Was wurde aus #regrettingmotherhood?

Im letzten Frühjahr entfachte eine kleine Studie aus Israel einen Flächenbrand in den Medien und überflutete die sozialen Medien mit dem Stichwort #regrettingmotherhood. Nun ist das Buch zur Studie von Orna Donath im Knaus Verlag erschienen und gibt nicht nur einen tieferen Einblick in die Studie und die tatsächlichen Aussagen der befragen Frauen, sondern liefert auch einen wichtigen Meilenstein in der Debatte um Mutterschaft.

Frauen werden Mütter

Regretting Motherhood von Orna Donath (© Knaus Verlag)

Regretting Motherhood von Orna Donath (© Knaus Verlag)

Was sich banal und selbstverständlich anhört, belastet viele Mädchen früh: Frauen werden Mütter. Dieser Satz beinhaltet doch bereit die große Übereinstimmung darin, dass die Frau ihre biologische Möglichkeit, ein Kind zu gebären, auch in die Tat umzusetzen hat. Schnell gesagte Sätze wie „Ich möchte keine Kinder“, werden schnell zu „Ich möchte noch keine Kinder“, nicht nur, weil der biologische Druck mit dem Alter wächst, sondern gerade weil die Gesellschaft diese Erwartung immer wieder steigert. Die Debatte um Vereinbarkeit von Karriere und Beruf, die vom Grundsatz her Entlastung sucht, verschärft die Forderung bereits an junge Frauen, Mutter zu werden. Erst letztes Wochenende kam ich mit einer in die Jahre gekommene Frauenrechtlerin ins Gespräch, die glaubte, heute sei es ein Leichtes, Kinder und Beruf zu vereinen. Dass sie selbst dabei nur von der Mutter sprach, den Vater ausklammerte und damit die Notwendigkeit von beiden Eltern, Kindererziehung zu übernehmen, verkannte, merkte sie dabei nicht. Frauen werden dazu angehalten, nicht mehr nur einhundert Prozent Mutter zu sein, sondern auch einhundert Prozent im Beruf zu geben.

Mutter macht es falsch

Die nicht repräsentative Studie, die Orna Donath in Israel durchgeführt hat befasst sich nun mit solchen Frauen, die sich dem Druck der Gesellschaft gefügt und hinterher nicht das versprochene Glück gefunden haben. Diese Frauen bereuen die Mutterschaft, selbst wenn sie ihre Kinder lieben. Für die meisten bedeutete das Muttersein dabei den eigenen Beruf aufzugeben, zusätzlich zur permanenten Verantwortung für ein anderes Lebewesen. Ein Punkt, der, so glaubte eben auch die ältere Frauenrechtlerin, heute in unserem Land nicht mehr ins Gewicht fällt. Aber ist das so? Wir Mütter werden zwar angehalten, zu arbeiten, scheinbar unterstützt mit Kindertagesstätten und Ganztagesschulen, aber das System ist weder fehlerfrei, noch ideal. Schulen wie Kindergärten klagen über Geldmangel. Wir sollen unsere Kinder der Aufsicht von überlastetem Personal geben, das schlicht oft keine Zeit hat, sich angemessen um die Kinder zu kümmern. Ganztagesschulen bieten nachmittags teilweise nicht mehr an, als eine Betreuung. Die Kinder kommen am Abend nach Hause und brüten dann noch über ihren Büchern. Und wir Mütter machen es falsch, egal wie. Bei meiner Tochter wurde mir der KiTa-Platz ab eins vorgeworfen. So jemand solle doch keine Kinder bekommen, wenn er sie sofort abschiebt. Dass ich nun bei meinem Sohn keinen Platz ergattern konnte, wird mir auch zum Verhängnis. Nun werde ich als unflexibel eingestuft, die Karriere leidet.

Der fremde Blick

Frauen werden Mütter. Das gibt uns unser Umwelt vor (© Salih Ucar / pixelio.de)

Frauen werden Mütter. Das gibt uns unser Umwelt vor (© Salih Ucar / pixelio.de)

Diese Worte, dieser fremde Blick ist es, der uns bedrängt. Ich habe weder meine Tochter vernachlässigt, noch bin ich unflexibel. Ich habe ein breites Netzwerk, das mir zur Seite steht. Ich bin nicht alleine Eltern und mache alleine keine Familie aus. Dennoch bringt meine Umwelt mir das Verständnis entgegen, dass nur ich mich um meine Kinder kümmern könnte. „Und deine Kinder halten es bei ihrem Vater so lange aus?“ „Und wo sind deine Kinder jetzt?“ „Und wer passt auf die Kinder auf`?“ Ich könnte ein tägliches Bingo mit solchen Sätzen veranstalten, die einer Mutter, taucht sie kinderlos auf, um die Ohren gehauen werden und würde immer gewinnen. Wir alle – da nehme ich mich nicht heraus – müssen lernen, aufzuhören, die Frau als Mutter zu sehen und lernen, die Mutter als Frau zu sehen. Als Mensch mit Facetten.

Vorschau: In zwei Wochen geht es hier bei mir um TTIP und die Frage, was das eigentlich ist.

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Über Eva-Maria Obermann

Jahrgang 1987. In Schifferstadt aufgewachsen, bestand sie im Mai 2012 den Bachelor of Arts mit Auszeichnung und beendet aktuell ihr Master-Studium an der Universität Mannheim. Ihr Gedichtband „Seelentropfen – 100 Gedichte“ erschien 2009, ihr Kinderbuch „In Mamas Bauch“ 2010. 2013 veröffentlichte sie die Sammlung „DichterZusammen“ als Mitherausgeberin und -autorin und ist außerdem in einigen Anthologien vertreten. 2017 erscheint ihr Fantasy-Roman "Zeitlose - Simeons Rückkehr" sowie ihr Liebesroman "Ellas Schmetterlinge". Sie schreibt für das „Schifferstadter Tagblatt“ und ihren Blog „Schreibtrieb“. Die dreifache Mutter ist seit 2012 verheiratet und hat auch schon für das dm-Glückskind-Magazin geschrieben. Für die Kolumne von Face2Face verfasst sie seit der Gründung Beiträge und genießt dabei die Themenvielfalt und den freien Stil. Als Rubrikenleiterin organisiert sie Themenfindung und -verteilung. Im Lektorat arbeitet sie mit mehreren Autoren und ihren vielseitigen Themen zusammen.

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