Gefühle – ganz nüchtern betrachtet

Wann hattet ihr das letzte Mal so richtig gute Laune? Vielleicht ein Erfolgserlebnis, eine Aufgabe geschafft, ein Ziel erreicht. War das Hochgefühl nicht klasse, die Freude, der Stolz, die Zufriedenheit?

Nüchtern: Im Grunde genommen sind Gefühle unromantische Biochemie.

Nüchtern: Im Grunde genommen sind Gefühle unromantische Biochemie. (©Tim Reckmann/Pixelio.de)

Ich weiß, dass mich viele jetzt für kalt und unsensibel halten werden, dennoch: So schön diese Gefühle auch sein mögen, am Ende sind sie nichts weiter als eine Mischung aus Elektrizität und Biochemie. Überall in unserem Körper sind Nerven, die elektrische Signale weiterleiten, die meisten davon finden wir logischerweise im Gehirn. Dort kommen die elektrischen Signale an und setzen Neurotransmitter frei, kleine chemische Zauberer, die dafür sorgen, dass andere Nerven wiederum elektrische Signale abfeuern.

Zugegeben – das Zusammenspiel ist deutlich komplizierter, als ich es hier heruntergebrochen habe. Trotzdem ist es so, dass Milliarden solcher Nerven-Neurotransmitter-Interaktionen unsere Welt ausmachen, unser Bewusstsein, unser Denken, genauso wie unser Fühlen.

Heißt das jetzt, dass Gefühle unsinnig sind? Ich finde, dass sie trotz des unromantischen Hintergrunds gut und richtig sind. Mit unseren Emotionen ist es da ähnlich wie mit anderen Dingen des Lebens. Nehmen wir als Beispiel mal einen Neuwagen. Ist es nicht herrlich, in einem fabrikneuen Auto zu sitzen, der edle Duft, die unberührten Armaturen? Alles sieht noch so frisch und unverbraucht aus. Was steckt aber hinter diesem tollen Neuwagen? Richtig, jede Menge hochkomplexe Technik. Mit unseren Gefühlen ist es ähnlich. Äußerlich sind sie schlichtweg klasse, unter der Haube steckt allerhand Kompliziertes.

Außerdem haben Emotionen ja auch eine ganz klare Aufgabe, die Evolution hat sie uns nicht zum Spaß verpasst. Gefühle waren für unsere Vorfahren überlebenswichtig, die Angst – zum Beispiel half den Urmenschen sich nicht mit einem Säbelzahntiger anzulegen. Ekel wiederum sorgte dafür, dass die frühen Menschen giftige Stoffe gar nicht erst in den Mund nahmen oder zumindest ungenießbare Speisen kein zweites Mal probierten. So hat jede unserer Emotionen ihren Sinn und ihre Berechtigung – die guten wie die schlechten.

Auch wenn wir heute nicht mehr vor wilden Tieren weglaufen müssen, helfen uns Emotionen immer wieder. Die Freude ist ein gutes Beispiel: Wenn ich vom Rennradtraining komme, dann fühle ich mich so richtig gut, bin zufrieden und glücklich. Dieses gute Gefühl hilft mir, dass ich mich immer wieder und regelmäßig in den Sattel schwinge. So motiviert mich meine Freude zu mehr Radfahren und bewirkt, dass ich gesund und fit bleibe – schon hat die Freude einen klaren Zweck.

Gute Laune: Wir können ganz bewusst für positive Gefühle in uns sorgen.

Gute Laune: Wir können ganz bewusst für positive Gefühle in uns sorgen. (©Stefan Emilius/Pixelio.de)

Trotzdem kann es Sinn machen, sich daran zu erinnern, dass Gefühle im Grunde „nur“ schnöde Biochemie sind. Jeder kennt schlechte Laune, vor allem im Winter überkommt zumindest mich leicht eine Stimmung, in der ich auf nichts Lust habe, alles ist nervig und langweilig. In solch einer Situation hilft es mir, wenn ich die Gefühle „entzaubere“. Die schlechte Laune ist ja nichts weiter als ein Hormoncocktail, nichts Besonderes. So etwas schnöde Rationales braucht mich doch nicht so runter zu ziehen. Also, Mundwinkel nach oben und aktiv für eine positive Hormonflut sorgen, die der negativen entgegenwirkt. Immerhin setzt auch ein aufgesetztes Lachen schon Glückshormone frei. Für mich hat sich bisher Bewegung an der frischen Luft bewährt, sei es nur ein kurzer Spaziergang.

Die guten Gefühle hingegen müssen wir ja nicht so nüchtern sehen wie die schlechten, wir können uns über die Emotion freuen und sie genießen. Denn auch wenn wir unsere Gefühlswelt logisch erklären und begründen können, bleibt das komplexe Zusammenspiel von Nerven und Hormonen ein kleines Wunder, über das wir gerne staunen dürfen.

Vorschau: Wieviel Medien braucht der Mensch? Eva berichtet nächste Woche von Fernsehen, PC und Handy im täglichen Leben.


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Sascha Resch

Über Sascha Resch

Jahrgang 1992. In München geboren und aufgewachsen, beendete er 2015 erfolgreich seine Ausbildung zum Fachinformatiker, Schwerpunkt Software-Development. Nebenbei sammelte er journalistische Erfahrungen in der Redaktion des TOUR-Rennradmagazins, beim Magazin der Jungen Presse Bayern, durch seine eigene Webseite Alpenvettern.de und natürlich seit 2012 auch bei Face2Face. Seit 2015 studiert er in München am Institut für „Deutsch als Fremdsprache“ und arbeitet parallel als Deutschlehrer in einer Schwabinger Sprachschule. Auch bei Face2Face ist er flexibel: Zunächst als Autor unterwegs, kümmert er sich jetzt zusammen mit Denis Pollach um die IT-Infrastruktur des Magazins.

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