Wir wollen keine Hilfsorganisation sein – Interview mit Rebecca Richter von „zusammen essen“

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Bringt „zusammen essen“ nach Mannheim: Rebecca Richter (Foto: Richter)

In Freiburg hat sich der Verein längst etabliert, nun will eine junge Frau ihn auch nach Mannheim bringen. Rebecca Richter bringt Geflüchtete und Deutsche an einen Tisch. face2face spricht mit ihr über „zusammen essen, denken und leben“ , warum ein Anruf entscheidend sein kann und warum es in Mannheim gar nicht so leicht ist, Geflüchtete für das Projekt zu finden.

Face2Face
: Liebe Rebecca, zusammenessen ist in Freiburg entstanden und dort als Verein eingetragen. Wie kommt es, dass du das Projekt jetzt nach Mannheim bringst?
Rebecca: In Freiburg wurde zusammenessen von drei jungen Frauen ins Leben gerufen, die sich dafür extra eine Auszeit vom Beruf genommen haben. Eine davon ist Leonora, die selbst aus Mosambik kommt und sich einfach engagieren wollte. Statt politische Debatten zu führen, sollen die Menschen sich über zusammenessen einfach kennen lernen. Ich habe davon gehört, bevor die Website letzten Herbst online gegangen ist und wollte gerne selbst mitmachen, aber dazu musste ich die Idee erst einmal nach Mannheim holen.

Stichwort zusammen: Das Projekt will Menschen verbinden (Foto: Richter)

Stichwort zusammen: Das Projekt will Menschen verbinden (Foto: Richter)

Face2Face: Und welche Idee ist das genau?
Rebecca: Viele Geflüchtete kommen aus Ländern, in denen das gemeinsame Essen sehr wichtig ist. Mit zusammenessen ist eine Plattform erstellt worden, auf der Gastgeber in Deutschland eine Einladung abgeben können und Geflüchtete können sich dann für dazu anmelden. Der Gastgeber bekommt dann Name und Telefonnummer der potentiellen Gäste und sollte da erst einmal anrufen. Das ist schon die erste Schwierigkeit, denn zum einen kostet es viele Überwindung einen Fremden anzurufen, zum anderen sprechen die Geflüchteten wenig Deutsch, manche auch kein Englisch oder Französisch. Man muss sich also zwischen den Sprachen verständigen. Es kann dann auch immer sein, dass ein Treffen doch nicht stattfinden. Als Gastgeber muss man sich im Klaren sein, dass die eigenen Ängste auch der anderen Seite bestehen.

Zusammen mehr erreichen: Rebecca Richter und die Mannheimer Ortsgruppe des Vereins (Foto: Richter)

Zusammen mehr erreichen: Rebecca Richter und die Mannheimer Ortsgruppe des Vereins (Foto: Richter)

Face2Face: Welche Schwierigkeiten kennt ihr denn noch?
Rebecca: Als Gastgeber musst du dich darauf einstellen, dass vor allem junge Männer kommen. Junge Frauen kommen selten und nicht ohne Begleitung. Familien gehen wieder etwas eher. Du kannst aber auf der Seite etwas über dich schreiben und die Gäste suchen dich dann schon nach Gemeinsamkeiten aus. Am besten klappen Gruppentreffen. Und auch wenn jemand die Gäste nicht gleich in seine vier Wände einladen will, ist das kein Problem. In Mannheim bietet sich der Luisenpark an oder ein Treffen in den Quadraten.

Face2Face: Und was ist jetzt eure Aufgabe dabei?
Rebecca: Grundsätzlich ist es so, dass wir potentielle Gäste und Gastgeber akquirieren müssen. Das eine ist einfacher als das andere. In Freiburg haben wir die Erfahrung gemacht, dass viele Geflüchteten irgendwie Zugang zu Internet haben. Gerade Syrien ist ja eigentlich ein hochentwickeltes Land. In Mannheim aber ist es gar nicht so einfach, an Gäste heranzukommen. Wir kommen schon in die Kasernen rein, aber die Menschen dort sind nur relativ kurz hier und werden dann weiter verteilt. Sinnvoller ist es, wenn wir an Geflüchtete kommen, die bereits Wohnungen haben und anfangen, sich zu integrieren. Wir wollen dabei keine Hilfsorganisation sein, sondern den Austausch auf Augenhöhe zu ermöglichen, wir sehen das so, dass wir den Deutschen genauso helfen wie den Geflüchteten.

Zusammen essen gibt es außerdem bereits in Marburg, Leipzig und Freißingen. In Mannheim wird das Projekt am Samstag, den 02. Juli 2016 um 16 Uhr in der Orientalischen Musikakademie Mannheim offiziell gestartet.

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Über Eva-Maria Obermann

Jahrgang 1987. In Schifferstadt aufgewachsen, bestand sie im Mai 2012 den Bachelor of Arts mit Auszeichnung und beendet aktuell ihr Master-Studium an der Universität Mannheim. Ihr Gedichtband „Seelentropfen – 100 Gedichte“ erschien 2009, ihr Kinderbuch „In Mamas Bauch“ 2010. 2013 veröffentlichte sie die Sammlung „DichterZusammen“ als Mitherausgeberin und -autorin und ist außerdem in einigen Anthologien vertreten. 2017 erscheint ihr Fantasy-Roman "Zeitlose - Simeons Rückkehr" sowie ihr Liebesroman "Ellas Schmetterlinge". Sie schreibt für das „Schifferstadter Tagblatt“ und ihren Blog „Schreibtrieb“. Die dreifache Mutter ist seit 2012 verheiratet und hat auch schon für das dm-Glückskind-Magazin geschrieben. Für die Kolumne von Face2Face verfasst sie seit der Gründung Beiträge und genießt dabei die Themenvielfalt und den freien Stil. Als Rubrikenleiterin organisiert sie Themenfindung und -verteilung. Im Lektorat arbeitet sie mit mehreren Autoren und ihren vielseitigen Themen zusammen.

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