Bitcoins – digitale Groschen ohne Kontrollsystem?

Bitcoins und digitale Währungen sind in aller Munde. Doch was steckt hinter dem enormen medialen Interesse? Wie sehen die technischen Aspekte dahinter aus? Und ist das Ganze auch wirklich sicher? Fragen über Fragen. Deshalb hat Face2Face exklusiv bei zwei Experten in Sachen IT nachgefragt: Florian Eisenmann und Johannes Ostner, beide Mitbegründer der IT-Firma Beomuc und versierte Informatiker.

Face2Face: Alle sprechen zurzeit über Bitcoins. Sind das tatsächlich digitale Groschen?

Experte im Bereich Programmierung und IT-Sicherheit: Johannes Ostner, einer der Gründer von Beomuc

Experte im Bereich Programmierung und IT-Sicherheit: Johannes Ostner von der Fima Beomuc (Foto: Eisenmann)

Johannes: Sagen wir es mal so: Für das erste Verständnis hilft diese Assoziation tatsächlich. Aber im Detail gibt es natürlich große Unterschiede zur realen Münze aus Metall. Auch für Bitcoins kann man Waren und Dienstleistungen kaufen, aber allein die dezentrale Umsetzung ist schon ein großer Unterschied.

Face2Face: Was heißt das: „dezentral“?

Florian: „Dezentral“ bedeutet, dass es keine übergeordnete Instanz gibt, also keine Zentralbank, keinen Währungsfonds oder sowas. Der gesamte Handel wird im Netzwerk zwischen den einzelnen Teilnehmern abgewickelt.

Face2Face: Ist das positiv?

Florian: Jein. Natürlich ist es positiv, dass man sich auf keine übergeordnete und übermächtige Instanz verlassen muss, die alle Fäden in der Hand hält. Gleichzeitig ist das aber auch ein Problem, denn es gibt keine zentrale Kontrollstelle, die im Krisenfall eingreifen könnte.

Face2Face: Wie funktioniert das Ganze jetzt technisch?

Johannes: Bitcoins basieren auf der sogenannten Blockchain-Technologie. Sehr vereinfacht gesagt, ist das eine riesige Daten-Kette, in der alle jemals ausgeführten Bitcoin-Transaktionen gespeichert sind. Dadurch wird verhindert, dass man mehr Geld ausgeben kann, als man eigentlich besitzt. Wenn Person A beispielsweise 100 Bitcoins an Person B überweisen möchte, überprüft das System die Blockchain auf alle von Person A jemals getätigten Transaktionen und kann so feststellen, ob Person A überhaupt 100 Bitcoins besitzt. Falls nicht, wird die Transaktion schlicht abgelehnt.

Face2Face: Klingt nach sehr viel Daten, oder?

Johannes: In der Tat wächst die Datenmenge mit jeder getätigten Transaktion immer weiter an. Das verlängert zum einen die Dauer, bis eine Transaktion bestätigt oder abgelehnt wird. Zum anderen kommt es zu längeren Download-Zeiten bei der ersten Installation des Bitcoin-Wallet, wenn man eine klassische Variante verwendet. Denn wer ein klassisches Wallet nutzt, der muss die gesamte Blockchain herunterladen. Eine Alternative wären da gehostete Light-Wallets, die auf dem Server bleiben, da muss ich fast nichts herunterladen.

Face2Face: Was ist ein „Bitcoin-Wallet“? Und was brauche ich noch, wenn ich mit Bitcoins loslegen will?

Kennt sich mit IT-Systemen und Finanzen aus: Florian Eisenmann, Mitbegründer der Firma Beomuc

Kennt sich mit IT-Systemen und Finanzen aus: Florian Eisenmann von der Firma Beomuc (Foto: Eisenmann)

Florian: Ein Bitcoin-Wallet ist sozusagen der digitale Geldbeutel, meist in Form einer übersichtlichen Software, die auf dem lokalen PC läuft. Dieses Programm enthält dann auch die gesamte Blockchain. Ansonsten braucht man noch einen Account bei einer Plattform, bei der man konventionelles Geld in Bitcoins tauschen kann. Das ist für den normalen Nutzer alles. Wer ins „Bitcoin-Mining“ einsteigen will, der braucht natürlich zusätzliches technisches Wissen und leistungsfähige Hardware.

Face2Face: „Bitcoin-Mining“? Was ist das denn?

Johannes: Die technischen Details sind etwas kompliziert. Aber im Grunde geht es darum, dass Transaktionen in der Blockchain durch das Lösen aufwändiger mathematischer Puzzles verifiziert werden. Eine Transaktion wird dabei nicht nur von einem Computer verifiziert, sondern von allen Computern des Netzwerks, die am Mining teilnehmen. Wenn der eigene Miner am Ende als schnellster die komplexe Rechnung gelöst hat, erhält man eine kleine Prämie. Aber auch nur dann. Man kann die Einnahmen also nicht wirklich voraussehen und die Berechnungen sind sehr energieaufwändig, verheizen also jede Menge Strom.

Face2Face: Lohnt sich Bitcoin-Mining dann für den privaten Verbraucher?

Florian: Bitcoin-Mining zu Hause ist in Deutschland kaum rentabel, weil der durchschnittliche Ertrag einfach nicht die hohen Stromkosten deckt. In der Regel wird das Mining sowieso nicht privat betrieben, sondern in großen Server-Farmen. Die meisten dieser Farmen sind dann an Orten angesiedelt, an denen die Strompreise sehr niedrig sind, beispielsweise in Irland, China oder Nordamerika.

Face2Face: Jetzt mal zum Thema Sicherheit. Die ist bei IT-Systemen ja immer von großem Interesse. Wie schätzt ihr Bitcoins unter diesem Aspekt ein?

Johannes: Algorithmen und IT-Systemen Sicherheit zu attestieren, ist nicht so einfach oder besser: eigentlich unmöglich. Bis vor kurzem dachte man noch, dass Prozessoren sicher wären. Dann entdeckte man die massiven Sicherheitslücken „Spectre“ und „Meltdown“ und fand heraus, dass fast alle Prozessoren jahrelang anfällig für Angriffe waren. Stand heute werden die verwendeten Algorithmen als sicher angesehen, aber das kann morgen schon ganz anders sein.

Florian: Ich sehe die Probleme ohnehin gar nicht so sehr auf technischer Seite. Meine berufliche Erfahrung hat gezeigt, dass das größte Risiko immer noch der Mensch ist, also der Nutzer. Im konkreten Fall der Bitcoins sehe ich vor allem kritisch, dass viele private Leute direkt in den Devisenhandel einsteigen. Das war früher eher Experten vorbehalten oder im privaten Bereich nur über die Bank möglich. Die stellte das nötige Fachwissen in Form von Kundenberatung zur Verfügung. Jetzt kann jeder innerhalb von Minuten mitmachen, auch der, der im Bereich Finanzen null Fachwissen hat. Dadurch wird der Handel oft zu einem reinen Glücksspiel. Und genau darin sehe ich aktuell die größte Gefahr. Weniger in den Systemen, die sind tatsächlich sehr ausgereift und nur mit immensem Aufwand auszuhebeln.

Face2Face: Was ist nun zum aktuellen Zeitpunkt die sicherere Alternative: klassisches Online-Banking oder Zahlung mit Bitcoins?

Digitale Alternative: Bitcoins machen den klassischen Währungen Konkurrenz

Digitale Alternative: Bitcoins machen den klassischen Währungen Konkurrenz (Foto: tombark/pixabay.de)

Johannes: Das ist schwer zu beantworten. Verwende ich beim Online-Banking zum Beispiel ein unsicheres Passwort, kann ein Angreifer recht einfach mein Geld stehlen. Genauso einfach mache ich es Hackern, wenn ich den privaten Schlüssel meines Bitcoin-Wallets unsicher verwahre. Der private Schlüssel ist vereinfacht gesagt so ähnlich wie ein Passwort oder eine PIN und genauso sicherheitskritisch. Was aber für Online-Banking sprechen könnte, sind Absicherungen durch die Bank, wenn Geld durch Cyberattacken gestohlen wird. Bei Bitcoins bin ich zu hundert Prozent selbst für mein Geld und mögliche Schäden verantwortlich.

Face2Face: Eine letzte Frage: Denkt ihr Bitcoin ist nur ein kurzlebiger Hype?

Florian: Naja, viele konservative Investoren wettern noch gegen Bitcoin aus genau den Gründen, warum Bitcoin überhaupt existiert. Es hebelt eben den gesamten Bankensektor und die zentrale Kontrolle aus. Außerdem ist für viele die Technologie dahinter noch nicht wirklich greifbar und verständlich. Das verursacht natürlich Misstrauen. Andere Experten wiederum bezeichnen Bitcoin schon als Erfindung des Jahrzehnts.

Johannes: Ich persönlich denke nicht, dass Kryptowährungen wie Bitcoin wieder komplett verschwinden werden. Dafür ist das gesamte Konzept viel zu revolutionär. Meiner Meinung nach brauchen diese Währungen allerdings noch etwas Zeit, um sich richtig zu etablieren, insbesondere im alltäglichen Leben.


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Sascha Resch

Über Sascha Resch

Jahrgang 1992. In München geboren und aufgewachsen, beendete er 2015 erfolgreich seine Ausbildung zum Fachinformatiker, Schwerpunkt Software-Development. Nebenbei sammelte er journalistische Erfahrungen in der Redaktion des TOUR-Rennradmagazins, beim Magazin der Jungen Presse Bayern, durch seine eigene Webseite Alpenvettern.de und natürlich seit 2012 auch bei Face2Face. Seit 2015 studiert er in München am Institut für „Deutsch als Fremdsprache“ und arbeitet parallel als Deutschlehrer in einer Schwabinger Sprachschule. Auch bei Face2Face ist er flexibel: Zunächst als Autor unterwegs, kümmert er sich jetzt zusammen mit Denis Pollach um die IT-Infrastruktur des Magazins.

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