Eurovision Song Contest: Aus der Traum!

Willkommen zurück in der Realität! Der Eurovision Song Contest ist vorbei, die – meiner Meinung nach – übertriebene Lena-Hysterie ebenfalls und Deutschland darf sich mit einem zehnten Platz zufrieden geben. Es hätte immerhin schlimmer kommen können. Dass die Idee, unsere liebe Lena noch einmal antreten zu lassen, nicht bei jedermann auf Begeisterung gestoßen ist, war spätestens am Samstagabend bei der Punktevergabe nicht zu übersehen.

 Hat Lena 2010 von fast jedem der 43 Länder Punkte erhalten – häufig sogar die Höchstpunktzahl zwölf -, mussten wir am Samstag feststellen, dass von der vergangenen Euphorie für Lena nicht mehr viel geblieben ist. Aber vielleicht lag es auch einfach an ihrem doch sehr gereiften Auftreten. Überzeugte sie letztes Jahr eher durch etwas schiefe Töne und einem mehr als hibbeligen Auftritt, wirkte sie nun sehr erwachsen und fast schon streng. Der Stress der vergangenen Monate war ihr ebenfalls anzusehen – sie wirkte in ihrem schwarzen Kostüm erschreckend dünn. Nichtsdestotrotz muss ich mit großer Bewunderung – und dass obwohl ich kein Lena-Fan bin – sagen, dass ihr Auftritt zu den besten des Abends gehörte, wenn nicht sogar der beste war. Sie wirkte selbstsicher und punktete mit einer unglaublichen Ausstrahlung. Weniger ist mehr, war hier eindeutig das Motto. Denn der Song wurde nur durch Lena, ihre Stimme und den in silberne Ganzkörperanzüge gehüllten Tänzerinnen im Hintergrund getragen. Für die Titelverteidigung hat es aber nicht gereicht…

 Aber wen wundert das? Wenn wir den Aspekt des Wiederantritts von Lena außer Acht lassen, fällt eines ganz schnell ins Auge. Etwas, worüber wir uns – die wir vor dem Fernseher saßen und somit zu den knapp 14 Millionen Zuschauern gehörten – nicht nur wunderten, sondern auch aufregten: Wieso kam es trotz fachmännischen Jurys zu einem einzigen Punkte hin- und herschieben? Oder war es etwa Zufall, dass die osteuropäischen Länder sich so oft Höchstpunktzahlen zuschusterten? Man musste sich nur den Atlas heranholen und konnte schon im Voraus ungefähr sagen, wohin die höchsten Punkte gehen würden. Und außerdem stelle ich mir die Frage, wieso 43 Länder Stimmrecht haben und nicht nur die 25 Länder, die sich qualifiziert haben. Denn durch den überwiegenden Anteil der osteuropäischen Staaten entsteht bei der Punktevergabe ein leichtes Ungleichgewicht…

 Für mich ist der Eurovision Song Contest schon lange nicht mehr fair und objektiv. Nehmen wir nur einmal die Sieger: Aserbaidschan. Joa, das Lied war gut, nicht schlecht, okay. Aber nicht wirklich der totale „Burner“, erinnerte eher an eine Schmachtnummer, wie wir sie schon viel zu oft gehört haben. Aber nun gut, wem es gefällt…

 Länder, die wirklich tolle Sänger und Sängerinnen in das Rennen geschickt haben, sind auf den hinteren Rängen gelandet. Frankreich, das den Versuch wagte, auf klassische Musik in korsischer Sprache und auf den jungen Tenor Amaury Vassili zu setzen, wurde leider enttäuscht. Dennoch gilt zu sagen, dass der junge Franzose eine Wahnsinnsstimme mit Gänsehautfeeling hat und in Frankreich bereits zu Recht zu den ganz Großen gehört.

 Auch Irland mit seinem schrillen Zwillingsduo hatte kein wirkliches Glück: Die Synthiepop-Nummer „Lipstick“, die aus den 80-er Jahren zu stammen schien, überzeugte nicht. Dabei wurden die beiden als Favoriten gehandelt, weil sie mit ihrem ausgefallenen Aussehen und ihrem aufgedrehten Choreographie deutlichen Wiedererkennungwert besaßen. Auch die englische Boygroup Blue schaffte es nicht unter die Top Ten, wobei hier gesagt werden muss, dass ihr Auftritt auch nicht stark war und die eingefleischten Fans der Gruppe wohl enttäuscht waren. Der Justin-Bieber Verschnitt aus Schweden sah zwar gut aus, an seinem musikalischen Talent muss er aber noch etwas feilen. Stimmlich herausragend war auch die junge Österreicherin Nadine Beiler, die sich mit einem der hinteren Plätze zufrieden geben musste. Zu meinen Favoriten zählte neben Irland noch die serbische Sängerin Nina, die in ihrer Heimatsprache sang und so gegen den Mainstream schwamm. Ihr Auftritt war bunt, spritzig und frech, ihre Stimme überzeugte auf Anhieb und das Lied sowie die Show erinnerte an Pop-Art, den Stil der 60-er Jahre.

 Mein persönliches Fazit: Dieses Jahr hatte der Contest mehr gute Lieder vorzuweisen gehabt, was die Entscheidung nicht wirklich leicht machte. Auch die Moderation war gelungen und unterhaltsam. Das Motto Feel your heart beat war stimmig und hat gepasst. Was die Punktevergabe angeht – darüber sollte man vielleicht noch einmal nachdenken. Objektivität und Fairness sucht man beim ESC manchmal vergeblich…

 Oder was sagt ihr dazu? Ich bin auf eure Meinungen gespannt

Eure Lea

Vorschau: Eva blickt nächste Woche auf die Eurokrise, die aus Griechenland und Portugal Europa nicht aus der Finanzkrise kommen lässt.


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Über Lea Zander

Jahrgang 1989. Sie ist im schönen Speyer in der Pfalz geboren und aufgewachsen. Nach dem Abitur entschied sie sich für ein Lehramtsstudium mit den Fächern Deutsch und evangelische Theologie. Nach Praktika an verschiedenen Schulen, der einjährigen Leitung einer Hausaufgabenbetreuung in Speyer sowie einer Aushilfstätigkeit bei der Stiftung Lesen in Mainz beschloss sie nach dem Bachelor of Education den Studiengang zu wechseln. So studiert sie nun Germanistik in der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt Mainz. Lea, die großer Fußballfan ist, schreibt nebenher für eine Kolumne eines Fußballfanklubs und hat eine Zeit lang für eine Fußballnachrichten-Plattform Texte verfasst. Seit September 2015 ist sie Teil der Face2Face-Sportredaktion.

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