Zarte 14 und schon Schwarzgurt

„Ich bin ein ganz normales Mädchen“, sagt Louisa Winstel über sich selbst. Die Titel, die die zierliche 14-Jährige bisher errungen hat, sprechen eine andere Sprache: Sie ist zweimalige Rheinland-Pfalzmeisterin sowie Deutsche Meisterin im Karate. Während andere Mädchen ihres Alters mit Makeup experimentieren trainiert Louisa vier- bis fünfmal in der Woche beim Speyerer Shotokan-Karate Verein. Viel Freizeit bleibt da nicht.

Face2Face: Wie verbringst du deine Freizeit?
Louisa: Schule und Karate füllen fast den ganzen Tag aus. Standart-Tanzen gehört mittlerweile auch zu meiner Freizeitbeschäftigung – das macht mir richtig Spaß!

Face2Face: Unser letztes Interview liegt fast vier Jahre zurück. Würdest du sagen du hast dich seitdem verändert?
Louisa: Ich glaube nicht, dass ich mich persönlich in den letzten Jahren verändert habe, außer vielleicht ein bisschen im Aussehen. Nach wie vor trainiere ich vier- bis fünfmal in der Woche und vor Wettkämpfen sogar täglich 1,5 bis 2 Stunden. Außerdem trainiere ich nicht nur bei meiner Heimtrainerin, Nina Jäger, sondern auch einmal pro Woche beim Bundestrainer Efthimios Karamitsos in Frankfurt.

Face2Face: Du trägst einen Junior-DAN. Was heißt das?
Louisa: Die Prüfung zum Junior-DAN kann man ab dem 12. Lebensjahr ablegen. Das Prüfungsprogramm ist das gleiche wie beim ersten DAN der Erwachsenen, entspricht also einem Schwarzgurt. Der Junior-DAN-Gürtel ist schwarz-rot gestreift. Mit 16 kann ich dann die Prüfung zum ersten DAN nochmal ablegen und bekomme dann einen ganz normalen schwarzen Gürtel.

Kämpft sich auf die vorderen Plätze: Karateka Louisa Winstel (Foto: Christian Grüner)

Kämpft sich auf die vorderen Plätze: Karateka Louisa Winstel (Foto: Christian Grüner)

Face2Face: Wer begleitet dich auf Turniere und wie kann man sich so ein Turnier vor Ort vorstellen?
Louisa: Meine Trainerin und meine Eltern begleiten mich bei jedem Turnier. Meistens müssen wir weite Strecken zurücklegen, das heißt schon sehr früh am Morgen aufstehen, damit ich pünktlich um  8:30 Uhr auf der Tatami (Anm. d. Red.: eine Tatami ist eine Matte aus Reisstroh) stehen kann. Mittlerweile kenne ich die meisten meiner Gegnerinnen, aber es ist trotzdem immer wieder aufregend und eine Herausforderung gegen diese anzutreten. Meine Trainerin unterstützt mich direkt an der Matte und weiß genau wie sie mich am besten motiviert. Fehler darf ich mir keine erlauben, denn die Kampfrichter sehen ALLES.

Face2Face: Worauf achten die Kampfrichter besonders?
Louisa: Die Kampfrichter achten besonders auf eine saubere Ausführung der Techniken, einen tiefen Stand, eine perfekte Schrittfolge und nicht zu vergessen auf die Vollendung der Technik, also darauf, dass sie mit Kime, also mit einem kraftvollen Endpunkt, ausgeführt wird.

Face2Face: Auf welche deiner sportlichen Leistungen bist du besonders stolz?
Louisa: Im Februar dieses Jahres habe ich mit meinem Kata Team bei der Europameisterschaft in Zürich die Bronzemedaille gewonnen. Das ist mein bisher größter Erfolg.

Face2Face: Bei so vielen beeindruckenden Titeln und Siegen – gibt es etwas, das du noch nicht geschafft hast? Was sind deine Ziele?
Louisa: Mein nächstes großes Ziel ist natürlich die Deutsche Meisterschaft im Juni in Erfurt, um meinen Titel zu verteidigen, und die Nominierung mit meinem Team für die Weltmeisterschaft.

Face2Face: Momentan bist du noch Schülerin. Was möchtest du nach deinem Abschluss machen?
Louisa: Das weiß ich noch nicht. Ich habe zwar schon zwei Praktikumswochen im Bereich der Kinderbetreuung gemacht, bin aber noch nicht überzeugt. Ich konzentriere mich deshalb erstmal noch auf meine Schule. Für meine Zukunft wünsche ich mir einen guten Schulabschluss und viel Zeit, dass ich weiterhin meinen Sport betreiben kann.

Begriffserklärungen:
Shotokan bezeichnet die älteste Stilrichtung im Karate, die von dem Japaner Gichin Funakoshi begründet wurde. Außerdem gibt es noch die Stilrichtungen Shito-Ryu, Goju-Ryu, Wado-Ryu. Das Kyu-System dient dazu das Voranschreiten des Karatekas in Stufen mittels Gürtelfarben zu symbolisieren. Der Schüler beginnt mit dem neunten Kyu (weißer Gürtel) und kann sich bis zum ersten Kyu (brauner Gürtel) hocharbeiten. Die verschiedenen Schwarzgurt-Stufen werden als Dan bezeichnet. Eine Kata ist eine Übungsform, die aus stilisierten Kämpfen gegen imaginäre Gegner besteht.

Vorschau: Nächstes Mal lest ihr im Sport einen Rückblick zur Play-off-Finalserie zwischen den Adlern Mannheim und dem ERC Ingolstadt.

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Über Tatjana Gartner

Jahrgang 1989. Sie ist in Heidelberg geboren und in Speyer aufgewachsen, schloss ihr Germanistik-Studium an der Universität Mannheim 2012 mit dem Bachelor, ihr Medien- und Kommunikationsmanagement-Studium an der SRH Hochschule Calw 2013 mit dem Master ab. Während ihres Studiums absolvierte sie mehrere Praktika, unter anderem bei der Rheinpfalz, dem ZDF und der Deutschen Presse-Agentur. Im Herbst 2010 gründete sie gemeinsam mit Kommilitoninnen an der Universität Mannheim „Face2Face – das Online-Magazin“, das sie bis heute leitet. Sie schreibt am liebsten über spannende Persönlichkeiten und bewegende Schicksale, aber auch „leichte Koste“, wie Tutorials und Tipps und Tricks, zählen zu ihrem Repertoire. Und wenn ein Lifestyle-Thema auf den Prüfstand muss, stellt sie sich auch gerne mal einem Selbstversuch.

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