Kleiderständer?! – Selbstversuch Fotomodel

Fotograf beim Face2Face-Selbstversuch: Holger Thomas (Foto: Stefan Engler)

Fotograf beim Face2Face-Selbstversuch: Holger Thomas (Foto: Stefan Engler)

„Entweder du wirst mal Journalistin oder aber Model“ – das sagte einmal ein Kumpel zu mir. Obwohl ich mich durchaus geschmeichelt fühlte, war meine Antwort darauf: „Ich und modeln? Wohl eher nicht.“ Der Gedanke daran, einmal als Journalistin zu arbeiten, ließ mich so schnell allerdings nicht wieder los…

Dass mir dieses Gespräch ausgerechnet jetzt in den Kopf kommt, wo ich vor einem beleuchteten Spiegel sitze und mich für das anschließende Fotoshooting frisieren und schminken lasse, ist kein Wunder. Denn heute starte ich meinen Selbstversuch Fotomodel.

Kleiderständer spielen, nichtssagend in die Gegend grinsen, fürs Rumstehen bezahlt werden – es gibt so einiges an Vorurteilen über Models und genau diesen Vorurteilen werde ich heute auf den Grund gehen. An meiner Seite: Visagistin Natascha Pfeifer alias Zauberpinselchen und Fotograf Holger Thomas. Beide keine Unbekannten für mich – schließlich zauberte mir Natascha im Selbstversuch Bodypainting bereits eine eindrucksvolle Schildkröte auf den Rücken und Holger hielt das fotografisch fest.

Wie fühlt man sich eigentlich als Model? Das testet Face2Face-Chefredakteurin Tatjana heute (Foto: Fotoshooting-Mannheim.de)

Wie fühlt man sich eigentlich als Model? Das testete Face2Face-Chefredakteurin Tatjana für euch (Foto: Fotoshooting-Mannheim.de)

Heute allerdings soll ich ein bisschen mehr machen, als mich anmalen zu lassen und möglichst mit dem Rücken zur Kamera zu stehen. Heute soll ich das Model mimen und befürchte – wie sich später herausstellen soll, zu Recht – dass es mit ein bisschen Gegrinse nicht getan ist.

Während mir Natascha für den Beachlook die Haare zu zwei lockeren Zöpfen flicht und Muschelketten hineinbindet, möchte ich von Holger wissen, wie eine Frau sein muss, um sich als Model zu eignen. „Nach mehrjähriger Erfahrung sind mir primär Zuverlässigkeit und Verantwortung wichtig“, erklärt der 48-Jährige, „bezüglich des Aussehens muss ich sagen, dass meiner Meinung nach ein guter Fotograf aus jeder Person etwas ausschöpfen können sollte. Die Kunst besteht darin, aus jedem etwas heraus zu kitzeln, sodass man das Besondere in ihm erkennt.“ Damit lastet die Verantwortung für das Gelingen des Shootings wenigstens nicht mehr zu 100 Prozent auf meinen Schultern, denke ich mir und lehne mich entspannt zurück, während mir Natascha das Gesicht abpudert.

Mit dem Lieblingsoutfit ist man doch gleich viel entspannter: Tatjana im Beachlook (Foto: Fotoshooting-Mannheim.de)

Mit dem Lieblingsoutfit ist man doch gleich viel entspannter: Tatjana im Beachlook (Foto: Fotoshooting-Mannheim.de)

Als es dann allerdings wirklich losgeht, kann ich meine Nervosität kaum noch verstecken. Und das Schlimmste: Man sieht sie mir auf den Fotos auch deutlich an: Verkniffener Mund, unsicherer Blick. Nach fast jedem Schuss zeigt mir Holger das Ergebnis und wir besprechen gemeinsam, was uns gefällt und was ich besser machen kann. So viel Feedback zu bekommen ist schon einmal hilfreich. Auch das, wovor ich mich am meisten gefürchtet habe, – die „mach einfach mal irgendwas! Begeistere uns!“-Aufforderung á la Germanys next Topmodel – bleibt aus. Stattdessen zeigt mir Holger, der hauptberuflich als Instandhaltungsplaner arbeitet, anschaulich, wie ich posieren soll – und das sorgt nicht nur für ein Sicherheitsgefühl bei mir, sondern auch für den einen oder anderen Lacher. Sein großes Engagement beruht auf der Bedeutung, die das Fotografieren für ihn hat: „Für mich ist es Lebensinhalt und Bestätigung; aber vordergründig das Kennenlernen der Menschen, die Rückmeldung der Menschen, die ich fotografiere. Wenn ein Shooting gelingt, sehe ich Freude und Glück in ihren Augen.“

Und genau diese Freude empfinde ich nach den ersten paar Fotos auch. Mit jedem Outfit schlüpfe ich gleichzeitig auch in eine andere Rolle, fühle mich anders und bewege mich anders. Aber Spaß ist nicht das einzige, das ich mit fortschreitender Zeit spüre: In unbequemen Posen entspannt aussehen, möglichst wenig blinzeln, konzentriert sein – jetzt kann ich zumindest teilweise nachvollziehen, weshalb einige Models „für ein bisschen rumstehen und gut aussehen“ so gut bezahlt werden.

Horror-Outfit-deluxe: Der Totenkopf und Tatjana wurden schnell Freunde (Foto: Fotoshooting-Mannheim.de)

Horror-Outfit-deluxe: Der Totenkopf und Tatjana wurden schnell Freunde (Foto: Fotoshooting-Mannheim.de)

Als ich Natascha und Holger gegen 20.30 Uhr das letzte Outfit – ursprünglich sollten Lederleggings und hohe Hacken eine Art Rock-Outfit-light darstellen – präsentiere, habe die beiden eine Idee, die mich zuerst ein wenig aus dem Konzept bringt. Doch sei es nun dem Anflug von Müdigkeit oder meiner aufkeimenden Experimentierfreudigkeit geschuldet, ich ziehe mit. Und erschrecke mich eine gute halbe Stunde später vor mir selbst: Bauchnabellange, schwarze Locken mit knallroten Strähnchen, dunkel geschminkte Augen und eine schwarze Corsage machen aus meinem Rock-Outfit-light ein Horror-Outfit-deluxe. Wie passend, dass Natascha in ihrem Fundus noch einen Totenkopf findet, mit dem ich dann posieren darf…

Nach den schwarz-roten Haarteilen ist dann natürlich auch noch eine blonde Barockperücke dran und ich mache erstmalig Bekanntschaft mit aufklebbaren Wimpern, die zwar grandios aussehen, es mir aber schier unmöglich machen, die Augen offen zu halten. Wie schaffen es die Mädels, die sowas täglich tragen, nur nicht dauerhaft mit Schlafzimmerblick in die Welt hinaus zu schauen?

Kurz nach 22 Uhr ist dann alles im Kasten: Sechs verschiedene Looks, drei verschiedene Haarfarben, zwei durchgeknallte Künstler und eine erschöpfte, aber glückliche Journalistin.

Ungewohnter Anblick: Face2Face-Chefredakteurin Tatjana mit blonder Barock-Perücke (Foto: Fotoshooting-Mannheim.de)

Ungewohnter Anblick: Tatjana mit blonder Barock-Perücke (Foto: Fotoshooting-Mannheim.de)

Wie habe ich mich nun aber bei meinem ersten professionellen Fotoshooting angestellt, lieber Holger? „Um ehrlich zu sein, war es mit dir wirklich sehr leicht. Es hat schlicht und ergreifend gepasst und sehr viel Spaß gemacht.“ Na, wenn das mal nicht ein gelungener Abschluss für einen spannenden Selbstversuch ist…

Mein Fazit: Modeln ist alles andere als Kleiderständer spielen, es erfordert Disziplin und Konzentration – aber vor allem macht es riesigen Spaß!

Kontakt:
Fotoshooting Mannheim – Holger Thomas Photographie
0160 95012649
Foto-H.Thomas@directbox.com

Vorschau: Nächsten Dienstag erfahrt ihr im Panorama wo sich der reisende Koffer der Viva con Agua-Organisation gerade befindet und welche Ziele noch vor ihm liegen.

 

Vergängliche Kunst – Selbstversuch Bodypainting

Wilde Löwen, blutrünstige Vampire, farbenfrohe Schmetterlinge – es gibt nichts, was Natascha Pfeifer alias „Zauberpinselchen“ nicht zeichnen kann. Das Besondere: Sie malt nicht auf Papier, sondern auf menschlicher Haut. Und heute bin ich ihr „Opfer“.

Eine Wasserschildkröte auf dem Rücken soll es werden. Ich bin zugegebenermaßen ein wenig nervös – schließlich lässt man nicht jeden Tag eine nahezu fremde Person so nahe an sich heran. Außerdem habe ich mit Ausnahme von Lidschatten bisher recht wenig mit Farben auf meiner Haut experimentiert. Doch die anfängliche Aufregung wird mir schnell genommen – um genau zu sein in dem Moment als sich die Tür öffnet und mir ein winziges Hündchen entgegenspringt.

Hier ist ein Profi am Werk: Das Schildkröten-Bodypainting  der Face2Face-Chefredakteurin entsteht (Foto: Holger Thomas)

„Hallo“, begrüßt mich die Frau in der Tür in einem zwanglosen Ton, „das ist Maya, unser Security, und ich bin Natascha.“ Nachdem ich mich ebenfalls vorgestellt habe, zeigt mir Natascha ihren Fundus. In einem kleinen Raum im Anschluss an das Fotostudio ihres Studiopartners Holger Thomas, den ich später an diesem Tag noch kennenlernen sollte, reihen sich Perücken in den verschiedensten Formen und Farben – von der strubbeligen, roten Turmfrisur bis hin zum platinblonden Bob ist alles dabei –, Feder-Kopfschmuck und aus Schaumstoff gefertigte, lebensecht wirkende Tier-Requisiten aneinander.

„Wie du siehst, bin ich auf alle Eventualitäten vorbereitet“, sagt die 42-Jährige lächelnd, „aber nun zu dir! Legen wir los!“ Und schon sitze ich auf einem Stuhl und Natascha beginnt mit dem Painting. Ein wenig seltsam ist es schon, wenn einem plötzlich jemand mit tupfenden Bewegungen ein Türkis-Blau auf den Rücken aufträgt. Das soll das Meer darstellen, in dem später einmal eine Schildkröte herumschwimmen soll.

Möchte immer mit von der Partie sein: Hündin Maya liebt es fotografiert zu werden (Foto: Holger Thomas)

Aber ich fühle mich dennoch gut aufgehoben: Nicht nur, weil meine Aufregung vor dem Neuen durch die offene und freundliche Art der Face- und Bodypainterin sofort verfliegt, sondern auch weil sie bereits eine renommierte Künstlerin in der Bodypainting-Szene Mannheims ist. 2009 begann die ausgebildete Kosmetikerin und Nageldesignerin mit Kinderschminken. „Mich juckte es damals schon in den Fingern mal ein Bodypainting zu machen und als sich dann mein bester Freund Marco als Model anbot, haben wir direkt losgelegt“, erzählt sie. Ein kleiner, blauer Pfeilgiftfrosch läutete den Beginn von Nataschas Bodypainting-Laufbahn ein. Kurz darauf bemalte sie Marco für den Mannheimer Christopher Street Day zur Hälfte als Engel, zur anderen Hälfte als Teufel. „Er ist aufgefallen und stand im Mittelpunk – genauso wie er es sich gewünscht hat“, berichtet Natascha, „und ich bin heute noch glücklich, dass ich ihm diesen Wunsch erfüllen konnte. Es war unvergesslich.“

Einige ihrer Werke wurden bereits im „Illusion“, einem Fachmagazin für Bodypainter mit einer weltweiten Auflage, veröffentlicht, erzählt sie. „Im TV hat man schon einiges von uns – mir, meinen Models und Fotografen – gesehen und auch in der Zeitung waren wir schon. Das ist für mich eine große Ehre!“, so die 42-Jährige stolz.

Ist begeistert von ihrem Bodypainting: Face2Face-Chefredakteurin Tatjana Gartner (Foto: Holger Thomas)

Und auch ich werde immer stolzer je detailreicher das Bild auf meinem Rücken wird. Nach zwei Stunden tummeln sich dank Nataschas filigraner Pinselkunst unterschiedliche Brauntöne auf dem Panzer meiner Schildkröte, ihr Auge bekommt ein dunkles Smaragdgrün. Den Feinschliff erledigt die Face- und Bodypainterin mit einer Airbrushpistole. Schwarze und weiße Schattierungen lassen die Schildkröte dreidimensional erscheinen. „Und? Gefällt sie dir?“, fragt mich Natascha neugierig als ich mich sprachlos im Spiegel betrachte. „Ja, ist richtig toll geworden“ – mehr bringe ich in diesem Moment nicht heraus. Die Wahrheit ist: Ich hätte niemals erwartet, dass es so großartige werden würde – mein erstes Bodypainting. Dafür hat sich das dreistündige Stillsitzen eindeutig gelohnt!

Jetzt muss das Kunstwerk aber natürlich auch noch für die Ewigkeit festgehalten werden. Dafür zuständig ist der bereits erwähnte Fotograf Holger Thomas. Er ist seit 25 Jahren als Fotograf tätig und teilt sich das Studio mit Natascha. Ähnlich wie sie macht er einen sehr umgänglichen und unkomplizierten Eindruck. Zu meiner großen Erleichterung erklärt er mir auch ganz genau und sehr geduldig wie ich mich hinstellen und gucken soll – schließlich sollen die Face2Face-Leser ja nur meine Schokoladenseite zu sehen bekommen…

Vergängliche Kunst: Zweimal wischen und schon ist das Bodypainting verschwunden (Foto: Holger Thomas)

Obwohl sich der gefürchtete Schlafzimmerblick durch das ungewohnte Blitzlichtgewitter nicht bei jedem Schuss vermeiden lässt, ist die Ausbeute am Ende doch mehr als zufriedenstellend, wie ihr, liebe Leser, hoffentlich bestätigen könnt. Spaß hat das Shooting in jedem Fall gemacht, vor allem weil die kleine Chihuahua-Hündin Maya noch lieber mit Amateur-Models wie mir fotografiert wird als sich von ihrer Besitzerin mit Leckerlies bestechen zu lassen.

Am Ende eines spannenden und lustigen Nachmittags genügt ein zweimaliges Wischen mit einem nassen Tuch und die in stundenlanger Feinarbeit gezeichnete Schildkröte gehört der Vergangenheit an. Bodypainting ist eben vergängliche Kunst…

Das letzte Wort soll jedoch die Face- und Bodypainterin selbst haben: „Bodypainting ist eine so  facettenreiche Kunst und es gibt so viele, tolle Künstler in diesem Bereich. Jeder Bodypainter legt Herzblut in seine Werke und daher ist jedes Kunstwerk schön – ob es gefällt liegt alleine im  Auge des Betrachters.“

Kontakt:
Natascha Pfeifer – professionelles Face- und Bodypainting
Casterfeldstraße 48
Telefon: 0621 / 8191928
Homepage: www.zauberpinselchen.de
E-Mail: info@zauberpinselchen.de

Holger Thomas – Photografie
Casterfeldstraße 48
Telefon: 016095012649
Homepage: www.fotoshooting-mannheim.de
E-Mail: foto-h.thomas@directbox.com

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