Caribou – der neue Liebling der Musikszene

Ein eigenartiger Künstler beschäftigt im Moment die Musikwelt. Er scheint so gar nicht in unsere heutige Zeit und zum heutigen Musikstil zu passen. Trotzdem taucht sein Name immer wieder auf; besonders andere Künstler nahezu aller Genres scheinen ihn zu schätzen und sich von ihm inspirieren zu lassen. Aufsteigende Indiebands wie „Beat!Beat!Beat!“ nannten ihn als einen ihrer aktuellen Lieblingskünstler (vgl. unseren Artikel „Doppel-Interview mit „BakkuShan“ und „Beat!Beat!Beat!“ “).Die Rede ist von „Caribou“.

 Ein Blick in die Biografie des Kanadiers zeigt, dass dieser Künstler seine Musikkarierre eher nicht geplant hat, doch das es vielleicht genau das ist, was seine Besonderheit ausmacht:„Caribou“, mit bürgerlichem Namen Daniel Snaith, wuchs in einer Kleinstadt in Ontario, Kanada als wohlbehüteter Sohn zweier Mathematikprofessoren auf. Die Liebe zur Mathematik hat er ganz eindeutig von seinen Eltern übernommen und so begann er ein Studium der Mathematik an der University of Toronto. Ein normaler Abschluss schien ihm wohl nicht zu genügen, so entschloss er sich, nach England zu gehen, um 2005 seine Doktorarbeit am Imperial College in London zu schreiben. Schon während seines Studiums faszinierten ihn jedoch nicht nur die Zahlen, sondern auch die elektronischen Klänge und deren Erzeugung.

Er experimentierte mit verschiedenen Instrumenten, vorranging geschah dies am Computer, und veröffentlichte bereits im Jahr 2000 eine erste EP namens „People Eating Fruit“. London als Künstlerschmiede und musikalischer Schmelztiegel war maßgeblich für seinen Erfolg verantwortlich und brachte ihm neue Kontakte und Einflüsse ein.Sein damaliger Künstlername war allerdings nicht „Caribou“ sondern noch „Manitoba“, weshalb seine frühen Werke wohl im Zusammenhang mit „Caribou“ komplett unbekannt sind. (Sie sind jedoch nachträglich unter dem Namen „Caribou“ veröffentlicht worden.) Da die Rechte des Künstlernames „Manitoba“ bereits dem Frontmann der „Dictators“, Richard „Handsome Dick“ Manitoba, gehörten, musste sich David Snaith im Jahre 2003 um einen neuen Künstlernamen bemühen.

 Und was liegt für einen waschechten Kanadier praktisch auf der Hand? Man schaut sich in der kanadischen Steppe nach einem Tier um, erspäht ein Caribou und schon hat man einen Künstlernamen. Nachdem er also einen endgültigen Künstlernamen gefunden hatte, ließ ihn die Musik nicht mehr los und so experimentierte Snaith mutig weiter. Es entstanden ruhige, elektronische Melodien, die oftmals einen psychedelischen Charakter haben. Bezeichnend für seine Songs ist jedoch immer die Ruhe und leichte Melancholie, die „Caribou“ deutlich von anderen Künstlern der Elektromusik abgrenzen. Nichts klingt hektisch oder nach Club, es klingt vielmehr nach seiner Heimat Kanada: nach Zurückgezogenheit, räumlicher Weite und langen Nächten mit kurzen Tagen. Bei Liveauftritten lässt sich Snaith oftmals von einer Band unterstützen, während er meist Schlagzeug spielt. Hin und wieder spielt er aber auch ganz alleine und legt großen Wert auf visuelle Konzepte und Kurzfilme, die er unter Eigenregie dreht und auf einer Leinwand während seiner Konzerte abspielt.

Auch die Musikvideos zu seinen Songs sind eigenartig und alles andere als Mainstream; es tummeln sich teilweise Handpuppen à la Sesamstraße neben verzerrten Macbook-animierten Gesichtern und handgemalten Szenen („Everytime She Turns Round It’s Her Birthday“), mal besteht der Clip aus Comics („Lord Leopard“) oder nur aus psychedelischen Gesichtern, die schon fast wieder an Daft Punk oder Kraftwerk erinnern („I’ve Lived On A Dirt Road All My Life“). Sehenswert sind sie auf jeden Fall alle, gerade weil sie immer ein wenig an Low Budget Produktionen erinnern und trotzdem künstlerisch absolut hochwertig und interessant sind.Das schwierigste ist sicherlich, „Caribou“ musikalisch einzuordnen. Es überwiegt der Elektroanteil, jedoch ist jeder Song das reinste Potpourri an Einflüssen von Techno, Rock und Funk bis Soul. „Caribou“ in das derzeit gehypte Genre des „Mathrock“ einzuordnen, halte ich persönlich für äußerst undankbar. Snaith mag zwar Mathematik Doktor sein, aber seine Musik hat damit eher reichlich wenig zu tun. Doch überzeugt euch am besten selbst!

Kontakt Caribou:
Homepage: www.caribou.fm
Myspace: www.myspace.com/cariboumanitoba


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