Die große Bundesliga-Analyse

Die Hinrunde der Fußballsaison 2011/2012 ist seit dem vergangenen Wochenende (18.12.) vorbei. Wie bereits in den Jahren zuvor gab es auch in dieser Hinrunde wieder viele Überraschungen, turbulente Ereignisse, Neuentdeckungen und Enttäuschungen. Face2Face fasst für euch das Wesentliche zusammen.

Die Spieler:

Die Entdeckung… der Hinrunde ist ohne Frage Bernd Leno von Bayer 04 Leverkusen. Nach Einsätzen in der dritten Liga des VfB Stuttgart avancierte Leno zum Bayer-Stammkeeper und zeigte sogar auf der großen Champions-League-Bühne hervorragende Leistungen. Dafür war Leverkusen bereit einiges zu bezahlen und griff für den talentierten Torhüter tief in die Tasche. Gute 7,5 Millionen Euro überwies der Vizemeister an den VfB Stuttgart und konnte Leno nach langem Poker bis 2017 verpflichten.
Den größten Entwicklungsschritt… hat ohne Zweifel Marco Reus vollzogen. Der Wirbelwind erzielte allein im November sieben Tore in drei Spielen und war die Seele seines Teams Borussia Mönchengladbach. Mit dem 22-Jährigen an der Spitze drang der fünfmalige Meister aus Mönchengladbach auf den vierten Tabellenplatz – eine Platzierung die vor dieser Hinrunde nicht mal die kühnsten Gladbach-Optimisten für möglich gehalten hätten.
Der Unverzichtbare… Faktor der Hinrunde war Lukas Podolski. Der 95-fache Nationalspieler spielte die beste Halbserie seiner Karriere. 14 Tore und fünf Torvorlagen stehen auf seiner persönlichen Habenseite. Kein anderer Verein war von einem einzigen Spieler so abhängig wie der 1. FC Köln von ihrem „Prinz Poldi“.
Der Torjäger der Hinrunde ist Mario Gomez vom FC Bayern München. Der Torschützenkönig der vergangenen Saison trifft mit seinen bereits 16 Saisontreffern fast nach Belieben – dazu kommen noch ein Tor im Pokal, zwei Treffer in der Nationalmannschaft und sieben in der Champions League.

Die Trainer:

Der Aufsteiger… unter den Übungsleitern ist ohne Frage Lucien Favre von Borussia Mönchengladbach. Der Schweizer hat die „Fohlen-Elf“ vom Fast-Absteiger zum Champions-League-Anwärter gemacht. Als der Trainer die Borussia im Februar diesen Jahres übernahm, lag der Verein abgeschlagen am Tabellenende. Doch Favre brachte Gladbach mit harter Hand wieder auf Kurs. Zuerst vermied er den Abstieg in der Relegation, danach startete sein Team in eine traumhafte Halbserie.
Der richtige… Trainer für den FC Bayern München wurde in Jupp Heynckes gefunden. Die FCB-Verantwortlichen machten beim Nachfolger für den im Frühjahr untragbar gewordenen Louis Van Gaal alles richtig. Nachdem „Don Jupp“ die unübersehbaren Schwächen in der Defensive durch namhafte und gleichzeitig auch sehr teure Neuzugänge ausmerzte, führte er die Bayern neben der Herbstmeisterschaft auch souverän ins Achtelfinale der Champions League.
Der Unbelehrbare…ist auch in der abgelaufenen Hinrunde Wolfsburgs Alleinherrscher Felix Magath. Der Trainer-Manager hat ein großes Problem: seine miserable wie unverständliche Transferpolitik. Im vergangenen Sommer gab er 21 Millionen Euro für zwölf (!) neue Spieler aus, während elf Akteure den Verein verlassen mussten. Ein enttäuschender zwölfter Platz und eine Mannschaft, die jegliche Homogenität vermissen lässt ist das ernüchternde Ergebnis. Da aber Magath genauso eine Schwäche für neue Spieler, wie Frauen für Schuhe haben, hat der Trainer bereits einen Weg aus der Krise gefunden. Er kauft einfach neue Spieler. Hauptsponsor VW wird dafür noch einmal richtig die Geldschatulle öffnen.

Außerdem:

Einen unerwarteten Rückschlag… musste der FC Schalke 04 hinnehmen. Am 22.September traf Ralf Ragnick wegen eines Burn-out-Syndroms als Trainer der Knappen zurück – ein Schlag für Schalke und ganz Fußball-Deutschland. Das Energielevel reiche nach eigener Aussage nicht mehr aus, um erfolgreich den Beruf Fußball-Trainer auszuüben. Seit seinem Abschied hat sich der 53-Jährige komplett aus dem öffentlichen Leben zurückgezogen.
Den größten Schock… überbrachte die Mitteilung des Suizidversuchs von Bundesliga-Schiedsrichter Babak Rafati. Dem Fußball wurde damit erneut schmerzhaft vor Augen geführt, welch großer Druck bei der schönsten Nebensache der Welt auf den Verantwortlichen lastet. Der 41-Jährige schnitt sich am 19. November vor dem Bundesliga-Spiel zwischen dem 1. FC Köln und dem FSV Mainz 05, das der Unparteiische leiten sollte, in einem Kölner Hotel die Pulsadern auf. Gefunden und somit auch gleichzeitig gerettet wurde er von seinen Assistenten.


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