleitet (©Tim Reckmann / pixelio.de)

Gleich knallt’s. Das neue Jahr wird mit lauten Böllern eingeleitet (©Tim Reckmann / pixelio.de)

„Peng“, knallt es auf der Straße und hallt nach. Gleich noch einmal. „Peng.“ Es ist kaum Mittag am Vortag zu Sylvester und ich hab schon jetzt genug von dem Geknalle. Eigentlich seit Weihnachten vorbei ist höre ich die Böller explodieren und rieche immer mal wieder den Gestank des Schwarzpulvers auf der Straße. Ich ärgere mich schon jetzt und weigere mich, sogenannte „Knaller“ zu kaufen. Selbst die, die mein Sohn geschenkt bekommen hat, verweilen seit einem Jahr in einer Tüte und falls sie da nächstes Jahr noch liegen, wandern sie in den Müll.

Sylvester und ich vertragen uns dabei eigentlich ganz gut. Ich mag es, mich mit Freunden oder der Familie zusammenzusetzten, das letzte Jahr zu resümieren und mich darauf zu freuen, was alles im nächsten passieren kann. Es ist irgendwie ein Abend, wie alle anderen, nur dass Dinner for one läuft und wir uns in Gruppen versammeln. Seit wir Kinder haben, feiern wir dabei oft zu Hause, manchmal auch einfach nur für uns. Was brauchen wir da Knaller?

Je lauter, desto beliebter: Doch nicht alle haben ihren Spaß daran (©Stefan Bayer / pixelio.de)

Je lauter, desto beliebter: Doch nicht alle haben ihren Spaß daran (©Stefan Bayer / pixelio.de)

Die Tradition der lauten Böller kommt ja daher, dass die Menschen die bösen Geister für das nächste Jahr vertreiben wollten. Das weiß heute kaum ein Dreikäsehoch, der die lautesten seines Sortiments schon vor der eigentlichen Stunde 0 verschießt. Und so wie es auf der Welt aussieht, bezweifle ich, dass lautes Geknalle Geistern noch Schrecken einjagen würde. Es erschrecken sich dafür die Hunde und Katzen, die draußen oder drinnen am liebsten einfach nur davon rennen wollen. Für die empfindlichen Ohren der Tiere sind Knaller die reinste Tortur. Ich will gar nicht an die Vögel und Wildtiere denken, die auch noch davon betroffen sind.

Daneben, seien wir ehrlich, ist so ein Böller absolut nicht förderlich für die Umwelt. Die Gase, die wir an Sylvester jedes Jahr in die Luft pfeffern, bringen nicht nur uns selbst zum Röcheln und können uns die Tränen in die Augen treiben – sie verpesten geradezu auf einmal die Atmosphäre in erschütterndem Ausmaß. Wo Autos auf Feinstaubplaketten achten müssen, sind in Böllern und auch Raketen Kohlendioxid, Schwefeldioxid und Stickstoff – von Farbzusätzen, damit es bunt wird mal ganz abgesehen. Gesund ist das jedenfalls nicht.

Schön aber schädlich: Sylvester ist kein Umweltfreund (©Daniela Berghold / pixelio.de)

Schön aber schädlich: Sylvester ist kein Umweltfreund (©Daniela Berghold / pixelio.de)

Mir jedenfalls reicht auch eine Wunderkerze, um ein paar Funken an Sylvester zu streuen. Und die machen auch meinen Kindern am meisten Spaß. Ja, haltet mich für langweilig, spießig und doof, aber so ist das nun mal. Ich kann der Böllerei so wenig abgewinnen, wie den roten Nasen zwei Monate später. Und wenigstens sparen wir uns das Geld, anstatt es in die Luft zu jagen. Gut, zugegeben, eine kleine Packung Raketen schafft mein Mann dann doch jedes Jahr an und es gibt ein paar brave „Ohhs“ und „Ahhs“, wenn sie hochgehen. Aber nach 27 Jahreswechseln, von denen ich bestimmt mehr als einen gediegen verschlafen habe, finde ich etwas Ruhe, um ein neues Jahr einzustimmen wesentlich angenehmer, als noch mehr Krach. Vielleicht wird dann ja auch das nächste Jahr ein gemütlich ruhiges. Ein Versuch wäre es zumindest wert.


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Eva-Maria Obermann

Über Eva-Maria Obermann

Jahrgang 1987. In Schifferstadt aufgewachsen, bestand sie im Mai 2012 den Bachelor of Arts mit Auszeichnung und beendet aktuell ihr Master-Studium an der Universität Mannheim. Ihr Gedichtband „Seelentropfen – 100 Gedichte“ erschien 2009, ihr Kinderbuch „In Mamas Bauch“ 2010. 2013 veröffentlichte sie die Sammlung „DichterZusammen“ als Mitherausgeberin und -autorin und ist außerdem in einigen Anthologien vertreten. 2017 erscheint ihr Fantasy-Roman "Zeitlose - Simeons Rückkehr" sowie ihr Liebesroman "Ellas Schmetterlinge". Sie schreibt für das „Schifferstadter Tagblatt“ und ihren Blog „Schreibtrieb“. Die dreifache Mutter ist seit 2012 verheiratet und hat auch schon für das dm-Glückskind-Magazin geschrieben. Für die Kolumne von Face2Face verfasst sie seit der Gründung Beiträge und genießt dabei die Themenvielfalt und den freien Stil. Als Rubrikenleiterin organisiert sie Themenfindung und -verteilung. Im Lektorat arbeitet sie mit mehreren Autoren und ihren vielseitigen Themen zusammen.

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