„Jeder ist selbst für seine Vorsorge verantwortlich“

Bärte, Bärte, Bärte. Wo man auch in diesem Monat hinschaut – in der Sportwelt sprießt das Haar in den Gesichtern der Sportler in allen möglichen Variationen. Egal ob im Fußball, Eishockey oder Handball, der Bart ist stets dabei.

Bevorzugt trägt der Sportler von heute den klassischen Schnurrbart, umgangssprachlich auch gerne als Rotzbremse oder Pornobalken tituliert. Doch warum plötzlich dieser Sinneswandel, der an eine Modeerscheinung der achtziger Jahre erinnert? Und warum ausgerechnet jetzt, im November? Da bleibt bei vielen Unbeteiligten die Frage nicht aus, wann die passende Frisur, der Vokuhila, zur Gesichtsbehaarung hinzukommt.

Doch Spaß beiseite. Bei den Bärten handelt es sich um eine ernste Angelegenheit. Die Sportler, die sich einen Bart wachsen lassen unterstützen damit die Aktion Movember. Movember setzt sich aus den englischen Wörtern moustache (Schnurrbart) und November zusammen und ist eine Aktion, die Spenden zugunsten der Erforschung und Vorbeugung gegen Prostatakrebs und anderen Gesundheitsproblemen von Männern sammelt. Um der Aufmerksamkeit willen, lassen sich Sportler schon seit mehreren Jahren für den Movember Bärte wachsen. Die organisierte Stiftung koordiniert die Aktion in 21 verschiedenen Ländern und leitet die Spenden an nationale Forschungseinrichtungen weiter.

Steht bei vielen Sportlern im November im Mittelpunkt: Der Schnurrbart. FOTO: Koehl

Steht bei vielen Sportlern im November im Mittelpunkt: Der Schnurrbart (Foto: Koehl)

Laut der Geschichte soll Movember 1999 von einer Gruppe junger Männer in Adelaide (Australien) gegründet worden sein. Seit 2004 gibt es in Australien jährliche Movember-Veranstaltungen, deren Hauptziel es ist, die Aufmerksamkeit auf die Gesundheit von Männern zu lenken. Neben der Vorbeugung und besseren Behandlung von Prostatakrebs, stehen auch die Erforschung von Depressionen und der Bipolaren Störung im Mittelpunkt. Da Movember keinen eigenen Körperschaftssitz in Deutschland hat, wird die Aktion von der australischen Movember Foundation in Zusammenarbeit mit einem lokalen Partner durchgeführt.

In den USA ließen sich vor einigen Jahren erste, vereinzelte Profisportler der National Football League (NFL) als Zeichen der Unterstützung einen Schnurrbart stehen. In Deutschland wird offiziell seit 2012 nachgezogen. Vor allem unter den Profis der deutschen Eishockeyligen ist der Schnurrbart im November stark verbreitet. Hier sammeln die Clubs regelmäßig Spenden für die Movember-Organisation. Ein Akteur, der seinen Schnurrbart auch als eine Art Lebenseinstellung betrachtet, ist der Eishockey-Spieler Ronny Arendt von den Adler Mannheim: „Wir Profisportler stehen ja mehr in der Öffentlichkeit und von daher ist es auch einfacher mit unseren Bärten auf die Aktion aufmerksam zu machen. Letztlich ist aber jeder selbst für seine Vorsorge verantwortlich“, weiß Arendt, dass jeder Mann am Ende den Schritt zum Arzt alleine gehen muss.

Vorschau: „Hast du Scheiße am Fuß, hast du Scheiße am Fuß.“ Frei nach dem ehemaligen Fußballspieler Andreas Brehme haben wir im Dezember die besten Sportsprüche des Jahres 2014 zusammengesucht.

Andere Zeiten – Andere Ehe

Heiraten, Kinder kriegen, Familienleben.  So sah der Lebensentwurf viele Jahre lang aus. Doch die bedeutungsschwangeren Worte eines „Ja, ich will“ kommen mittlerweile immer weniger Paaren über die Lippen. Es stellt sich gar die Frage, ob wir überhaupt noch dazu bereit sind uns die Treue zu schwören – es muss ja nicht bis ans Lebensende sein.

Solidarisch: Ist die Ehe ein Auslaufmodell? (Foto: V.Wahlig)

Solidarisch: Ist die Ehe ein Auslaufmodell? (Foto: V.Wahlig)

Fest steht: Die Zahl der Eheschließungen geht zurück. Während 1988 noch 534903 Paare in den Hafen der Ehe einliefen, waren es 2013 nur noch 373 600, also rund 30% weniger. Ob es an dem zu schnellen Lauf der Zeit, zu hohen Ansprüchen an eine Partnerschaft oder an der Angst den letzten Schritt in einer Beziehung zu gehen liegt, lässt sich nicht ganz so einfach beantworten. Deutlich wird aber bei dem heutigen Lebensstil: Heiraten steht nicht mehr so weit oben auf der To-Do-List. Schnell wird das Verlangen laut zu heiraten ohne zu heiraten. Also ein Ja ohne einen Trauschein.

Diesen Wunsch hegen auch immer mehr junge Franzosen und Frankreich bietet seinen Verliebten seit 1999 die Möglichkeit Ja zu einer solidarischen Beziehung und Nein zur Ehe zusagen. Die Lösung heißt Ziviler Solidaritätspakt (PACS aus dem Französischen  für pacte civil de solidarité). PACS bietet die Chance eine zivilrechtliche Partnerschaft  mit Gütergemeinschaft, gemeinsamer steuerlicher Veranlagung und steuerlich günstigen Erbbestimmungen zu führen. Dabei ist er nicht abhängig von der sexuellen Orientierung Rund 95% der PACS werden von heterosexuellen Paaren eingegangen.

Im Unterschied zur Ehe wird der PACS nicht vor dem Bürgermeister, sondern vor dem Amtsgericht geschlossen. Es reicht der Personalausweis um sich die gegenseitige Solidarität zu bekunden. Aber ist das romantisch, sich die Liebe zu schwören ganz so als ob man gerade mal seinen Wohnsitz ändern möchte? Das haben sich einige Bürgermeister auch gefragt und erlauben nun eine kleine Zeremonie für jedes Paar, das einen PACS schließt.  Aber was bedeutet diese Form der Partnerschaft? In erster Linie verpflichten sich die Paare zu gegenseitiger Hilfe mit Freiheiten für die individuelle Ausgestaltung. Aber sollten diese Pflichten nicht in jeder gesunden Beziehung selbstverständlich sein? Eigentlich ja schon, aber junge Franzosen bekunden ihre Entscheidung zum PACS mit dem Gefühl ihre Partnerschaft auf eine neue Ebene zu erheben. Man schwört sich Solidarität und nicht unbedingt Treue. Aber wozu braucht man eine Eintragung in ein Register, um Ja zueinander zu sagen? Naja, auch rechtlich hält diese Form der Solidarität so manchen Vorteil bereit. So dürfen unversicherte Partner gegebenenfalls die Sozialversicherung des Partners in Anspruch nehmen. Beim Mietrecht haben die Partner, die den Mietvertrag für die gemeinsame Wohnung nicht mit unterzeichnet haben, automatisch das Recht auf die Übernahme des Mietverhältnisses.Zudem wurde auch das Erbrecht dem von Ehepaaren angeglichen. Darüber hinaus ermöglicht der zivile Solidaritätspakt eine bessere Bewertung bei der Ausstellung einer Aufenthaltserlaubnis für einen ausländischen Partner.

Es scheint also, als ob dieser partnerschaftliche Pakt so einige Vorteile bietet. Soziale und rechtliche Vorteile gepaart mit einem „Ja, ich will (solidarisch sein)“.

Falls die Solidarität dann schwindet ist eine Loslösung vom Paktpartner einfacher als eine vielleicht mühevolle und teure Scheidung. Es genügt eine gemeinsame schriftliche Erklärung der beiden Partner beim Amtsgericht des Wohnortes. Entscheidet sich einer der beiden Partner dann doch zu einer Hochzeit, mit einem anderen Partner, löst sich der Pakt ganz von alleine auf. Aber auch wenn dies Art von Solidarität unromantisch klingt, bleibt eine Frage: Ob so ein Solidaritätspakt nach dem Vorbild Frankreichs auch in Deutschland angenommen werden würde?