Grömitz und Kühlungsborn – zwei Ostseebäder mit Flair

Der Sommer hat begonnen. Bei einem erfrischenden Radler sitze ich mit ein paar Freundinnen am Rhein und genieße das Rauschen des Wassers, das Zwitschern der Vögel und die Sonnenstrahlen auf meiner Haut. Kein Wunder, dass wir da im Gespräch auch auf das Thema Urlaub kommen. „Ich fliege mit meinem Freund in die USA. Wir bleiben vier Wochen“, sagt eine meiner Freundinnen enthusiastisch. „Ich habe noch nichts gebucht, aber wahrscheinlich fliegen wir nach Mallorca oder nach Sizilien“, wird von anderer Seite berichtet. War ja klar. Da kann ich mit meinem Urlaubsziel mal wieder nicht mithalten. Im nächsten Moment wird mir die Frage gestellt, die ich schon erwartet hatte: „Und wohin fährst du in Sommerurlaub?“ „Nach Kühlungsborn oder nach Grömitz“, antworte ich und blicke – wie zu erwarten war – in fragende Gesichter: „Wo liegt das denn? Das habe ich ja noch nie gehört. Ist das noch in Deutschland?“ Die nächste halbe Stunde verbringe ich damit, meinen Freundinnen zu erklären, dass man manchmal gar nicht weit wegfahren muss und auch Deutschland wunderschöne Ecken zu bieten hat, an denen man einen perfekten Sommerurlaub verbringen kann. So zum Beispiel im Ostseebad Grömitz.

Seebad mit langer Tradition

Grömitz liegt am Nordrand der Lübecker Bucht in Ostholstein und hat rund 7.800 Einwohner. Die Hansestadt Lübeck ist nur etwa 50 Kilometer entfernt. Als Erholungsort hat Grömitz eine lange Tradition, denn es ist schon seit 1813 Seebad, also ein Kurort am Meer. Besonders schön sind der über acht Kilometer lange Sandstrand und das saubere Meerwasser. Wenn die Temperaturen stimmen, kann man natürlich in der Ostsee schwimmen. Ansonsten eignet sich der weite Sandstrand aber auch gut für ausgedehnte Spaziergänge, die stets von einem beruhigenden Wellenrauschen begleitet werden. Dank des weitläufigen Strandes verteilen sich die Einwohner und Touristen in Grömitz ganz gut und für jeden ist ausreichend Platz vorhanden. Auch an die Erholung des „besten Freundes des Menschen“ ist gedacht, denn es gibt extra einen Hundestrand, an dem sich die Vierbeiner austoben können.

Absolut sehenswert: Der Jachthafen in Grömitz (Foto: S. Holitzner)

Erholung nicht nur am Strand

Wer keine Lust auf Strand hat, kann sich in Grömitz auch gut anderweitig beschäftigen. So gibt es viele Einkaufsmöglichkeiten, einen Kurpark, einen Golfplatz, einen kleinen Zoo und einen sehenswerten Jachthafen mit empfehlenswerten Fischrestaurants. Die meisten Restaurants und Cafés befinden sich an der drei Kilometer langen Strandpromenade. Ausgiebige Spaziergänge mit Blick aufs Meer sorgen da ebenfalls für Entspannung. Und zwischendrin kann man dann ganz gemütlich in ein Eiscafé oder in einen der vielen kleinen Strandläden zum Stöbern einkehren.

Einfach mal abtauchen

Beeindruckend: Die 398 Meter lange Seebrücke in Grömitz (Foto: S. Holitzner)

Besonderes Highlight in Grömitz ist die 398 Meter lange Seebrücke. Dabei handelt es sich um die längste Seebrücke Schleswig-Holsteins. Wenn man auf ihr entlang läuft, ist man dem Meer ganz nah und hört unter den Holzbrettern der Brücke, wie die Wellen brechen. Bei klarer Sicht hat man von der Seebrücke aus einen tollen Blick auf umliegende Städte und Ortschaften sowie das weite Meer. Insbesondere abends ist es schön, von der Seebrücke aus den Sonnenuntergang zu beobachten. Wer nicht nur die Aussicht über Wasser, sondern auch unter Wasser genießen möchte, kann in die Tauchgondel, die sich seit 2009 am Ende der Grömitzer Seebrücke befindet, steigen. 30 Besucher können gleichzeitig mit ihr abtauchen. Sie bekommen dann einen 3D-Film über die Ostsee gezeigt und können bei guter Sicht den Meeresboden und einige Meeresbewohner erkennen. Wer als Urlauber das Glück hat und Ende August das Strandbad besucht, kann an „Ostsee in Flammen“ teilnehmen. Das ist ein beeindruckendes, mit Musik untermaltes Feuerwerk, das direkt von der Seebrücke aus gestartet wird und so die Ostsee und den Grömitzer Strand erleuchtet. Wenn man dann in Meeresnähe steht, kann man sogar sehen, wie sich das Feuerwerk im Wasser spiegelt.

Lichterspektakel: „Ostsee in Flammen“ (Foto: S. Holitzner)

Wasser marsch!

Leider gibt es immer mal wieder Sommerurlaube, in denen das Wetter nicht mitspielt oder die Temperaturen einfach zu niedrig sind, um im Meer zu schwimmen. In Grömitz kann man in so einem Fall trotzdem in Meerwasser baden. Im Schwimmbad „Grömitzer Welle“ gibt es nämlich aufbereitetes Seewasser in den Schwimmbecken. Außerdem gibt es ein Wellenbad: Alle 30 Minuten werden so am Anfang des Beckens kleine Wellen und am tieferen Ende des Beckens bis zu ein Meter hohe Wellen erzeugt, sodass man sich fast wie im richtigen Meer fühlt.

Von West nach Ost

Ebenfalls eine Reise wert ist das Ostseebad Kühlungsborn. Es liegt an der Küste der Mecklenburger Bucht und hat circa 8.900 Einwohner. Die Hansestadt Rostock ist nur rund 30 Kilometer entfernt. Im Gegensatz zu Grömitz ist Kühlungsborn erst seit 1996 offiziell Seebad. Kühlungsborn besteht aus den zwei Stadtteilen West und Ost, die durch einen 133 Hektar großen Stadtwald verbunden sind. Wer nicht durch den Wald gehen möchte, kann auch einfach am langen Sandstrand entlanglaufen und gelangt so ebenfalls zum jeweils anderen Stadtteil. Auch in Kühlungsborn ist das Meerwasser sehr sauber, sodass man sich bei heißen Temperaturen ideal mit einem Bad in der Ostsee abkühlen kann. Hundestrände gibt es hier ebenfalls. Von der 240 Meter langen Seebrücke, die sich im Stadtteil Ost befindet, hat man einen schönen Ausblick. Sie ist die erste Seebrücke, die nach der Wiedervereinigung Deutschlands in Mecklenburg-Vorpommern vollendet wurde (1991). Eine fast vier Kilometer lange Strandpromenade verbindet die beiden Stadtteile Ost und West und eignet sich gut für Spaziergänge mit Blick aufs Meer.

Entspannung am Meer: Kühlungsborn-Ost (Foto: S. Holitzner)

Kühlungsborn für Touristen

Viele schöne alte Villen aus der Gründerzeit prägen das Stadtbild von Kühlungsborn. Kühlungsborn-Ost ist der für Touristen vermutlich ein bisschen attraktivere Stadtteil. Abgesehen von der Seebrücke sind dort verschiedene größere Einkaufsmöglichkeiten, viele Cafés und Restaurants. Außerdem befindet sich dort ein Jachthafen. Ebenfalls beginnt in Kühlungsborn-Ost die Steilküste mit Blick auf die Ostsee. Gut ausgeschilderte Wanderwege ins nah gelegene Heiligendamm starten hier. International bekannt geworden ist dieser kleine Ort, als dort im Juni 2007 der G8-Gipfel stattgefunden hat.

Auf den Spuren der Vergangenheit

Nostalgie pur: Eine Fahrt mit Dampflok „Molli“ (Foto: S. Holitzner)

In Kühlungsborn-Ost wird zudem Geschichte lebendig. Dort steht noch ein Original-Grenzbeobachtungsturm aus der Zeit der DDR. Von 1971 bis 1990 waren mehrere solcher Türme entlang der Ostseeküste aufgestellt, um die Seegrenze der DDR im Auge zu behalten und Republikflüchtlinge, die über die Ostsee aus der DDR fliehen wollten, zu erspähen. Rund um den Grenzbeobachtungsturm in Kühlungsborn können sich Besucher über das Grenzsystem und das Schicksal von Menschen, die versucht haben, aus der DDR zu fliehen, informieren. Außerdem kann der Turm besichtigt werden. Lohnenswert ist in Kühlungsborn auch eine Fahrt mit dem „Molli“. Das ist eine Dampflok, die auf einer rund 15 Kilometer langen Strecke zwischen Kühlungsborn und Bad Doberan fährt. Für diese Strecke, die teilweise mitten durch die Natur führt, benötigt „Molli“ rund 40 Minuten, denn er ist mit einer maximalen Geschwindigkeit von 40 km/h unterwegs. Bei einer Kurzreise mit dem „Molli“ lernen Fahrgäste sehenswerte Ecken der einzelnen Orte kennen, die sie so vielleicht gar nicht wahrgenommen hätten.

Streetart in Mannheim, Teil 2: Strickt dagegen – Bunt statt Grau

Seit nun fast zehn Jahren kann es schon häufiger vorkommen, dass Menschen an alltäglichen Gegenständen wie einem Laternenpfahl, einer Bank, einem Baumstamm oder auch einmal an einem Auto verwundert stehen bleiben. Dingen, denen sie sonst bei ihrem Gang zur Schule, Arbeit, zum Einkaufen oder in der Freizeit keine Beachtung schenken. Nicht jedoch, weil diese von jeher ein aufsehenerregendes Äußeres haben, sondern weil sie mit bunter Wolle umstrickt sind. Diese Form der Streetart wird als Urban Knitting oder auch Guerilla Knitting bezeichnet und findet in vielen Städten Deutschlands, so auch im Mannheimer Stadtteil Neckarstadt-West großen Zuspruch. Das Face2Face-Magazin sprach mit einer Streetartkünstlerin, die wohl am meisten mit Wolle und Stricknadeln bewaffnet durch die Mannheimer Straßen zieht.

Superman der Neckarstadt

Das Lieblingswerk der Streetart-Künstlerin „Strickt Dagegen – Bunt Statt Grau“: Der Superman der Neckarstadt. (Foto: Polypix)

 Face2Face: Du bist Gründerin der Facebook-Seite „Strickt Dagegen – Bunt Statt Grau„. Kannst du uns erzählen wie du persönlich zum Urban Knitting gekommen bist?
Strickt Dagegen: Es fing damit an, dass ich von meiner Schwiegermutter gezeigt bekommen habe, wie man Häkelrosen macht. Das hat mir so viel Spaß gemacht, dass ich zig Häkelrosen gemacht habe und an jeden verschenkt habe – ob er nun eine wollte oder nicht. Schließlich hatte ich ja auch keine Verwendung dafür, aber war irgendwie mit dem Wollwahn infiziert. Ich habe mit Wolle und Mustern experimentiert und war eigentlich in jeder freien Minute am Häkeln, einfach weil es Spaß machte und geniale bunte Dinge daraus entstanden.
Ich konnte kreieren, was mir in den Sinn kam, jedoch ohne dass die Dinge mir nützlich waren. Und dann hab ich diese Häkelsterne gemacht. So schön und so bunt wenn man mal all die bis dato angesammelten Wollvorräte plünderte und kombinierte. So entstanden 15 bunte Sterne, zu groß für einen Topflappen, zu klein für ein Tischset. Tja und da gab’s diesen Bauzaun. Dieser Bauzaun stand da schon seit über einem Jahr und ich kam immer auf dem Weg zur Arbeit dran vorbei.
Bauzaun + Baustop = dauerhaft gänzlich hässlich … Und da dachte ich so für mich:
Bauzaun + Baustop + kunterbunte Häkelsterne = schön für meiner einer!

Wollust

Eine Straßenlaterne wird zum Kunstobjekt: Wolllust in der Neckarstadt-Ost (Foto: Polypix)

Face2Face: Was hat dich motiviert damit weiterzumachen?
Strickt Dagegen: Ich fand’s toll in bisschen bunt an diesem tristen Fleck zu sehen, wann immer ich daran vorbei kam, und ich habe die Leute gesehen, wie sie gelächelt haben, sobald sie die Sterne gesehen haben, oder angehalten und geguckt haben. Deshalb habe ich damit weitergemacht.

Face2Face: Wie viel kannst du uns über deine Person verraten?
Strickt Dagegen: Viele Leute sind überrascht, wenn sie mich treffen. „DU bist das!?“ Ich glaube oft verbindet man Stricken und Häkeln mit einer gewissen Altersgruppe beziehungsweise Ökos, die bei der Philosophievorlesung stricken. Ich bin keines von beidem.
Ich bin 30 Jahre alt, habe einen Vollzeitjob, einen Haushalt und Familie. Also ich habe noch nicht einmal zu viel Zeit, was mir gerne unterstellt wird. Ich arbeite einfach so gerne an meinen Ideen, dass jede freie Minute darauf verwende, wenn der Tag geschafft ist und die Kinder im Bett sind. Anstatt vor dem Fernseher zu entspannen, drehe ich dann meine Musik auf und setze ich mich an meine Projekte.

Tor zur Neckarstadt

Dank Urban Knitting verschönert: Das Tor zur Neckarstadt in Mannheim. (Foto: Strickt Dagegen)

Face2Face: Wer engagierte sich bei der Verschönerung des Tors zur Neckarstadt mit Stricknadel und Faden?
Strickt Dagegen: Beim Tor zur Neckarstadt hatte ich die Idee, über Facebook einen Aufruf zu starten, da mir klar war, dass ich eine Gesamtstrickfläche von ca. 55 m² vielleicht in drei Jahren bewältigen könne. Ich habe nicht wirklich daran geglaubt, dass das machbar ist, wollte es aber zumindest versuchen. Auch weil ich dank der Streetart-Mannheim-Facebook-Seite gesehen habe, dass es wohl noch andere Guerilla Strickerinnen in Mannheim gibt.
Letztendlich haben sich tatsächlich zehn Frauen gefunden, die motiviert waren, meine Sache zu unterstützen. Es war total irre. Obwohl die Intentionen der Mädels und auch unser aller Persönlichkeiten so unterschiedlich waren, kam ein geniales, großes Ganzes dabei raus, auf das wir alle mächtig stolz sind. Allerdings ist daraus jetzt kein Urban Knitting Circle oder so entstanden. Wir treffen uns noch gelegentlich aber meine Ideen setze ich weiterhin allein um. Sollte ich dann doch mal den Wasserturm umstricken wollen weiß ich jetzt aber wo ich Hilfe finde.

 Face2Face: Ist mit diesem Hobby ein großer finanzieller Eigenaufwand verbunden?
Strickt Dagegen: Mit den Kosten, das ist immer so eine Sache. Mein Traum wäre es schon mit Stricken und Häkeln auch Geld verdienen zu können aber das ist bei Streetart ja so nicht der Fall. Und Streetart ist genau das, was ich machen will. Also kaufe ich mir ständig neue Wolle und habe mittlerweile einen riesigen Wollfundus. Das kostet zwar, aber das ist es mir wert. Wenn ich eine Idee habe, habe ich im Idealfall die Wolle auch schon da.

Face2Face: Du agierst, bis auf wenige Ausnahmen, hauptsächlich in der Neckarstadt-West in Mannheim. Was ist das Attraktive für dich an diesem viel diskutierten Stadtteil?
Strickt Dagegen: Ich wohne seit zehn Jahren in der Neckarstadt-West und ich liebe diesen Stadtteil! Dass ich mit meinen Werken fast ausschließlich hier vertreten bin, basiert darauf, dass ich hier meinen Lebensmittelpunkt habe. Hier sehe ich die Dinge, die mich inspirieren. Ich mag es nicht einfach irgendeinen bunten Fetzen irgendwohin zu hängen, mit dem alleinigen Grund dass es eben bunt ist. Ich habe zu jedem umstrickten Teil einen persönlichen Bezug.

Stopschildblume

Erinnert an Super Mario: Eine Stopschildblume in der Neckarstadt-West. (Foto: Polypix)

Face2Face: Auf welche Arbeiten innerhalb Mannheims bist du besonders stolz?
Strickt Dagegen: Der „Superman“! Die Statue wurde vorher kaum wahrgenommen und als es dann plötzlich der Superman war, waren die Reaktionen so vielfältig und genial. Plötzlich hatte er den Namen: Der Superman der Neckarstadt. Die Menschen sind sogar langsamer an ihm vorbei gefahren. Und was für mich besonders witzig war: ein Kind hat festgestellt, dass etwas an ihm nicht stimmt.
Ja, ich hatte mich tatsächlich verstrickt. Superman hat eigentlich kein gelbes S auf der Brust, sondern ein rotes. Niemand hatte das bemerkt, außer ein kleiner Junge, der zu seiner Mutter meinte: „Mama, aber das ist ja gar kein richtiger Superman, der is ja falsch!“ Mama guckte, ließ sich erklären warum und meinte dann: „Is halt der Superman der Neckarstadt!“ So was lieb ich!
Und jetzt, wo er abgebrannt ist, kommen weiterhin Anfragen, was denn mit ihm sei. Eine Frau hat mir auf Facebook geschrieben: „Meine Söhne und noch einige andere Kinder sind ganz traurig, dass der Supermann seinen Umhang verloren hat. Ich hab gesagt, dass der nur grad gewaschen wird“ Also Superman kommt auf jeden Fall wieder!

IloveNeckarstadt West

Liebe zum Stadtteil: Die Neckarstadt-West in Mannheim. (Foto: Polypix)

Face2Face: Es ist jetzt zum wiederholten Male vorgekommen, dass Arbeiten dem Vandalismus zum Opfer gefallen sind oder auch geklaut wurden. Wie reagiert man auf so einen Rückschlag?
Strickt Dagegen: Damit muss man rechnen. Ich übergebe Dinge dem öffentlichen Raum, die Menschen können damit machen, was sie wollen. Die einen freuen sich, die anderen mögen’s eben nicht. Wenn Dinge geklaut werden, ist mir das eigentlich fast am Liebsten. Das heißt ja, dass es jemandem so gut gefallen hat, dass er es für sich haben wollte. Was gibt es Besseres!? Ich bin ein gnadenloser Optimist und sehe in allem immer etwas Positives.
Als Superman abgebrannt ist, war das für mich der Beweis, dass umliegendes Gras nicht beschädigt wurde und meine Wollwerke auch brennend keine Gefahr für jemanden darstellen.
Mein Optimismus wird aber auch immer wieder bestärkt, wenn ich sehe, wie sich Menschen um meine Werke kümmern. Mein Stoppschildblatt hat jemand mit einem Kabelbinder neu befestigt, als es runter gerutscht war, ein umstrickter Laternenpfahl war eingerissen und wurde von Unbekannten geflickt. Das sind einfach nur geniale Erlebnisse, da werd‘ ich mich von Vandalen doch nicht ernüchtern lassen!
Strickt Dagegen – Bunt Statt Grau. Es gibt noch so viel Grau – ich stricke weiter!

Weitere Fotos von Mannheimer Streetart findet ihr nebenbei auf Facebook bei Polypix.

Vorschau: An dieser Stelle berichtet die Film-Kunst-Kultur-Redaktion nächste Woche von der diesjährigen Frankfurter Buchmesse.

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Weitere Serienteile:

Streetart in Mannheim, Teil 1: Über „die letzte halbwegs subversive Bastion der Kunst“ (Louva Must Die)

Der Krieg in Syrien als Neuauflage des Kalten Kriegs?

Die Ereignisse überschlagen sich im für uns so fernen Orient: Samstag berichten die Medien von einem Bombenattentat in Reyhanli, eine türkische Stadt nahe der Grenze zu Syrien, das 46 Menschen das Leben gekostet hat. Die türkischen Staatsbürger, die als Verdächtige gefangen genommen wurden, sollen Verbindungen zum syrischen Geheimdienst unterhalten haben, so stellt es der Vizepremier Besir Atalay in Ankara dar. Demnach soll das Regime in Syrien direkt an dem Attentat beteiligt sein. Die syrische Regierung weist das natürlich entschieden zurück, wenngleich die Situation dadurch nicht gerade entschärft wird. So hält sich die Türkei einen Vergeltungsschlag als Option gegen Syrien offen. Doch das ist nur der aktuelle Gipfel des Eisbergs.
Gleichzeitig tobt die Debatte über den mutmaßlichen Einsatz von Giftgas und Chemiewaffen:  US-Präsident Barack Obama hatte

im vergangen Jahr den Einsatz von chemischen Kampfstoffen als „rote Linie“ bezeichnet und angesichts der „starken Beweise“, die es laut US-Außenminister John Kerry für deren Einsatz seitens des Regimes gegen die Rebellen gebe, scheint die US-Regierung in deutlichem Zugzwang zu sein. Noch betont Kerry, werde dennoch eine diplomatische Lösung angestrebt. Obwohl die USA für einen Rücktritt des Regimeführer Baschar al-Assad plädiert, reiste der US-Außenminister zum Zwecke der Deeskalation in der vergangenen Woche nach Moskau. Zunächst warnte er die Regierung in Russland vor einem Rüstungsdeal mit dem syrischen Regime, mit dem sie eine enge Partnerschaft unterhalten. Um dieses Konfliktpotential mindestens zu überblicken und es im Idealfall diplomatisch zu einem Abschluss zu bringen, wie es Washington, London, Paris, sowie auch Jerusalem anstreben. Bei einer „internationalen Syrien-Konferenz“ (auch als „Genf 2“ bezeichnet), die noch im Mai über die Bühne gehen soll, sollen der Sechspunkteplan von Genf als Wegweiser für die weiteren Entwicklungen in Syrien gelten. Dabei sollen angeblich alle Parteien an einen Tisch geholt werden. Allerdings plädieren die westlichen Staaten zusammen mit Israel für eine Übergangsregierung ohne den Regimeführer. Russland zeigt sich verhandlungsbereit, doch erscheint ein so kurzfristig angelegtes Treffen – trotz der weltweiten Zustimmung – eher unrealistisch. Bereits am Samstag zitierte die Nachrichtenagentur Reuters einen russischen Offiziellen, wonach Gespräche Ende Mai nicht möglich seien.
Neben Russland bildet sich eine Front der Assad-Unterstützer, denn auch aus dem Iran bezieht das syrische Regime Waffen. Doch auch hier brodelt der Konfliktherd schon seit mehreren Monaten: Zuletzt brach die mediale Berichterstattungswelle im Juni über den Cyberangriff der USA auf eine mögliche Atomanalage des Irans. Allerdings scheint von dieser Seite neue Hoffnung zu keimen: Irans Außenminister Ali Akbar Salehi distanzierte sich von dem bisher unterstützten syrischen Regime und merkt an, dass der Iran selbst in der Auseinandersetzung mit dem Irak mit Chemiewaffen konfrontiert worden war. Seine Position markiert er klar: „Wir verdammen Chemiewaffen.“ Er warnt die Kriegsparteien vor weiteren Einsätzen von „Massenvernichtungswaffen“ und fügt an, dass er eine Möglichkeit sehe, die Konfliktparteien Syriens zu Verhandlung zu animieren.
Außerdem soll es auch im Streit um atomare Kampfstoffe eine Wende geben. Am 14. Juni soll ein Nachfolger für den iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad gewählt werden, der „auf jeden Fall mit neuem Elan an die Sache herangehen“ werde. Ob neuer Elan das richtige Mittel für eine diplomatische Lösung ist, sei zunächst einmal dahingestellt.
Während Syrien am heutigen Tag den Rücktritt des türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan fordert, scheint die westliche „Allianz“ der Regimegegner machtlos zu sein, gleichzeitig schwelt der Konfliktherd stetig weiter vor sich hin. Eine klare Frontenbildung ist zwar glücklicherweise dank der Verhandlungsbereitschaft Russlands und der kürzlichen Distanzierung des Irans nicht eindeutig auszumachen, dennoch scheint die Welt sich mal wieder in Ost und West zu  teilen und die ganze Welt ist in Lauerstellung auf den sprichwörtlichen Tropfen zu warten, der das Fass zum Überlaufen bringt.

„Trinken deutsche Kinder Bier zum Frühstück?“

Dr. Peter Dreyer referiert in der Volkshochschule Ludwigshafen über das deutsch-japanische Zusammenleben

„Mina-san, konban-wa“, begrüßt Dr. Peter Dreyer mit einer höflichen Verbeugung sein Publikum. Vor 25 Jahren begann seine Liebe zu Japan in Gestalt von einer Frau und diese Liebe hat ihn bis heute nicht mehr losgelassen. Zuerst war es das Privatleben, dann die Wissenschaft und letztendlich die Wirtschaft, die ihn und den Inselstaat verbanden, erklärt der ehemalige Student der Psychologie, Japanologie und BWL anhand seiner PowerPoint Präsentation.

Der Vortrag: Mit leiser Stimme referiert Dr. Dreyer (Foto: Walker)

Und schon ist er mittendrin im Kulturschock, der ihm bei seiner ersten Japanreise widerfahren ist. „Trinken deutsche Kinder Bier zum Frühstück?“, fragte man ihn, um gleich das Schmunzeln auf den Gesichtern der Zuhörer nachdenklich zu stimmen: „Malzbier trinken hier auch Kinder und in Bayern trinkt man Bier zum Frühstück. Es ist also an jedem Stereotyp auch immer ein Körnchen Wahrheit dran.“
Zum Anpassen habe man ihn damals aufgefordert, was er auf Individualisierung getrimmter Europäer gar nicht eingesehen habe, was er aber heute verstehe: „Die japanische Gesellschaft basiert auf Beziehungsnetzen: Die kleinste Einheit in der Gesellschaft sind immer zwei Personen, der Mensch selbst ist durch Beziehungen definiert.“

Auch in seinen Coachings- und Trainingsprogrammen für deutsche und japanische Manager begegnen ihm immer wieder deutsche Manager die sich über zu wenig Engagement der japanischen Mitarbeiter beklagen sowie japanische Manager die mehr als irritiert sind über deutsche Mitarbeiter, die ständig Einwände anführen.
Harmonie ist das Schlüsselwort der japanischen Gesellschaft. „Man packt Geschenke nicht im Beisein des Schenkenden aus, man könnte zeigen ob einem das Geschenk gefällt oder nicht.“ Lieber vor einer Peinlichkeit fliehen als diese in der Öffentlichkeit geschehen zu lassen.
Dies wirft am Ende der Präsentation die Frage auf, ob blindes Vertrauen in die Führungspersonen und das Nicht-Eingestehen von Fehlern zur Erhaltung der Harmonie sich nach der Katastrophe von Fukushima nicht doch verändert haben? Dr. Dreyer berichtet daraufhin, dass er zum ersten Mal Japaner in Eigeninitiative streiken sieht und auch eine kritische Betrachtung von Führungspersonen stattfindet.
Auch bei der Emanzipation der Frau sieht er einen langsamen Progress, der aber bis jetzt nur in den kleineren Firmen sowie im Privaten stattfinden würde: „Die großen Firmen sind noch immer ohne jegliche Frauen in Führungspositionen.“

Schwierig: Wem zwei Stäbchen noch viel zu einfach sind, kann es mal mit drei versuchen (Foto: Walker)

Nach dem sehr kurzem Einblick in diese völlig andere Kultur mit ihren vielen Regeln und Normen stellt sich noch die Frage aus dem Publikum, ob es möglich sei überhaupt Fuß für die Zeit eines Auslandjahres in Japan zu fassen?
Und hierbei kann Dr. Peter Dreyer nur ermutigen: „Es gibt sehr viel Organisationen, die einen Austausch ermöglichen. Außerdem glaube ich, dass Japan und Deutschland schon seit langem einen Weg aufeinander zu gehen.“

Vorschau: In zwei Wochen wird es gruselig die Halloweengeister gingen wieder einmal um  und die Face2face Reiserubrik schaut, wo auf der Welt die kalte Jahreszeit wie begrüßt wird.