„Flash braucht doch kein Mensch“ – eine Buchkritik zu „Das Apple Hasser Buch“

Ich habe noch nie eine Buchrezension geschrieben. Googlerecherchen empfahlen zehn verschiedene Versionen, die wiederum auf fünfzig verschiedene Art und Weisen verdreht und ausgeführt werden können. Ich habe mich für folgende Variante entschieden: Pfeif aufs System – ich schreibe einfach wie ich denke.

„Flash braucht doch kein Mensch“ – eine Buchkritik zu „Das Apple Hasser Buch“

Nichts für Verehrer des Apple-Kults: Das Apple Hasser Buch von Steve Arbeits und Tim Koch (Foto: Rambacher)

„Das Apple Hasser Buch“ von Steve Arbeits und Tim Koch kommt im praktischen Taschenbuchformat daher, der Verlag riva hat es sich zum Spaß gemacht, gleich den Slogan „Don’t think different“ auf die Buchfront zu setzen, damit auch niemandem die Absicht dieses Werks verborgen bleibt, wenn nicht schon der Titel dies subtil vermittelt hat. Inhaltlich, beziehungsweise thematisch, überrascht das Buch nicht – der Kult um die Marke mit dem Apfel wird zerpflückt und ins Lächerliche gezogen, sei es in Kapiteln wie „5 Merkmale, an denen man einen Apple-Fanboy erkennt“ oder „Die Euphemismen im Apple-Kosmos“. Auch Gespräche mit dem Spracherkennungsprogramm Siri werden immer wieder rezitiert, die letzten Endes immer darauf hinauslaufen, dass Siri nicht versteht, was der Nutzer fragt und danach im Internet suchen möchte.

Bis zum zweiten Mal entlocken diese Gespräche noch ein müdes Grinsen, danach wird es wirklich lahm. Und die ganze Geschichte bis zu Folge Zehn durchzuziehen, zeugt wirklich von einer Überzeugung des Autors von seiner eigenen Arbeit. Ach ja, die Autoren „Steve Arbeits“ und „Tim Koch“, die natürlich angeben, im echten Leben auch so zu heißen, schreiben während des Buchs immer wieder Emails an den verstorbenen Apple-Helden Steve Jobs, in denen sie ihm von dem Hype um sein Produkt erzählen, ihm Fragen stellen und sich dann wundern, wieso sie keine Antwort bekommen. Das Buch gliedert sich in Kapitel, die sich jeweils einem bestimmten Hassobjekt widmen, sei es der Nutzer, das Produkt oder die Apple-Stores. Dazu immer wieder kleine Zitatseiten, wie beispielsweise „Schwachsinn, den Apple-User sagen“. Hierzu gehören unter anderem die Sätze: „Flash braucht doch kein Mensch“, „Hallo?! Keine Viren!“, „CD-Laufwerk? Wer braucht das?“ oder „Austauschbare Akkus? Wozu?“

Ihr merkt – in dem Buch geht es um seichte und nicht allzu subtile oder sonderlich spitzfindige Unterhaltung. Wer sich absolut als Apple-Hasser bezeichnet und selbst niemals nur einen Gedanken daran verschwenden würde, auch nur einen Fuß in einen Apple-Store zu setzen, der findet sich darin absolut wieder, würde am liebsten jeden einzelnen Satz mit dickem rotem Marker unterstreichen und laut „Ja! Ja! JA!“ schreien. Wer sich allerdings mit den literarischen Qualitäten dieses Werks auseinandersetzen möchte, kommt leider schnell zu dem Schluss: Sie fehlen! Idee gut, aber schlecht umgesetzt.

Ich habe keine Verbesserungsvorschläge, aber das ist an dieser Stelle auch nicht meine Aufgabe. Es ist Humor, der einem mit dem Hammer eingeprügelt wird, der mich noch nicht einmal sonderlich zum Lachen brachte, sondern wirklich nur Schmunzler entlockte. Wenn ich Schulnoten vergeben würde, bekäme „Das Apple Hasser Buch“ eine 4,5. Es ist ein Projekt, das umgesetzt werden musste, betrachtet man die Entwicklungen in der multimedialen Welt – Nutzer sind tatsächlich entweder FÜR oder GEGEN Apple. Es gibt kein „vielleicht“. Doch die Umsetzung, die Steve Arbeits und Tim Koch gewählt haben, haut leider nicht hin. An dieser Stelle noch ein „Dankeschön“ an den riva-Verlag, deruns das Buch zur Verfügung gestellt haben.

Vorschau: Nächste Woche erscheint ein Artikel zu den Theaterdealern am Mannheimer Nationaltheater.


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