Der einmalige Musikfilm Once

Ein Film lebt von der Musik. Sie trägt die Stimmung, betont traurige und glückliche Momente und verdeutlicht Gestik und Mimik. Was wäre nun, wenn die im Film dargestellten zwei Schauspieler, auch die Musik für den Film selbst komponieren? Es entsteht ein Zusammenspiel zwischen den Schauspielern und der Musik wie es nur ganz selten zu sehen und hören ist. Die Nähe der Handlung zur Musik lässt eine intensive Atmosphäre entstehen. Wenn nun noch die Schauspieler ein angehendes Liebespaar spielen und auch abseits des Drehort zu einem Paar werden, so entsteht der Musikfilm Once. Ein in seiner Art einmaliger Film, der eine fiktive Handlung so lebendig gestaltet, wie selten ein Film zuvor.

Das Werk feierte am 15. Juli 2006 seine Premiere in Irland. Der Umfang des Budgets zeigt die amateurhafte Anfertigung. Für 130.000 Euro, von denen allein 100.000 Euro vom Irish Film Board (Anmerkung der Redaktion: der nationalen Agentur für Filmentwicklung) gestiftet wurden, konnten die Hauptdarsteller Glen Hansard und Markéta Irglova mit dem Regisseur John Carney in beinahe 17 Tagen ein Oscar-reifes Werk produzieren.

Die Handlung ist schnell erzählt. Die beiden Hauptfiguren werden nur als The Guy und The Woman (zu Deutsch: der Mann und die Frau) vorgestellt. Der Fokus der Geschichte liegt auf ihrem Leben in Dublin. Die männliche Hauptfigur ist von seiner Freundin getrennt nach Dublin zurückgezogen, wohnt von Beginn des Films an bei seinem Vater und hilft in dessen Geschäft aus. Seine große Leidenschaft, die Musik, lebt er tagsüber in der Innenstadt aus, indem er in der Fußgängerzone stehend musiziert. Er ist an einem Punkt seines Lebens angekommen, der sich am besten unter dem Wort Krise zusammenfassen lässt. Er besitzt keine Orientierung beziehungsweise keinen Mut nach ihr zu suchen. Die Frau ist in einer ähnlichen Situation. Die gebürtige Tschechin lebt ebenfalls getrennt von ihrem Mann mit ihrem Kind und ihrer Mutter in Dublin.

Der einmalige Musikfilm Once

Der Film wurde zum Teil in den Wohnungen der Schauspieler gedreht.
Hier: Dublin, Temple Bar (Foto: privat)

 Sie erledigt kleinere Tätigkeiten, wie zum Beispiel das Putzen von Haushalten wohlhabender Familien oder den Verkauf von Rosen in der Innenstadt. Als die beiden sich nun zufällig in der Fußgängerzone treffen, dreht sich von Beginn an alles um Musik. Die Frau, die in ihrer Heimat Klavierenspielen gelernt hat, spielt mit dem Mann zusammen einige seiner selbst geschriebenen Lieder. Aus diesem gemeinsamen Musizieren, entsteht Zuneigung und ein gegenseitiger Halt, der bei ihnen die verloren geglaubte Zuversicht in Besserung und Mut umschlagen lässt. Durch die Musik entsteht bei den beiden wieder Lebensfreude. Nachdem die Zwei mit weiteren Straßenmusikern ein Album produziert haben, dessen Prozess für sie eher wie eine Therapie wirkte, endet kurze Zeit später der Film. Man erfährt noch, dass die Frau ihren Ehemann angerufen hat, damit dieser zu ihr zurückkommt und die beiden endlich wieder eine Familie sind. Der männliche Hauptdarsteller hat nun endlich den Mut gefasst den Kontakt mit seiner ehemaligen Freundin zu suchen und mit einem Startkapital, was ihm sein Vater geschenkt hat, nach London zu ziehen, um ein professioneller Musiker zu werden.

Die rein platonische Beziehung der beiden Hauptdarsteller ermöglicht es die volle Wirkung der Musik zu spüren. Am Beispiel der beiden Schauspieler sieht man, dass Musik eine eigene Atmosphäre erschafft, wodurch der Glaube an die eigene Person gestärkt und das Selbstvertrauen so gesteigert wird, dass man den Mut findet neue Wege einzuschlagen. Once ist, wie bereits erwähnt durch das Zusammenspiel der Schauspieler und der Musik in seiner Wirkung einzigartig. Der Film gibt dem Zuschauer ein gutes Gefühl und im Falle von Regisseur Steven Spielberg sogar mehr. Der USA Today sagte er: „Dieser kleine Film hat mir genügend Inspiration geschenkt, um damit durchs ganze Jahr zu kommen.“  Die Kraft der im Film gespielten Songs, war am Ende sogar so groß, dass sie auch allein stehend wirkten. Hansard und Irglová konnten als Belohnung 2008 den Oscar für den besten Song entgegennehmen. Wahrlich einmalig.

Vorschau: Nächste Woche erscheint hier ein exklusives Hamburg Feature.


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