Bitte keine GroKo

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Bundestagswahl. Alle vier Jahre wieder kommt der Urnengang. Für mich selbstredend. Wer nicht wählt, darf nicht meckern, und mal ehrlich, wir meckern doch alle gern. Spaß beiseite. Natürlich will ich mein Recht, mitzubestimmen, wie der Laden so läuft, ausnutzen. Denn so gut es uns hier geht, ich glaube, es könnte noch viel besser sein. Ich wähle nicht, weil ich glaube, jeder Punkt im Wahlprogramm könne umgesetzt werden, sondern mit der Hoffnung, dass im Ganzen Dinge verbessert werden. Manchmal für mich, manchmal für andere Menschen und Gruppen. Für dieses Land, das aus Vielfalt besteht. Tatsächlich ist da in unserer Regierung wenig zu merken. Da gibt es Einheitsbrei. Schuld daran: Die große Koalition.

Alle gemeinsam?

GroKo: Bringt uns gerade nicht weiter (Foto: clareich/pixabay.de)

Die große Koalition aus den beiden großen etablierten Parteien CDU/CSU und SPD. Seit 2013 besteht sie wieder und davor gab es nur eine Legislaturperiode Pause, denn bereits von 2005-2009 hieß es GroKo. Ich kann das echt verstehen. Große Koalition bedeutet weniger Konflikt, weniger innerdeutsche Politik, denn wenn die beiden großen sich gegenseitig nicht angreifen dürfen, ist es angenehm ruhig. Denn dann gibt es einen Vertrag, was gemacht wird und was nicht, den Lob darf die Regierungspartei einheimsen, auch wenn der Grund nicht auf ihrem Mist gewachsen ist. Beispielsweise bei der Mütterrente oder der Mietbremse. Der Wahlkampf beginnt spät, denn auch hier muss der politische Gegner, der koaliert hat, ja warten bis die alte Regierung ausläuft. Das merken wir gerade. Keinen Monat bis zu Wahl und alles ist relativ lau. Angenehm? Vielleicht. Politik sieht anders aus.
Konfrontationskurs

Unsere Entscheidung: Wie der Bundestag nach der Wahl zusammengestellt ist, bestimmen die Wähler (Foto: FelixMittermeier/pixabay.de)

Wie genau durften wir tatsächlich im Mai erahnten. Stichwort Ehe für alle. Weil im Koalitionsvertrag steht, dass die Ehe für alle diese Legislaturperiode nicht angegangen wird, hat sich die SPD zwangsweise zurückgezogen. Die CDU musste das Thema nicht fürchten. Bis die Bundeskanzlerin erklärt hat, man könne das ja in der nächsten Regierungsperiode angehen. Toller Schachzug. Erst nicht wollen und dann dem Gegner den Wind aus den Segeln nehmen. Das war clever. Mit dem nächsten Schritt hat die SPD im Grunde die Koalition gebrochen. Sie hat das Thema auf den Plan gebracht. Vom ersten Wort bis zu Abstimmung in drei Tagen. Wow. Deutschland jubelte, Merkel stimmte mit Nein, die Ehe für alle war beschlossen. Von den Nachwehen der Umsetzung spreche ich jetzt nicht. Denn es geht um die Begeisterung der Menschen. Der Konfrontationskurs zwischen den beiden großen Parteien in dem Thema hat Deutschland in Bewegung gesetzt. Ob dafür oder dagegen, es wurde diskutiert, geredet, gefeiert oder geflucht. Die Leute haben sich interessiert, informiert, die live Schaltung des Bundestags hatte endlich mal einen Grund und Zuschauer. Das ist Politik. Und keine GroKo.
Die Stärke der Kleinen

Hingehen : am 24.September sind Bundestagswahlen (Foto: stux/pixabay.de)

Dieser Konfrontationskurs wird tatsächlich vermisst. Wir meckern über die politischen Reden und das große Geschrei der Politiker. Aber wenn sie nicht da sind, weil alle leise sein müssen, werden die kleinen laut. In einer Regierung mit großer Opposition hätte der aufgekommene rechte Populismus wahrscheinlich nicht so groß werden können. Auch weil die Regierungspartei ihren Standpunkt weniger mittig gestaltet hätte. Mehr Konflikt heißt auch mehr Reaktion. Weil die Großen sich zwangsweise annähern mussten, wurde es in der Regierung mittiger. Eine Partei der Mitte ist wie das Fähnlein im Wind. Sie richtet sich nach Moden aus, hat aber keinen klaren Kurs. Und das Problem haben jetzt CDU/CSU wie SPD gleichermaßen. Natürlich habe ich einen Wunsch, wie die Wahl ausgeht. Der muss hier gar nicht stehen. Denn fast noch wichtiger ist mir, dass die Regierung danach keine große Koalition ist. Eine starke Opposition ist so viel mehr Wert und kann immer noch viel erreichen – oft mehr, als eine Partei, die ihre Kraft dem politischen Gegner zur Verfügung stellt.

Sommer, Sonne, Bodyshaming

Die Temperaturen klettern seit ein paar Wochen regelmäßig über 30 Grad, die Ferien haben begonnen, die Saison der knappen Kleider, Badesachen, nackter Haut ist da. Es ist doch wirklich toll, wenn die warmen Sonnenstrahlen auf unsere Haut treffen, Vitamin D gebildet wird und wir uns besser fühlen. Das Sonnenlicht steigert unsere Abwehrkräfte, sorgt für gute Laune, kurbelt Hormonbildung und Stoffwechsel an. Das klingt alles wirklich gut. Zu viel Sonne – das wissen wir alle – ist gefährlich, denn Hautkrebs ist keine Kleinigkeit. Aber selbst eingecremt mit Lichtfaktor 100 gibt uns das Sonnenlicht ein Wohlgefühl. Außerdem ist mir bei 30 Grad schon bis zur Schmerzgrenze warm, alles danach wird unerträglich. Kleidung stört dann. Weg damit.

It’s getting hot out there

Sommer und viel anzuziehen? Bodyshaming sagt uns, wie kurz unsere Kleider sein dürfen (Foto: Free-Photos / pixabay.de)

Wer auch bis 40 Grad im Schatten in Pulli und langen Hosen rumlaufen möchte und sich damit wohl fühlt – oder aus anderen Gründen, wie einer Sonnenallergie, darauf angewiesen ist – soll das tun dürfen. Daran stört sich niemand, außer seltsame Vertreter der Gattung homo germanicus, die Angst vor verschleierten Frauen haben. Aber wie sieht das anders herum aus? Sobald mensch sich leicht bekleidet in der Öffentlichkeit zeigt, gibt er sich einer Realversion von Next Topmodel deluxe preis. Shorts bei den Beinen? Kein Foto für dich. Trägerhemd und kräftige Arme? Sommerkleid, aber über Kleidergröße 38? Zu weiße Haut, zu haarige Beine – alles was nicht nach Hochglanzmagazinmodel aussieht wird mit rollenden Augen aufgenommen. Wir werden aufs Derbste auf unsere Körper degradiert und dort auf angebliche Schwächen. Das ist Bodyshaming. Wir sollen uns bitte für unsere Körper schämen, die anderen so sauer aufstoßen!

You’re body is no wonderland

Dünn, Dünner, Sommerkleider? Bodyshaming ist Alltag und wir merken es kaum (Foto: Survivor / pixabay.de)

Jeder schwitzt im Sommer. Hunde stellen ihr Maul auf und hecheln, weil sie nicht schwitzen können. Das stinkt, aber der Hund muss es machen, sonst überhitzt er. Wollen wir wirklich andere zu langen Kleidern zwingen, nur weil ein Schönheitsideal uns diktiert wer kurze Kleidung anziehen darf und wer nicht? Denn nichts anderes als dieses Ideal ist schuld. Wir haben Hollywoodfilme gesehen, in denen es fast nur untergewichtige Schauspieler gibt, Heidi Klum schaut sich Mädchen, die mehr als Größe 34 tragen, gar nicht erst an und die Modeindustrie macht fleißig mit. Das ist Gehirnwäsche. Und diskriminiert nicht nur alle, die nichts „gegen“ ihr Gewicht machen können, sondern auch alle, die glücklich mit ihrer Figur sind, die abseits der Norm liegt. Wir feiern die Vielfalt, die die Ehe für alle uns bringt und erlauben unseren Figuren nicht einmal kleine Abweichungen. Klingt komisch, ist aber so.

Do be so shy

Keine Frauensache. Bodyshaming betrifft auch Männer und Kinder ( Foto: cocoparisienne / pixabay.de)

Bodyshaming ist kein Problem mehr, das nur Frauen betrifft. Die äußerliche Norm des Mannes ist längst beim harschen Ton angekommen. Essstörungen und Depressionen gibt es bei Männern ebenso oft – auch wenn sie noch immer seltener diagnostiziert werden. Essstörungen sind meist Symptome einer Depression. Die Folge einer unbehandelten Depression ist signifikant oft der Selbstmord. Männern begehen häufiger als bei Frauen Selbstmord. Längst ist vielen klar, dass hier ein direkter Zusammenhang besteht. Bodyshaming definiert klar, dass Gewicht, Figur und Aussehen wichtig sind, wichtiger als das, was wir können, denken, wissen, mögen. Dass Bikinis nur angezogen werden sollen, wenn der Bauch flach ist und kurze Röcke und Hosen nur gehen, wenn die Beine schmal und enthaart sind. Es nervt mich kolossal. Wir sind alle unterschiedlich, wir sind alle schön und haben unsere Besonderheiten und mir wird ernsthaft schlecht vor Wut, wenn irgendwo irgendwer sagt, man müsse so oder so aussehen.

I’m in love with your bodies

Vielfalt ist immer schön! Schämt euch deswegen nicht (Foto: strecosa / pixabay.de)

Ich gestehe gerne jedem zu, das eine oder andere schön zu finden und andere Dinge eher ungern zu sehen. Geht mir auch so. Das ist aber kein Grund, anderen ihr Recht zu verwehren, anzuziehen, was sie anziehen möchten. Das ist im Übrigen unabhängig vom Wetter, fällt aber im Sommer umso mehr auf. Menschen sind mehr als ihre Körper, Körperlichkeit ist mehr als Ästhetik, Ästhetik ist mehr als Schönheit, Schönheit ist mehr als die Norm. Und mal ehrlich, Norm ist langweilig. Wenn wir das wollten, müssten wir auch alle mit den gleichen Kleidern, der gleichen Frisur und am besten den gleichen Namen herumlaufen, denn der ist dann auch egal. Vielleicht richten wir gleich eine Formschablone ein, lassen uns operieren und genetisch verändern, damit auch wirklich alle gleich aussehen. Dann ist Bodyshaming kein Problem mehr und das funktioniert doch bestimmt leichter, als wenn wir uns die Mühe machen, umzudenken und Vielfalt zuzulassen.