Welcome to the Jungle

Ein stechender Schmerz in meinem Kopf zwingt mich dazu, meine Augen zu öffnen. Ich fasse mir an die Schläfe. Meine Hände sind mit schwarzem Lack besprenkelt. Unter meinen Fingernägeln findet sich das halbe Farbspektrum eines Regenbogens wieder. Bei einem Tablettenfrühstück in Form von Maaloxan und Dolormin verlese ich biedermeierliche Weltschmerzpoetik.

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Prägen die Szenerie: Bauschutt und Absperrband (Foto: Privat)

Retrospektive: Wir befinden uns irgendwo in der Speyrer Innenstadt – irgendjemand feiert eine Party. Wir kennen jemanden, der jemanden kennt und so weiter – man kennt das ja. Vor einem unscheinbaren Haus machen wir Halt. „Zur Party“ steht auf einer ausgehängten Tür, die auf dem vermeintlichen Boden liegt. Erst beim Überschreiten der Türschwelle fällt uns der klaffende Abgrund auf, der sich unter der Tür als provisorische Brücke befindet. Ein Schutthaufen versperrt uns die Sicht. Dahinter befinden sich leere Zimmerfluchten, ein kafkaeskes Wirrwarr aus Durchgangszimmern und abgetretenen Treppenstufen in weitere Stockwerke. Auf dem Dachboden eine 80er Jahre Motiv-Tapete, getüncht in rötliches Zwielicht. Ein lebensgroßer Posterausschnitt von Frank Zappa strahlt uns, in Unterhosen bekleidet, von der Wand aus an.

Überall im Haus tummeln sich Menschen, und ergießen sich in kreativer Destruktion. „Kick here“, steht an der merklich von Fußtritten mitgenommenen Wand. Daneben: Ein steht ein Affe mit übergroßem Schweif und Penis. Phallussymbolik überall – „Fuck U“ lautet der schonungslose Gruß auf der Fensterscheibe an die Außenwelt.

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Ein wiederkehrendes Motiv: Ein Phallus schmückt die Wand (Foto: Privat)

 Im ersten Obergeschoss ist die Party in vollem Gange. Gut dreißig Menschen tanzen zu dem Song „Aerials“ von der Band System Of A Down. Spekulationen über einen Mord in jüngster Vergangenheit machen ebenso die Runde, wie Gerüchte über den „Gender-Trouble“ des DJs. Die Badewanne, in der eine Frau ihren Mann erstochen haben soll, bietet uns an diesem Abend kühle Erfrischung in Form von alkoholischen Getränken. Der Dachboden des Abrisshauses wird kurzerhand zur Trinkspielarena erklärt. Die suboptimalen räumlichen Verhältnisse konfrontieren die Spieler mit Schmutz auf den Handflächen und Spinnweben in den Haaren. Im Mayhem-Raum erfahren die Spiele eine Fortsetzung. Eine Flasche, ein Würfel und eine Friedenspfeife zirkulieren unter den Mitspielern. Für demokratische Abstimmungen sorgt das „Schnick-Schnack-Schnuck“-Verfahren. Der Brunnen ist dabei keine zulässige Geste.

Das Haus fällt – einer Sandburg gleichend – der infantilen Zerstörungswut zum Opfer. In unbestimmter Zukunft werden Abrissbirnen das vollenden, was wir an diesem Abend begonnen haben. Unser Kunstprojekt kann nur in dieser ephemeren Gegenwelt existieren.

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