Die Wissenschaft des Kaffees

„Sprich mich morgens bloß nicht an, bevor ich nicht meinen Kaffee hatte!“, gibt so mancher als Warnung seinem Gegenüber mit, andere brauchen sogar gleich mehrere Tassen, um wach zu werden. Kein Wunder, zählt Kaffee zu den populärsten und am häufigsten konsumierten Getränken weltweit. Mit 162 Litern pro Kopf im Jahr 2014 trinkt der Deutsche mehr Kaffee als Bier. Viele Dinge geistern in den Köpfen der Menschen über das aromatische Getränk umher. Was stimmt davon? Ist Kaffee gesund oder ungesund?

Die Kaffeebohne ist eigentlich der Samen der Steinfrucht von einer Kaffeepflanze, welche entweder Coffea arabica oder Coffea canephora beziehungsweise robusta ist. Je nach Sorte und Varietät, wie auch Anbauort gibt es unterschiedliche Qualitätsstufen. Weltweit bauen über 50 Länder die Pflanze an, die Exporte und die Nachfrage und damit der Verbrauch steigen weiterhin an. Nach Öl ist Kaffee der am meist gehandelte Stoff der Welt. Der massenhafte Anbau führt auch zu Problemen.

Früher ging man davon aus, dass Kaffeekonsum dem Körper Wasser entziehen würde, was jedoch nicht stimmt. Kaffee ist eine komplexe Mischung aus über Tausend verschiedenen Substanzen. Neben Kohlenhydraten, Lipiden, Proteinen und freien Aminosäuren gibt es sekundäre Pflanzenstoffe, wie Alkaloide, Phenolcarbonsäuren, Röstprodukte, Vitamin B3 (Niacin) und Mineralstoffe. Einige dieser Substanzen besitzen antioxidative, antikarzinogene und antimutagene Eigenschaften.

Die morgentliche Tasse Kaffee (Foto: Andreas Morlok  / pixelio.de)

Die morgentliche Tasse Kaffee (Foto: Andreas Morlok / pixelio.de)

Für die anregende Wirkung ist natürlich das Koffein verantwortlich. Eine Kaffeebohne enthält etwa 0,8 bis 2,5 % Koffein. 1,3,7-Trimethylxanthin, so der chemische Name von Koffein oder auch Thein (Teein), ist eigentlich ein bitter schmeckendes, geruchloses, weißes Pulver, welches nicht nur aus Kaffeebohnen, sondern auch aus Teeblättern, der Kolanuss, dem Matebaum der Guaranapflanze und vielen weiteren Pflanzen extrahiert werden kann. Chemisch hat dieses Molekül Ähnlichkeit zum Neuromodulator Adenosin. Während Adenosin zur Absenkung des Blutdrucks und zu Müdigkeit führt, blockiert Koffein die Adenosinrezeptoren und führt zu einem wachen und aufmerksamen Zustand. Es wäre nahezu unmöglich durch Kaffeekonsum eine Überdosis Koffein zu sich zu nehmen und auch süchtig beziehungsweise körperlich abhängig machen, kann es technisch gesehen nicht. Denn es löst nicht das Belohnungszentrum im Gehirn aus. Trotzdem kann mit einem regelmäßigen Konsum mehr Koffein benötigen, um denselben Effekt zu erzielen, da das Gehirn mit der Bildung von mehr Adenosinrezeptoren reagiert hat. Es hat sich also eine Toleranz aufgebaut. Da Koffein eine Halbwertszeit von sechs Stunden hat, ist der Effekt ebenfalls nach dieser Zeit zur Hälfte verschwunden, weshalb man gerne nach einer weiteren Tasse greift. Die Abhängigkeit ist jedoch nicht mit Kokain oder Alkohol zu vergleichen, sondern eher mit Marihuana. Der Koffeinismus verursacht hauptsächlich psychische Störungen. Eine Entzugskur dauert aber nur wenige Tage, bis der Körper wieder normalisiert ist.

Die beste Strategie ist, Kaffee nicht sofort nach dem Aufstehen zu trinken, da der Cortisolspiegel dann zu hoch ist und dies die Wirkung des Koffeins beeinträchtigt. Kaffee sollte am Besten in den Zeiten über den Tag genossen werden, in denen der Cortisolspiegel nicht so hoch ist. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung rät, sich auf drei bis vier Tassen pro Tag zu beschränken. Denn Koffein stimuliert auch die Produktion von Adrenalin, was eine blutdrucksteigernde Wirkung hervorruft. Das Stressgefühl kann ebenfalls ansteigen. Da Koffein sich auch auf das Herz- und Kreislaufsystem auswirkt, war Kaffee lange im Verdacht, Herzprobleme hervorzurufen.

Nach einer neuen Untersuchung schadet Kaffee dem Herzen nicht, sondern könnte sogar gut für das Herz sein. Die Arterien von Menschen, die drei bis fünf Tassen Kaffee am Tag trinken, sind weniger verkalkt als die von Leuten, die wenig Kaffee trinken, ergab die Studie. In der letzten Zeit häufen sich die Entwarnungen und Kaffee zeigt mehr und mehr gesundheitliche Vorzüge. Es senkt das Risiko an einer Typ-2-Diabetes, Parkinson, Hautkrebs und einigen weiteren Krebsarten zu erkranken. Zuletzt wurde sogar nachgewiesen, dass das Getränk, auch entkoffeiniert, hilft, DNA Schäden vorzubeugen.

Kaffee ist also gesund – in Maßen. An alle, die sich etwas zu viel gönnen sei gesagt, dass bei 3 von 10 Menschen Kaffee abführend wirkt, was unter anderem an Chlorogensäure liegt. Also immer in Maßen trinken.


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