Eine Kugel für die Liebe

Es gibt solche Worte, die sich im ersten Moment einfach nett anhören, bis im zweiten Moment die Bedeutung mitschwingt. „Liebeskugel“ ist so ein Wort. Eine Kugel für die Liebe. Und klar ist: Eigentlich geht es nicht um Liebe an sich, sondern um das Liebesspiel. Um Sex. Und in vielen Köpfen schweben Vorstellungen von Frauen, die mit Liebeskugeln Gott weiß was anstellen. Tatsächlich ist das Internet voll von Foren, in denen die Frage „Wie verwende ich Liebeskugeln“ ausführlich diskutiert wird. Dabei ist die Anwendung nicht kompliziert. Wichtiger ist aber, dass Liebeskugeln eben kein (oder nicht nur) Sexspielzeug sind, sondern nüchtern ausgedrückt: Beckenbodentrainingsgeräte.

Eine Kugel für die Liebe

Liebeskugeln: Gibt es einzeln oder paarweise (Foto: Obermann)

Nun kommt aber kaum einer auf die Idee, sich ein nüchternes Beckenbodentrainingsgerät zu besorgen, wenn das Ganze auch wesentlich anzüglicher verkauft werden kann, am besten noch in knalligen Bonbonfarben. An mancher Stelle etwa werden Liebeskugeln als Lustkugeln oder gar Orgasmuskugeln verkauft. In Ursprung haben sie in Japan, wo sie im Alltag getragen wurden. Im Alltag kann man moderne Liebeskugeln wie etwa die von „FunFactory“ auch tragen. Je nach Belieben gibt es in verschiedenen Größen und Farben eine Kugel oder mehrere, wobei sie immer verbunden sind. Eine Art Rückholbändchen gibt es auch, die Sorge mancher Frauen, sie könnten die Kugeln in sich verlieren, ist also unberechtigt. Tatsächlich ist der Sinn von Liebeskugeln kein dumpfes Rein-Raus, wie manch einer denken mag. Die Kugeln werden eingeführt und bleiben dann erst mal wo sie sind. Einige Minuten, mehrere Stunden, oder etwas dazwischen.

Nur dann kann der Effekt der Kugeln auch zur Geltung kommen. Denn wenn die Frau sich bewegt, kommen die Kugeln in Schwingung. Das kann zwar durchaus auch anregend sein, ist im ersten Moment aber gewöhnungsbedürftig. Durch das Gewicht und die zusätzlichen Schwingungen wird vor allem der sogenannte PC-Muskel, der Musculus pubococcygeus, trainiert, aber auch der gesamte Beckenbodenmuskel. Während die Muskel dann tatsächlich auch für die sinnliche Erfahrung während des Sex verantwortlich sind, wirkt sich das Training noch auf weitere Teile aus.

Eine Kugel für die Liebe

Sinnliches Training: Zur Beckenbodenstärkung nach einer Schwangerschaft sind Liebeskugeln ideal (© Mikhael Timofeev / pixelio.de)

Beckenbodentraining hilft bei Inkontinenz, die in der Menopause auftreten kann, aber unter bestimmten Umständen auch schon davor. Und das Training ist absolut notwendig, beispielsweise nach einer Schwangerschaft. Denn durch Schwangerschaft und Geburt werden Gebärmutter, Blase und Enddarm stark belastet. Die Gebärmutter wird gedehnt und muss darum im Nachhinein wieder trainiert werden. Das ist wie mit dem Training für die Bauchdecke.

Natürlich hört es sich wesentlich schöner an, von Liebeskugeln und Orgasmustrainern zu reden, als von Beckenbodentraining, das dafür sorgen soll, Frauen nach der Geburt zu helfen, Wasser zu halten. Aber auch dann bleiben Liebeskugeln Trainingsgeräte und weniger Masturbationshelfer. Errötende Wangen und verfängliche Blicke, sobald eine Frau das Wort „Liebeskugeln“ in den Mund nimmt, zeugen nur mal wieder vom Unverständnis für solch abstrakte Begriffe. Die Kugel für die Liebe kann zwar Auswirkungen auf das Liebesspiel haben, muss es aber nicht. Einen positiven Effekt, eben auf den Beckenboden, hat sie trotzdem. Alle Frauen, die denken: „Inkontinent werde ich eh nicht und schwanger bin ich noch lange nicht“ sollen dann eben die Kugeln als Orgasmustrainer verwenden und der positive Effekt bleibt dennoch. Denn frühzeitiges Training hilft auch später noch.

Wer den Kugeln aber doch zu skeptisch gegenübersteht, kann es ja mal mit einfachem Beckenbodentraining versuchen. Die Hürde dabei ist, erst mal den Beckenbodenmuskel zu finden und gezielt anzuspannen. Dazu gibt es unzählige Übungen, bei denen es nicht immer leicht ist, zu wissen, ob es denn so richtig ist. Liebeskugeln sind da tatsächlich die einfachere Variante.

Vorschau: Sascha schreibt nächste Woche über Fremdsprachen und wie es ist, nochmal eine neue zu lernen.


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Über Eva-Maria Obermann

Jahrgang 1987. In Schifferstadt aufgewachsen, bestand sie im Mai 2012 den Bachelor of Arts mit Auszeichnung und beendet aktuell ihr Master-Studium an der Universität Mannheim. Ihr Gedichtband „Seelentropfen – 100 Gedichte“ erschien 2009, ihr Kinderbuch „In Mamas Bauch“ 2010. 2013 veröffentlichte sie die Sammlung „DichterZusammen“ als Mitherausgeberin und -autorin und ist außerdem in einigen Anthologien vertreten. 2017 erscheint ihr Fantasy-Roman "Zeitlose - Simeons Rückkehr" sowie ihr Liebesroman "Ellas Schmetterlinge". Sie schreibt für das „Schifferstadter Tagblatt“ und ihren Blog „Schreibtrieb“. Die dreifache Mutter ist seit 2012 verheiratet und hat auch schon für das dm-Glückskind-Magazin geschrieben. Für die Kolumne von Face2Face verfasst sie seit der Gründung Beiträge und genießt dabei die Themenvielfalt und den freien Stil. Als Rubrikenleiterin organisiert sie Themenfindung und -verteilung. Im Lektorat arbeitet sie mit mehreren Autoren und ihren vielseitigen Themen zusammen.

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