Movies Made in Germany – Das Festival des deutschen Films geht in die 10. Runde

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Strahlt hell in der nächtlichen Szenerie: Das Logo des Festival des deutschen Films (Foto: N. Schwalb)

Anglizismen und vor allem amerikanisch geprägte Einflüsse sind aus der Popkultur Deutschlands längst nicht mehr wegzudenken. Ein Kassenschlager im Kino aus Amerikas bekanntester Filmschmiede jagt den nächsten und auch im deutschen Fernsehen überwiegen die altbekannten etablierten amerikanischen Produktionen. In Vergessenheit gerät dabei das Potenzial, das unser eigenes Land jahrein, jahraus in der Filmkunst beweist.

Veranstaltungen dafür gibt es vielerorts. Jedoch spezialisiert sich kaum ein Filmfestival auf alle Disziplinen des Filmemachens. Ob im Kino, im Fernsehen, nur auf DVD oder auch im Internet ausgestrahlt spielt keine Rolle – lediglich die künstlerische Komponente ist, was zählt.

Diesen Leitspruch hat sich das Festival des deutschen Films zum Programm gemacht, das dieses Jahr zum zehnten Mal in Ludwigshafen stattfand. Austragungsort war, wie seit der Gründung 2005, die Parkinsel am Rande der Stadt mit ihrer Platanenallee und dem industrieromantischen Blick auf den Rhein und Mannheim.

Auf dem Programm standen, untergliedert in sechs verschiedene Kategorien, fast 50 Filme, deren Produktionsstandort ausnahmsweise nicht im amerikanischen Hollywood liegt, sondern in Deutschland. Filmbegeisterte konnten sich in der atmosphärischen Symbiose von Stadt und Natur überzeugen lassen, was der deutsche Film heutzutage noch zu bieten hat.

Face2Face war mit Euch vor Ort und hat sich den Film „Stereo“, mit Jürgen Vogel (Die Welle) und Moritz Bleibtreu (Das Experiment) näher angeschaut. Der Handlungsverlauf des packenden Thrillers ist leicht umrissen: Der Motorradfan Erik führt ein ambivalentes Leben. Auf der einen Seite übertritt er gerne die Geschwindigkeitsbegrenzungen der

Idyllisch: Die Platananallee am Ufer des Rheins (Foto: N. Schwalb)

Idyllisch: Die Platananallee am Ufer des Rheins (Foto: N. Schwalb)

beschaulichen Landstraßen und schraubt ölverschmiert in seiner eigenen Werkstatt an Motorrädern herum, auf der anderen Seite hat er Teil an dem Familienleben der alleinerziehenden Julia und einen Narren an ihrer Tochter Linda gefressen. An seine Vergangenheit will und kann er sich nur schwer erinnern, wie ihm klar wird als zwielichtige Gangster bei ihm auftauchen und ihn bestens zu kennen scheinen. Schlimmer noch wird Erik von einer imaginierten Gestalt verfolgt, die sich später als Henry vorstellt und auch per Hypnose nicht zu vertreiben ist. Erik findet sich in einer prekären Lage wieder: Will sein imaginärer Verfolger ihm Böses antun? Wem kann er vertrauen? Und welche Geheimnisse verbergen sich in seiner Vergangenheit? Ein Psychothriller voller Spannung, Verstörung aber auch mit einem skurrilen Witz, der das Publikum applaudierend und mit erstaunten Mienen zurücklässt.

Wer sich nicht mit schlichten Filmvorführungen zufrieden geben wollte, dem bot das

Gut besucht: Eines der Kinozelte beim Festival des deutschen Films (Foto: N. Schwalb)

Gut besucht: Eines der Kinozelte beim Festival des deutschen Films (Foto: N. Schwalb)

Filmfestival die Möglichkeit, Persönlichkeiten aus der deutschen Filmlandschaft hautnah kennenzulernen oder an einer der vielen Preisverleihungen teilzunehmen. So ging beispielsweise der Preis für Schauspielkunst an Anna Loos und den als lustigen Professor Boerne aus dem münsteraner Tatort bekannten Jan Josef Liefers. Dieser resümierte das Festival, das am 08.Juli mit einem Besucherrekord von 78.000 Menschen zu Ende ging: „Dieses Festival steht für den deutschen Film und davon leben wir.“

Vorschau: Nächste Woche testet die FILM&KUNST&KULTUR-Rubrik den Einsatz von Ebook-Readern und inwiefern sie echten Bücher den Status streitig machen können.


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