40 days of dating – die Online-Soap

Eine Frau und ein Mann, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten und in jahrelanger Freundschaft verbunden sind, wagen eines Tages ein Experiment. Sie daten sich 40 Tage lang und möchten mehr als nur eine Antwort auf die Frage finden, ob sie auch mehr sein könnten. Sie möchten sich weiterentwickeln und Gewohnheitsmuster brechen. Serienmäßig halten sie alle Geschehnisse auf einem Blog fest und stoßen dadurch auf eine große Fangemeinde. Von zwei Freunden, die einander halfen, sich selbst zu finden.

Das Interview Magazin betitelte sie als das „Liebespaar des Jahres” 2013 und laut einiger US-Illustrierten sind sie die neuen Stars der New Yorker Szene: Jessica Walsh (26) und Timothy Goodman (31). Bei den Namen scheint das Gehirn weder eine Verknüpfung zu letztlich erschienen Kinofilmen zu finden, noch sieht man vor seinem inneren Auge skandalöse Auftritte, die zu fragwürdiger Berühmtheit verhalfen. Und dennoch füllen sie ganze Zeitschriftenseiten und geben fleißig Interviews.

Ihr Zuhause ist das Internet und dort haben sie sich ihre eigene Seifenoper geschaffen. Auf ihrer grafisch mit Liebe zum Detail gestalteten Seite, widmen sie sich einem Projekt, dessen Urheber und Realisatoren sie selber sind. Das Experiment? 40 days of dating. Soll heißen, dass sie sich nach selbst auferlegten Regeln jeden Tag sehen – und zusätzlich dreimal die Woche zu einem richtigen Date verabreden.

Bereits seit mehreren Jahren verbindet die beiden Grafikdesigner eine enge Freundschaft. Kennengelernt haben sie sich über eine ihrer wenigen Gemeinsamkeiten: den Beruf. Walsh war damals als Art Director bei einem Magazin angestellt, welches einen Beitrag über Goodman abdrucken wollte. Zu diesen Zwecken kontaktierte sie ihn und fortan arbeiteten sie eng miteinander. Zunächst dachte die Mittzwanzigerin, der helle Rotschopf würde sie anbaggern. Doch schon bald war klar, dass er nicht mehr Interessen an ihr hatte als eine Freundschaft aufzubauen, denn sie könnten unterschiedlicher nicht sein. Würde man sie in Farben darstellen, so wären sie absolut komplementär. Sie ist mit einer ausgiebig romantischen Ader versehen und sieht sich nach jedem Date bereits vor dem Traualtar, wohingegen ihn eher Ängste quälen, etwas zu verpassen, wenn er sich bindet, was der Grund dafür ist, dass er es meist gar nicht erst versucht.

Im Flugzeug auf dem Rückweg von einer gemeinsamen Reise zur Art Basel, einer Messe für zeitgenössische Kunst, sprudelte es plötzlich aus dem New Yorker raus: er habe schon länger geplant, ein Projekt zum Thema Dating anzugehen und nun sei ihm die finale Idee gekommen, wie dies umzusetzen sei. Walsh und er würden sich 40 Tage lang daten und ihre Erlebnisse, Emotionen und Erfahrungen protokollartig in einem Blog festhalten. Als „verrückt und wundervoll” bezeichnete Goodman den Einfall rückblickend in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

Ziel des Projektes sei es nie gewesen, dass es glücke und sie als Pärchen daraus hervorgehen, so die beiden. Vielmehr wollten sie an ihre alten Datingmuster anknüpfen und versuchen, diese zu brechen. „Jede Art von Kennenlernen ist ein Experiment”, so Walsh. Ihres hat nun eine andere Form angenommen, denn obwohl sie sich freundschaftlich bereits vertraut sind, möchten sie intimere Seiten aneinander kennenlernen. In kitschigen Liebesfilmen ist es schließlich häufig so, dass Frau urplötzlich mit ihrem besten Freunde endet, obwohl dieser doch bereits all die Jahre, in denen weitere Traum und Albtraummänner kamen, für sie da war. Somit verfolgt der Internetnutzer gespannt ihre tagebuchartigen Einträge, in denen sie vierzig Tage lang denselben Fragenkatalog beantworte. Je näher es auf das Ende zu geht, fragt er sich, ob sie sich denn nun wirklich kriegen.

Aller Anfang ist dabei schwer und das müssen sie am eigenen Leib erfahren. Scheint der erste Tag noch ganz normal, an dem sie sich einfach abends zum Essen verabreden, wie sie es schon so häufig vor dem Projekt gemacht haben, erlebt Goodman bereits am zweiten Tag eine Panikattacke. Seine Sorge: Walsh von nun an jeden einzelnen Tag zu sehen. Doch er fängt sich wieder und es geht bergauf, bis sie die Zweifel packen und sie aussteigen möchte. Irgendwann erkennt Tim, dass er mehr vom Leben möchte als kurzweilige Affären und Jessie, dass sie manchmal einfach ihren Kopf ausschalten muss. Ihre Realserie ist packend und abwechslungsreich, sodass dem eifrigen Leser einiges an Futter geboten wird.

Das Ende sei hier, für alle, die in den Bann verfallen wollen, noch nicht verraten. Mittlerweile hat auch Warner Bros bei den beiden angeklopft und sich die Filmrechte gesichert. Momentan sind sie fleißig dabei, die Realität in ein Drehbuch zu verwandeln. Doch wer weiß, vielleicht gibt es ja bald Staffel 2 im Internet zu finden. Das würde sie in New York wahrscheinlich in den Olymp befördern.

Vorschau: Nächste Woche erfahrt ihr an dieser Stelle mehr über ein Projekt der Alten Feuerwache – die erste Social Impact Bar Mannheims.


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