Endlich und nie wieder – das eigene Haus

Ein Haus voller Kartons: Nach dem Umzug muss erst alles seinen Platz finden (©Rainer Sturm / pixelio.de)

Ein Haus voller Kartons: Nach dem Umzug muss erst alles seinen Platz finden (©Rainer Sturm / pixelio.de)

Seit einigen Wochen lebe ich inmitten von Kartons. Meine frische Wäsche hole ich aus einem Korb, die großen Teller habe ich noch nicht gefunden, zum Schreiben dieses Artikels habe ich mir das Ladegerät meiner Mutter geliehen, weil meines noch verschollen ist, der Laptop zum Glück nicht. Ich bin im Umzug, erraten. Im letzten Monat habe ich eingepackt, aussortiert, renoviert, geplant, gehoben, getragen, abgestellt – und nur das wenigsten wieder ausgepackt. Ab ins Eigenheim dachten mein Mann und ich uns. Heute denken wir: Nie wieder!

Schuld daran mag die magische Zahl drei haben, die sich im Alter meines Mannes an vorderste Stelle geschoben hat und uns demnächst was die Anzahl unseres Nachwuchses betrifft entgegenkommt. Das passende Objekt haben wir nach langem Suchen, der Überlegung zu Bauen und dem Durchstöbern tausender Inserate gefunden. Dann begann ES. Das Verhandeln um den Preis, das Verhandeln mit der Bank, das Verhandeln um Termine, den Druck hier, die Nachfrage da. Jeder meinte etwas anderes zu brauchen und zu wollen, Makler, Verkäufer und Bank, und wir, die wir noch nie ein Haus gekauft hatten, wussten nicht, wer recht hatte. Und Erklärungen gibt es wie Sand am Meer, zur Genüge und in allen möglichen Formen. Schon da schwand unser Enthusiasmus. Die Bürokratie stellte Stolpersteine und eigentlich wollten wir einfach nur in unser Haus.

Stress pur: Der Weg zum eigenen Haus ist lang und voller Stolpersteine (©jelep / pixelio.de)

Stress pur: Der Weg zum eigenen Haus ist lang und voller Stolpersteine (©jelep / pixelio.de)

Im Stress der vergangenen Wochen haben wir beide an Gewicht verloren. Nicht besonders praktisch bei dem ohnehin schon stressigen Beruf meines Mannes und dem achten Schwangerschaftsmonat, der sich nun schon sehr gemächlich dem Ende neigt. Jeden Tag kam ein neues Problem hinzu. Während das Dach neu gemacht wurde, tropfte es bei Regen in mehrere Zimmer, ein Problem an der Heizung ist nicht, wie vorher abgesprochen, behoben wurden, die Küche kommt erst Ende Oktober, die Türen vom neuen Schlafzimmerschrank waren kaputt. Die Liste ließe sich fortsetzten. Manchmal will ich einfach nur wegrennen, mich verkriechen, vorspulen, bis alles überstanden ist. Denn das ist es doch irgendwann, oder?

Gleichzeitig bleibt doch die Gewissheit, einen wichtigen Schritt getan zu haben. Ein Eigenheim ist heute für viele nicht mehr selbstverständlich oder gar erstrebenswert. Gerade jüngere Menschen ziehen die Ungebundenheit einer Mietwohnung vor, berufliche und private Flexibilität rücken dabei in den Vordergrund. Städte- oder gar Länderwechsel sind so kein Problem. Und mal ehrlich, ist so ein eigenes Haus mit Garten nicht in der Kleinstadt nicht furchtbar spießig? Mit Sicherheit ist es auch das. Aber eben genau das bietet es auch: Sicherheit. Wir sind nicht mehr auf Vermieter und deren Meinungen angewiesen. Und kann nicht nach Jahren gekündigt werden und wir müssen etwas Neues suchen, wie ich es schon bei vielen erlebt habe. Statt Miete zahlen wir die nächsten Jahre Darlehen – und eines schönen Tages sind wir damit durch.

Endlich: das eigene Haus bietet Vorteile, die sich lohnen (©lichtkunst.73 / pixelio.de)

Endlich: das eigene Haus bietet Vorteile, die sich lohnen (©lichtkunst.73 / pixelio.de)

Vielleicht schaffe ich es bis dahin auch, die Schränke aufzustellen, das Büro einzurichten und meine neue Leseecke einzuweihen. Vielleicht, ganz so sicher bin ich mir da nicht. Immerhin habe ich einen Kellerraum, in dem irgendwo mein Föhn sein muss, der aber von vorne bis hinten so zugestellt ist, dass ich an nichts mehr rankomme. Einen neuen Föhn zu kaufen wäre da wohl die sinnvollere Variante. Und auf der Matratze schläft es sich eigentlich auch nicht schlecht, wer braucht da schon ein Bettgestell? Endlich haben wir es in die eigenen vier Wände geschafft und noch einmal machen wir die Aktion nicht mit. Nie wieder Miete, nie wieder umziehen, nie wieder Hauskauf – endlich.

Vorschau: Sascha erklärt euch hier nächste Woche, warum unsere Gesellschaft Lügen braucht, um zu funktionieren.

Allein, aber nicht einsam – von der heilsamen Wirkung des „me, myself and I“

Morgens wach werden, Kaffee aufsetzen, Kühlschrank öffnen, Joghurt herausfischen, Frühstücken – ein Tag, wie er ereignisloser nicht beginnen könnte. Das gilt ganz besonders dann, wenn Schlafzimmerbett und Esstisch nur knappe zwei Meter auseinanderliegen. Seit meinem kürzlichen Umzug in die erste, eigene Wohnung und dem damit einhergehenden Abschied vom WG-Leben befinde ich mich immer häufiger in meiner eigenen Gesellschaft. Und wie ich herausgefunden habe, ist die manchmal Gold wert gegenüber großen Tafelrunden und rauschenden Parties in Großraumdiskotheken.

Habe ich mich damit vom geselligen Herdentier zum Eremiten entwickelt? – mitnichten. Noch immer bin ich tagein, tagaus mehr oder weniger beschäftigt, ob bei der Arbeit oder bei aufregenden Aktivitäten nach Feierabend. Doch wenn ich einmal auf dem Heimweg bin, freue ich mich von Herzen auf die Ruhe nach dem Sturm. Die Tür aufschließen, den Geruch des eigenen Parfums oder des versehentlich liegengelassenen, offenen Müllbeutels die Nase kitzeln lassen und sich dann ganz den eigenen verschrobenen Ritualen widmen: Das kann stundenlanges Anlächeln des eigenen Spiegelbildes oder das Aufreihen des Bücherregalinhalts der Größe oder Farbe nach sein.

Bank

Auf die lange Bank geschoben: Das Zwiegespräch mit dem eigenen Ich (Foto: C.Gartner)

Das klingt alles reichlich danach, als wüsste ich mit mir selbst nichts anzufangen und würde mich daher in selbstgewählte Beschäftigungstherapie begeben. In Wahrheit jedoch empfinde ich solche unsinnigen Aktivitäten als höchst erholsam. Stumpfsinnig, aber irgendwie wahnsinnig entspannend für den Geist. Sind es doch Tätigkeiten, die meine volle Konzentration erfordern, wenn ich ihnen nachgehe, damit beim Duschen nicht etwa Seifenreste unter den Achseln zurückbleiben. Tatsache ist, dass ich es mir erlauben kann, in meinem persönlichen Exil ganz ich selbst zu sein, ohne von Mitbewohnern in flagranti beim Nutella-Löffeln im vollgekleckerten Pyjama erwischt zu werden. Das ist eine neugewonnene Freiheit, derer ich mir zuvor nicht bewusst gewesen bin, zumal sie noch vor einiger Zeit allein finanziell in weiter Ferne lag. Ganz zu schweigen von der Angst vor Konfrontation mit der vermeintlichen Einsamkeit.

Diese Angst ist heutzutage wahrscheinlich mit einer Volkskrankheit vergleichbar. Im Zeitalter von social networking und ständiger Erreichbarkeit scheinen wir den Fokus immer mehr nach außen und immer weniger in unser Inneres hinein zu richten. Öffentliche Präsenz oder mit anderen Worten das Bild, was wir anderen von uns vermitteln möchten, ist in großen Teilen steuerbar. Allein mittels Facebook können wir etwas darstellen, was wir nur allzu gern wären – besonders kreativ, humorvoll oder extravagant zum Beispiel. Uns selbst gegenüber funktioniert das nicht so leicht. Wir können uns nichts vormachen, sondern haben einzig die Wahl zwischen der Akzeptanz dessen, was wir sind oder seiner Verneinung.

Wozu letztere Variante konsekutiv führen würde, ist abzusehen. Wir behaften uns selbst mit Komplexen, weil wir neidisch auf diejenigen sind, denen wir nacheifern, die vermeintlich das haben, wonach wir uns sehnen. Wir wollen uns selbst entkommen, weil wir unzufrieden sind, aber andererseits nicht ausreichend bereit, an uns zu arbeiten und schrittweise das zu eliminieren, was wir für unsere Schwierigkeiten verantwortlich machen. Eben weil wir Angst vor der Konfrontation mit dem Ich haben, das unser größter Kritiker und unser liebster Mensch zugleich ist.

Fischschwarm

In medias res: Wir sind meistens in Gesellschaft – nur nicht immer auch in Bester (Foto: Perlowa)

Tief in uns drinnen nämlich haben wir uns selbst furchtbar gern und scheuen daher, mit diesem Ego ins Gericht zu gehen, es zu hinterfragen und darin herumzuwühlen. Lieber betäuben wir uns mit allem, was uns vor die Flinte läuft – leider gibt es auf dem Gebiet auch menschliche Sedativa, die nur dazu dienen, uns zu bespaßen, uns abzulenken und damit das zu kompensieren, was wir Einsamkeit schimpfen. „Einsamkeit“, das ist streng genommen Definitionssache. Wir sagen, alte Menschen wären einsam, wenn sie niemanden als sich selbst haben, weil ihren Partner und Freunde unter den Händen weggestorben sind und sie eigentlich nur die nächsten sind, die auf dem Sofa den Sensenmann erwarten. Wir halten uns selbst für einsam, wenn wir Single sind, sprich niemanden haben, der sein Leben mit uns teilt. Im Umkehrschluss teilen wir damit aber auch unser Leben mit niemandem, was bedeutet, dass wir uns selbst zur Abwechslung die ungeteilte Aufmerksamkeit schenken können. Wenn wir nur wollen. Wenn wir das Alleinsein als das nehmen, was es oftmals ist: Zeit, um sich zu sammeln, seine Ziele neu zu stecken, zur Ruhe zu kommen, sich auf das zu besinnen, was zählt. Fehler zu überdenken und aus ihnen zu lernen. Und wann könnte man das alles besser als singend unter der Dusche oder beim Sortieren seines Büchersammelsuriums?

Zusammen ist man weniger allein – Willkommen im WG-Leben!

Wie sehnsüchtig habe ich den Moment der Einschulung damals erwartet. Schließlich hatte ich vom Kindergarten gegen Ende die Schnauze reichlich voll und wollte nicht einen Tag länger Mittagsschlaf neben zwanzig anderen Windelpupsern halten als nötig. Bevor es so weit war, sah mein Mini-Me sich jedoch gezwungen, hin und wieder gegen das System zu rebellieren, was sich zumeist in morgendlichem Versteckspielen vor meiner Mutter äußerte. Jedes Mal aufs Neue erstaunte es mich, in welch kurzer Zeit sie mein Geheimversteck – hinter dem Sofa hatte ich mich stets wie Iron Man in seiner Werkstatt gefühlt – entlarven konnte und mich schlussendlich an der Hand an den mir längst verhasst gewordenen Ort beförderte.

Als die mit unbändiger Vorfreude ersehnte Schulzeit endlich anbrach, wünschte ich mich allerdings nicht selten zurück in jene Kinderstube, die mich mit unbegrenzter Freizeit und Beihilfe auf dem Töpfchen verwöhnte. Ganz ähnlich verhielt es sich, als der Schulabschluss kurz bevor und ich somit vor der Entscheidung stand, wie es mit meinem – bis dahin nur mäßig selbstständigen Leben – weitergehen sollte: mit dem Unterschied, dass anstelle vom Lätzchen jetzt die Sorglosigkeit stand, die ich in der nächsten Zeit nur allzu bald aufgeben würde.

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Aller Anfang als schwer: Flügge zu werden bringt einige Herausforderungen mit sich. (Foto: C.Gartner)

Ich räume ein, dass die Bedingungen, unter denen ich auszog, um das Leben zu lernen, ziemlich zu meinem Vorteil ausfielen: Eine Wohnung in neiderregender Lage, die ich wider Erwarten direkt mein gemietetes Eigen nennen konnte. Hinzu kamen drei Mitbewohnerinnen, denen ich mich sogleich verbunden fühlte. Nichtsdestotrotz war ich mir der Tatsache von Beginn an bewusst, dass ich im gesamten Mietshaus das Küken und somit Hauptverdächtige bei sämtlichen Aus-, Un- und Vermissten-Fällen sein würde. Erstmals bestätigte sich letztere Vermutung, als das Gemeinschaftsgut Staubsauger für mehrere Tage spurlos verschwand. Wenn nun aber mein Frühjahrsputz ganz zufällig mit der heißen Klausurenphase kollidiert, bleibt für das Zurückstellen eines gewissen Haushaltsgeräts auch beileibe keine Zeit mehr! Daheim bei Mutti jedenfalls wurden früher im Treppenhaus nicht direkt verärgerte Vermisstenanzeigen aufgegeben, wenn mal etwas vergleichbar wichtiges, etwa Perlenohrstecker in ihrem Schmuckkästchen, fehlte. Es galt also, sich radikal umzugewöhnen, sprich entweder zu gestehen – ich kann erfahrungsgemäß nicht behaupten, dass die Schelte dann je milder ausgefallen wäre – oder anfängliche Faux-Pas miverschweigen beziehungsweise im Falle einer Konfrontation blütenweiße Unschuld beteuern.

Eine solche Strategie lässt sich allerdings weniger erfolgreich anwenden, wenn es um Extremsituationen in den privaten vier Wänden geht. So lässt sich niemand geringerer als man selbst dafür zur Rechenschaft ziehen, wenn sich das scheinbar harmlose Anwärmen eines Frottee-Handtuchs in der Mikrowelle plötzlich in einen Kleinbrand verwandelt. Ebenso wenig kann man sich als MieterIn aus Schuldzuweisungen herauswinden, wenn die zu ursprünglich wärmeren Füßen beitragende Schuheinlagen bei 600 Watt plötzlich Feuer fangen – nein, ich habe keinen Hang zur Pyromanie, nur einfach unsägliches Pech bei Benutzen der Mikrowelle in meinem Zimmer – und man sich nichts sehnlicher wünscht, als möglichst überzeugend anzugeben: Der Papa/Bruder/Schwester war’s!

Affenfamilie

Ein starkes Team: Im trauten Heim kann man aufeinander zählen. (Foto: T.Gartner)

Ähnlich problematisch wird es, wenn ein penibler Feuermelder beim Braten delikater Schweineschnitzel interveniert und gleich das halbe Haus mitverpflichtet wird, wenn es darum geht, den Ausschalter an diesem verflixten Querulanten ausfindig zu machen. Gerade hier erweisen sich Mitbewohner als unerlässliche Komponenten im Reifeprozess und der Vorbereitung auf das hoffentlich eines Tages unabhängige Erwachsenenleben. Sie sind (aus)-helfende Hand, ob sie Milch für den Kaffee am Morgen borgen oder in Windeseile eingeschäumt und nicht selten schäumend aus dem Badezimmer gehüpft kommen, sobald der Feueralarm wieder einmal ertönt – wo immer es brennt, sie sind als temporärer Mutterersatz, ob wider Willen oder mit größtem Vergnügen, zur Stelle und helfen dem kürzlich erstmals flügge Gewordenen aus der Patsche. Ich kann behaupten, dass meine Wohnsituation die erste Zeit in einer neuen Umgebung mit neuen Hindernissen und Herausforderungen erleichtert und mir über das anfängliche Heimweh hinweggeholfen hat. Wann immer ich mich einsam fühlte, konnte ich schließlich an jemandes Tür klopfen und zu einem Plausch in der Gemeinschaftsküche bitten – eine komfortable Gelegenheit, die ich selbst heute, als alter WG-Hase, gerne noch nutze. Und wenn ich einmal keine Gesellschaft möchte – zum Beispiel, weil ich mich gerade dafür schäme, vor einer ein-wöchigen Abwesenheit am Kühlschrank dämlicher weise den Stecker gezogen und diesen folglich vor sich hinschimmeln gelassen zu haben – verstecke ich mich einfach hinter dem Sofa; so lange, bis Mama anruft und fragt, ob ich heute auch brav an der Uni gewesen, was ich gegessen und ob ich meine Miete für den kommenden Monate schon überwiesen habe.

Vorschau: In der nächsten Woche fragt sich Kolumnist Sascha, ob Männlichkeit und Poesie miteinander vereinbar sind.

Diagnose: Heimscheißer. Symptomatiken des Nach-Hause-Pendlers

Es bedarf keines Arztes, um dieser Tage zu erkennen, welche Krankheit sich bei Studenten aller Fakultäten in extremer Ausprägung eingeschlichen hat: Kaum sind die Semesterferien angebrochen, schon fehlt von den meisten Kommilitonen jede Spur. Wer glaubt, sie wären bloß unterwegs auf reichlich ausgedehnter, für Studenten vermeintlich typischer Kneipentour, der muss sich schnell eines Besseren belehren lassen. Die Damen und Herren befinden sich in ihrem sogenannten „Zuhause“, welches mitnichten mit ihrem „eingetragenen Wohnsitz“ zu verwechseln ist.

 Ich habe mir das Phänomen kürzlich von einer Kommilitonin darlegen lassen – Sie leidet selbst seit Beginn ihres Studiums unter dem von mir spöttisch als „Heimscheißer-Syndrom“  betitelten Drang, an Wochenenden und zu jeder denkbaren Gelegenheit die sieben Sachen zu packen und zurück zu ihrem Elternhaus fahren. Zurück an den Ort des Grauens, würde manch einer behaupten, der sich an den Kleinkrieg vor und in der Abiturphase erinnert, als man es kaum noch erwarten konnte, endlich sein eigener (Haus-)Herr zu sein, sein Geschirr überall stehen und das Zimmer wochenlang ungeputzt zu lassen, ohne den erhobenen Zeigefinger mütterlicherseits fürchten zu müssen. Erstaunlicherweise gibt es allerdings mehr als genug junger Menschen, unter ihnen die besagte Kommilitonin, die den Freitag so ungeduldig erwarten wie Robinson Crusoe.

Heimatliebe: Home is where your heart is.
(Foto: C.Gartner)

Sie jedenfalls erklärte mir, dass „daheim“ dort sei, wo sich ihre Freunde befänden. Das leuchtet natürlich ein. Doch was ist mit all den Studiengefährten, die sie in ihren mittlerweile sage und schreibe zwei Jahren an der Universität kennengelernt hat? Ganz einfach – die machten es ja genauso. Mir drängte sich sogleich die Frage auf, ob sie nicht begreife, dass Freundschaften erst durch gemeinsam verbrachte Zeit, und dazu zählt für mich definitiv besonders die nach den Vorlesungen, wachsen. Wenn sich ihre Interaktionen mit allen aus Langeweile oder Not heraus gebildeten Bekanntschaften nur werktags abspielten, würde es mich nicht wundern, wenn sie ein Leben lang mit den immer gleichen Leuten aus dem Heimatdorf beisammen sitzt und über gute alte Zeiten plaudert – was doch wie 40 Jahre vorgespult klingt; Eindeutig eine Sache, der man sich im Alter widmen sollte, auf Klassentreffen oder bei unregelmäßigen Kaffeekränzchen. Aber jedes Wochenende dieselben Gesichter sehen müssen, mit denen man schon in der Grundschule auf dem Pausenhof schaukeln war? Nein danke, ich verzichte. Ganz offensichtlich bin ich nicht in der Provinz aufgewachsen, wo man sich beim einzigen Bäcker in der einzigen Straße begegnet und, jeden namentlich kennend, in grausigem Dialekt über das Wetter plauscht. Offenbar bin ich tatsächlich eine von denen, die der Auszug und damit das neue, eigenverantwortliche Leben nicht schnell genug ereilen konnte.

Das alles heißt natürlich nicht, dass ich mich nicht auf das Wiedersehen mit alten Schulfreunden oder das Abendessen made by Mutti freue. Es sollte nur eben etwas Besonderes bleiben. Der Alltag, Wochenende und ein Großteil der Semesterferien inklusive, findet hier statt. In der Wohnung, die ich, ganz im Gegensatz zu der Kommilitonin mit Heimscheißer-Marotte, heimelig hergerichtet habe. Die Betonung liegt hier ganz eindeutig auf „heim“! Dort, wo mein Kleiderschrank und mein Bücherregal stehen, wo ich studiere, um zu leben und nicht umgekehrt. Und auch wenn meine Ernährung seit dem Auszug von „Zuhause“ ein einziger McDonalds-Besuch ist: Geschissen wird weiterhin daheim.

Vorschau:  Und in der nächsten Woche meldet sich Kolumnist Sascha mit der Frage nach nützlichem Wissen in der Welt von Google und Co. zu Wort.

Mein junges Leben unter Senioren

Ein häufig anzutreffendes Fortbewegungsmittel bei Senioren: der Rollator (©Rainer Sturm/PIXELIO)

Etwas über drei Jahre ist es her seitdem ich mich vom wohlbehüteten Heim und somit von Mama, Papa und meinem schwäbischen Heimatdorf getrennt habe. Ich, das Nesthäkchen, bin von zuhause ausgezogen. Hallo Freiheit! In eine tolle, lichtdurchflutete Wohnung mit Balkon, schöner Aussicht auf den Stuttgarter Kessel, gutem Anschluss und in begehrter Wohnlage. Alles, was man sich als junger Mensch wünschen kann, oder?

Ich habe mein Zuhause in einer Seniorenresidenz gefunden. 26 Jahre bin ich mittlerweile alt. 26 Jahre ALT? Seniorenresidenz? „Da passt doch etwas nicht“, werdet ihr euch vielleicht denken. Ich meine: Seniorenresidenz, ein Wohnheim für alte und noch ältere Menschen, die noch selbstständig genug sind sich um sich selbst zu kümmern oder die jemanden haben, der ab und an vorbeikommt und saubermacht. Oder aber einen Pfleger, der nach dem Rechten sieht. Das Pflegeheim ist erst die Stufe danach.

Hier hingegen gibt es Spielnachmittage, Bingo, Gedächtnistraining am Mittag und gemeinsames Gutzle-backen (Anm. d. Red.: Gutzle ist schwäbisch und steht für Plätzchen) in der Adventszeit. Anfangs fanden einige meiner Freunde meinen Wohnort seltsam oder sie waren belustigt und machten Witze darüber. Manch einer dachte auch ich wolle ihn auf den Arm nehmen, würde das nur behaupten und in Wirklichkeit gegenüber wohnen. Verständlich, wer wohnt in diesem Alter schon in einer Seniorenresidenz, oder kennt ihr vielleicht jemanden? Nun, mittlerweile kenne ich ein paar davon. Ein guter Freund wohnt auch schon seit einiger Zeit hier. Es ist allerdings nicht die Regel.

Fakt ist, dass die Wohnungen oftmals einfach zu teuer für Senioren sind und darum viele auch leer stehen. Ein Bewohner ist entweder also jung oder tatsächlich schon ein rüstiger Senior – dazwischen gibt es bei uns nichts. So wurde ich anfangs für die liebe Enkelin gehalten, die ihrer Oma Blumen mitbringt und die Einkäufe für sie erledigt. Wie sollte man auch von etwas anderem ausgehen? Einige dachten, meine Mutter wäre also die neue, junge Mitbewohnerin, wenn sie uns zusammen sahen. Oder stellt euch vor, ihr gebt gerade eurem Freund ein Küsschen und plötzlich öffnet sich die Fahrstuhltür und eine ältere Frau starrt euch entgegen. Solche Situationen sind immer wieder amüsant.

Viele der hier wohnenden älteren Menschen waren sichtlich überrascht, dass junge Menschen in der Seniorenresidenz leben möchten – bei den alten „Knackern“. Viele Reaktionen waren und sind bis heute positiv. Natürlich gibt es da auch die Fraktion der Miesepeter, die alles schlecht reden und sich über nichts im Leben mehr freuen möchten oder können. Oder diejenigen, die einen einfach ignorieren. Ihr wisst ja, die Jugend von heute… Ich habe nichts gegen ältere Menschen, sonst würde ich nicht hier wohnen. Viele meiner Mitbewohner sind sehr nett und wir halten gerne einen kurzen Plausch, wenn wir uns auf dem Gang, im Aufzug oder an der Rezeption treffen. Sehr vielen der Senioren begegnet man allerdings nicht, vor allem, wenn man berufstätig und die meiste Zeit nicht zuhause ist.

Ein Thema ist in dieser Wohnsituation allerdings häufig präsent. Etwas, mit dem man anderswo nicht so häufig konfrontiert wird und an das jeder neue Mitbewohner sich erst gewöhnen muss. Wenn man das denn so nennen kann. So war es nur eine Frage der Zeit bis es einen der Menschen trifft, zu denen ich mit der Zeit einen Draht aufbauen konnte.

Meine ehemalige Nachbarin beispielsweise habe ich größtenteils eher gehört als gesehen – am Abend beim Fernsehen. Sie war schwerhörig. Wenn es mal vorkam, dass wir uns persönlich über den Weg liefen, hat sie gerne aus ihrem Leben erzählt. Wie viele der Senioren hier, bekam sie nicht häufig Besuch. Mit der Zeit wurden diese Treffen jedoch immer seltener, nicht einmal mehr den Fernseher oder die Musik abends hat man gehört und schließlich war ihr Namensschild nicht mehr an der Tür. Sie kam aus dem Pflegeheim nicht mehr wieder. Eines Tages sah ich, als ich nach der Arbeit nach Hause kam an der Rezeption die traurige Mitteilung. Sie ist nicht mehr da…

In solchen Momenten verblasst für einen Augenblick alles um einen herum, aber zum Leben gehört das dazu. Hier in der Seniorenresidenz kommen diese Momente im Leben nur ein wenig häufiger vor als anderswo.

Vorschau: In der nächsten Woche erzählt euch Eva etwas über Studentor e.V. und wie solch ein Verein gegründet wird.

Alles rund ums Wohnen

„Immobilienvermittlung mit Herz“ – das ist der Leitspruch von Annett Schubert. Die 43-jährige Immobilienfachwirtin vermittelt Häuser und Wohnungen im Raum Speyer, gelegentlich aber auch mal in Mannheim, Ludwigshafen und Neustadt. Ihre Tipps für alle, die sich nach den eigenen vier Wänden sehnen, lest ihr im Face2Face-Interview.

Face2Face: Mieten oder kaufen? Was sagen Sie in Anbetracht der aktuellen Lage?
Schubert: Kaufen. Zurzeit sind die Zinsen noch günstig und es lohnt sich, unverbindlich bei einem Finanzberater die eigenen Möglichkeiten durchrechnen zu lassen.

Mit Herz bei der Sache: Immobilienfachwirtin Annett Schubert (Foto: privat)

Face2Face: „Immobilienvermittlung mit Herz“ ist auf Ihrer Internetseite zu lesen – was bedeutet das für Sie und Ihre Kunden?
Schubert: Für mich bedeutet das achtsamer Umgang mit den Menschen. Die Immobilie ist eine Sache, doch im Mittelpunkt steht der Mensch. Verkäufer hängen oft mit Herz und Seele an ihrer Immobilie. Die Käufer wiederum stehen vor einer Lebensentscheidung. All dies bedarf über die fachliche Kompetenz hinaus noch sehr viel mehr an Verständnis, Einfühlungsvermögen und Menschlichkeit. Und genau das vermissen viele Kunden besonders in unserer Branche. Das Vertrauensverhältnis, das so zwischen mir und dem Käufer entsteht, gibt diesem Sicherheit,  innere Ruhe und Zufriedenheit. Und genau diese Kombination aus Fachwissen und Empathie führt letztlich zum besten Erfolg.

Face2Face: Auf was sollte man selbst als Kunde und Interessent einer Immobilie achten? Ist es ratsam sich immer auf den Makler zu verlassen oder ist auch mal Eigeninitiative gefragt?
Schubert: Achten sollen Sie als Käufer zum Beispiel auf Ihren finanziellen Rahmen, der besser vor Beginn der Suche abgesteckt wird. Außerdem ist zu beachten, welche Renovierungen anstehen. Gegeben falls sollte ein Fachmann hinzugezogen werden.  Bei Eigentumswohnungskauf ist es wichtig, auf Rücklagen und eventuell geplante Aufwendungen für Reparaturen zu achten. Auch die Lage ist entscheidend.
Käufern biete ich ein Immobiliencoaching an, bei dem wir zunächst alle Bedürfnisse und Wünsche heraussuchen und auch die Kompromisse. Bei der Suche sollte man sich nie nur auf einen Makler verlassen, sondern das ganze Suchgebiet im Visier behalten. Beim Kauf ruhig Fachleute des Handwerks hinzuziehen. Makler sind keine Handwerker und selten Bausachverständige. Der Eigentümer allerdings sollte bei Verkauf oder Vermietung nur einen Makler des Vertrauens wählen und ihn seine Arbeit machen lassen. Viele Köche verderben den Brei – so ist es auch beim Verkauf.

Schlicht: Das Logo der Immobilienvermittlung (Foto: privat)

Face2Face: Ihr Berufsstand wird gelegentlich kritisch beäugt. Denken Sie es gibt unter Ihren Kollegen auch schwarze Schafe und wenn ja, woran erkennt man diese als Kunde?
Schubert: Ja, hier in Deutschland stimmt das leider, dass das Image des Maklers oft eher schlecht ist. Dazu gab es in den letzten Jahren zu viele Menschen, die ohne Ausbildung  einfach ein Maklergewerbe angemeldet haben. Für den Kunden ist es oft schwer zu erkennen, wer Hobbymakler ist oder wer sich zum Beispiel gerade neu auf dem Markt ausprobieren will. Ich empfehle, mehrere Makler anzusprechen und danach erst zu wählen.

Face2Face: Wodurch zeichnet sich im Gegensatz dazu ein wirklich guter Makler aus? Woran kann man ihn erkennen?
Schubert: Ein guter Makler hat bereits Erfahrung, eine fundierte Ausbildung und bildet sich auch regelmäßig weiter. Er hat einen professionellen Internettauftritt und der Kunde sieht auf seiner Homepage, wie der Makler die Immobilien anbietet. Hochwertige Präsentationen in Form von professionellen Fotos, Grundrissen und Beschreibungen, sollten sofort ersichtlich sein. Auch darf die Vorstellung seiner Person nicht fehlen.  Ein guter Makler nimmt sich der Immobilie an und arbeitet nur im Auftrag. Und wenn dass alles zutrifft, ist Ihr Makler dann der, der zu Ihnen passt und bei dem ihr Baugefühl JA sagt.

Face2Face: Was halten Sie von Serien wie „Mieten, kaufen, wohnen“? Realitätsnah oder eher –fern?
Schubert: Ich bin kein Freund der Serie und einige meiner Kunden halten sie für eher realitätsfern.

Face2Face: In welchem Stadtteil Speyers ist es am günstigsten und wo am schönsten zu wohnen?
Schubert: In Speyer ist es überall schön zu wohnen. Am teuersten ist die Region im Oberkämmer. Speyer Nord dagegen wird oft in den Köpfen abgewertet. Leider. Meiner Meinung zu Unrecht, denn auch da gibt es schöne Immobilien. Anschauen lohnt immer. Jede Stadt hat ihre Gebiete, die teurer sind und die, die günstiger sind. Und jeder ist dort zu Hause, wo er sich wohl fühlt. Für mich ist das Speyer.

Face2Face: Ihre Tipps, für alle, die gerade auf der Suche nach einer passenden Immobilie sind:
Schubert: Gut vorbereitet auf den Markt gehen, das heißt genau wissen, was man wirklich will, was man haben muss und was man sich auch leisten kann. Außerdem sollte man Adressen, wie die von Architekten und andere Handwerker schon in der Tasche haben. Raum für Kompromisse lassen und vorher abstecken. Die Finanzierung bei Immobilienkauf kann man schon vorbereitet in Petto haben. Schließlich bei Entscheidungen die berühmte Nacht darüber schlafen – doch wenn es passt: nie zu lange warten.
Mietinteressenten empfehle ich, die gewünschten Papiere – Einkommensnachweise  der letzten drei Monate, Schufa- Auskunft und Mieterselbstauskunft – schon parat zu haben. Wenn dann die Traumwohnung dabei ist, können Sie sofort zuschlagen.

Kontakt:
Postanschrift: Hohenstaufenstr. 11
67346 Speyer
Telefon: 06232/6768701
Homepage: http://www.schubert-immobilien.de/

Vorschau: Nächste Woche gibt´s den fünften Teil meiner Ausgehtippsserie. Ich stelle euch nicht nur eine tolle Location in Schwetzingen vor – es gibt auch etwas zu gewinnen. Lasst euch überraschen!