Der große Mentalitätscheck, Teil 11: Schottland

Wie sieht es in einem fremden Land aus? Sind Impfungen notwendig, um dorthin zu reisen? Und: Was kann man dort unternehmen? Das sind nur einige der Fragen, die man sich vor Antritt einer Reise nur allzu häufig stellt. Mit eine der interessantesten Fragen ist jedoch die nach dem Verhalten der Einheimischen, ihren Bräuche und Sitten, ihrem Umgang mit Fremden – kurzum: die Frage nach ihrer Mentalität. Im großen Mentalitätencheck stellt euch die Face2Face-Reiseredaktion daher die Bevölkerung der verschiedensten Länder der Erde und ihre individuelle Mentalität vor. Heute: Schottland.

Schottland – ein Land voller Märchen, uralten Fehden, Orten wie aus dem Bilderbuch und Erinnerungen, die in den

2700 v. Chr. entstanden und größer als Stonehenge: der Ring of Brodgar auf den schottischen Orkney-Inseln (Foto: Vondracek).

2700 v. Chr. entstanden und größer als Stonehenge: der Ring of Brodgar auf den schottischen Orkney-Inseln (Foto: Vondracek).

Einheimischen ewig weiterleben werden. Wer dem Mythos vom ewigen Regen und dem stets geizigen und übel gelaunten Schotten glaubt, wird vor Ort ganz schnell merken, dass das Gegenteil der Fall ist.

Neben Touristenmagneten wie Edinburgh, das William-Wallace-Monument oder Loch Ness hat Schottland noch etwas viel Interessanteres und Erfahrenswerteres zu bieten: nämlich die Schotten selbst. Von wegen wortkarg und Fremden gegenüber zugeknöpft. Die Schotten sind eines der offensten und höflichsten Völkchen Europas. Um Geschichten wie Robin Scherbatsky („How I met yout mother“) in der kanadischen Kneipe in New York City zu erleben, kann man gleich auf dem eigenen Kontinent bleiben. Rempelt man sich in einer Menschenmenge an, was in einer der größeren Städte wie Edinburgh oder Aberdeen an der Tagesordnung ist, bekommt man sofort ein „Oh, excuse me“ zu hören. Verdattert darüber, dass man selbst der Schuldige war und sich eigentlich entschuldigen sollte, verpasst man die Situation seinerseits um Verzeihung zu bitten.

Dem Schotten ist es aber nicht nur wichtig, für sein vermeintliches Verhalten einzustehen, sondern allgemein, dass seine Mitmenschen sich wohl und geborgen fühlen. Nicht nur der Weg zum Museum wird da erklärt, hinzukommen noch etliche Informationen vom Geheimtipp über den schönsten Ort am Loch bis zur Einladung auf eine Tasse Tee. Und wenn der gesuchte Ort dann doch mal zu weit weg ist, bieten die Schotten auch gerne mal an, den fremden Touristen persönlich dorthin zu fahren.

Insgesamt kann man sagen, der britische Gentleman wird hier getoppt und ist wohl bei einem Schotten, wie 007 es ist, in die Lehre gegangen.

Dass Schotten geizig sein sollen, ist wiederum ein Klischee, das nicht bestätigt werden kann. Denn in Schottland ist nicht nur die Bildung frei, was viele ausländische Studierende an die Universitäten lockt. Auch das Gesundheitssystem arbeitet kostenlos und jedem steht die gleiche Behandlung zu. Der Eintritt in schottische Museen ist zum Großteil frei und viele historische Orte sind auch kostenlos zu besichtigen.

Mundfaul und griesgrämig sind Adjektive, die man als Deutscher oft mit den Schotten in einem Satz verwendet, doch in keinem Land, kann man sich so ungezwungen mit den Einheimischen unterhalten wie in den Highlands. Sie sind nicht nur wissbegierig und fragen den Touristen nach seiner Herkunft und seinen Intentionen diese Reise angetreten zu haben. Die „Scots“ erzählen auch liebend gerne ihre eigene Geschichte, von den Jakobiten, der Gegend oder was sie vom Rauchen und der Pharmaindustrie halten.

Da es in Schottland nicht ansatzweise so viel regnet, wie man denkt (ein weiterer Mythos, der nicht bestätigt werden kann), könnte es die Gegend in Europa sein, von der man niemals wieder zurückkehren will. Wäre da nicht die Tatsache, dass so etwas wie gutes, schmackhaftes Brot hier einfach nicht zu kriegen ist.

Vorschau: Am 26. November geht es nach Schweden.

 


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