Bio – alles besser (für die Tiere)? Teil 1: Das Hühnerei

Glückliche Tiere, das Gewissen beruhigen und trotzdem leckeres Essen genießen – der Bio-Boom existiert bereits seit einigen Jahren. Immer wieder werden Statistiken und Untersuchungen veröffentlicht, die besagen, dass Bio entweder besser für die Gesundheit oder eben überhaupt kein Qualitätsmerkmal ist. Macht es Sinn, biologisch-zertifiziert zu essen? Wem tun Bio-Produkte wirklich gut? Leben die Tiere, deren Bio-Fleisch wir kaufen, wirklich besser? Diese Serie möchte der Problematik auf den Grund gehen.

678771_web_R_K_by_w.r.wagner_pixelio.de
Das „verbesserte“ Bio-Ei? (Foto: w.r.Wagner, Pixelio.de)

Muss nur noch kurz die Welt retten!“, singt Tim Bendzko.

Aber verändert derjenige, welcher biologische Lebensmittel kauft, wirklich die Welt zum Guten? Das ist ein Grund unter vielen, wenn es um die Frage geht, warum jemand die Bio-Eier anstatt der Bodenhaltungs-Eier auf das Kassenband im Supermarkt legt. Die Hühner leben ja besser, nicht in Käfigen und sowieso sei es unverantwortlich, Käfigeier zu kaufen. Da stimmen die meisten Verbraucher überein. Was sie jedoch meist nicht wissen, ist, dass Bio nicht gleich Freilauf, Sonne und Luft bedeutet. Bio bedeutet lediglich, dass in dem Futter, welches das Huhn bekommen hat, keine Gentechnik enthalten war. Trotzdem kann das Huhn in einer Halle gelebt haben ohne jemals in den Genuss von Freilandhaltung gekommen zu sein. So ist es für einen EU-Landwirt eben auch möglich, konventionell erzeugtes Fleisch und biologisch erzeugtes Fleisch auf einem Hof „herzustellen“. Diese und viele Hintertüren sind für den Landwirt, welchem es primär um Profit, weniger um das Wohl der Tiere geht, offen. Wem die Gesundheit und das Natürliche für den Körper per se am Herzen liegen, der ist bei Bio-Eiern richtig. Wem das Wohl der Tiere am Herzen liegt, der weicht auf Freilandeier aus – oder fährt direkt zum Biobauern.
Auch im Supermarkt kann einfach darauf geachtet werden, welcher Code auf dem Ei steht:

Mithilfe der Buchstaben-Zahlen-Kombination, die auf jedes Ei gedruckt wird, können Haltungsform, Herkunftsland und Legebetriebsnummer herausgefunden werden. Die erste Ziffer steht dabei für die Haltungsform: 0 entspricht biologischer Freilandhaltung, 1 Freilandhaltung und 2 Bodenhaltung. Daraufhin folgt eine Buchstabenkombination, welche das Herkunftsland angibt: DE steht für Deutschland, AT für Österreich usw. Die billigsten Eier werden heutzutage in den Niederlanden hergestellt, wo ebenfalls die Haltungsformen oftmals am katastrophalsten sind.

Über die Internetseite  was-steht-auf-dem-ei.de kann man durch Eingabe der Buchstaben-Zahlen-Kombination neben dem Namen und der Adresse auch aktuelle Bilder von Legebetrieb, Stall und Hühnern erhalten. Erfasst werden hier alle durch den Verein für kontrollierte alternative Tierhaltungsformen e.V. (KAT) kontrollierten Eier aus europäischen Ländern. Mit der dazugehörigen App können Smartphone-Besitzer die Eier schon beim Einkauf im Supermarkt überprüfen!

So kann bewusst darauf geachtet werden, ausschließlich Eier aus artgerechter Haltung, nämlich der Freilandhaltung, zu kaufen. Bodenhaltung mag auch als artgerecht angepriesen werden, doch können hierbei neun Hühner pro m² gehalten werden, und dies auf mehreren Ebenen. Ein Leben zwischen Kadavern ist für viele dieser Hühner Alltag.

Auch wenn sie aus den Regalen der Supermärkte verschwunden scheinen, existieren die Eier aus Käfighaltung weiter. In Backmischungen beispielsweise wird diese Art Ei zu fast 100% verwendet, da sie die preiswerteste Variante darstellt.

Dieser ist nur einer von vielen Bio-Hintergründen, die es zu entdecken und zu durchschauen gilt. Ein großer Schritt dahin wurde mit der Kennzeichnungspflicht von Eiern getan. Eine Petition an den Bundestag, initiiert durch die „Arbeitsgemeinschaft Landwirtschaft“ der Grünen Hannover, diese Kennzeichnung ebenfalls für Fleisch vorzunehmen, läuft momentan. Die Erfolgsaussichten sind jedoch gering. Zu groß ist das wirtschaftliche Interesse am Erfolg der millionenfach subventionierten Schlacht- und Mastbetriebe in Deutschland.

Der Begriff „Bio“ ist ein durch EU-Recht europaweit geschützter Begriff. Gleiches gilt für die Bezeichnungen „aus kontrolliert biologischem Anbau“ und „Öko“. Produkte, die als Bio beschrieben werden, müssen ebenfalls den Kriterien des Bio-Siegels entsprechen, das Siegel-Logo selber aber nicht zwingend tragen. Dazu muss ebenfalls erwähnt werden, dass das heutige Bio-Siegel der EU nicht das gleiche bio verkörpert, welches vor 20 Jahren ausschließlich diejenigen kauften, die aus Überzeugung etwas an der Welt ändern wollten. Das heutige Bio-Siegel ist extrem aufgeweicht, die Maßstäbe nicht hoch und die Qualität oft nicht besser, als es bei konventionellem Obst und Gemüse der Fall ist. Der zweite Teil dieser Serie wird sich mit genau diesem Thema befassen: biologisches Obst und Gemüse!


Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Tier&Umwelt und verschlagwortet mit , , , , von Svenja Strohmeier. Permanenter Link zum Eintrag.
Avatar

Über Svenja Strohmeier

Jahrgang 1988. Sie wurde in Gehrden bei Hannover geboren und war schon immer umgeben von Tieren. Der Tierschutz lag ihr besonders am Herzen. 2008 schloss sie ihr Abitur ab, um darauf folgend das Lehramtsstudium für die Realschule mit den Fächern Englisch und Geschichte zu beginnen. Zeitgleich mit dem Beginn des Referendariats engagierte sie sich in der Politik für Haustier- und Nutztierrechte sowie Landwirtschaft im Land Niedersachsen. Ihr besonderes Herzensprojekt sind die Straßenhunde Rumäniens. Im Juni 2014 begann die Mitarbeit beim Face2Face-Magazin in der Rubrik Tier & Umwelt, was ihr großen Spaß bereitet.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.