BYCO – eine echte Chance für Jungdesigner

Aller Anfang ist schwer – gerade für Jungdesigner, die in der Modebranche Fuß fassen wollen, gilt das besonders. Jobs sind rar, die Konkurrenz ist groß und die Gehälter niedrig. Deshalb stellt euch Face2Face heute eine Internetseite vor, die Mitte diesen Jahres ins Lebens gerufen wurde und Designern das Leben erleichtern soll: BYCO.

Designer haben mit allerhand Schwierigkeiten zu kämpfen. Nach einem erfolgreichen Studienabschluss oder einer Ausbildung beginnt für viele Jungdesigner ein wahrer Kampf. Jobs bei Modehäusern und etablierten Designern sind rar und oftmals sind viele unbezahlte Praktika notwendig, um sich für eine Festanstellung empfehlen zu können. Dazu kommt, dass es nur so von Mitbewerbern wimmelt, die genau denselben Job, genau dasselbe Praktikum ergattern wollen. Glücklich schätzen können sich diejenigen, die eine Assistenzstelle bei einem Modelabel ergattern können. Gleichzeitig macht sich unter diesen „Glücklichen“ aber auch Unzufriedenheit breit, da sie in ihrem Beruf ihre Kreativität nicht so ausleben können, wie sie sich das eigentlich wünschen.

BYCO ist eine Plattform, die sich genau dieser Problematik annimmt und versucht Abhilfe zu schaffen. Hinter der Internetseite verbirgt sich eine mikrofinanzierte Designer-Plattform, die von Jesse Finkelstein und dessen Schwester Meredith gegründet wurde. Mit BYCO bietet das Geschwisterpaar Designern ein Rundum-Sorglos-Paket, da Finkelstein sich um die Produktion, das Marketing und den Verkauf kümmert. Im Einzelnen funktioniert das Konzept so, dass jeder Designer seine Entwürfe bei BYCO einreichen kann und Finkelstein die Kosten für die Produktion des Musters errechnet. Nach beiderseitigem Einvernehmen werden die Muster online auf die Investitionsseite gestellt. Investoren bezahlen für das Muster und anschließend geht Finkelstein mit dem Kleidungsstück in Produktion. Aus dem Verkauf erhält der Designer 20 bis 30 Prozent des Umsatzes, Investoren zehn Prozent und der Rest verbleibt bei Finkelstein für den administrativen Part.

Durch dieses adaptierte Crowdsourcing-Vorgehen bekommen Designer die Möglichkeit, ihre Entwürfe tatsächlich in die Realität umzusetzen. Zuvor haben ihnen dazu oftmals die Mittel aber vielleicht auch das Wissen und die Kontakte Finkelsteins gefehlt, der selbst aus der Modebranche kommt. Die Seite ist aber nicht nur vorteilhaft für Designer, sondern auch für die Kunden der Plattform. Da die Preise im mittleren Preissegment liegen, ist BYCO gerade für Trendsetter, die auf limitierte Kollektionen Wert legen, besonders interessant. Das System bietet die Möglichkeit, ein Designerstück, wenn auch von einem unbekannten Designer, für ein überschaubares Budget zu erstehen. Unter den Designern der Plattform finden sich Absolventen von Modeschulen, die bisher noch ohne Job sind und so etwas Geld dazuverdienen. Unter ihnen sind aber auch Assistenten großer Modehäuser, wie zum Beispiel Randy Kabot, die für Calvin Klein arbeitet.

Alles in allem scheint BYCO ein gutes Beispiel dafür zu sein, wie die Modeindustrie auch sein kann: eine große Spielwiese für all jene großartigen Talente, die ihre Kreationen an den Konsumenten bringen wollen und für diejenigen, die gerne das ein oder andere hochwertige und einzigartige Designerstück tragen würden, ohne sich dafür in Unkosten stürzen zu müssen.

Vorschau: Nächste Woche dreht sich in der Moderedaktion alles um modische Weihnachtsgeschenke für sie und ihn.

Sneakermall – Willkommen im Turnschuh-Himmel

„Es war einmal ein weiser Mann, der hatte schöne Schuhe an …“ – So oder ähnlich könnte das Märchen von dieser Facebook-Gruppe beginnen, die zweifelsohne zu den nützlicheren Erfindungen zwischen all den Zeitvertreiben im sozialen Netzwerksog gehört. Protagonist in dieser Erfolgsgeschichte: Facebook-Nutzer Sascha SaXer, der es definitiv nicht bloß „for the fame“ getan hat. Seine Person im Hintergrund haltend, lenkt er den Fokus auf das Wesentliche: Den An-und Verkauf von Sneakers. Ein Angebot, das die schuhbesessene Community dankend anzunehmen scheint, betrachtet man einmal den rasanten Zuwachs von Gruppenmitgliedern seit der Gründung in 2009.

In ist, was drin ist: Bereits das Titelbanner, erstellt von einem User, lädt zum Schuh-Shopping ein. (Foto: Sneakermall)

Ich selbst erfuhr eher zufällig von der selbsternannten „buy/sell/ trade“-Plattform. Ein alter Schulkamerad und bekennender Verehrer sportlicher Fußbekleidung hat mich darauf gestoßen, als er erfuhr, dass ich mich seit geraumer Zeit vergebens darum bemühe, meine Nike Air Max endlich via Internet an den Mann beziehungsweise die Frau zu bringen. Dass sie nicht mehr als brandneues, sondern als getragenes, aber dafür dennoch gut in Schach gehaltenes Paar online gestellt werden sollen, schränkt die Verkaufsmöglichkeiten selbstverständlich ein. Nur gut, dass besagter Kenner mich an die SneakerMall verwies und mir eine kinderleichte Anleitung zum Posten meiner Schmuckstücke direkt mit an die Hand gab.

In der Tat erwies sich das Anbieten meines Artikels vorerst als problemlos: Foto hochladen, Marke, Modell und Preis angeben – und das war’s auch schon fast. Gestutzt habe ich kurz, als es daran ging, den Zustand meines Paares zu definieren. Offenbar vertraut das Konzept hier auf die die ehrliche Einschätzung des Verkäufers, denn es obliegt eben diesem, auf einer Skala von 1 bis 10 seine Schuhe zu bewerten, wobei 10 die Neuwertigkeit der Sneakers markiert und es bereits nach einmaligem Tragen nur noch zu einer 9 reicht. Ich habe meine Air Max im Übrigen mit einer 7 bezeichnet und mich dabei für ungeheuer fair gehalten. Einen Abnehmer habe ich dafür bislang trotzdem nicht gefunden.
Die Schuld dafür gebe ich zum einen dem erschreckend hohen Männeranteil auf der Seite – also bitte! Typen und Turnschuhe, das mag zwar gut zusammenpassen, ist aber heutzutage für die Damen der Schöpfung ebenfalls schwer angesagt – und zum anderen dem Aufbau der Gruppe selbst. Diese nämlich wird, ihrer besagten steigenden Beliebtheit sei Dank, schneller aktualisiert, als man „Nike“ sagen kann. Minutiös werden Bilder von den unterschiedlichen Modellen gepostet, wobei bei aufmerksamen Scrollen auffällig oft der bekannte Nike-Haken auf dem Schuh auftaucht. Die reale Wahrscheinlichkeit, dass ausgerechnet mein Paar von einem der 14 580 Mitglieder (Stand: 22.Mai) entdeckt und gewollt wird, rechne ich mir daher als ziemlich gering aus. Einen Hoffnungsschimmer bieten mir dennoch die akurat angelegten Size-Ordner. Hier finden sich sämtliche Angebote der Größe nach sortiert.

Nichtsdestotrotz finde ich Gefallen am bloßen Durchstöbern der Gruppe und bin fasziniert an der ungeheuren Vielfalt an limitierten Modellen, die heutzutage den Markt kräftig aufzumischen scheinen. Andererseits ist es eigentlich kein Wunder, dass die Auswahl so gigantisch ist. Schließlich nutzen Facebook-User auf der ganzen Welt die Sneakermall zum Handel mit ihren Tretern. Dies dürfte auch erklären, wieso sämtliche Texte wie Anleitung oder FAQ ursprünglich auf Englisch verfasst und nur teilweise – und selbst dann noch mit diversen Rechtschreibfehlern gespickt – auf Deutsch hinzugefügt worden sind. Bei der Suche nach weiteren Informationen zur Gruppe sticht allerdings noch eine weitere Auffälligkeit ins Auge: Ein gewisser Marko Snkrzwrg scheint keine Mühen dabei zu scheuen, sich beinahe täglich um die Aktualisierung einer Art Danksagungsliste mit sämtlichen Nutzern, die sich im Zuge der Kaufabwicklung offenbar positiv bewährt haben, zu kümmern. Das Pendant dazu stellt ein Dokument mit dem trefflichen Namen “Wall of Shame“ dar – hier werden die Namen der schwarzen Schafe gelistet, mit denen man besser nicht ins Geschäft kommen sollte.

Ich werde wahrscheinlich meine Nikes noch einige Male posten müssen, ehe sie auch nur die Aufmerksamkeit irgendeines Nutzers erwecken. Doch da ich als Gruppenmitglied das Recht habe, pro Woche immerhin ein Mal durch das Verfassen eines Kommentars auf meinen Post hinzuweisen, möchte ich weiterhin fest daran glauben, dass auch meine Schuhe eines schönen Tages endlich den Besitzer wechseln. Wer weiß, vielleicht lasse ich mich früher oder später auch einmal selbst zum Kauf eines neuen Paars auf Sneakermall hinreißen. Wenn ich einmal die Zeit dafür aufbringen kann, gezielt nach Sneakers zu suchen, die weder mit horrenden Preisen – Shipping macht dabei einiges aus – ausgeschildert noch überhaupt verfügbar sind. Denn im Gegensatz zu einer echten „Mall“ hat die Sneakermall noch mit einem gravierenden Problem zu kämpfen, das der Adminstrator in seiner Drohung treffend auf den Punkt bringt: PLEASE DELETE YOUR SOLD SHOES! YOU MAY BE KICKED BY AN ADMIN IF NOT! (Bitte löscht eure verkauften Schuhe! Falls nicht, werdet ihr von einem Admin aus der Gruppe gekickt!)

Vorschau:  In der nächsten Woche lernen modische Männer die neuesten Sommertrends für 2013 kennen.