Ein Phänomen, das verbindet: E-Sport

Die Puste geht schnell aus, der Schweiß läuft endlos und der Muskelkater lässt am nächsten Tag grüßen – es gibt einfach keine sportliche Aktivität, die die körperliche Leistungskraft nicht fordert. Oder doch? Der 32-jährige Bäcker Carsten Rössing ist seit Jahren leidenschaftlicher E-Sportler. Was das genau ist und warum sein Hobby ihn niemals aus der Puste bringt, erfahrt ihr im nachfolgenden Interview:

Face2Face: Was versteht man unter E-Sport?
Carsten: E-Sport – also elektronischer Sport – ist ein Wettkampf, den man mit mehreren Spielern virtuell in Computerspielen aller Art (u. a. Star Craft, Counter Strike) austrägt. Wie bei jeder Sportart gibt es auch hier Regeln – sie werden durch das Spiel selbst und den Wettkampfveranstalter festgelegt. Gespielt wird sowohl auf privaten Rechnern als auch auf Spielekonsolen. Einzige sportliche Voraussetzung: schnelles Reaktionsvermögen, Hand-Augen-Koordination und Durchhaltevermögen. Natürlich sollte man auch mit dem Spiel an sich vertraut sein. Lukrativ kann es auch werden, denn Geld lässt sich mit E-Sport ebenfalls verdienen.

Face2Face: Wie und wann bist du auf E-Sport aufmerksam geworden?
Carsten: Ich messe mich seit etwa zehn Jahren aktiv mit anderen Spielern. Damals bin ich durch das Internet und meine Freunde auf E-Sport gestoßen. Der PC kam mit der Zeit immer mehr in Mode und ist heute kaum noch wegzudenken – dasselbe gilt für das Internet.

Face2Face: Was ist das für ein Reiz, den man beim E-Sport verspürt?
Carsten: Für mich steht der Spaß an erster Stelle. Ich mag es, mit Freunden oder auch mal alleine gegen andere Spieler anzutreten. Es ist anders als nur gegen den Computer selbst zu spielen, weil man beim E-Sport im Stande sein muss, strategisch zu handeln. Wenn dann auch noch eine Strategie aufgeht, freut man sich umso mehr. Um es nicht zu vergessen: Verlieren gehört auch dazu.

Face2Face: Weißt E-Sport ein gewisses Suchtpotential auf?
Carsten: Ja, süchtig werden kann man schon. Das betrifft aber überwiegend die „MMORPG-Spieler“ („Massive Multiplayer Online Role Play Game“-Spieler) – World of Warcraft ist beispielsweise so ein Game. Hier gibt es eine riesige, frei begehbare Welt, in der man sich zu Gilden gruppiert, um zusammen gegen andere Spieler zu kämpfen. Meiner Meinung nach ist der soziale Aspekt einer der größten Suchtfaktoren: Man wird gegen einen anderen Spieler ersetzt, wenn man die Spielzeiten nicht einhält. Beim E-Sport ist das aber nicht so drastisch – hier geht ein Spiel maximal eine Stunde.

Face2Face: Inwiefern bist du dort erfolgreich? Hast du dadurch schon Geld gewonnen?
Carsten: Nein, Geld hab ich noch keines gewonnen – werde ich auch nicht. Dazu braucht man Zeit, Training und Talent. Ich spiele nur zum Spaß. Aber man kann durchaus reich werden. Es gibt Spieler, die im Jahr bis zu 500.000 Dollar verdienen. Die Siegesprämie für den ersten Platz in einem E-Sport-Game in 2012 betrug 1.200.000 Dollar. Vor allem in Form von Werbung lässt sich hier viel Geld machen.

Face2Face: Ist E-Sport nur was für Männer oder ist das Publikum gemischt?
Carsten: E-Sport ist keineswegs ein „Männerding“. Es gibt hier sehr erfolgreiche Frauen, wie beispielsweise die „Star Craft 2“-Spielerin „Scarlett“, die Turniere immer ordentlich aufmischt. Auch sonst sind viele Spielerinnen vertreten.

Face2Face: Kann man sich hier einen Namen machen?
Carsten: Es gibt sehr bekannte Spielerinnen und Spieler, die von diversen Sponsoren unterstützt werden. Sponsoring betreiben meist Hersteller von Computerteilen oder Software wie etwa Razer, Roccat, Benq – aber auch die Telekom.

Face2Face: Wieso geht dir bei dieser Sportart die Puste nicht aus?
Carsten: Es macht sehr viel Spaß, mit anderen zu spielen oder ihnen eben nur zuzusehen. E-Sport verbindet Menschen auf der ganzen Welt. Wie beim „normalen“ Sport muss auch hier der Spieler trainieren, um besser zu werden, um den Cup zu gewinnen. Die Freude dabei ist riesig.

Wenn ihr jetzt das Gefühl habt, euch e-sportlich betätigen zu müssen, solltet ihr hier und dort mal vorbeischauen.

Vorschau: Das Thema des nächsten Panorama-Artikels ist vom Aussterben bedroht – hier geht es um die immer seltener gesprochene Sprache Pite-Saamisch in Schweden.


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Über Rebecca Bierbrauer

Jahrgang 1987. Sie ist in Wertheim am Main geboren, im schönen Odenwald aufgewachsen und seit 2009 wohnhaft in Mannheim. Das Bachelor-Studium der Germanistik sowie der Geschichtswissenschaft an der Uni Mannheim hat Rebecca Anfang 2013 erfolgreich abgeschlossen. Nach diversen Praktika bei Tageszeitungen und Magazinen – u. a. beim Mannheimer Morgen, der Rhein-Neckar-Zeitung und bei Espresso – ist die Geisteswissenschaftlerin derzeit in der Kundenbetreuung tätig. Das Schreiben braucht sie wie die Luft zum Atmen: Die Panorama-Rubrik bei Face2Face hat es ihr besonders angetan – hier kann sie ihrer Leidenschaft nachgehen und ihre Kreativität ausleben.

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